Etwas mit Frankfurter Kreuz, Zeitreise, Bauen, Spinnennetz, neugierigen Damen, sowie Männern, die in Höhlen sitzen.

Mittwoch nach Einbruch der Dunkelheit. It is hot! It is very very hot! Ich schwitze. Immer wenn ich schwitze, immer wenn die Hitze unerträglich wird, zitiere ich meine lappländische Zufallsbegegnung mit einem quadfahrenden Kerl, der mir 2015 in der Nähe des Lahpojärvi begegnete, irgendwo im Niemandsland auf gottverlassener Landstraße, auf der kein Schwein unterwegs war außer dem Quad-Mann und mir. Mitten auf der Straße stoppte er und ich stieg vom Fahrrad. Eine Weile schauten wir uns an. Dann eröffnete er das Gespräch mit den Worten It is hodd, it is very very hodd und wir hielten ein kleines Schwätzchen.

Die Temperaturen in der Bude in Fitou, letzten Mittwoch sind um einiges höher als die milden etwa 25 Grad am Lahpojärvi 2015. Die Luft steht. Ich wage nicht, die Tür zu öffnen, um ein bisschen Frischluft einzulassen. Noch ist es draußen wärmer als drinnen und, nuja, vermutlich kämen Stechmücken herein, die mich nachts pisacken würden. Obendrein herrscht im Restaurant in direkter Nachbarschaft Hochbetrieb. An das abendliche Tellerklappern beim Geschirrspülen in der Küche hatte ich mich schon gewöhnt, aber an diesem Mittwoch gibt es Livemusik. Humpda-humtda-Getröte. Ich kann nicht identifizieren, ob der Gesang französisch ist, vermutlich ja. Die Takte hören sich wie deutsche Volksmusik an. Man könnte sich in Bayern befinden oder auf Mallorca, gewiss. An Schlaf war nicht zu denken, also beschloss ich, einen Blogartikel zu schreiben, schaltete die Bluetooth-Tastatur ein, versuchte, sie mit dem Handy zu koppeln, scheiterte, laborierte eine halbe Stunde , um das technische Problem zu lösen und verlor dabei jegliche Schreiblaune. Nackt und nicht zugedeckt lag ich auf dem Bett, die Uhr zeigte schon fast zwölf. In einem Tweet, den ich auf dem Touchscreen tippte, fasste ich die Begebenheit zusammen, indem ich ein Duchamp-Zitat abwandelte: „Es sind immer die anderen, die im Bett liegen und versuchen einzuschlafen (DJ Marcel D.)“. Um Null Uhr drei endete der Spuk.

Vorgesternfrüh, Sonntag. Die A5 im Dunstkreis des Frankfurter Kreuzes ist herrlich leer. Vier Spuren, kaum Autos, ich spure rüber Richtung Mainz, Richtung Hinterland, Richtung Donnersberg, Richtung Pfalz, vorbei am dämonischen Flughafenbahnhof, der wahlweise aussieht wie ein riesiges Schiff, aber wohl eher einen ICE darstellen soll. Mein Hirn schreibt Blog. Verflixt. Es sind immer die anderen Momente, in denen Blogartikel gedacht werden, aber nicht geschrieben werden können. Muss doch den Wagen steuern, sei die Autobahn auch noch so leer. Und so lege ich mir einen seltsamen Artikel zurecht, denke Worte, Phrasen, ganze Passagen, die ich schreiben könnte aber nicht kann. Wie so oft. Das meiste geht verloren, was in unserem Innern brodelt.

Der Artikel soll meine Reise nach Fitou zusammenfassen. Eine ganze Woche war ich unterwegs, gestartet am Samstag zuvor in Bad Homburg, tausend Kilometer weit gen Süden, dort ein Haus gebaut und wieder zurück. Zusammen mit G., der das Haus gehört. Etwa achtzig Stunden Arbeit. Das nur am Rande. Den Artikel könnte ich irgendwie geografisch aufziehen, denke ich, während ich den Flughafen hinter mir lasse. Arbeitstitel ‚Fitou le Frankfurter Kreuz‘. Oder wie ein Spinnennetz, dessen Zentrum das Frankfurter Kreuz ist, von wo aus sich die Fäden in alle Richtungen zu allen Zeitpunkten der letzten Woche ziehen. In wahlloser, sagen wir intuitiver Reihenfolge würde ich mir die Ereignisse aus meiner Erinnerung hervorkramen, sie in Worte fassen und einen konglomeratesken Blogartikel von unbestimmter Länge verfassen. Mit Marcel D. würde ich beginnen, schließlich hat er die einzige schriftlich verbriefte Äußerung meinerseits der letzten Woche verursacht. Dass es nun doch eine Szene unweit des Nordkaps im Jahr 2015 wurde, mit der dieser Artikel beginnt, konnte ich am Frankfurter Kreuz ja nicht vorhersehen. Jetzt ist jetzt und damals ist damals.

