Drei-Jacken-Irgend

Vom Wintervorrat 2013-2014 sind von der ersten Holztranche schon ein Viertel verbrannt. Durch die Grippe war es einfach unpassend, einen auf Frieren zu machen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich trage selbst Schuld an der Misere. Hätte ich nicht in Perth in dem feinen Kleiderladen in einer Seitengasse der Fußgängerzone, ist jetzt ein Jahr her, die atemberaubend wetterresistenten Klamotten gekauft, ich Weichei der modernen Liveblogreiseliteratur, müsste ich jetzt nicht unter dieser ewigen Regenwolke laufen. Und mit mir halb Europa. Ich habs vermasselt, als ich mit der goldenen Visakarte knapp 50 Pfund bezahlte und mit auf dem Einkaufszettel stand, sieben Jahre wirst Du unter einer Regenwolke leben. Die Verkäuferin vom Typ Besuch der alten Dame, ritzte mir den Arm. Mit einem goldenen Federkiel schrieb ich YES SIR I WILL. Minuten später wurde ich Zeuge einer echt schottischen Hochzeit vor einem Hotel am River Tay. Alle Männer beeindruckender Weise im Kilt. Ich knipste eine kupferoxidgrüne Bronce auf einem Granitsockel und verließ die Stadt auf dem Flussradweg nach Nordwesten.
Ich muss das nicht erzählen. Aber seither lebe ich in Schlechtwetter, Held in langer Unterhose, Dreitagebärtiger Zeterer an den ewigen Klippen der Wetterkatastrophenvermarktungsindustrie. Hohelied der Larmoyanzblogschreibsphäre-Sänger.
Der Kühlschrank auf der Südterrasse surrt, wozu, wozu, wozu. Die Katze bildet Schwimmhäute aus zwischen ihren ergrauenden Krallen. Und Kiemen. Seltsame Vögel schreien in die Nacht. Ich ziehe die Nase hoch, was ein bisschen klingt, wie das Krahen der Saatkrähen, die sich zu tausenden auf den sumpfigen Maisäckern rings um das einsame Gehöft tummeln. Hitchcock hätte nicht im Traum gedacht, dass seine unheimliche Vision einmal weit abseits der Küste eine neue, ganz andere Qualität gewinnt.
Ich schreibe diese Zeilen nur so aus Lust, stehend am Tresen in der Freilandküche des einsamen Gehöfts. Eine Art Fingerübung, ein Text, der nicht die Ambition hat, verstanden zu werden, oder Sinn zu ergeben. Es ist hmm, Lebenslust mit drei Jacken am Leib und langer Unterhose im infernalischsten aller Jahre.
Zur Krönung schenke ich allen Lesenden generös die Fipptehler, die sich auf dem ins Telefon gehackten Text ergeben haben. Ab damit. Euer Dreijacken-Irgend.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

9 Gedanken zu „Drei-Jacken-Irgend“

  1. einfach das Beste draus machen: Fotoserien von regenbeschlagenen Scheiben, Teetrinken mitten im Frühling und Aktien von Goretex kaufen. Vor allem die Farben im Wald sind derzeit ein Traum….

  2. die zwei faserpelze-sophia liest und schmunzelt und versteht.
    stell dir vor, heute regnets hier mal nicht. man glaubt es kaum. all die tiere mit ihren neuen schwimmhäuten tun mir leid, denn bald gibt es nichts mehr zum durchschwimmen. ja, ich gebe die hoffnung noch nicht auf.
    eine warme nacht wünsch ich dir!

  3. Ich liege hier gerade auf der Couch, Wolldecke um die Beine, Heizung läuft… und auf dem Tisch steht ein Humpen „Adventstee“, den ich mir eben gekocht habe. ;-)
    Wäre es draußen trotz 19:20 Uhr nicht so hell und wäre es nicht so grün, ich könnte die Vorweihnachtszeit so richtig doll genießen. :D Aber so passt das alles irgendwie nicht richtig in meinem Kopf zusammen…
    Euch beiden liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    und dem Monsieur „Gute Besserung!“,
    Andrea

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