Der Verdammte der Wunderheilungswarteschleife im Zeitalter der Facebook-Diagnostik

Wenn ich die nächsten drei vier Kreisverkehre standhaft bleibe, habe ich eine gute Chance zu entrinnen. Ich darf nur nicht auf die Stimme hören. Vorbei an einem Billigtandladen namens Aktion, einem Rewe-Supermarkt, eingespeist in den Mahlstrom des Feierabendverkehrs. Und was für ein Gewusel das ist: alle wollen gleichzeitig überall hin und aus den Seitenstraßen tröpfelt Auto für Auto Kleinmannes-Freuabend-Hoffnung auf ein kühles Bier, die Gattin, die Kinder, ein Spaziergang mit dem Hund.
Jeden Tag das gleiche Spiel im wunderbar engen, schützenden und Halt gebenden Korsett des Alltags. Jenseits ein paar Träume und ganz viel Hoffnung. Bis dieser Fluch, der auch Segen ist vielleicht eines Tages abrupt unterbrochen wird, so wie bei meinem Freund Journalist F., der seit über eine Woche in diesem gottverdammten Krankenhaus in the Middle of fucking nowhere liegt.

Es ist bestimmt das fünfte Mal, dass ich ihn besuche in seinem Zimmer im achten Stock, das einst für ein bis zwei Patienten inklusive Krankenbett, Nachttischchen – Familie und Besuch obendrein – gebaut wurde. Nun ist es mit drei Menschen belegt. Wie Ölsardinen. Ölsardinen, die jemand vor Wochen geöffnet hat und sie auf die Heizung gestellt hat. Schlimmer als die übelste Pilgerherberge, die mir jemals auf dem Jakobsweg untergekommen ist. Es gibt keine Bettwanzen, immerhin. Dafür aber jede Menge Infusionsgestelle, Fieberthermometerablagestellen und der wenige Boden, der sich zwischen den Betten die Blöße gibt, ist ganz wund gelaufen von den China-Kunststoffschuhchen der Krankenpfleger und -pflegerinnen auf ihrer alltäglichen Odyssee durch die Blutzuckermessung.

Meine erste Begegnung mit dem Krankenhaus? Das Navigationsgerät hatte mich zuverlässig zu der Adresse geführt, aber natürlich nicht bedacht, dass der Parkplatz direkt vor der Tür belegt ist, weshalb ich in einer Seitenstraße parkte und mich von Süden dem kosmodämonischen Bauwerk näherte. Stockwerke zählte. Sind das sieben oder acht? Es könnte auch ein anderes Krankenhaus sein, denn ich hatte nur die Straße eingegeben und als Hausnummer die Eins. Auf den Hinweisschildern vor Orts war explizit der Plural, ‚Krankenhäuser‘. Da kam mir die Frau gerade recht, die aus Richtung des vielfenstrigen Bauwerks kam: Ist das das städtische Krankenhaus?, frage ich. Sie korrigiert: Das ehemals städtische. Wir wurden verkauft. Ein Hauch Kapitalismus- und Optimierungssüßgeholze liegt in der Luft, vibriert in ihrer Stimme. Offenbar arbeitet sie in dem Gebäude. Wir wurden verkauft. Das muss man sich ganz langsam zwischen den Hirnwindungen zergehen lassen. Wieviel interpretatorisches Beiwerk schwingt zwischen den Zeilen, zwischen den Worten. Wir leben in einer Welt, in der ganze Schicksalsgemeinschaften verkauft werden – wie Schlachtvieh – Gemeinschaften empfindsamer Wesen mitsamt ihren individuellen Hoffnungen, die man an Haken aufhängt, sie aufschlitzt, Knochen und Eingeweide entnimmt, die Filetstücke säubert und einen ordentlichen Gewinn einfährt. Müde sieht sie aus, die Frau. Blaue Handtasche, zerzaustes Haar. Vielleicht ist sie Krankenpflegerin?