Fitou ist ein kleines Dorf zwischen Narbonne und Perpignan, etwas abseits vom Meer gelegen an den milden karstig kalkigen Hängen des Hinterlands. Sehr bekannt wohl durch seine Weinbaudomänen. Das Dorf hat 1200 Einwohnerinnen, fünfhundert mehr als noch vor zehn, fünfzehn Jahren. Viele Expats, ausgewanderte aus aller Damen Länder. Schweden, Schweiz, Deutschland, Belgien. So auch G., die in Kürze beabsichtigt, das kleine Haus zu beziehen, das sie vor einigen Jahren gekauft hatte. Die Pandemie kam ihr in die Quere und so finden wir eine ziemlich unaufgeräumte, muffige Baustelle vor. Jahrelang nicht gelüftet. Die Baustoffe teils verdorben, erhärtete Zementsäcke, Fliesenkleber, Staub, keine Infrastruktur. Mit anderen Worten sehr viel Arbeit.

Mein Auftrag lautete: Fliesen in der Dusche legen. Im Laufe der Woche bringen wir aber das gesamte Appartement in Schuss, inklusive Bett und Schreibtischaufbau.

Ein Besuch am Strand. Dienstags gegen 20 Uhr strömen uns die Menschen in Scharen entgegen auf dem Weg zurück in ihre Appartements oder zum Campingplatz in La Franqui. Die Karawane der aufgeblasenen Luftmatratzen. Wir laufen bis zum Meer, mehrere hundert Meter barfuß über den Sand und hüpfen abwechselnd ins Wasser, G. und ich. Der Tag war anstrengend. Ein Restaurantbesuch nach dem Bad gerät zu einer bizarren Mutprobe für uns beide. Zwar sitzen wir im Außenbereich im frischen Meerwind, aber die Menschen am Nachbartisch sind kaum einen Meter entfernt. G. liest obendrein die Pandemiewerte vor, die ihr per Webapp auf dem Smartphone angezeigt werden. Überall steigende Inzidenzen und für das Grenzgebiet Frankreich-Spanien sogar Werte um 350. Spanien ist weit weg, sagt G. Ich kann den Canigou sehen.

Samstag vor einer Woche. Perversfrüh raus und mit dem Auto voller Werkzeug nach Bad Homburg. Neun Uhr übernehmen G. und ich einen Mietwagen, Hölle was für ein Glück, hat der Autoverleiher doch statt des gebuchten VW Up einen Seat Leon für uns. Schnittige blaue Karre, die alles selbst macht. Licht an und aus, Scheibenwischer und immer wenn von irgendwo ein Gefahrchen droht, gehen im Innenraum die Alarmglocken an. Äußerst praktisch ist, dass sich im Stop and Go Stau der Motor abschaltet und sobald der Vordermensch losfährt automatisch wieder anspringt. Wir sind verblüfft. Auf der Strecke Frankfurt bis Freiburg erreichen wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 69 Kilometern. Der Ferienverkehr ist an diesem Samstag rege. Todmüde kommen wir gegen 23 Uhr abends in Fitou an. G. macht es sich in der Baustelle bequem. Ich wohne in der Ferienwohnung von Freunden, die G. extra für mich gebucht hatte.

Fitou ist so eine Art Origami, diagnostiziere ich. Also das alte Fitou. Es besteht aus mehreren Häuserzeilen, die von Straßen durchzogen sind, eigentlich eher ein Primitiv-Origami in Ziehharmonika-Form mit einigen Quereinsprengseln aus schmalen Treppengassen, die die engen Straßen verbinden. Es gibt nichts, was den Namen Gehweg oder Bürgersteig verdient in Fitou. Ein einziges Aneinandergeholpere selbst gegossener Betonabsätze von zwanzig bis fünfzig Zentimetern Breite, gebrochen von Treppen und dicht vor dem Bordsteingewirre stehen Autos. Oft direkt vor Haustüren, so dass man gerade so die Wohnungen in den Erdgeschossen betreten kann. Der Leon warnt zum Glück laut bimmelnd, bevor man mit den feinen Alufelgen gegen die manchmal dreißig Zentimeter hohen Bordsteine kommt. Origami sage ich deshalb, weil das Dörfchen tatsächlich so eine Art Falttechnik-Charakter hat. G.s Bude im Erdgeschoss liegt nur wenige Meter von meiner Bude im Dachgeschoss entfernt. Trotzdem muss ich, um zu mir zu kommen, der Faltung sei Dank, ein Stück die Rue du Pla runterlaufen, mich über eine Treppe bis hinter die schön gefaltete Häuserzeile zwängen und hinten, weiter oben in meine Bude gehen. Das Ferienappartement der langen Wege. Ich vergaß zu erwähnen, dass die kleine Ferienwohnung auch nur eine Notlösung ist und sich keine Küche darin befindet. Die ist jedoch in G.s Wohnung. Somit ist es immer ein Hin und Her. Obendrein befindet sich das Geschirr auf dem Boden aufgestellt in meiner Bude, kurzum, wir müssen immer irgendwie außenrum rennen, um wahlweise hier einen Kaffee zu kochen oder dort zu duschen. Klos gibts zum Glück in beiden Buden.

