Warum habe ich die Gabe des täglichen Schreibens verloren? Ich vermute, Faulheit steckt hinter der Sache. Bzw. vielleicht setzt sich ein Trend fort, der sich im letzten Jahr entwickelt hat: ich reagiere allergisch auf Kunst und Kultur. Es ist mit mir wie mit den Ex-Rauchern, die allzuoft ziemlich aggressiv auf Noch-Raucher reagieren.

Ex-Künstler reagieren wohl so auf die Kunst. Letztes Jahr musste der Bildende Kunst-Zweig über die Klinge springen. Dieses Jahr ist das Schreiben dran. Es ist nichts mehr übrig von der Figur Irgendlink.

5 Gedanken zu „“

  1. ist nicht genau das auch kunst? jene quelle fliessen lassen, die grad JETZT fliessen will? hm, oder ist es ganz anders und die quelle ist gar (temporär) vertrocknet? faulheit oder nicht: dass von der „figur irgendlink“ nichts mehr übrig ist, wage ich zu beweifeln. dessen schöpfer/alter ego ist jedenfalls noch da. don’t give up!

    vielleicht häutet er sich einfach nur, der irgendlink? was auch immer da für prozesse im gange sind: es ist nicht das ende. einmal künstler – immer künstler …

    oderrrrr?

  2. Zur Authentizität gehört, Erwartungen des erworbenen Publikums zu missachten.
    Nur wer zeitweise aussteigt, hat den Genuss des Wiedereinstiegs oder des Einstiegs in eine andere Sache.
    Persönliche Erfahrungssache – nicht unbedingt übertragbar, aber bedenkenswert, denke ich.

  3. Pure Angst? Frage ich mich. Ist die pure Angst der Grund, dass ich aufgehört habe zu kunsten und zu schreiben. Habe ich wirklich aufgehört? Noch einige Strukturen im Hirn – gestern im Zug saß gegenüber ein lauter Kerl, der irgendwas von den Synapsen im Hirn erzählte, während ich gerade über Meridiane im Körper nachdachte und mit der Zunge am Gaumen fummelte – aus Wahn oder weil man sich die unbegreiflichen Dinge (die man nicht sehen kann, aber von denen viele überzeugt sind, dass es sie gibt – wie zum Beispiel die Meridiane im Körper) – weil man sich diese unbegreifbaren Dinge eben doch vorstellt und sie somit auch anfangen zu existieren. Okay, dachte ich, Zunge am Gaumen, da ist eine krumme Linie in mir drin, die vom Zentrum des Hirns über den Gaumen bis in den Bauch reicht, dort endet. Soweit kann ich es also fühlen, da ist dieser Meridian, genauso unsichtbar wie die Synapsen im Hirn des Typen gegenüber. Vorbei zieht die Landschfat, grün und satt, während der Typ fabuliert, es ist dem Lernenden wichtig, die Dinge zu wiederholen wegen dieser Synapsen und so. Und über den Typen, der sich übrigens mit einem stillen Mädchen namens Sabine unterhielt, wäre auch eine Geschichte zu schreiben, ach was, jeder Baum und Tümpel und graue Vogel, die am Zugfenster vorbeiziehen, wäre es wert darüber zu schreiben – man müsste diese bildgewordenen Elemente nur richtig fügen und die Leser hätten sogar Spaß, es zu lesen. Tse. Ausgerechnet die Banalität einer Zugfahrt, die man schon 100 mal gemacht hat, gerät zur Außergewöhnlichkeit und könnte Baustein eines Größeren sein. Die modulare Denkweise fällt mir ein. Ich wippe auf meinem Sitzplatz zwischen all den Freitagnachmittag Feierabend Menschen hin und her, zücke mein ledernes Notizbuch und weil der laute Typ argwöhnisch rüber schaut, ob ich nun seine Rede mit stenografiere, zücke ich mein Handy und tue so, als ob ich eine Telefonnummer abschreibe. Tarnung, Tarnung, nichts als Tarnung. Das halbe Leben ist Tarnung, der Rest ist Vertuschung.
    Solltest du nicht diese Szene im Zug skizzieren und ins Blog schreiben, eines jener Module, aus denen du später das Große zusammen baust? Dann wärst du als Schreiber auf der Rückkehr, dann hättest du in obigem Artikel gelogen, dass diese Figur Irgendlink abhanden gekommen ist, dann würde alles allem widersprechen und die lieben Leserinnen, ohne die es nun nicht mehr geht, würden recht haben: auszumerzen oder zu verlieren oder zu vergessen ist diese Figur Irgendlink einfach nicht. Dazu steht zu viel in dem vorliegenden Buch. Die derzeitige Flaute, erkenne ich nun, da ich diesen Kommentar schreibe, ist Teil des Ganzen. Es ist wie langer Schlaf, im Zentrum des Schädels ein Sturm vor der Ruhe, jawohl, jener unabdingbaren Ruhe, mit der man letztlich doch noch die Dinge zu Papier bringen könnte. Wenn man nur nicht so müde wäre, sich die Kräfte gegeneinander aufheben würden – etwas mehr Disziplin, Irgendlink, Monami :-)

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