Das Marathon-Prinzip nach Irgendlink

„Wenn man sich bei der Erledigung einer Aufgabe gut dranstellen kann, oder tollpatschig,“ philosophiere ich gerade, „so sollte man sich tollpatschig dranstellen.“
Wie es auch grundsätzlich besser ist, Fragen, die man mit Ja oder Nein beantworten kann, mit Nein zu beantworten.
Es hat Vorzüge, ein bisschen unterbelichtet zu wirken und sich der menschlichen Gesellschaft zu verweigern.
Ich nenne es das Marathon-Prinzip. Teile deine Kräfte ein. Zeige deinen Mitspielern nie, was zu leisten du im Stande bist. Das gilt im Sport wie im Beruf wie in der Liebe. Es ist das Grundgesetz, mit wenig Mühe sich durchs Leben zu mogeln. Wenn du Sport treibst, versuche nicht deinen Gegner zu besiegen (es sei denn, du kriegst Geld dafür). Wenn dein Chef dich bittet, eine Aufgabe möglichst schnell zu erledigen, erledige sie halb so schnell, wie du kannst und mache noch ein paar unbedeutende Fehler. Zufrieden stellst du ihn damit allemal. Gib im Steuerbearbeitungsprogramm absichtlich einige Daten in die falschen Felder ein – dein Finanzbeamter wird dann über Schummeleien großzügig hinweg sehen, da du es ja offensichtlich nicht besser kannst. Wenn du einen Blogeintrag schreibst, der zufällig keinen Tipp- oder Kommafehler hat, füge naaachträglich noch ein paar Fehler ein, um die Dudenfetischisten unter deinen Lesern nicht zu verwöhnen. Kochst du gerne, dann versalze die Suppe. Will deine Freundin, dass du mal wieder zum Friseur gehst, dann lasse dir eine Glatze schneiden. Wenn du Besuch erwartest, lasse die Wohnung absichtlich unaufgeräumt, dann fühlst du dich beim nächsten Mal, wenn der Besuch unangemeldet kommt und die Wohnung unordentlich (sprich in einem natürlichen Zustand) ist, viel wohler.
Menschen mit Macken müssen stets bestrebt sein, das Heer der Makellosen, welches fingerzeigend auf sie einredet, abzuhärten und ihre Macken zu verteidigen.

Irgendlink, ein Zweigeist

Unbedingt Auto kaufen.

Am Besten Marke Zwaihatsu mit Zweiundzwanzig-Zoll-Felgen und Zwei-Liter Motor.

Dann Kennzeichen „ZW EI 2“ geben lassen und das Haus in der Zweiundzwanziger Straße 22 für 22.000 Euro kaufen.

Jetzt um Hand der zweitältesten Tochter von Theo Zweiundzwanziger anhalten und deren Nachnamen annehmen.

Mit ihr zweiundzwanzig zwielichtige Zwillinge zeugen. Die Mädchen alle Zwheike taufen und die Jungs Zwheinz.

PS: darf man seinen Kindern eigentlich allen den gleichen Vornamen geben?

;-)

Die Überdüngung der Gesellschaft

Heute fuhr ein Auto rückwärts über die Landstraße. Es war halb neun. Ich war vom einsamen Gehöft hinauf geradelt zur höchsten Stelle meines Arbeitswegs. Der Pendlerverkehr pulste. Die Sonne kroch über den Horizont und verstrickte sich sofort in seichte Wolken, Nebel und Dunst, so dass die Szene eine fahle, pastellfarbene Aura umgab. Alles war von Raureif überzogen.

Zunächst dachte ich, der Fahrer habe sich verfahren; er stoße rückwärts bis zum nächsten Feldweg, um dort zu wenden. Aber das Auto passierte die Wendemöglichkeit, fuhr weiter, weiter, weiter, bis es nach hunderten von Metern hinter einer Kurve verschwand. Als sei es ganz natürlich, rückwärts zu fahren.

Warum fahren wir eigentlich immer vorwärts? Warum muss es schneller, besser, komfortabler zugehen in der Welt? In allem, was der Mensch anpackt, liegt eine Steigerung. Wenn es, wie momentan in der Weltwirtschaft, rückwärts geht, so verlieren wir den Mut, verzweifeln, werden hysterisch und laufen schreiend im Kreis; das darf nicht sein. Wenn du eine Reise beginnst, so denkst du in erster Linie ans Ankommen, nie ans Zurückkehren. Dabei ist Wachstum im Wechsel mit Absterben ganz natürlich.

„Hast du das gesehen“, redete ich mit mir selbst, „wie Herbst ist der mysteriöse Autofahrer hinter der Kurve verschwunden“.

Diese Gesellschaft ist überdüngt. Wir haben viel zu viel. Wir zucken zusammen, weil wir Sorge haben, nicht genug zu haben. Angststarre. Als gäbe es nur den einen Weg, aufwärts, aufwärts, aufwärts. Koste es was es wolle.

Warum nicht andere Wege gehen: erstens weg mit der Angst, nieder mit der sich anbahnenden Massenhysterie. Habe den Mut weniger zu verdienen, weniger zu kaufen, weniger zu besitzen, und jawohl, habe auch den Mut weniger zu produzieren.

Es sei Herbst!

Im Straßengraben lag ein alter Lederschuh. Nur der Linke.

„Wenn ich Schuhfabrikant wäre“, murmelte ich im kalten Fahrtwind, „würde ich ab heute nur noch linke Schuhe produzieren. –  ahahahahaha …“, schallte es in die pastellblasse Winterwelt. „Weniger Schuhe, weniger Farben, weniger Alles“, jubilierte ich.

Mein Hirn war überdüngt.