G. hat eine schicke Apple Uhr. Jeden Abend liest sie die Schrittzahl des Tages ab. Es sind immer mehr als 10.000 Schritte, die sie auf dem Buckel hat. Ich dann ja auch.

Donnerstag letzte Woche. Ich harre DJ Marcel D.s jaddelnder Feuchtfrohmusik, doch das Dorf bleibt still. Heute Ruhetag. Nur ein paar Schluckspechte in der Rue du Pla sitzen auf Bänkchen eingezwängt zwischen Autos und Mopeds, musizieren und quatschen. Eine Frau ruft Parolen, die so klingen wie Demoparolen. Ich denke, der Demoparolensingsang ist unabhängig der Sprache überall ähnlich: Vorbeterspruch, gefolgt vom massenhaft einstimmendem Demonstrantinnenchor. Am Ende des Demospruchs der Frau erkenne ich das Wort Vaccineé – geimpft. Keine Ahnung, ob da ein Grüppchen Impfgegnerinnen sitzt oder die Gegenseite. Sie grüßen jedenfalls freundlich.

Freitag letzte Woche. G.s Morgenritual ist ein Spaziergang durch Fitou, die Hauptstraße abwärts bis zu einer Stelle, an der diese die Autobahn überquert und man das Meer sehen kann. In den letzten Tagen schafft sie es vor Erschöpfung nicht mehr, zu hart ist die Arbeit, und sie bleibt in dem kleinen Café am zentralen Platz hängen, unweit der Wohnung der Vaccineé-Ruferin. Als ich die Bude passiere, sitzen vertrahlte Gestalten davor und man bonjourt, also ich zumindest sage Bon Jour. Ein todmüder Kerl antwortet mit einem lauten Gähnen und den Worten Il est pas facile. Es ist nicht leicht.

Abends irgendwann letzte Woche. Marcel D. hat die Stimmung voll im Griff. Ich die Schnauze voll, mich nackt schwitzend in der Bude hin und her zu wälzen, also spaziere ich durchs Dorf, quere eine Origami-Faltung nach der anderen und erreiche schließlich die alte Kapelle, in der Kunstausstellungen stattfinden. Die Uhr schlägt elf. Hier oben hat man einen akustischen Überblick übers Dorfgeschehen und all tomorrows Partys und Gaststätten. Da ist der Vaccineé-Trupp in der Rue du Pla und eine Faltung weiter oben in der Grand Rue ein weiterer ḱleiner Partyherd. An dieser Stelle stehen tagsüber Sofas und Sessel vor den Häusern, sieht aus wie Sperrmüll, ist aber Wohnzimmerbedarf für die Nacht, wenn die Menschen auf der Suche nach Kühle quatschend und singend den Abend ausklingen lassen. Gefällt mir eigentlich ganz gut. Auf einem Mäuerchen bei der Kapelle sitze ich eine ganze Weile und höre mir das Treiben an. Marcel veranstaltet wohl Karaoke? Es ist der lauteste Lärmherd und ich kann heilfroh sein, dass ich geduckt unter der Schallwelle wohne, statt hier oben, zwei Faltungen weiter, wo das Wummern mit Wucht reinhaut. Ich ahne nicht, dass ich ein paar Tage später am Frankfurter Kreuz vorbei fahren werde und über einen spinnennetzähnlichen Blogartikel nachdenken werde. Diesen hier.

Baumarkt, immer wieder Baumarkt. Der ist dreißig Kilometer entfernt in einem kosmodämonischen, monströsen, ausgelgerten Gewerbegebiet voller Supermärkte und anderer Einkaufsgelegenheiten. Oft fahren wir dahin, morgens um neun, weil immer irgendwas noch fehlt. Anfangs noch beklommen, weil man die Pandemieregeln nicht so kennt und die Maskengepflogenheiten. Später als alte Bauhasen ganz légèr. Pandemie scheint jedenfalls beendet. Trotz der astronomischen Inzidenz jenseits des Canigous.

Wochentags letzte Woche schauen alle möglichen Leute in der Baustelle vorbei und erfreuen sich am Voranschreiten der Arbeiten. Freunde und Bekannte, neugierige Nachbarn. Madame Curieus spricht mich eines Tages an und fragt mich aus. Ich verstehe kaum ein Wort, radebreche vor mich hin. Bin aus der Übung mit meinem Brachialfranzösisch. Madame hat unheimlich schlechte Zähne und sie ist die wohl neugierigste Person des Dorfs, erklärt mir Freundin C., die zufällig dazukommt und sich in das Gespräch einklinkt. Sie klärt Madame Curieus auf:“Nein, die arbeiten nicht für uns. Das Haus gehört denen. Die sind nur ein paar Tage hier“. C.s Haus befindet sich direkt neben der Baustelle. Origamitechnik sei Dank herrscht eine gewisse Unschärfe, wer wo wohnt und für wen arbeitet.

