blogbibliothek.ch

Das Jahr fing ja gut an. Eine Mail im Postkasten aus der Schweiz, in der ich erstmals seit meinem Dasein im Netz gefragt wurde, ob ein Artikel, der mal in diesem Blog veröffentlicht wurde, woanders veröffentlicht werden darf. So müsste das immer sein im Zeitalter der Contentaggregation.

Ein (fast) fremder Mensch hat etwas, was ich geschrieben habe, einem anderen fremden Menschen vorgestellt, welcher es lesenswert fand – kurzum ein Beweis, dass das Irgendlink-Blog keine Mitleidsleser hat :-)

Hinter der Maileinladung steckt Blogkollege Thinkabout, der zur Zeit zusammen mit zwei weiteren Blogophilen ein Portal aufsetzt, in dem lesenswerte Blogbeiträge gesammelt werden. Die Blogbibliothek erscheint mit nur vier Rubriken (Meinung, Erzählung, Humor und Reflexion) als übersichtliche Website mit allen wichtigen Elementen, die das Web 2.0 fordert (Kommentarfunktion für den User und automatische Referenzierung für den Admin). Kurz und knapp, mehr muss nicht. Das Raffinierte an der Kommentarfunktion ist, dass die Kommentare nicht unnötig am „falschen“ Platz in der Blogbibliothek gepostet werden, sondern direkt im Ursprungsweblog, also dort, wo sie hingehören.

Die Philosophie der Blogbibliothek ist strikt. Das Portal  „soll nicht zuletzt jene Blogs unterstützen, in denen die BetreiberInnen ihre Energie in nichts Anderes so sehr stecken wie in den einzelnen Text, mit Sorgfalt zum jeweiligen Thema, aber auch zur Sprache.“

Wie bei allen Portalen lebt es von den Nutzern und für die Nutzer. Blogleser können über ein Formular Vorschläge einreichen von Artikeln, die sie für lesenswert halten. Die Blogbiblipothek schreibt nach einer Überpüfung die Urheber an und holt eine Veröffentlichungsgenehmigung ein.

Kriterien für die Aufnahme in die Blogbibliothek sind Qualität, sowie die vorgeschlagenen Blogger sollten aktiv sein (regelmäßig bloggen). Die vorgeschlagenen Artikel dürfen jedoch gerne älteren Datums sein.

Drei Lämmer

Obwohl die Stadt Z. über 30.000 Einwohner hat, ist sie doch eher ländlich, wie folgendes Fundstück eindrucksvoll untermauert.

3laemmer

Nebelfotos und grundlegende Provokationen zum Thema Werktätigkeit

„Der Werktätige ist werktätig, weil er hofft, mit der Werktätigkeit so viel Geld zu verdienen, dass er nie mehr werktätig sein muss“. Diesen provokanten Satz murmelte ich heute morgen vor mich hin in meiner Not keinen Zettel zu haben und kein Diktiergerät. Es war in der Nähe einer Shelltankstelle, das Benzin kostete 1.189, ich auf dem Fahrrad.

Ob mein Satz auch Gehalt hat und eine wirkliche Bedeutung, oder ob es sich mit der Behauptung um Unfug handelt, war mir heute Morgen nicht klar. „Unbedingt den selben Satz mit Künstler bilden und irgendwie abwandeln und dann die beiden Sätze nebeneinander stellen, um die Unterschiede zwischen den Denkweisen eines Werktätigen und eines Künstlers aufzuzeigen“, murmelte ich weiters.

Ich weiß nicht, ob es Unterschiede in den Denkweisen von Künstlern und Werktätigen gibt, ob es überhaupt allzu große Unterschiede in den Denkweisen der Menschen gibt. Insgeheim hoffen wir doch alle auf Erlösung aus dem Schlamassel unseres Alltags. Auf endgültiges Glück. Aber irgendwas quält jeden. Geld scheint für viele der Ausweg.