Die Stimme mahnt, ich solle wenn möglich umkehren. Drei vier Kreisverkehre muss ich es schaffen, der Stimme zu widerstehen, dann werde ich für eine Weile Ruhe haben. In diesem labilen Moment fürchte ich, dass die Stimme von jetzt an mein Lebtag auf mich einlarmentieren wird, ich solle umkehren. Wann immer sie eine Möglichkeit sieht, wann immer der ihr zu Grunde liegende Algorithmus eine Chance sieht, mich zurückzulotsen. Im Radio dudelt Lullifullimugge. Seichtes Radiohörvolk-Zeug, das selbst Menschen, die im diabohlenschen Schund der Achtziger Jahre groß wurden mit Abscheu und Ekel überzieht. Money on my Mind, Money on my Mind, kreischt ein Lied. Kaum Hoffnung, dass das Piepsen einer Verkehrsnachricht dem ein Ende bringt. Fast bin ich froh, dass die Stimme, die mich zur Rückkehr bewegen will, den Song überlagert. Perverse Hoffnung auf Meldung eines Geisterfahrers auf der A8. Ich könnte den Ausknopf drücken, aber so läuft das Spiel nunmal nicht.

Journalist F. hat an diesem Montag noch keinen Arzt gesehen. Am Wochenende schon gar nicht. Einzig, als er samstags einmal ein paar Stunden ausgebüchst war in voller Patientenmontur, hatte man ihn gerügt, wo er sich denn herumgetrieben habe. Die heimliche Kontrolle durch die Blutzucker-V-Männer mit den quietschenden China-Schuhchen, vielleicht. Jedenfalls gibt es nicht viele Orte, an denen man sich als Patient verstecken könnte. Die beiden Aufenthaltsräume auf den jeweiligen Stationen, das kleine Bistro im Erdgeschoss und der großzügige, schmutzigste Raucherbereich des Universums, draußen vor der Tür.

Meine zweite Begegnung mit dem Krankenhaus? Letzte oder vorletzte Woche. Als eine Art Dealer muss ich dem Journalisten F. immer wieder Nikotinkaugummis bringen. Der Weg vom achten Stock in den the hell of dirtiest Raucherbereich ever ist lang und beschwerlich. Man überlegt sich gut, ob man eine Zigarette rauchen möchte. Von den drei Aufzügen sind manchmal ein oder zwei kaputt. Der dritte wird dann während der Fahrt in irgendeinem zehntausendsten Stockwerk der Verdammnis gestoppt und all die süchtigen Hansels und Hanselinen, Besucherinnen und Besucher müssen den Platz räumen, weil das Pflegepersonal ein Krankenbett hineinschiebt. Das hat natürlich Vorrang. Deshalb habe ich als gesunder Besucher den langen Weg treppauf auf mich genommen und so einen guten Blick in die Stationen erhalten. Das Ulmer Münster des kleinen Mannes. Jedes Stockwerk ist an den Treppenabsätzen mit einer gut einen Meter hohen sperrhölzernen, in den Stationsfarben bemalten Nummerntafel markiert. Auf dem gegenüberliegenden Treppenabsatz ist ein grafisch verfremdeter Baum aufgemalt. Ziemlich hässlich. Die Nummerntafel des achten Stocks hängt schief. Ich versuchte, sie gerade zu rücken, aber das geht nicht. Sie wurde wohl schief angebracht. Oder aber –hier kommt mein phantastisches Künstlerhirn auf Hochtouren – die Acht ist eigentlich eine Unendlich und sie hat Leben in sich und sie bewegt sich jeden Tag ein bisschen weiter in Schieflage, bis sie irgendwann auf der Seite liegt und dann ihr wahres Gesicht zeigt. Ich beobachte diese Acht seither. Vielleicht nehme ich beim nächsten Mal eine Wasserwaage mit und messe die Schieflage?

