#flussnoten19 / #flussnoten

Seit Sonntag mit Frau SoSo Aare abwärts wandernd.

Notizen von Tag 2 und 3 (Tag 1 gibt es auch als Textskizze, aber noch nicht öffentlich.

Flussnoten19. Tag 2 Montag und Tag 3 Dienstag

Die Grimselgegend als künstlich von Menschen geschaffener Organismus. Eine durchbohrte Felsmasse, mit Tunnels für Wasser und unterirdische Schmalspurbahnen, eine Kombination verschiedener Stauseen, eine Energiegewinnungsmaschine. Das Frankensteinmonster alpiner Durchbohrtheit.

In Guttannen können wir den Eingang zum Stollen bewundern, der hinauf führt zu den Seen. Rätherischboden und Grimsel im Haupttal und Gelmersee östlich, abseits, 1860 Meter hoch. Der Tunnel mit der Versorgungsbahn führt von Guttannen hinauf nach Handeck. Die Geschicchte dazu konnte man auf einer Tafel beim Gelmersee lesen. Faszinierend der Bau der dortigen Staumauer, die durch Lokomotiven aufgeschüttet wurde, die auf Gerüsten hin und her webten.

Sitzen auf den Bänken vorm kleinen Dorfladen Regula’s in Guttannen. Erste Einkaufmöglichkeit, kein Kaufrausch. Einzig gönnen wir uns ein Bier, das wir später in der eiskalten Aare kühlen (so eiskalt, dass einem die Glieder schmerzen, wenn man sich hineinsetzt in seine selbst gebastelte Aarebadewanne).

Vorm Dorfladen unseren Alpkäser wieder getroffen. Kurzangebunden, nordisch kühler Sachse.

Die gesamte Dorfladenfamilie versammelt sich in der Hitze auf den Bänken im Schatten. Immer wieder Leute vom Dorf, die einkaufen. Der Dialekt ist unverständlich Berner Oberländisch, so dass selbst Frau SoSo kaum etwas versteht.

Nacht unter freiem Himmel. Im Aarebett ohne Zelt. Bemerkenswert das Lichterspiel der Autoscheinwerfer auf der Felswand. Ein Theatermacher hätte es nicht besser inszenieren können: links blitzt der Strommast, wenn die Scheinwerfer in Konjunktion mit der ersten Kurve stehen. In verschiedenen Schichten bilden sich die Bäume und Hecken, die den Straßenrand säumen ab. Durch den serpentinösen Verlauf der Straße, wandert das Licht wie in den Ganglien eines Fraktals (man verzeihe die surreale Wortkombination, die Nachtszene mit den Autoscheinwerfern ist nun einmal surreal) räumlich mal links oben, rechts unten, vorne, hinten, -nur ein Genie könnte auf Basis des Lichteffekts den Verlauf der vielleicht zweihundert Meter entfernten Grimselstraße und ihrer beweglichen Lichtquellen berechnen.

Dann der Sternenhimmel. Langsam wandert der Große Wagen über die Schlucht, Blick von Süden. Wo ist der Nordstern? Sternschnuppe. Million gewünscht. Sternschnuppe. Noch eine Million gewünscht. Wohin mit all den Millionen? Sternschnuppe. Abdankung eines Despoten gewünscht. Warum gehen die Wünsche, dass Despoten abdanken nie in Erfüllung?

Wieder streicht ein Lichtkegel an der Steilwand entlang. Großer Wagen ostwärts. Sternschnuppe. Nimm dies, Trump!

Akustisch übermalte Nacht (vom Rauschen der Aare). Sehr laut. Wenn man genau hinhört, variiert das Geräusch. Ein bisschen besorgt, dass die Elektrizitätswerksbetreiber die Schleusen öffnen und wir hier im trockenen Bett überflutet werden. Hin und her im Schlafsack. Der Ameisensupergau blieb aus, erwartete ich doch abends, dass die Tierchen in den Schlafsack krabbeln und piesacken. Schlafen Ameisen nachts? Sternschnuppe. Für Dich, Erdogan, und für Deinen Kumpel Putin. Vergesst den korrupten Brasilianer nicht, Ihr Säcke.

3 Gedanken zu „#flussnoten19 / #flussnoten“

  1. ein gutes Buch ,dein Reisbericht , und ab in den Sandsteinkeller ein
    Bierchen oder Lindenblütentee bei 15° C das ist meine entspannung,
    kein Chaos in den Ohren, das ist heute (natürlich noch ein Bad im Seelein (Aarewasser)
    der Tag wirde enden mit Himmelblick…

    1. Dankesehr, Peter. Man wünsch sich ja manchmal so einen Sandsteinkeller aufblasbar für den Tramperrucksack. Eine Utopie, ganz klar, mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

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