Vielleicht muss man, um Fitou zu verstehen und um sich zu orientieren in Weinbaudomänen denken. Unter den Torbogen der alten Häuser öffnen Tagsüber hell erleuchtete Keller, in denen nicht mehr ganz junge Männer vor Fässern und Weinregalen sitzen und ihren Wein verkaufen. Das sind die Ankerpunkte des Dorfs. Kennst du die Wein-Höhlen, kennst du Fitou. Die Verkaufsräume sind schick. Ständig fahren PKW aus aller Welt vor, zwängen sich in die nächst gelegene Parklücke zur jeweiligen Cave und die Touristinnen und Touristen huschen hinein, lassen sich beraten, degustieren, radebrechen französisch eine Bestellung: „Deux, deux, deux“ hörte ich einmal wie ein bleicher Deutscher sechs Flaschen Wein kaufte.

Mit Mühe und Not schaffen wir es, die Wohnung in einen halbwegs gemütlichen Zustand zu versetzen. Dusche gefliest, Waschmaschine angeschlossen, Wandkosmetik allerorten, Schreibtisch aufgebaut und Vorhang vor dem verglasten Eingang. Madame Curieus hasst diesen Trick.

Freitag letzte Woche. Abenddämmerung. Bau für beendet erklärt. Ich mache einen langen Spaziergang rund ums Dorf und ächze einen Pfad hinauf in Richtung Schloss. Hell erleuchtetes Ding, das so wirkt, als könne man über eine der vielen Treppen direkt vom Dorf hinauf spazieren. Pustekuchen. Man muss außenrum, kilometerweit über schmal schlängelnde Sträßchen. Hintergedanke des Spaziergangs ist, zwei schöne Bäume an ruhigem Ort außerhalb zu finden, nur für den Fall, dass Marcel wieder jaddelt. Wäre schlecht, am Abend vor der Rückfahrt schlecht zu schlafen. Ich könnte zwischen den Bäumen meine Hängematte aufpannen und im Freien übernachten. Schön still ist es an dem steinigen Pfad. Als ich zurück bin in der Wohnung kein Marcel, nur Tellerklappern und Restaurantgemurmel. Gutso. Bleibe ich eben hier.

Heute. Noch immer steckt mir die Tour in den Knochen. Ich bin reichlich erschöpft. Grauer Schwerlasthimmel über der Saarpfalz. Für Freund Jounalist F. habe ich ein Auto voll Möbel und Habseligkeiten gerichtet, die ich ihm nachmittags ins Pflegeheim bringe. Sieben Mal treppauf treppab und sein kleines Zimmerchen ist wieder etwas gemütlicher und persönlicher. Gut gehts ihm. Er will wieder Facebookartikel schreiben, sagt er. Schreiben ist Heilung, denke ich. Es strengt zwar an, aber wenn das Blatt bekritzelt ist, die Geschichte raus ist, ist das fast wie ein Haus in Südfrankreich bauen.

Jetzt, jusque au moment. Der letzte Schliff. Zurück in der heimischen Künstlerbude, knöpfe ich mir den Blogartikel vor, diesen hier, den ich morgens begonnen hatte und der was mit Frankfurter Kreuz und Zeitreise, Bauen und Spinnennetz zu tun haben wird. Tippfehler raus und ein paar Ergänzungen et voila. Fehlt nur noch der Titel.

 

 

 

Tief sinken auf hohem Niveau

Einer jener Abende. Einer jener Tage. Eine jener Situationen. Verdammt in den eigenen PC. Virtuell, online, an der Welt teilhabend per Sozialer Medien. Nicht mehr ‚echt‘ existierend dem Leben und einem gelebten Leben hinterher heulend. Lese ich den Tweet eines Freundes, in dem es ums Rauchen geht und wie schlimm die Situation ist, bei Hochwasser, abgeschnitten von der Möglichkeit für Nachschub zu sorgen, keine Chance zu haben, Zigaretten oder sonstwie Rauchbares aufzutreiben.

Auf einem einsamen Gehöft abseits der Welt ist nicht gut Tabak beschaffen, falls man, als sozusagener Ex-Raucher mal Lust hätte auf eine Zigarette. Die Stimmung stimmt. Musik dudelt per Youtube, Sandinista von The Clash, Hitsville und wie sie alle heißen, die tollen Titel aus den frühen 1980er Jahren.

Jetzt eine Zigarette! Der Twitterfreund skizziert ein Szenario, in dem der Tabak alle ist, die Blättchen und die Filter auch und es gibt noch nicht einmal eine Prawda, die man in Stücke fetzen könnte, um sich notdürftig mit einem Rest Tabak, den man eventuell doch noch fände, eine Notkippe zusammen bappen zu können. (Nachtrag, es waren mehrere Twitterinnen an der Rauchlustauslösung beteiligt, namentlich @FrauRettich und @der_emil).

Ich drifte durch den Abend und lasse mich per Mausklick von hie nach da driften. Im Hintergund dudelt immerhin The Clash nach Herzenswunsch, was unweigerlich die Lust auf Tabakkonsum entfacht. Jetzt eine Zigarette! Oh Welt, was tust Du mir an, mich in die Erinnerung (wie es einmal war als rauchender Mensch) knechtend!