Die Klinik könnte gut und gerne auch als Kulisse für Lars von Triers Horror-Dystopie Kingdom (Geister) herhalten, scherze ich mit Journalist F. Das ist meine dritte Begegnung mit dem Krankenhaus. Ich bringe dem Freund das Nikotin und wir trinken einen Kaffee. Der Sturm vom Morgen hatte Unmengen von Blättern, Zigarettenstummeln und Schmutz in den Vorraum geweht, wann immer sich die Schiebetür öffnete und das tut sie oft. In einer zweiten Stufe durch eine zweite Schiebetür des Windfangs gelangten einige Blätter und Kippen sogar ins Foyer und ich stellte mir vor, wie der Sturm vor nichts halt macht und die geheimnisvollen Luftströmungen in dem unheimlichen Gebäude in Eigenregie eine Umverteilung von Schmutz und Leid und Elend und Schmerz vornähmen und über die Aufzüge – so sie denn funktionieren – jegliche vertikale Barriere überwunden wird. Dreck und Chaos dringt tief in die Poren der Klinik. Und im Gegenzug pulsiert auch das Leid der Patienten und verteilt sich in der Stadt.

So vergehen unsere gemeinsamen Momente, die des Journalisten und mir, auf und ab fahrend zwischen Raucherbereich und Bistro und dem achten Stock. Für ein paar Tage hatte man den Journalisten in einem geradezu luxuriösen Zimmer untergebracht. Es gab darin sogar eine Dusche und das Badezimmer ließ sich mit einer echten Tür verschließen. Außerdem wurde dieses Zimmer nur mit höchstens zwei Betten belegt. Ein zwei Nächte hatte er es für sich alleine. Journalist F. war glücklich und berichtete auf Facebook über den Krankenhausaufenthalt. Dass es sich bei ihm möglicherweise um eine Art Wunderheilung handele und dass er womöglich ohne OP davon käme, aber der Herr Professor, der für ein paar Tage Gefallen an seinem wunderheilenden Patienten gefunden hatte und mit einer Schar Weißkittel Führungen zu dessen Krankenbett machte, blieb irgendwann weg. Offenbar genügte es, die Wunderheilungsansätze vorzuweisen … wie auch immer, seit einer Woche herrscht Funkstille und letzten Samstag wurde Journalist F. zurück verlegt in sein altes Dreibettzimmer.
Warum er überhaupt noch hier ist? Die Option OP ist noch nicht vom Tisch. Damoklesk baumelt das Skalpell. Irgendwann steckte ihm aber ein Pfleger, dass man die Antibiotika abgesetzt habe. Man beobachte weiter. Die Kommunikation im Team ist miserabel. Ich versuchte, Journalist F. mit einer alten Geschichte zu beruhigen, dass ich einmal drei Tage nach der Aufnahme in ein Krankenhaus erstmals Arztkontakt hatte, dass man falsch medikamentierte und die linke Hand nicht wusste, was die rechte Hand tat. Genau wie in Deinem Fall. Es ging glimpflich aus. Schwarze Ironie hilft manchmal, die Gemütslage ein bisschen zu erhellen, zumindest Typen wie Journalist F. und mich kann es trösten.
Scherzhaft kursiert folgende Theorie: Journalist F. erwähnte in einem Facebookpost, dass die Symptome seines Mitpatienten auf eine Gallenkolik hinweisen würden. Die Pflegenden und Ärzte hatten gerätselt, was denn dem Mann fehle. Kurz nach der Facebook-Diagnose von F. wurde der Mann auf die Innere Medizin verlegt und wird schon bald an der Galle operiert. Ganz klar, sage ich, jetzt weißt Du, warum Du noch hier bist. Die saugen Dich aus. Die lesen Deine Facebook-Einträge, übernehmen Deine Diagnosen, heilen die Leute. Mach‘ Dir keine Hoffnung. Du kommst hier nie raus. Die brauchen Dich, um den Laden am Laufen zu halten und sie werden Dich bis zum Sankt Nimmerleinstag zu den rätselhaftesten Mitpatienten verlegen und begierig Deine Facebook-Diagnose abwarten. Du bist die Cashcow der modernen Medizin.
Wir lachen. Das war die vielleicht fünfte Begegnung mit dem unheimlichen Krankenhausbau in der unheimlichen, windumzausten Stadt. Jounalist F. könnte wirklich dringend eine eigene – hoffentlich gute – positive Diagnose brauchen. Und täglichen Besuch.

