Putze in der Zeit, so hast du in der Not

Die Band, an die ich die Galerie als Proberaum vergeben habe, war gestern sehr fleißig. Alle waren sie gekommen, nicht etwa zum Proben. Zum Putzen. Wenn eine Rockband ihren Proberaum säubert, steht entweder ein besonderes Ereignis an, oder sie sind pleite und sammeln das Dosenpfand, welches überall zwischen den Instrumenten liegt. Meine Gäste überraschen mich am laufenden Band. Mir kann eigentlich nie langweilig werden und die ständige Vorahnung, etwas Seltsames wird geschehen, stärkt die Nerven. Mal komme ich feierabends heim und es tobt ein spontanes Konzert vor 40 Gästen. Die Bandmitglieder feiern hier auf dem einsamen Gehöft reihum ihre Hochzeit. Kürzlich wurden sie sogar zur Vorband von Silberm. gekürt.

Die gestrige Putzaktion verdanken sie Leadsänger O. Er hat sich nämlich für die TV-Show Schlag den R. beworben. Und wurde angenommen. „Dienstag“, eröffnete man mir, „kommt ein Filmteam des Senders Pro S., um den Barden durch seinen Alltag zu begleiten“.

Ein Glück, dass ich meinen Frühjahrsputz schon letztes Wochenende hatte.

Das menschliche Belohnungssystem nach Journalist F.

Nach meinem guten Freund Journalist F.(der leider nicht mehr blogt) belohnt sich der Mensch in Form von Essen und Drogen. Manchmal auch dadurch, dass er sich die Umsätze auf seinem Konto betrachtet. Mehr noch: der Mensch erwartet von anderen Menschen auf ebendiese Weise, belohnt zu werden. Grundlegend natürlich will der Mensch, wie jedes Tier, für all seine Taten durch Essen belohnt werden.

Deshalb ist es jedem Arbeitgeber anzuraten, neue Mitarbeiter zu motivieren, indem er sie kurz nach ihrer Einstellung zum Grillen einlädt.

So geschehen bei Owner J. Nur eine Woche, nachdem ich auf seiner Lohnliste auftauchte, veranstaltete er ein opulentes Ochsenzungenfest, bei dem die fleischlichen Gelüste nichts zu wünschen übrig ließen. Alles war gegeben: literweise Bier, Fleisch vom Schwein, Rind und Lamm, eingelegt in verschiedenste süßsaure Saucen. Ein Traum im Mai letzten Jahres. Bäume standen im Saft. Krokusse senkten demütig ihre Köpfe im aufkommenden Grün der Wiese und eine dickleibige Skulptur von einem Künstler ohne Namen reckte ihren Bauch in die Gartenlandschaft. Ich erinnere mich noch gut an den Geruch von Salz und das feine Lable teuren Senfes.

Der (ehemalige) Kollege O. warnte: das sei Trug, aber Kollege T. und ich glaubten naiv, es sei das Paradies.

Der weise Journalist F. propagiert seit unzähligen Jahren: einen gefügigen Mitarbeiter kriegst du über den Magen.

Das ist das menschliche Belohnungssystem: gib den Mitmenschen Essen und sie werden gefügig.

In der Tat stellt dieses uralte, seit Millionen von Jahren geltende Gesetz, einen wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft dar. Belohne deinen Nächsten und er wird dir gefügig sein. Gib ihm Geld, Liebe, Anerkennung, ein Schnitzel, und er wird alles für dich tun.

Auch ich bin dem nicht unempfänglich. So richtig interessant wird das menschliche Belohnungssystem erst, wenn man es für sich selbst betrachtet und analysiert, wie sehr man im System der Selbstbelohnung gefangen ist. Alles, was wir tun, fordert unweigerlich eine Belohnung. Arbeiten wir hart und konsequent, so folgt auf dem Fuß etwa eine Zigarettenpause. Die wäre sicher nicht nötig. Wir trinken unser Feierabendbier. Nach erfolgreichen Geschäften laden wir unsere Liebste zum Essen ein. Immer hat es etwas mit der Verdauung oder mit dem Atmen zu tun, wenn wir erfolgreich waren. Wenn wir nicht erfolgreich waren, ebenso. Dann gerät unsere Belohnung zum Trost. Abgekapselt von der Allgemeinheit belohnen wir uns gerne selbst, indem wir rauchen, trinken, fressen, uns sedieren – streichelt uns jemand, was nötig wäre? Nein!