Flapsig kommentiere ich dem Freund etwas mit Aschenbecher und dass es doch problemlos möglich wäre, einen Aschenbecher zu fleddern, um Tabak und Rauchbares zu generieren nur für den gelebten Moment.

Idee!

Hey, Moment mal, das könnte ich eventuell wahr machen, denn solch einen Aschenbecher gibt es tatsächlich hier auf dem Gehöft. Kilometerweit vom rettenden Zigarettenautomaten entfernt. Also nix wie weg vom PC und all den Botschaften, die auf mich einprasseln, runter in die echte Welt. Unters Vordach der alten Scheune. Dort steht ein Aschenbecher.

Es regnet. Es regnet seit Tagen. Seit Wochen. Schon immer? Vor Tagen noch saßen wir beisammen, aßen, redeten, tranken, rauchten. Da ist noch was übrig. Bestimmt. Hoffentlich! Es ist diese seltsame Menschseinsstimmung, geworfen ins eigene Sein, das sich um nichts kümmert als um das eigene Sein selbst. Ein egoistischer Akt, der sich vorbeimogelt an den Problemen der Welt die auf einen eindreschen ohne Gnade und der einen sich glücklich fühlen lässt, ohne dass es dafür eine Grund gäbe. Das Clash-Gedudel tut sein Übriges.

Man ist. Ich bin. Und das ist auch gut so (um es mal mit einem ehemaligen Berliner Oberbürgermeister zu sagen). Kurzum, ich drifte durch den Abend, abgekoppelt von der Welt, dennoch Teil davon, was es zwar kompliziert macht, was aber für den gelebten Moment keine besondere Rolle spielt. Was ist der glückliche Mensch so klein und schön, wenn er einfach nur klein und schön sein darf und es sich eingesteht, klein und schön zu sein.

So klettere ich aus meinem Kokon der Künstlerbude weg von dem Sozialen Medien-Gedudel hinaus in die echte Welt. Regen, Regen, Regen. Durch mannigfaltige Löcher im Dach rinnt das Wasser. Es ist nicht anzunehmen, dass das sechzig Jahre alte Dach auf der Künstlerbude noch die zwanzig dreißig Jahre durchhält, die ich womöglich noch auf der Welt sein werde. Das ist mir aber im Moment egal, denn ich habe mir eine abendliche kleinfeinmensch-Mission definiert, in der es darum geht, sowas Ähnliches wie eine rauchbare Zigarette zu schaffen. Aus Nichts. Einzig aus dem, was aus einem vor Tagen vollgedrückten Aschenbecher noch herauszuholen ist.

Der Aschenbecher ist ein schneeweißes Keramikding, das wie ein Würfel aussieht, in dem sich eine Mulde befindet. Ein in die dritte Dimension entronnenes Renault-Symbol, das einst als Werbedingsi geschaffen wurde. Wenn man den Meterstab anlegt, kann man das Dingsi genau definieren und stellt fest, dass es exakt sonundsoviele Zentimeter hoch, breit und lang ist und dass sich darin zwei Mulden befinden, in die man brennende Kippen hineinlegen kann, gemütlich schwofend mit Leuten, einen Abend verbringend. Ein kleiner, eigentlich wertloser Kultgegenstand mit aufgedrucktem  Renault-Markenzeichen. Ich liebe dieses wertlose Ding. Ich besaß einst zwei dieser Renault-Aschenbecher-Würfel, verschenkte aber einen davon an einen Freund, der ein großer Renault-Fan war und der freute sich riesig über das Geschenk.

Gut fünfzehn Jahre her, dass ich ihm den Fan-Aschenbecher schenkte. Ich habe lange nichts von dem Freund gehört. Laut Facebook aber geht es ihm gut und er ist am Leben und er liebt noch immer Renault und ist Fan.

Zurück zu meiner ‚Sucht‘ und dem anderen Freund, der mich mit seiner Twitterei lustig gemacht hat, jetzt und hier ohne Tabak, Filter und Blättchen eine Zigarette zu rauchen.

Was uns Künstlerinnen so besonders macht, ist, aus dem Moment heraus zu agieren. Aus dem Nichts das Etwas zu schaffen. Das Nichts meines jetzigen Moments ist Zigarette. Es gibt keinen Tabak auf dem einsamen Gehöft. Und das ist auch gut so (siehe ehemaliger Berliner OB, sinngemäß). Wenn man in diesem Zustand die Lust verspürt, dennoch eine Zigarette zu rauchen, muss man mächtig in die Trickkiste greifen. Man muss sich über zahlreiche Bedenken hinwegsetzen: Rauchen schadet. Eine Zigarette führt unweigerlich zur nächsten und ruckzuck hängt man wieder am Stengel. Alles erwiesen und oft ausprobiert und bestätigbar, so isses.

Als Künstler, zumindest so einer wie moi même, Herr Irgendlink, der nicht das Glück hat, mit Wumms in den Kunstmarkt einzudringen, weiß man, wie mit gefühltem Mangel umzugehen ist.

