Triste Nachtfahrt Nähe Kaiserslautern. Flugplatz Ramstein sieht aus wie ein UFO-Landeplatz – leg’s zu den Akten deiner Phantasie, lächle, drehe das Radio lauter und lass‘ dich fallen in ein eigenwillig melancholisches Nest.
Der Makel des Scheiterns zieht durch’s Leben wie diese Gasleitung, die sie neulich durch den Wald gegraben haben. Das war bei Atzel, kurz vor einem Tunnel und du denkst an früher und wie oft du in allen möglichen Seelenzuständen mit den unterschiedlichsten Begleitern das Land durchquert hast.
Nie war es so gut wie allein.
„Stay two, stay three, and than you will see, it’s the best to stay allone.“
Stimmung auf dem Nullpunkt, das heißt, Melancholie im Klimax und zwar bei den wuchtigen Mammutbäumen, die ein reger Förster vor über 100 Jahren gepflanzt hat.
Warum ausgerechnet hier?
Die Straße wurde verbreitert, nicht begradigt.
Die Nachtfahrt bringt einen um. Nur ein Moment unaufmerksam, ein unkontrolliertes Zucken, und du landest im Graben, du bist zu schnell. Pass auf!
Fast wie das Leben. Viel zu schnell.

Ein Leben ohne Feedback

Manchmal frage ich mich, wie ein Leben ohne Feedback wäre. Ist ja so, dass auf das, was man sagt oder tut reagiert wird und man selbst wiederum auf diese Reaktionen anspricht. Eine Rückkopplung. Ein Weblog mit Kommentarfunktion funktioniert auf diese Weise.

Man kann davon ausgehen, dass die sichtbaren Reaktionen in einem Weblog etwa 2 Prozent der tatsächlichen Reaktionen ausmachen. Die tatsächlichen Reaktionen – auf was auch immer – bleiben unbemerkt, sind aber da.

Du und Du und Du, der dies liest, wird sich so seine Gedanken zu dem Thema machen (ohne dass der Autor etwas davon erfährt) und das hat Auswirkungen in der Welt.

Nur wenn ein Kommentar oder eine E-Mail geschrieben wird, merke ich, dass jemand das liest, was ich schreibe.

Vor Kurzem gab es noch einen Besucherzähler auf diesen Seiten. Den hab‘ ich gekillt, weil es nicht mehr wichtig ist. (Der Besucherzähler hatte einige unsichtbare Werbelinks, ein Ärgernis, das man damit entschuldigte, der Service kostet ja nichts). Wichtig ist allein etwas zu tun. Reaktion ist gut, aber in diesen Regionen nicht wichtig.

Nichtdestotrotz sollte es doch egal sein, wieviele Menschen dies lesen, denn das Wichtigste ist, es zu schreiben. Ich arbeite in einem antikommerziellen Millieu.

PS: ein Zwiegespräch ohne Feedback stelle ich mir ziemlich erbärmlich vor, aber das ist ein ganz anderes Genre.

Diese unvermeidliche Nähe.

Wenn ich durch meine vielen Reisen mit dem Fahrrad kreuz und quer durch Europa eines erkannt habe, dann, dass man sich, egal wo man ist, immer am Anfang befindet.

Das legt den Trugschluss nahe, es gibt kein Ende.

C. und der Künstler H. und viele Weitere sind der tote Beweis, dass dem nicht so ist.

Vor einigen Tagen sagte Kokolores am Telefon: „Wer weiß, was passiert, wenn ich nachher mit dem Hund …“ und mir war klar, ihr könnte ein Ziegel auf den Kopf fallen, ein Auto könnte sie überfahren, Unvorstellbares könnte den Tod herbei führen.

„Es wäre möglich, dass ich beim Pinkeln vom Balkon stürze und mir das Genick breche,“ sagte ich. Dann legten wir auf.

Ihr Blog beweist, sie lebt.

Und dieser Eintrag beweist, ich lebe auch, aber hey, ich muss so verdammt dringend …

Schwarmintelligenz und Digitaler Maoismus

Aus einem ins Deutsche übersetzten Artikel von Jaron Lanier (http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/306/78228/ – Linx existiert nicht mehr)

„Im Schnelldurchlauf würde ich die Grenze zwischen effektivem Kollektivdenken und Schwachsinn wie folgt definieren: Das Kollektiv kann immer dann Klugheit beweisen, wenn es nicht die eigenen Fragestellungen definiert; wenn die Wertigkeit einer Frage mit einem schlichten Endergebnis, wie einem Zahlenwert festgelegt werden kann; und wenn das Informationssystem, welches das Kollektiv mit Fakten versorgt, einem System der Qualitätskontrolle unterliegt, das sich in einem hohen Maße auf Individuen stützt.“

Im Halbschlaf war die Vision des Glücks, irgendwo auf einem Waldparkplatz bei schräg stehender Sonne und Liebe in voller Blüte an einem verschwitzten Tag, den man mehr schweigend als redend verbracht hat. Aber so verdammt harmonisch. Wir aßen Vollkornbrot, glaub ich mit Hartkäse, saßen im Kofferraum, Klappe offen, Stechmücken attackierten uns.

Es war beinahe unmöglich, den Traum zu verlassen und in der wirklichen Welt Fuß zu fassen; möglich wurde es durch einen emotionalen Kunstgriff: die Fabel, der Mensch erlebt nur ein einziges Mal Glück im Leben und wenn er daran zurück denkt, wird er feststellen, das ist lang lang her und alle weiteren Momente, die Kofferraumorgie, soeben geträumt, inclusive, sind wie schmutzige Spritzen, die man sich in die Vene jagt.

Ist doch egal, woher das Endorphin kommt.

Der Tod grassiert wieder, wäre lapidar zu sagen, wenn das nicht ein Trugschluss ist, den man durch folgende Wahrheit ersetzen sollte: der Tod ist immer da und warum sollte man sich verstellen, und den Unschuldigen spielen, so tun, als hätte man es nicht geahnt.

Für C., die ich aus den Augen verloren hatte.