Niemand liebt uns. Wozu auch. Wir sind Hunderte von Hunderten. Das ist nicht genug.

a2enmod apache2 howto für Dummies

a2enmod ist ein Script, das das nachträgliche Einbinden von Modulen in den Apache2 Server erleichtert.

Es erzeugt Links im Verzeichnis /apache2/mods-enabled aus dem Verzeichnis /apache2/mods-available. Im Verzeichnis mods-available sind alle Module, die verfügbar sind gelistet.

Man kann den Link händisch setzen per ln (hab ich gemacht, bevor ich die richtige Syntax herausgefunden habe), oder den Befehl a2enmod nutzen.

Für Dummies (so einer bin ich) stellt sich folgendes Problem: was muss nach a2enmod eingegeben werden?

z.B. um mod_rewrite zu aktiveren:

a2enmod rewrite (Richtig)

Ich hatte u. A. ausprobiert: a2enmod mod_rewrite (Falsch!)

Dies für Dummies wie mich.

Natürlich kann man auch einfach die in /mods-available liegenden Dateien per ln Befehl verlinken. Das Script a2enmod ist aber praktisch, da die Module oft zwei Dateien verlinken müssen:  mit der Endung .conf und .load.

a2enmod sollte, wie das, für virtuelle Hosts verantwortliche a2ensite auf Unix-Systemen per Default verfügbar sein.

(Ubuntu 6.06 LTS), klappt aber immer beim apache2 Server.

Module, die nicht in /apache2/mods-available auftauchen, können nicht aktiviert werden. Für solche muss der Server neu kompiliert werden.

Dies, weil das Problem aufgetaucht ist und es Andere betreffen könnte.

Draußen ist es wärmer als drinnen

Wo ich heute überall gesessen habe: Am Computer, am Feuer, am Waldrand. Ungebremst mahlt die Gedankenmühle in dieser Zeit des Umbruchs. In der Abenddämmerung hatte die Glut eine immense Kraft, so dass ich versuchte, Kollege X. (Name geändert) zu erreichen, er könne seine verschimmelte Küchenarbeitsplatte vorbei bringen, die würde sicher gut brennen im Lagerfeuer vor der Haustür. Aber X. ging nicht ans Telefon. Also öffnete ich ein Bier, denn das gehört unbedingt dazu, wenn man draußen ein schönes Feuer schürt und starrte gen Süden. Alle Farbe verließ nach und nach die Szene, so dass die Bäume an der Südgrenze des einsamen Gehöfts irgendwann zu schwarzen Schatten wurden, die sich im Grau des Himmels verloren. Vorne – ich schaute nach Süden, summte die A8 und rechts die A6. Es ist erstaunlich, dass man diese beiden Autobahnen, obwohl sie vier und sechs Kilometer Luftlinie entfernt sind hier so gut hört. Wenn ich etwas ändern könnte an dieser Welt, so würde ich Autos verbieten und die Autobahnen zu Radwegen erklären. Weniger Lärm, weniger Gestank, weniger Unfälle, kein Frust. Niemand müsste an Herzinfarkt sterben oder sich matt fühlen.

