Cowboy und Indianer nach Esch-sur-Alzette tragen

Die Platzwartin vom Campingplatz Dr. Ernst Dadder kredenzt mir zum Abschied zwei dicke Wurstbrote mit Gürkchen und einen Kaffee. Somit nehme ich sie in die Liste der Sponsorinnen der Herzen auf. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Kurz hinter Wallerfangen bin ich heilfroh um die Futterspende. Es geht erstmals steil berghoch Richtung St. Barbara. Die Schutzpatronin des Bergbaus lässt grüßen. Der Himmel trübt sich ein. Im Straßengraben eine tote Meise, ein Sack Pornos, was auf eine generell schlechte Internetverbindung in dieser Gegend schließen lässt.

Auf den folgenden 30 km geht es ständig auf und ab, ich passiere einen Berg namens Sudelberg, passt irgendwie zu den Pornos, lache ich, hinüber ins Niemandsland der Mobilfunknetze, nicht Deutschland, noch Frankreich, aber die Gegend um das Flüsschen Nied ist wunderschön und voller Kleinodien, Höhlen gibt es hier, stillgelegte Bahnstrecken, stand-by-me-Romantik pur und Römerbauten. So ackere ich an der Deutsch-Französischen Grenze Richtung Luxemburg. Ein alter Kerl mit zwei müden Hunden erklärt mir den Weg. Er trägt eine Mütze mit Schweizflagge, die habe ihm mal jemand geschenkt. An der Mosel überquere ich den Moselradweg, rennradfahrerschwanger. Der Radclub aus Thionville oder sonstwo in der Nähe kritzelt mir die Strecke bis Esch-sur-Alzette auf einen Zettel. Esch ist mir durch die länderübergreifende Werbung über Konzerte in der dortigen Rockhall schon fast wie bekannt. Dass ich gegen Ende des Tages auf der Strecke Duddelange-Kayl-Esch noch ca. 3 Zweibrücker Kreuzberge erklimmen muss, bricht mir fast das Genick. Bei km 150 erreiche ich Esch und erklimme schiebend das steile Gaalgebierg. Der Campingplatz ist immer offen, oberhalb des Stadtparks und eines Hotels. Die Stadt ächzt wie eine Maschine. Ist das ein Stahlwerk da unten? Und die Sirenen, die mich beim Hochschieben begleiten erinnern mich an Oslo, dessen Campingplatz auch hoch oben über der Stadt liegt und wo in meiner Erinnerung Tag und Nacht Sirenen heulen und Stahl ächzt. Im Anhören all des Lärms aus Industrie, Autos, zweier Jungs, die mit einem ferngesteuerten Zweitakt-Modellauto spielen, frage ich mich, wie die Welt wohl aussähe, wenn nicht wir, die „Cowboys“, Amerika annektiert hätten, sondern die, die Indianer, Europa.
Sie hätten es vermutlich nicht getan?

2 Gedanken zu „Cowboy und Indianer nach Esch-sur-Alzette tragen“

  1. warum auch hätten sie europa annektieren sollen wollen? sie hatten land und büffel und lebten mit und auf mutter erde unter vater himmel, trommelten für ihre göttInnen und pflegten hier und da ein scharmützel mit ihren roten brüdern… die devise lautete beschämung, das morden kam erst mit den weißen… grmpf…

    ein tag des ächzen und stöhnens, aber schon längst vorbei? lese mal weiter…

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