Villamayor

Auf einer Bergkuppe kurz vor dem Pueblo. Plätscherneer Brunnen, der in einem Steinhaus gefasst ist, das aussieht wie eine Kirche. Ca. 15 Sandsteinstufen führen auf einer Breite von 6 Metern hinunter zum Becken. Laden ein zum Ruhen. Die letzten 15 km sind nichts für HundeliebhaberInnen: in jedem einsamen Gehöft hängen große traurige Kettenhunde, wedeln mit dem Schwanz und unterbrechen ihr verzweifeltes Gebell, wenn ich ihnen zurufe „Hundche“. Kurz vor Estella gestern Abend ein 100 qm Terrain von Thujahecken umgeben, aus dem das Gejaule von ca. 6 Hundestimmen zu hören ist. Was ist der Mensch doch für ein grausames Tier.

Estella Bibliotheca Municipal

So sehe ich aus in der Morgenkälte uwischen acht und neun im Free WIFI. Stadt erwacht. Frauen mit Kinerwagen, Boxerhunden, winzigen Fifis. Ladenbesitzer stellen ihre Waren nach draußen. Lehne auf der Fensterbank der Bib, welche als Stehpult fungiert. Ca. 5 Grad. Laura SMSt aus Los Arcos. nochn paar Bilder.

Motivation am zweiten Tag
Jan und Jost auf dem Alro de Perdón

Kein Frau kein Geschrei – Stundenlang

7-Uhr-pervers-früh. Städtische Pilgerherberge Estella. Just als das iPhone mich aus dem Schlaf reißt, dröhnt aus dem Erdgeschoss durchs hohle Treppenhaus der Bob Marley Song „No woman, no cry“, was, wie ich einmal gehört habe, nicht etwa heißt, keine Frau – kein Gejammer, sondern: Nein meine Liebste, weine nicht. So stehe ich im Treppenhaus auf dem steinernen Geländer lehnend und muss mich erst einmal fassen, ehe ich dem Herbergspapa unter die Augen trete. Zigarettenqualm steigt auf. Am Treppenaufgang steht eine Heiligenfigur, Pilgerstab in der Hand. Da die CD auf Repeat steht, wird der Song wiederholt. Live.
Router für WIFi blinkt an einer abenteuerlichen Kabelinstallation auf halber Höhe an der Wand. Im Frühstücksraum ist auf dem 6 Meter langen Tisch ein.entbehrungsreiches Frühstück gedeckt: Kekse, Marmelade, Magarine, Schokopulver, Milch und was den Vogel abschießt: eine 2 Liter Kanne braune, kalte Brühe, die man sich in der Mikrowelle aufheizen kann. Dafür möchte ich an dieser Stelle das K-Wort nicht gebrauchen.
Es soll schneien bis auf 400 Meter, saget die perfekt englisch sprechende Anna.
Oh was für ein herrlicher Tag.
Nein meine Liebste, weine nicht.