Irgendlink and the Great Vigenère Reef

Jaja, der Herr Künstler umgibt sich mit einem Geheimnis – die gute alte Vigenère Methode wieder ausgegraben. Ver- und Entschlüsseln macht Spaß. Zugegeben, da schlägt mein Geocacher-Geschmack durch.

Der Deckhengst-Eintrag ist harmlos. Hätte ich ihn gestern Nacht geschrieben, wäre er nicht harmlos. Aber da hatte ich ja die halbe Flasche Chardonnay – oder wars Cremont – im Kopf und Husten und roch nach Pferdemist, war schlichtweg zu müde, es aufzuschreiben. Nachts keimte der Gedanke, die Geschichte ist ein Fall für Vigenère.

Vielleicht ist das mein Künstler Karma. Verstecken gehört zum Konzept. Suchen gehört sowieso zum Konzept (der Künstler ist auf der Suche nach sich selbst / nach neuen Ausdrucksmitteln / nach Geld / Ruhm / Ehre – der Künstler versteckt sich selbst, die neuen Ausdrucksmittel; Geld, Ruhm und Ehre verscharrt er in einem modrigen Grab …. ahahaha).

Ne, im Ernst: das Leben muss Spaß machen, deshalb geht es bei mir manchmal ein bisschen till-eulenspiegelesk zu.

Triste Nachtfahrt Nähe Kaiserslautern. Flugplatz Ramstein sieht aus wie ein UFO-Landeplatz – leg’s zu den Akten deiner Phantasie, lächle, drehe das Radio lauter und lass‘ dich fallen in ein eigenwillig melancholisches Nest.
Der Makel des Scheiterns zieht durch’s Leben wie diese Gasleitung, die sie neulich durch den Wald gegraben haben. Das war bei Atzel, kurz vor einem Tunnel und du denkst an früher und wie oft du in allen möglichen Seelenzuständen mit den unterschiedlichsten Begleitern das Land durchquert hast.
Nie war es so gut wie allein.
„Stay two, stay three, and than you will see, it’s the best to stay allone.“
Stimmung auf dem Nullpunkt, das heißt, Melancholie im Klimax und zwar bei den wuchtigen Mammutbäumen, die ein reger Förster vor über 100 Jahren gepflanzt hat.
Warum ausgerechnet hier?
Die Straße wurde verbreitert, nicht begradigt.
Die Nachtfahrt bringt einen um. Nur ein Moment unaufmerksam, ein unkontrolliertes Zucken, und du landest im Graben, du bist zu schnell. Pass auf!
Fast wie das Leben. Viel zu schnell.

Ein Leben ohne Feedback

Manchmal frage ich mich, wie ein Leben ohne Feedback wäre. Ist ja so, dass auf das, was man sagt oder tut reagiert wird und man selbst wiederum auf diese Reaktionen anspricht. Eine Rückkopplung. Ein Weblog mit Kommentarfunktion funktioniert auf diese Weise.

Man kann davon ausgehen, dass die sichtbaren Reaktionen in einem Weblog etwa 2 Prozent der tatsächlichen Reaktionen ausmachen. Die tatsächlichen Reaktionen – auf was auch immer – bleiben unbemerkt, sind aber da.

Du und Du und Du, der dies liest, wird sich so seine Gedanken zu dem Thema machen (ohne dass der Autor etwas davon erfährt) und das hat Auswirkungen in der Welt.

Nur wenn ein Kommentar oder eine E-Mail geschrieben wird, merke ich, dass jemand das liest, was ich schreibe.

Vor Kurzem gab es noch einen Besucherzähler auf diesen Seiten. Den hab‘ ich gekillt, weil es nicht mehr wichtig ist. (Der Besucherzähler hatte einige unsichtbare Werbelinks, ein Ärgernis, das man damit entschuldigte, der Service kostet ja nichts). Wichtig ist allein etwas zu tun. Reaktion ist gut, aber in diesen Regionen nicht wichtig.

Nichtdestotrotz sollte es doch egal sein, wieviele Menschen dies lesen, denn das Wichtigste ist, es zu schreiben. Ich arbeite in einem antikommerziellen Millieu.

PS: ein Zwiegespräch ohne Feedback stelle ich mir ziemlich erbärmlich vor, aber das ist ein ganz anderes Genre.

Diese unvermeidliche Nähe.

Wenn ich durch meine vielen Reisen mit dem Fahrrad kreuz und quer durch Europa eines erkannt habe, dann, dass man sich, egal wo man ist, immer am Anfang befindet.

Das legt den Trugschluss nahe, es gibt kein Ende.

C. und der Künstler H. und viele Weitere sind der tote Beweis, dass dem nicht so ist.

Vor einigen Tagen sagte Kokolores am Telefon: „Wer weiß, was passiert, wenn ich nachher mit dem Hund …“ und mir war klar, ihr könnte ein Ziegel auf den Kopf fallen, ein Auto könnte sie überfahren, Unvorstellbares könnte den Tod herbei führen.

„Es wäre möglich, dass ich beim Pinkeln vom Balkon stürze und mir das Genick breche,“ sagte ich. Dann legten wir auf.

Ihr Blog beweist, sie lebt.

Und dieser Eintrag beweist, ich lebe auch, aber hey, ich muss so verdammt dringend …

Schwarmintelligenz und Digitaler Maoismus

Aus einem ins Deutsche übersetzten Artikel von Jaron Lanier (http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/306/78228/ – Linx existiert nicht mehr)

„Im Schnelldurchlauf würde ich die Grenze zwischen effektivem Kollektivdenken und Schwachsinn wie folgt definieren: Das Kollektiv kann immer dann Klugheit beweisen, wenn es nicht die eigenen Fragestellungen definiert; wenn die Wertigkeit einer Frage mit einem schlichten Endergebnis, wie einem Zahlenwert festgelegt werden kann; und wenn das Informationssystem, welches das Kollektiv mit Fakten versorgt, einem System der Qualitätskontrolle unterliegt, das sich in einem hohen Maße auf Individuen stützt.“