Das Feuer als Ausgeburt des Versuchs der Reinigung, verleitete mich zu folgendem Gedankengang: „Lade alles, was dich stört in dieser Welt auf einen Stapel und zünde ihn an.“ Du wirst neben einem kurzen Moment der Wärme auch eine innere Reinigung fühlen. Man kann diese Gedanken auch ohne Feuer, rein gedanklich, vollziehen und steht am Ende vor einem überschaubaren Haufen Asche, den man in die Mülltonne gibt, oder in eine Urne füllt. Hinterher wird man sich leichter fühlen. Ich war ja einmal Künstler und habe sehr große Kunstwerke geschaffen, deren Lagerung viel Raum einnimmt. Vor etwa 10 Jahren habe ich sämtliche Kunstwerke auf einem Scheiterhaufen verschürt. Riesensauerei. Aber danach ging es mir besser. Man könnte meinen, schade darum, aber ich weiß, wenn die Kunstwerke heute noch existieren würden, wären sie durch falsche Lagerung sowieso zu Schanden. Eine gute Tat also. Da in diesem Jahr 2009 alle meine Kunstwerke digital sind, stellt sich mir die Aufgabe von damals gar nicht mehr. Ich muss sie einfach von Zeit zu Zeit von Festplatte zu Festplatte kopieren. Irgendeins davon wird das Äon vielleicht überdauern.

Am Waldrand setzte ich mich nachmittags auf einen umgestürzten Baum und bewunderte das Chaos des Waldes. Wie sie wild wuchern, die Kollegen Bäume, einer nach dem anderen strebt gen Frühling, insbesondere die Haselsträucher tragen reichlich Blüte. Seichte Wolken verhüllten die Sonne. Die Luft roch gut. „Ich habe überlebt“, dachte ich bei mir. Das war nicht immer so. Noch vor zehn Jahren war es mir egal, ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter war. Ich war immer glücklich und im Norden Norwegens konnte ich einen bärtigen Seebär nicht verstehen, der mir erzählte: „Du glaubst nicht, wie glücklich wir, die wir hier immer wohnen müssen, sind, dass endlich die Sonne scheint. Der Winter war hart. Immer war es dunkel. Das ist hier so und es regnete, schneite, stürmte den letzten Winter ohne Unterbrechung. Viele haben den Freitod gesucht. Vielmehr als üblich. Eine seltsame Spitze in der Statistik. Sie zeigt sich dir nur als Kurve. Mir zeigt sie sich als neue Gräber auf dem Friedhof.“

Nein. Ich habe ihn damals nicht verstanden, aber heute, da ich die 40 überschritten habe, verstehe ich ihn. Menschen ab 40 ist der Frühling wichtig. Er gibt ihnen die Illusion, dem Tod trotzen zu können. Hier ein Jahr, dort eines, jawohl, so wird es weiter gehen …

Telefonate mit alten Freunden kamen mir in den Sinn, als ich auf dem abgestorbenen Baum saß und in den Wald blickte: QQlka etwa, ist der World of Warcraft verfallen. Er äußerte, dass es schwer werden würde, sich loszureißen für ein paar Wochen, gar Tage, und dieser perfekten Welt des Spiels zu entrinnen. Nur wenn ich ihm eine Verbindung DSL 1000 plus X zusichere, würde er mich besuchen. Geht natürlich nicht.

„Wir sind Polarbären in einer schmelzenden Welt. Das Eis bricht und jeder treibt auf seiner Eisscholle in die Ungewissheit“. So dachte ich am Waldrand, sitzend auf einer kahlen Ulme, die allemal als Brennholz taugen würde.

„Schreib‘ das auf“, dachte ich, „das Eisschollenbild ist gut, das können auch andere verstehen, wenn sie an ihre Freunde denken und sich über sie wundern. Du solltest sowieso viel mehr aufschreiben. Jetzt, da du kein Künstler mehr bist“.

Dabei ist der Künstler vielleicht näher, als ich vermute. Der letzte Großauftrag in der Möbelwerkstatt ist vom Band. Der Owner (Chef) verhüllt sich seither in orakulöse Worte, man solle erstmal Urlaub nehmen. Montag treffen wir uns „ich muss mit dir und T. reden“, sagte er am Telefon. Das bedeutet wahrscheinlich nichts Gutes für den Werktätigen. Seither bin ich gespannt. Werde ich Opfer der Krise? Nebenbei denke ich: „Du kannst nur gewinnen. Bist du weiterhin werktätig, so bist du sicher; bist du entlassen, dann bist du frei“. Nicht jeder Mensch ist in einer solch glücklichen Position. Viele haben Häuser, Kinder, Frauen, Schulden. Die Gutbürgerlichkeit will finanziert werden. Sie ist ein nimmersatter Geist. Ich hingegen habe nur eine Katze, eine Wohnung, die nichts kostet und viele Ideen.

