Mein unsortiert chaotisches Neuschwanstein-Puzzle ohne alle Teile

Eine Nacht wie mit der Axt gespalten. Zwei Uhr fünfundfünfzig wach. Kommt davon, wenn man um zehn Uhr schon ins Bett geht. Nachdem ich eine Weile hadernd hin und her wälzend verbracht hatte, stehe ich auf und schreibe. Schließlich bezahlt man mich dafür. Ein weiterer Baustein fürs Passfälscher-Projekt. Das ist ein ziemliches Flickwerk mittlerweile; aus Entwürfen, Unkorrigiertem, zu Verwerfendem und Weiterzudenkendem. Dennoch macht es Freude. Ich gewöhne mich langsam an die Unordnung, die ich früher beim Schreiben nie leiden konnte. Alles musste linear sein, eins aufs andere aufbauen. Die Puzzle-Technik mit verschiedenen Projekten in Arbeit praktiziere ich erst seit ein paar Monaten. Manchmal denke ich, ach, Irgendlink, pack doch alles offen und frei zugänglich in dieses eine Blog hier und überlasse es dem Universum. Kümmere dich nicht ums Formen, Korrigieren, Zurechtrücken. Mein unsortiert chaotisches Neuschwanstein-Puzzle ohne alle Teile läge ausgebreitet auf einem Tisch. Dazwischen Alltägliches, Werkzeug, Nichtdazugehörendes, Essensreste, ungespültes Geschirr. Was für ein Bild. Hier ein Fetzen bauesoterischer Krimi (bzw. Nichtkrimi), da der Passfälscherbausatz und irgendwo dazwischen schon weitgehend zusammengefügt die alten linearen Reiseblogprojekte. Letztere sind in der Tat fast alle in diesem Blog gelistet, liegen zwischen Unsortiertem klar erkennbar auf meinem Puzzletisch.

Nachdem ich den Text gehackt hatte, der so eine Art Nexus werden soll zu einer zweiten Phase Passfälscher, war die Kälte bis in den Kern des Körpers vorgedrungen. Ich hatte kein Feuer im Ofen. Die Wohnungstemperatur liegt nachts bei 14 Grad, was nach dem sattkalten Winter zum Glück nicht so sehr schmerzt. Dennoch war ich gegen fünf Uhr völlig durchfroren, kroch zurück ins Hochbett und schlief zusammengerollt wie eine Katze wieder ein.

Nun wachzwitschern die Vögel. Ein weiterer guter, frühlinghafter Tag beginnt. Ich werde dem Freund Journalist F. wieder assistieren, einkaufen, Wäsche und solche alltäglichen Dinge.

3 Gedanken zu „Mein unsortiert chaotisches Neuschwanstein-Puzzle ohne alle Teile“

  1. Eine treffende Metapher mit dem Puzzle. Aber ob da wirklich ein Schloss Neuschwanstein draus wird? Da sind viel zu viele Teile in grün wie Wald und Gras, in blau wie Himmel und in grau wie Straßenbelag. Oder so. 😊

  2. Ist doch super:
    So hast Du gleich mehrere Eisen im Feuer. Die Redewendung stammt, wie ich im Netz lese, aus der Zeit vor der Einführung des elektrischen Stroms. Die Bügeleisen wurden mit Einsätzen aus Eisenkernen betrieben, welche im Ofenfeuer vorgewärmt wurden.
    Der kluge Blogger hat also „mehrere Eisen im Feuer“, um nach Auskühlen des einen Satzes, sprich: des einen Projektes, den nächsten, sprich: das andere Projekt, einschieben zu können. Der Ofen muss halt am Brennen gehalten werden, damit die Einsätze, sprich: Projekte, nicht auskühlen.

    Gruß Uwe

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