Tag 53 – die Strecke

Nach seiner Landung am Flughafen Bergen ist Irgendlink zuerst nach Bergen gefahren und von da aus später Richtung Süden weitergeradelt. Auf dem angedachten Camping, der sich als Motel offenbarte, wollte er nicht bleiben. So radelte er weiter und hat sich nun unter Fichten einen Wildzeltplatz aufgebaut. Im Land des Jedermannsrechts ganz legal.

Nach Jedermannsrecht ist es ja in den meisten nordischen Ländern und der Schweiz(!) jedermanns/-fraus Recht, in der Natur zu campieren – natürlich unter Einhaltung von Sorgfalt und mit Achtsamkeit.

>>> Sumburgh Airport (Shetlands) – Bergen Lufthavn (Norge) – Bergen – Fichtenwildzeltplatz bei Fana in der Pampa: Zum heutigen Kartenausschnitt: bitte hier klicken!

Airplane in Motion

Zyklisches Rauschen, als würde mit dem iPhone alle anderthalb Sekunden eine Email versendet – Fawosch Fawosch Fawosch. Unterlegt vom Brummen der Motoren. Seit einer halben Stunde in der Luft. Blauer Himmel. Ich sitze auf der Südseite des Fliegers. Platz 10 D. Nur wenige Sitzplätze sind noch frei. 12 Sitzreihen à drei Plätze plus Crew. Man serviert Kaffee und einen Schmatzriegel. Meine Angst vorm Abstürzen hat sich gelegt. Die meisten Unglücke geschehen beim Start und bei der Landung. Geradezu naiv präge ich mir die Lage der Bohrinseln, die man zwischen den Schönwetterwölkchen erkennt ein. Falls mal was ist … Könnte man in die Richtung schwimmen. Kleines naives Kunstflugbübchen. Die Analogie zwischen Flugzeug und Artist wird mir bewusst. Wir beide müssen immer in Bewegung sein, damit wir nicht abstürzen. Das erklärt meinen Wartekoller in Kirkwall.

Um auf den Flieger zu kommen, laufen wir etwa 200 Meter über das Vorfeld. Die Glasgow Maschine ist nebenan startklar. Auf einem Transporter erkenne ich mein Rad und den roten Packsack. Auf dem Weg in den richtigen Flieger.

Nun sind wir schon im Sinkflug. Druck auf den Ohren. Die Geräusche sind jetzt anders. Das macht mich nervös.

Wie sehr man doch von Unwahrscheinlichkeiten in die Enge getrieben wird. Wenn nie ein Flieger abgestürzt wäre oder entführt worden wäre, hätte man auch keine Angst davor. Ist wie bei wilden Tieren, die nie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Ich habe mal gehört, sie seien zutraulich, wenn sie die Gefahr nicht ahnen.

Die britische Überwachungskameramanie kommt mir in den Sinn. Wenn nie in ein Haus eingebrochen worden wäre, würde man die Häuser dann überhaupt absperren? Ob eine Gesellschaft möglich wäre, in der die Menschen begreifen, dass das, was nicht ihnen gehört, jemand anderem gehört?

Übers Meer und im Briefkasten was neues!

Während Irgendlink das Meer von West nach Ost überfliegt, habe ich den neuen Newsletter verschickt. Direkt zu den Newsletters: hier klicken.

*oh-shameonme* … ich habe den Brief im normalen Modus statt im BCC-Modus verschickt! Bitte verzeiht mir! Das Glück im Unglück dabei ist, dass ich immer nur etwa zwanzig Mails im gleichen Paket versende und drum der Mailadressenrattenschwanz nicht allzu lang geworden ist. Ausgerechnet mir passiert das, wo ich doch immer allen predige, genau das nicht zu tun – von wegen Datenschutz und so!

Ich bitte euch vielmals um Verzeihung. Bitte ignoriert die anderen Adressen einfach!

Und bitte drückt Irgendlink für seinen Flug die Daumen. :-)

EDIT um 15:14: Irgendlink hat angerufen. Er hat das Festland erreicht und alles hat gut geklappt. Doof nur, dass ihm der Kontinent die vor ein paar Wochen geliehene Stunde Lebenszeit wieder abgezwackt hat. Immerhin tickt er jetzt wieder gleich wie wir.

Durchgeschleust

Habe die Abflughalle erreicht. Radel kommt unverpackt anstandslos mit. Beim Abschrauben der Pedale gabs Probleme. Die Security hatte einen Ersatzschlüssel. Zum Glück.

Nun warten. Eine Schande, das Land bei DEM Wetterchen zu verlassen. Ich schwitze mich noch kaputt.

Zusatzgepäck musste ich auch nicht zahlen. 20,9 kg hat die Waage gezeigt. Plus Radel hab ich also 35 Kilo unterm äh unter den Füßen.