Ich habe den finalen Kreisverkehr vor der Autobahnauffahrt erreicht. Die Stimme säuselt, ich soll die dritte Ausfahrt nehmen, was mich zurückführen würde in die Klinik und sie übertönt den Refrain des Popsongs, der mit einer Stimme à la Prince unaufhörlich jammert ‚Money on my Mind, Money on my mind‘. Bald habe ich es geschafft! Die Stimme wird auf der Autobahn verstummen und mir elf Kilometer Ruhe geben bis zur nächsten Auffahrt.

Die nächste Begegnung mit dem Krankenhaus? Ich werde Nikotinkaugummis kaufen. Und eine Wasserwaage mitnehmen. Und ich will versuchen, dieses Scheiß-Navigationsgerät endlich abzuschalten. Bloß wie?

Dieser Beitrag wurde für Dich finanziert von Irgendlink-Shop – Jeden Tag ein Kunstwerk

Die große weite Wüste rings um einen längst versiegten, imaginären Aralsee irgendwo im Zentralasien der Grenzziehung

Das Tauwetter bringt es an den Tag. Die Karre steht ein paar Zentimeter zu weit über der gelben Linie, die den Parkplatz markiert. Im Schneegestöber vorgestern Nacht waren sämtliche Straßenmarkierungen verschwunden, so dass wir auf gut Glück – besser gesagt nach natürlichem Instinkt – parkten. Knapp vor dem Durchgang für die Bewohner des Hauses, aber nicht so weit vorne, dass die Fahrertür sich nicht mehr öffnen lässt, weil sie gegen die Buchshecke des Vorgartens stößt.

Vor ein paar Monaten stand das Auto ganz woanders neben einem Durchfahrt verboten-Schild am Rhein. Wir packten eine Picknicktasche und hatten schon einen Platz auf einer Kiesbank im Fluss ausgespäht, auf der wir ein Päuschen machen würden. Mit Blick auf Liechtenstein und Heidiland. Von fern näherte sich ein SUV auf dem schmalen Teerweg auf dem Rheindamm, auf dem die Durchfahrt, nur mit Bewilligung, erlaubt ist. Je näher das Fahrzeug kam, desto besser war zu erkennen, dass es ein Polizeifahrzeug war. Vier Meter Platz bis zur anderen  Wegseite. Noch einige andere Autos standen auf dem Areal, das zwischen Straße und verbotenem Weg wie geschaffen wirkte, das Auto abzustellen und zu flanieren oder den Hund zu gehen. Ein grauer Mann in Uniform steuerte das Polizeiauto, verlangsamte, als er uns begegnete, kurbelte die Scheibe runter, flaumte uns an, das Auto stehe zu mehr als der Hälfte jenseits des Verbotsschilds. Die Buße für solch eine Ordnungswidrigkeit betrage 100 CHF. „Was würden Sie mit 100 Franken alles anfangen?“ fragte er, „Wieviel könnten Sie dafür tanken, wieviele Kilometer fahren, schick essen gehen …“ Pipapo-Rhetorik inklusive rassistischem Machtspiel, denn er spulte auch die gesamte Leier herunter à la „Bei sich zu Hause würden Sie das nicht tun, oder?“ Die anderen Fahrzeuge auf dem Platz trugen Schweizer Kennzeichen, parkten nicht zur Hälfte jenseits des Schilds und ihre Besitzer waren auch nicht vor Ort.

