Danke, Dänen, danke

Endlich! Ich hatte schon befürchtet, dass ich das nie wieder erleben darf: Grenzkontrolle. Dass ich bis in die ferne Ukraine fahren muss, in die Türkei oder gar mit einem Ruderboot das Mittelmeer überqueren muss, um in Tunesien, Algerien, Marokko in den Genuss zu kommen.

Schweiß, Adrenalin, ein gültiger Personalausweis und dieses leise Gefühl im Gepäck, du hast irgendein Vergehen am Hintern, dein Gesicht gefällt einem Uniformierten nicht, du hast zu wenig Geld in der Tasche oder zu viel, zu viel Schnaps, Parfüm, Kaffee im Kofferraum – das gute alte Europa mit seinen vielen vielen Grenzen und den vielen vielen Kontrollen ist mir schon beinahe in Vergessenheit geraten. Wie war das noch, damals, 91, zu fünft in einem Ford Escort nach Schweden, Stufenheck, zwei seltsame Studenten per Mitfahrzentrale, die es sich nicht hatten nehmen lassen, palettenweise Bier im Kofferraum zu stapeln, Weißbierflaschen klapperten im Motorraum beim Verlassen der Fähre und eine freundliche blonde Zöllnerin winkte uns generös hindurch. Ouuh, nochmal davon gekommen. Oder noch besser, Zonengrenze, Spiegel unter den Autos, Leibesvisitation, Antiimperialistischer Schutzwall der schlechten Laune, griesgrämige Schwerbewaffnete, die überhaupt keinen Spaß verstehen.

Vorbei das alles nach dem Mauerfall, dem Schengener Abkommen, der Euro Einführung. Freie Fahrt kann ja manchmal so langweilig sein. Vom Nordkap nach Gibraltar ohne auch nur eine Grenzkontrolle. Die Wenigsten dürften das überleben, schlafen sie doch unterwegs am Steuer ein, sterben am nächsten Baum. Die Unterversorgung mit Adrenalin ist schuld daran. Der Staat und die Bürokratie. Europa ist schuld!

Wohl den Dänen, denn sie haben erkannt, was uns allen fehlt: die wachrüttelnde, spritzige, belebende Kraft der Grenzkontrolle.

Ich verbringe meinen diesjährigen Urlaub auf jeden Fall in Dänemark. Welch Geschenk, Dänen, traumhaft. Dankeeee! So billig kriegt man den Grenzkontrollkick sonst nirgends. Und die Nostalgie, die prickelnde Angst, das paranoid schlechte Gewissen … Gebt mir mehr.

6 Gedanken zu „Danke, Dänen, danke“

  1. letzte woche, auf der fahrt nach sachsen, ich fahre irgendwo vor stuttgart auf eine raststätte, pinkelpause… dann will ich weiter, gebe gas und dann bremse ich auch schon wieder – zollkontrolle! hä? ich meine, ist hier irgendwo eine grenze? die liegt doch mindestens 150km weiter südlich und 900km nördlich… ein sehr unfreundlicher uniformierter fragt: woher kommen sie, wohin fahren sie… ich komme von i und fahre nach f – prüfend schleicht er ums auto – i und f interessieren ihn nciht, kennt er wahrscheinlich och gar nicht – gute fahrt denn… aha, SO ist das also mit dem schengener abkommen – das niemandsland breitet sich über die ganze republik – grumpf – aber eben, das wird ja jetzt wieder alles anders – wir = europa muss sich dann eben doch schützen, wegen der vielen menschen, die bei uns zuflucht suchen, nein, nein, kein platz mehr und dann eben wieder grenzkontrollen, adrenalin und was es noch so alles feines im gepäck hat

    1. Du siehst ja auch so verschlagen aus, LiSsi, sei froh, dass du deinen Schmuggelgroßraumlaster nicht ausräumen musstest :-)

  2. Ja die gute alte Zeit mit den Grenzen.
    Wie ist das eigentlich?
    Nach der Abschaffung der Genzen durfte der Zoll ja überall kontrollieren, aber wenn die Wikinger … ähm.. Dänen nun wieder Grenzen einführen? Schmeissen wir dann alles wieder um?

  3. da sagst du was… breit grins
    soulsnatcher, na klar, allet wieder zurückjedreht, so wirds nich langweilig und an den wirklichen Problemen dieser Welt muss nüscht geändert werden… Hauptsache Grenzen wieder dicht… vielleicht gibt es ja bald auch wieder eine Mauer – stöhn…

  4. Hmm. Bei der Mauer käme es mir auf Verlauf Höhe und verwendungszweck an. Wenn wir die andere Seite Fluten und dahinter Wale retten wäre es ok.
    Muss nur noch ein Platz gefunden werden. ;-)

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