Man improvisiert. Und das ist auch gut so.

Also unterm Vordach stehen, Regen beplätschert. Der Himmel dunkelt noch nicht. Diffuses Licht der Sommermonate. Darf ich diese Grenze überschreiten? Ich starre in den Renault-Kubus. Körper Lust auf Tabak. Nur einen Zug wenigstens. Das wärs jetzt. Also fleddere ich den Grund des Würfels und fummele fünf oder sechs Stummel hervor, vielversprechende Überreste eines gelebten Abends. Normalerweise würde ich nun den Tabak heraus fummeln (ich gebe zu, diese Siuation ist nicht neu) und ihn notdürftig von Asche und Schwärze befreien und den gereinigten Stoff in ein frisches Blättchen rollen. Auf Wunsch mit Filter. Perfekter Genuss aus Müll. Ich habe weder Blättchen, noch Filter, noch Tabak. Nicht einmal die aktuelle Prawda.

Obs gesund ist? Welch Frage! Ist es natürlich nicht, aber ich könnte und plötzlich, als ich mir die Finger in all dem Müll beschmutze und es stinkt und ekelt, wird mir bewusst, wie jämmerlich und pervers die ganze Situation ist, wie tief ich auf allerhöchstem Niveau in meiner Wohlstandswelt sinke. Ich könne auch runter zum nächsten Automaten und die Scheckkarte reinstecken und mir ein neues Päckchen Kippen kaufen oder zwei. Oder hundert. Aus den Vollen schöpfen.

Wieviel Prozent meiner Mitmenschen haben die Möglichkeit, einfach so aus dem Vollen zu schöpfen und ist das gerecht?

Ist es nicht und ich sollte aufhören vom Rauchen zu reden oder von Annehmlichkeiten oder vom schönen Leben. Wenn man einen Strich unter die Rechnung ‚Schönes Leben‘ zöge auf dieser Welt – alle Menschen gerechnet, die die gerade sterben, die die gerade geboren werden in Elend oder Glück – was käme wohl dabei heraus? Der primitive Additionsmathematiker in mir mag gar nicht ausrechnen, was dabei heraus käme. Die Billanz wäre katastrophal.

Die Billanz ist katastrophal!

Das muss man sich vor Augen führen, wenn man gefühlsmäßig dazu in der Lage ist. Danach glücklich weiter leben? Ist das möglich? Im Nichtwissen und Nichtwahrhaben wollen, fährt man gewiss besser. Man muss sich als moderner Mensch eigentlich in einer permanenten Selbstverzeihungsschleife befinden, um bestehen zu können, vermute ich.

Unguten Gefühls schreibe ich diesen Artikel. Nicht unglücklich, zum Glück.

Wenn ich bloß die Welt retten könnte, für Glück allüberall zu sorgen, das wärs.

Glücklich sein in der Gewissheit, dass es dazu einen Gegenpart gibt.  Unglück nämlich.

Stichworte im Jetzt. Nachdenkenswertes, das vermutlich zu nichts führt. Ich werde trotzdem weitermachen. Das Ergebnis, unter welcher Rechnung auch immer, bzw. unter meiner eigenen Lebensbilanz, ist noch offen.

Das ist doch auch ein bisschen Glück, oder?

Es hat etwas von Möglichkeit.

Ein traumhaftes Eiland namens Wohlbefinden

Herd, Herd, Bart, Fußboden, Staub wischen, Garagentor. So steht es auf einem schnell hingekritzelten Fresszettel. Die Zutuns des heutigen Morgens. Gerade habe ich den Vieltagesbart mit dem elektrischen Haarscherer abrasiert, indem ich in den Garten trete unter den Nussbaum, mir die Kleider vom Leib reiße, mich nach vorne beuge, der Gesichtskontur mit bedacht folge. Der Wind weht die Stoppelhärchen weg vom Körper, verteilt sie auf der Wiese wie Samen. Ich finde, das ist eine gute Methode, dem Bartwuchs Herr zu werden, wenn man nachbarslos und unbeobachtet in einer geradezu thoreauesken Bude auf dem Land lebt.