Jetzt bloß nichts sagen, Herr Irgendlink, dachte ich. Pipapo-Rhetorische Fragen darf man nicht beantworten. Demütig bat ich um Entschuldigung, versicherte, das Auto wegzufahren und überlegte dennoch, ob es 100 Franken wert wäre, Paroli zu bieten, nur, um den Mann zu quälen. Die Worte lagen eigentlich schon bereit im Hirn und sie hätten ihn sehr hart getroffen und ihm den Feierabend nachhaltig verdorben, dessen bin ich mir sicher. Letzten Endes hielt ich die Worte nur zurück, um ihn zu verschonen, ihm den Feierabend nicht zu verderben, nicht etwa des Geldes wegen. In derartigen Konfliktmomenten setzt bei mir oft die materielle Vernunft aus und dann ist es mir plötzlich egal, wieviel eine gezielt auf verbale Vernichtung des Gegners abzielende Antwort kosten würde.
Die Konsequenz, dass stattdessen ich den Konflikt ein zwei Tage mitnehmen musste und ihn mit mir selbst verarbeiten musste, war mir durchaus bewusst. Märtyrer des kleinen Mannes, ich. Auch, dass irgendwann eine Geschichte aus der Sache werden würde, wenn auch nur diese.
Es gab keine Buße. Ich parkte das Auto auf dem offiziellen Parkplatz. Wir picknickten im Fluss und schichteten Steinmännchen.

Monate später rückte ein Bautrupp an, um vor Frau SoSos Haus Markierungen anzubringen. Die privaten Parkplätze direkt vorm Vorgarten wurden ausgemessen und nach Plan mit gelber Farbe markiert und mit Nummern versehen. Wo früher vier Autos Platz hatten, waren nun drei große Parkflächen markiert. Erstaunlich, wie abrupt sich das Parkverhalten änderte. Plötzlich parkten auf den drei Parkplätzen nur noch drei Fahrzeuge luftig leicht. Insbesondere die Fläche mit dem Smart der Nachbarin wirkt seither wie eine große weite Wüste rings um einen längst versiegten, imaginären Aralsee irgendwo im Zentralasien der Grenzziehung.

Ich habe einmal von einer Stadt gelesen, die im Verkehr nahezu erstickte. Unfälle und Stress zu Hauf und ewiger Stau, bis ein holländischer Verkehrsplaner eine revolutionäre Umplanung vornahm. Alle Markierungen, Ampeln und Schilder der Stadt wurden abmontiert, der Verkehr quasi sich selbst überlassen, jegliche Schranke war gefallen, Regeln gab es kaum noch und die Menschen mussten wieder selbstständig denken, statt sich auf Regeln zu berufen. Eine Ode an die Vernunft? Die Maßnahme habe jedenfalls eine deutliche Verbesserung gebracht. Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt.

Nachtrag: @kaffeebeimir hat den Verkehrsplaner Hans Monderman gefunden. Hier ein Wikipediaartikel zum Thema.

Heute Morgen, als ich die Schneeschmelze beobachtete und nach und nach erkannte, wie unser Auto aus dem Zustand des natürlichen, vernünftigen Parkens geradezu heraus schmolz in die Schablone der Verkehrsregeln, die das Erscheinen der gelben Markierungen hervorgebracht hatte, musste ich daran denken. An diese merkwürdige Regelversessenheit von uns Menschen. An die Standard-Entschuldigung, dass es ohne Regeln nun einmal nicht geht, bei so vielen Menschen auf so engem Raum, dass wir Regeln brauchen, um die Schwachen zu schützen. Regeln sind Grenzen. Und ich fragte mich, ob die Regeln nicht oft nur deshalb aufgestellt werden, um die Starken und die Mächtigen zu schützen vor diesen lächerlichen kleinen Schmeißfliegen von Menschen, die mit ihren verbeulten uralten Karren mehr als zur Hälfte jenseits von Verboten-Schildern parken.

96 Verbotsschilder als Postercollage
96 Verbotsschilder als Postercollage – für weniger als eine Hundert-Franken-Buße in der Sektion „Kunstwerke“ dieses Blogs erhältlich. Dort kann man es auch ein wenig vergrößern, wenn man es anklickt. Jedes Bild ist ein multiples Unikat, ein sogenanntes ‚Uniquiple‘.

Unterwegs im Herzblatt-Hubschrauber der Reiseliteratur

Herr Irgendlink, wo sehen Sie sich in fünf Monaten?
Auf der Straße.
Genauer auf Radwegen.
Rings um Rheinland-Pfalz.
Oder rund um Bayern.
Oder auf dem Atlantik-Radweg.