Diese exorbitante Sonne kurz nach acht! Ich radelte, wie üblich ohne Kamera – aber heute musste ich umdrehen, das Ding holen, heute mussten die untigen Aufnahmen gemacht werden. Arbeit hin, Arbeit her, ich werde zu spät kommen müssen.

nebel09-1Blick hinunter ins Dörfchen K. In den Tälern liegt zäher Nebel, während die Sonne ums einsame Gehöft bizarre Lichtlöcher frisst. Drunten im Dörfchen leuchtete rosa Luft, als läge die Sonne im Dunst verteilt. Schlote, kerzengerade in den Himmel und dunkle kahle Wälder steil hinter den Häusern im Zentrum.

nebel09-2Sonnenaufgang am 15. Januar 2009 – es ist schwer, hierzulande ein Landschaftsmotiv ohne Stomleitungen oder Windkraftanlagen zu finden. Deshalb baut man die postnatürlichen Elemente am Besten mit ein ins Bild.

hom-kirrImmer wieder stoppe ich und lehne mein Fahrrad an Schilder, denn gute Motive finden sich bei diesen Lichtverhältnissen zu Hauf. Auf dem Gepäckträger die Pearl Izumi-Handschuhe, angeblich bis Minus 30 Grad tauglich. Von mir kürzlich eine Stunde lang bei Minus zehn Grad getestet, welches mir auch die Komfort-Temperaturgrenze zu sein scheint.

Loungeforensik

Frühmorgens die Welt wahrgenommen: ich überlegte, ein Haus zu kaufen in der Kleinstraße im Kraftwerkstädtchen B. Ein uraltes Häuschen mit giftiger Asbestfassade, feuchten Stellen um die Kellerfenster und klassich grauen Gehwegplatten aus Beton vor der Tür. Geht Euch das nicht auch manchmal so, dass Ihr frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit an einem Haus vorbei kommt, das Ihr gerne kaufen würdet? Der Grund für meine Kauflust war, dass mich vor Weihnachten in eben dieser Straße ein wildfremder, älterer Mann freundlich gegrüßt hat. Außerdem wohnt gleich um die Ecke ein Heilpraktiker namens Siedentopf.

Für mich sind das Hinweise aus einem Paralleluniversum. Mit den mantrisch summenden Worten „Kauf das Haus, kauf das Haus, kauf das Haus, ’s will niemand drin leben nur du sauß und brauß“, strampelte ich Richtung Arbeit.

Heute arbeitete ich zusammen mit Kollege T. in der Abteilung Loungeforensik. Die Loungeforensik ist ein hochwissenschaftlicher Bereich der Veranstaltungstechnik, der zu ergründen versucht, was mit den Mietmöbeln auf diversen Veranstaltungen und Partys geschehen ist. Der erfahrene Loungeforensiker kann, ähnlich wie ein Kriminologe an winzigen Details den genauen Ablauf einer Party rekonstruieren.

Kollege T. und ich knöpften uns acht Paletten Möbel vor, die vier Wochen lang beim Zirkus F.-F- gestanden hatten. Sie waren in einem erstaunlich guten Zustand. Nur ein einziges, langes, rotes Haar auf einem Megasitz ließ Rückschlüsse auf eventuelle Ausschweifungen zu.

Gemeinsam rekonstruierten wir die eine oder andere Stellung, was Menschen mit Möbeln eben tun. Das dimmte ein bisschen die Letharegie, die mich seit Anbeginn des Jahres befallen hat – diese wunderbaren loungeforensichen Scherze. Einem französischen Autokonzern haben wir vor einem halben Jahr eine wahre Sexorgie angedichtet … ich schweife aus, das dimmte also meine Lethargie und die allgemeine Schlappheit.

Nun, da ich dies schreibe, bin ich hellwach. Ich radele auch wieder. Radeln hält mich am Leben. Der Heimweg vorbei am Gasthaus R. war, obwohl verschneit, geradezu frühlinghaft. Nach Minus zehn Grad fühlen sich Null Grad warm an. Das Leben ist nunmal eine Kombination verschiedener Gewohnheiten.

am 13. um 13 Uhr 13

Verwirrend dürften manchmal die Veröffentlichungsdaten der Posts sein. Man kann sie einstellen, wie man möchte. So kann ich in Zeiten, in denen ich viel weiß, für die Zukunft sparen.