Halb elf bin ich verabredet und muss somit gegen zehn, besser noch früher, los, um Journalist F. ein paar persönliche Gegenstände ins Pflegeheim zu bringen, denn endlich endlich hat er ein eigenes Zimmer. Weshalb ich ungefrühstückt und mit vielen verschiedenen Zutuns im Kopf hantiere, der Bart ist ab, ich zurück in der Wohnung und die verflixte Uhr zeigt zehn vor zehn. Ich müsste los. Jetzt direkt. Nix Herd, Fußboden, Garagentor, aber immerhin, Bart. Den kann ich von der Liste streichen und naja, das mit dem Herd, also dem unten in der Freilandküche und dem kleinen Zweiplattenkocher oben in der Bude, das ist ja nicht so wichtig, dass ich da mit einem feuchten Lappen darüber wische, damit sie schön sauber sind, wenn später am Tag die Liebste vorbeischaut. Fußboden geht auch ungewischt, nur gesaugt, sieht fein aus, jaja, Herde kochen auch, wenn sie nicht so ganz sauber sind, also schnell ins Auto, in dem schon die paar Habseligkeiten für Journalist F. gepackt sind. Fernseher, Gemälde vom Fliegenden Holländer, Fernsehsessel, tolle alte Stehlampe. Gerade rechtzeitig treffe ich beim Pflegeheim ein und niemand weiß Bescheid und ich ecke mal wieder an bei Frau W. Solche Chaoten wie mich und den Journalisten F. mag sie ja gar nicht, aber sie ist dennoch eine gutherzige Frau. Durch den Hintereingang lade ich die Gegenstände im strömenden Regen aus, zwischenlagere sie im Flur, parke das Auto jenseits der Krankenwagenzufahrt und kehre zurück. Journalist F.s neues Zimmer befinde sich im ersten Stock, sagte Frau W. Treppenhaus rauf, links, rechts et voila. Betriebsblind wie ich bin, irre ich durchs Heim auf der Suche nach dem Treppenhaus, bis ich Frau W. wieder in die Hände laufe und sie mir erklärt, das Treppenhaus sei da, wo ich eingetreten sei, herrjeh, es ist zum Verzweifeln mit mir und Frau W. hat tatsächlich ein bisschen Mitleid mit dem total erschöpften Kerl, der Dinge schleppt.

Das Zimmer von Journalist F., er schrieb es mir per Mail, ist suboptimal. Ein Einzelzimmer, immerhin, aber mit gemeinsamem Bad. Um ins Zimmer zu gelangen muss man durch ein anderes Zimmer laufen, bzw. rollstuhlen, in dem ein Mann lebt, der eine FC Bayern Fahne über dem Bett hängen hat.

Du musst Fußballfan werden sage ich zum Journalisten. Er lächelt verschmerzt. Suboptimal, das triffts. Die Kammer ist vielleicht 12 Quadratmeter groß. Bett, Kommode, Schrank, Tisch und seit heute noch Fliegender Holländer, Stehlampe, Fernsehsessel und ein riesiger Flachbildschirm, dessen Füße so weit auseinander stehen, dass er nicht auf der Kommode aufgestellt werden kann.

Sie lagern Menschen. Es muss funktional und wirtschaftlich sein. Wohlbefinden ist nicht eingeplant.

Für den Fernseher gibt es einen Hack, den wir beim nächsten Treffen durchführen, indem wir ein groß genuges Brett auf die Kommode legen. Dies sei all denen gesagt, die mitfiebern und jetzt denken, wie kann denn der arme Mann ohne Fernseher. Wir kriegen das hin. Durch raue See navigierend in Richtung eines traumhaften Eilands namens Wohlbefinden.

Rechtzeitig bevor die Liebste eintrifft bin ich zurück auf dem einsamen Gehöft und öffne das Garagentor.

Im kurzen Moment zwischen gezücktem Geldbeutel und Kasse steckt alles Glück dieser Welt

Augenkuckverbot seit Montag. Irgendwas plagt einen ja immer. Die Augensache taucht ab und zu auf, macht Kopfweh und ein paar andere Querelen und verschwindet dann wieder. Hilfreich ist, wenn man nicht auf den Monitor starrt, viel schläft, sich keine Sorgen macht, oder wie man so schön sagt, sich keinen Kopf macht um dies und das.

Vorsorglich mal den Doktor konsultiert, was aber auch verflixt am Ziel vorbei schießt, da die Symptome bis zum Termin nächste Woche abklingen werden, jaja, sind sie ja heute schon besser, sonst würde ich jetzt nicht vor dem Monitor sitzen und diesen Artikel tippen. Wie auch immer, bis nächste Woche rechne ich mit üblicher Kerngesundheit und der Doktor und ich werden uns über dies und das unterhalten, bloß nicht über Körper und Plagerei. Vielleicht kann ich eine Kopfdurchleuchtung rausschinden, damit ich im Fall, dass das Augenweh wieder auftritt nicht immer in schockstarrende Spekulation verfallen muss, welch schreckliche Ursachen das Kopfweh hat.

Ich tippe auf eine bakterielle Entzündung im Nasen-Ohrenraum. Der Hardcore-Hypochonder in mir ist da leider anderer Meinung.

Dass die gesundheitlichen Dinge bisher immer von selbst verschwanden sollte mir eigentlich Arztbesuch genug sein. Das Leben ist nur eine Kombination verschiedener Spekulationen, die einem auf der Basis von Nichts eine Heidenangst einjagen.

Meistens.