Was klingen mag wie ein vermurkstes Bewerbungsgespräch für einen Junior- oder Seniorposten in einem kosmodämonischen, international agierenden Unternehmen, ist nur eine grobe Analyse einer Künstler-nah-Zukunft. Wie jedes Jahr gegen Ende halte ich die Jonglierbälle meiner Projekte – rein gedanklich – einen Moment an und betrachte, wie die Planung fürs nächste Jahr aussehen könnte.

RLP-Explorer – radelnd, erlebend, schreibend auf Forschungsreise in den Heimaten Rheinland-Pfalz‘

Da ist zum einen der Projektvorschlag für den Kultursommer Rheinland-Pfalz, den ich im Oktober abgeschickt habe. Das Thema „Heimat(en)“ des nächsten Jahres ist ebenso unbequem wie reizvoll, so dass ich nicht umhin kam, ein Projekt einzureichen. Mich reizt die Kontroverse. Und ich habe als radelnder, schreibender Künstler einiges beizutragen. Das Projekt unter dem Titel Rheinland-Pfalz-Explorer trägt die Registernummer 182. Es wird schwer werden, gefördert zu werden, zumal meine Bühne ausschließlich virtuell ist und mit den vielen Bühnen aus Holz und Stahl konkurieren muss.

Als Rheinland-Pfalz-Explorer (RLP-Explorer) sucht der Autor und Künstler nach Spuren von Heimat und tritt in Kontakt zu Land und Leuten, um herauszufinden, wo die eine Heimat beginnt, wo die andere Heimat endet. Denn vor allem eines wurde […] klar, eine große, landesweite Heimat, die alle Bürgerinnen und Bürger des Bundeslandes gleichermaßen empfinden, gibt es nicht in Rheinland-Pfalz. Die Frage, ob Heimat womöglich ohnehin nicht an Grenzen festzumachen ist oder gar nach einer Art Zwiebelprinzip funktioniert und in ihrer Intensität zum jeweiligen Individuum hin zunimmt, steht zur Diskussion wie auch die zeitliche Komponente des Heimatbegriffs.

Im Januar fällt die Entscheidung, ob das Projekt gefördert wird, sprich, ob ich es finanzieren kann.
Vor vierzehn Jahren hatte ich zuletzt ein Projekt im Kultursommer realisiert. Der RLP-Explorer würde mein drittes Projekt der alljährlich zwischen Mai und Oktober stattfindenden Veranstaltungsreihe werden.

Da meine ‚Bühne‘ als klassische Bühne gar nicht existiert, es vielmehr eine virtuelle Sache mit fleischlichem Backend (der radelnde RLP-Explorer, moi même) wird, bin ich schon sehr gespannt, ob die Sache angenommen wird.

Bayern, das dritte deutsche Bundesland, das ich auf Radwegen umrunde

Falls nicht, habe ich noch zwei weitere Asse im Ärmel der Reiseliteratur. Plan B ist, die 2000 Kilometer lange Reise rund um Bayern, die ich letzten Spätsommer begonnen habe, zu Ende zu radeln. Entgegen dem Uhrzeigersinn. Von Lindau entlang der Alpen, ostwärts, nordwärts, westwärts, südwärts bis zurück ins Taubertal. Die ersten fünfhundert Kilometer, die ich im vergangenen August erradelte und schrieb, sind in dieser Rubrik zu finden. Kunst ist auch daraus entstanden: eine Collage mit Bildern zwischen Tauber und Allgäu.

Vélodyssée – von der Bretagne in die Pyrenäen auf dem Atlantikradweg

Zu guter Letzt ist da noch mein schon 2016 ausbaldowertes Projekt auf dem Atlantik-Radweg, das ich bisher noch nicht verwirklichen konnte. Dabei wartet die eigens dafür angelegte Blogbuch-Seite Radlantix schon begierig, gefüllt zu werden.

Landkarte mit den Konturen der grenznahen Radwege rund um Rheinland-Pfalz, Saarland, dem Tourismus-Konstrukt Paminaland (Pfalz, Nordelsass, Mittlerer Oberrhein), sowie nahe der Westgrenze Bayerns von etwa Würzburg bis Lindau. Zwischen den Linien entstehen neue Flächen.
Auf faszinierende Weise entsteht Neuland zwischen den umradelten Ländern, sehr deutlich erkennbar an den Radwegestrecken zwischen Rheinland-Pfalz und Saarland. Grenzerisches Niemandsland. Südlich von Rheinland-Pfalz erkennt man die Radrunde des Paminablogs, östlich die 2018 begonnene Reise rund um Bayern.

Wenn Sie mich fragen, liegt hier eine Win-win-win-Situation vor. Egal was die Zukunft bringt, Fördergeld oder keins, Aufmerksamkeit oder nicht, irgendwo werde ich meinen Reifenabdruck hinterlassen. Und alle dürfen mitkommen, virtuell als Gepäckträgerreisende. (Und eigentlich hätte ich auch Lust, zum Nordkap zu radeln/schreiben. Da war ich schon lange nicht mehr :-))

Also, liebe Leserinnen und Leser, wer soll jetzt Euer Herzblatt sein? Der vielheimatige Rheinland-Pfälzer, der 2018 begonnene Bayer, oder die fast in Vergessenheit geratene Vélodyssée?

Neuer Moorlander-Kalender ab sofort bestellbar

Eingefleischte Fans werden sich an den legendären Herbst 2017 erinnern: erstmals wartet MudArt-Legende Heiko Moorlander mit einem Jahreskalender auf, der sich durchaus mit den Kalendern berühmter Weltkonzerne messen kann. Statt schicker Autos und junger Mädchen wie bei bekannten Luxusautomarken oder scharfer Kettensägen und ebenso adretten Mädchen wie man es von den Kalendern mancher Kettensägenhersteller kennt, bietet Moorlanders MudArt-Kalender tiefere Einblicke ins Geschehen der internationalen MudArt, die hie und da auch als ‚die schlüpfrigste Angelegenheit seit Erfindung der Kunst‘ bezeichnet wird.

Kurzum: Ein Muss für jeden Fan, jede Sammlerin, jeden Sammler.

Format A4, 12 Monatsblätter, Titelblatt und Infoblatt.

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Bestellen können Sie den Moorlander-Kalender 2019 per Mail zum Preis von 12 Euro plus Versandkosten (in Deutschland 3 Euro, Auslandsversand auf Anfrage).

Zwölf Kalenderblätter mit Kalendarium als Miniatur-Vorschaugrafiken im Polaroidstil zufällig verwinkelt angeordnet in einem Raster von vier mal vier Bildern. Sie verpassen keine Bilder. Unter den Einzelnen Grafiken befinden sich die Bildtitel Januar bis Dezember 2019.

Gegend Entwürfe 2018 – Literatur aus Rheinland-Pfalz

Gestern erfahre ich, dass  das Buch Gegend Entwürfe – Literatur aus Rheinland-Pfalz (mit einem Blogbeitrag von mir)  nun doch gedruckt wurde. Soweit ich mich erinnere, war geplant, dass es 2017 erscheint. Als Blogger bin ich mit einer Geschichte aus dem Irgendlink-Blog darin vertreten.

Herrjeh, lief das alles kreuz und quer und zu einem guten Teil muss ich Facebook, die Ratte, dafür verantwortlich machen, dass ich weder erfahren habe, dass das Buch doch noch wahr wurde, noch eine Kurzbiografie dafür eingereicht habe, noch genau weiß, welche Geschichte von mir denn in dem Buch veröffentlicht wurde.

Nachtrag: natürlich kam alles gut. Das Buch wurde sorgfältig redigiert, die Metatexte der beiden Herausgeber bereichern das kleine Kunstwerk, das zudem sehr solid gedruckt wurde und über ein schönes Layout verfügt. Das Lila Lesebändchen ist als eine Art Schwarzer Gürtel der Literatur das Tüpfelchen auf dem I.