Im Alltag läuft es nicht besonders gut. Mit der Wohnungsräumung für Freund Journalist F. habe ich mir selbst jede Menge aufgebürdet. Schließlich lagern nun jede Menge Gegenstände vom Journalisten in meinem Atelier. Der Umgang mit fremder Leute Dinge ist lästig. Im Anblick von fremder Leute Belange habe ich den Eindruck, es gibt mich selbst gar nicht als wollendes Wesen, sondern ich bin ein Gefangener zwischen den verschiedenen Bedürfnissphären anderer. Obendrein sehe ich mich mit all dem sinnlosen Material, das ein Mensch angehäuft hat und das sich im Atelier und in den angrenzenden Räumen mit all dem sinnlosen Material, das andere Menschen angehäuft haben, nun überwältigt von zu habenden Dingen, zurückgeworfen in die Zeit, als ich das Buch Haben und Sein las und mich mit der Problematik beschäftigte, an irdisches, profanes Gut gebunden zu sein und darin versuchen zu müssen etwas wie Lebensglück zu finden. Als ich das Buch vor Jahrzehnten las, war mir nicht ansatzweise bewusst, was noch auf mich zukommt und dass es mit dem Denken darüber nie und nimmer nachlässt und dass alles viel schlimmer werden wird, weil man nicht alleine ist auf der Welt und sich nicht gegen den Usus der Masse stellen kann. Wenn die Masse das Leben so und so vorlebt, habend, im Konsum versuchend, glücklich zu werden, dann färbt das auf einen selbst ab. Es ist wie an einem stark schmutzenden Verkehrsweg zu leben, den Dunst und die Abgase alltäglich einatmen zu müssen, weil es nichts anders gibt an Luft und so gibt es wohl in der Gesellschaft auch keine andere Möglichkeit als zu konsumieren und sich selbst in die Herde der Melkkühe des ewig kapitalistischen Verkäuferseelchens einzubringen.

Konstatiere ich.

Die Journalistenhabe ist jedenfalls dem einsamen Gehöft einverleibt. Neben Vaterhabe, Tantenhabe, Schwagerhabe, Onkelhabe, Freundeshabe, Freundesfreundhabe, Menschen-die-ich-längst-vergessen-habe-habe …

Nichts davon bin ich. Manchmal, wenn ich all die Gegenstände betrachte, die irgendwann irgendwer hier auf dem einsamen Gehöft eingelagert hat, nur mal eben ein paar Monate, erfreue ich mich eines Dings und stelle mir vor, wie es wäre, es zu besitzen, komme aber zur Erkenntnis, dass nicht der Besitz eines Dings das ist, was einen glücklich macht, sondern der Kauf. Dieser kurze Moment zwischen Kasse und Ladentüre, in dem der Gegenstand, sagen wir ein Blumentopf, noch nicht ganz mir gehört, aber auch schon nicht mehr demjenigen, der ihn mir verkauft. Das muss wahres Glück sein. Im kurzen Moment zwischen Kasse und gezücktem Geldbeutel steckt alles Glück dieser Welt. Der Gegenstand, sagen wir ein Neuwagen, hat in deisem Moment noch genau den Wert, der auf dem Preisschild steht. Diesen Wert wird er nach abgeschlossener Bezahlung nie wieder erreichen. Genauer betrachtet wird der Gegenstand, sagen wir ein Fernsehgerät, nach dem Bezahlvorgang, wenn er in mein Eigentum übergegangen ist, gar nichts mehr wert sein. Wenn man den Gegenstand, sagen wir ein Ebike, nach dem Kauf wieder loswerden möchte, ihn verkaufen möchte, muss man sich einreihen in die Riege der Händlerinnen und hoffen, dass das Argument, der Gegenstand, sagen wir ein Elektroherd, ist ja gebraucht, hat Kratzer usw., nicht allzu mindernd auf den Preis auswirkt.

Ich schweife mal wieder ab. Bitte entschuldigen Sie. Es war nur mal wieder ein Auge-auf-Monitor-Moment, in dem ich nicht umhin konnte, ein paar Zeilen zu schreiben. Muss doch geschmeidig bleiben, das Hirn, um Großes zu schreiben irgendwann.

PS: Telefonbuch, Waschmaschine und das Fragezeichen.

Das Blog vertont

Beinahe wäre es passiert! Ich hätte mich nachmittags vors Mikrofon gesetzt und einen Blogeintrag gesprochen, also nicht einen schon geschriebenen Blogeintrag gelesen und ver-em-pe-dreit, sondern statt zu schreiben ihn live ins Mikrofon diktiert.

Telefonate und andere Querelen kamen dazwischen.

Beflügelt und auf die Idee gebracht, dass man ja statt zu schreiben driekt aufs Mikrofon einreden könnte, hatte mich, dass ein erster Beitrag nun auch als mp3-Datei fertig geworden ist. Die Schauspielerin Silvia Bervingas hatte ‚Haferflocken, die halbe Miete der Künstlerernährung‚ gestern gelesen.

Es ging recht flott und ganz zwanglos. Wir tranken Kaffee, rauchten Zigaretten, schwätzten ein wenig. Zwischendurch las Silvia den Text probe, den ich ausgedruckt hatte und das war auf Anhieb gut. Im Audiofile, das ich in den oben verlinkten Artikel eingefügt habe, findet Ihr den zweiten Anlauf, eingelesen im Irgendlinkschen Atelier mit einem guten Mikrofon an einem lautlosen Raspberrypi und mit Audacity zurecht geschnitten und entrauscht.