Rheinpfalz-Kulturredakteurin Andrea Dittgen hat das Buch hier besprochen.

In einem weiteren Artikel richtet Andrea Dittgen den Fokus auf den Abschnitt ‚Familiengeschichten‘ der Gegend Entwürfe in dem vorwiegend Zweibrücker Autorinnen und Autoren zu Wort kommen.

Die Gegend Entwürfe 2018 sind ein Spaziergang durch die literarische Szene in Rheinland-Pfalz. Als Blogger war ich eingeladen, einen Beitrag zu leisten. Wie das mit dem Bloggen so ist (und mit der Kommunikation auf Facebook): Ich weiß noch nicht einmal, welcher meiner Blogartikel im Buch erschien.

Mein derzeitiger Literaturliebesstatus: warte auf das Belegexemplar.

Es ist ja auch alles schon so lange her. Die Kommunikation über das Literatur-Projekt fand ausschließlich über Facebook statt. Ich bin Facebook-Legastheniker. Der Herausgeber vermutlich auch. Den Rest des kommunikativen Chaos steuerten die Algorithmen bei. Per Direktnachricht hatte ich dem Herausgeber diese beiden Geschichten vorgeschlagen; er könne sich bedienen nach Herzenslust.

Die Parkbank am nördlichsten Ende von Rheinland-Pfalz

Die Omlette-Situation

Okay. Dann kam Weihnachten 2017 und das Buch war nicht erschienen.

Mein Hirn war auf Waiting For Input geschaltet, sprich, ich wartete, um zu erfahren, welcher der Blogartikel ins Buch kommt, damit ich dem Text den letzten literarischen Schliff geben kann. Als Blogger gehört man ja nicht zum Hochadel der Literatur. Sie kennen das, im Blog geht es zu wie in einer Bildhauerwerkstatt. Aufgeräumt wird immer erst später. Man kreiert Texte auf bestmöglichem Niveau, aber es handelt sich wegen des Literatur-on-the-fly-Gebarens doch stets um Entwürfe, um ungeschliffene Rohliteratur.

So weit so gut. Ich halte fest: Der Herausgeber wollte mich ins Buch haben, ich sagte ja, der Pakt war geschlossen. Die Fähigkeit, das Ganze auf telepathischem Weg zu vollenden, scheiterte. Den Rest hat Facebook verpatzt.

Gestern (November 2018) erhielt ich eine Direktnachricht vom Herausgeber, wohin der Verlag denn das Belegexemplar schicken soll.

Ich scrollte durch die Korrespondenz und entdeckte eine Nachricht vom Januar 2018, in der er nach einer Kurzvita fragte. Peinlich. Die Nachricht habe ich nie gesehen. Oder auch doch? Vielleicht werden auf Facebook Nachrichten und Beiträge nach Gutdünken übermittelt? Ach und es ist ohnehin alles so wischi-waschi, so verwirrend, und überhaupt, es geht ja bei Facebook nicht darum, dass die Teilnehmenden es bequem und übersichtlich haben, die Leute sollen kaufen, Werbung schalten, nix wie drauflos, je orientierungsloser die User sind, desto besser …

Ich bin gespannt auf das Belegexemplar. Der Herausgeber und ich kommunizieren mittlerweile auch per Mail. Also zumindest ich (denn, wie ich der Direktnachrichten-Korrespondenz entnehme, habe ich ihm auch schon früher Mails geschickt) … die Verlagsseite mit der Autorinnenliste liest sich übrigens gut: Rafik Schami, Norman Ohler, Wolfgang Ohler, Monika Rinck … fast dreißig Autorinnen und Autoren versammeln sich mit Texten und Gesprächen in dem 300 Seiten starken Buch.

Apropos Gespräch. Blick über die Schulter: Da steht ein Telefon (das ist das ‚Warum liegt denn da Stroh‘ der Feinen Künste).

Ein Gutes hat die Sache auch. Ich habe meine Bücher-Seite aktualisiert