„Der normale Mensch ist nicht geschaffen für die Freiheit“, kam es mir in den Sinn, als ich arrogant auf einer gefällten Buche mitten im Wald um das Leben des Baums trauerte. „Die Freiheit ist für den normalen Menschen, der immer alles richtig gemacht hat im Leben, und der so leben darf, wie man es landläufig für richtig hält, nur eine Fiktion, ein großer weiter Traum, den er heimlich lebt. Aber für mich, vielfach gescheitert, das Leid bis weit über die Schmerzgrenze hinaus getestet, ist Freiheit ein greifbarer Begriff“. – „Alle Wege stehen mir offen“, dachte ich an einer Kreuzung von sieben Waldwegen. Welchen nehme ich? Den Weg des Rechtschaffenen! Das ist gut. Er führt abwärts ins Dunkel zwischen engstehenden Douglasfichten, die das Licht der Welt schon weit länger kennen, als ich. Douglasfichten sind ein schnell wachsendes Holz, das, wenn man es pflegt einigen Gewinn abwirft.

Vor einer Höhle schnappte ich Luft und setzte mich auf einen mintgrünen Stuhl, den Jugendliche irgendwann hierher geschleppt haben mögen. Ein schmaler Bach plätscherte. Vögel zwitscherten. „Hier ist die Welt“, dachte ich. Ich schlug ein Bein übers andere, „die Welt ist immer dort, wo du bist. Ohne dich gäbe es diese Welt zwar auch, aber mit dir wird sie erst erfahrbar. Und zwar durch dich. Dich allein“. Das gilt für jeden Menschen. Für dich und dich und dich, der du dies liest. Die Welt ist nur, weil du bist. Wenn du nicht wärst, gäbe es zwar immer noch eine Welt. Aber sie würde nicht erfahren werden. Durch dich und dich und dich. Was nützen die Erfahrungen der Anderen. Nichts ist wichtiger, als die eigene.

Nun, da ich am Computer sitze und diese Zeilen tippe – ich mache das unsynchron, laufe zwischen den Gedanken immer mal wieder zum Feuer, beobachte es – merke ich: draußen ist es wärmer als hier in der Wohnung. Damit wollte ich diesen Artiekl beginnen.

Das mysteriöse Tackertelefon

Ein interessantes Feature in der Tackerwerkstatt ist das Telefon. Ein Mobiltelefon. Ein weiteres Accessoire ist der CD-Player. Hier läuft entweder Musik oder ein Hörspiel. Der CD-Player wird durch die Funkwellen des Telefons gestört. So kündigt sich ein Anruf immer schon einige Sekunden im Voraus an. Die Musik knarzt. Manchmal knarzt jedoch die Musik auch ohne, dass das Telefon klingelt. Mit Kollege T. habe ich lange gerätselt, was das bedeutet, bis uns kürzlich eine plausible Erklärung für das Phänomen kam: die Anrufe, die sich ankündigen, werden von Anrufern gemacht, die so langsam arbeiten, dass es erst Stunden, Tage, gar Wochen nach der Funkstörung klingeln wird.

„Das ist wie  bei Vulkanausbrüchen,“ erklärte T., „seismische Messungen können einen Ausbruch mit einiger Wahrscheinlichkeit voraussagen.“

„Du meinst, unser Radio ist eigentlich ein Seismograf für bevorstehende unliebsame Anrufe?“

„Exakt. Irgendwas schwebt in der Luft. Ich spüre das, das Radio spürt das und wenn wir eine Katze in der Werkstatt hätten, würde sie das auch spüren.“

Unter genauerer Betrachtung, kündigen sich viele Ereignisse vorher an. Wir müssen nur lernen, die geheimnisvollen Signale zu lesen. Wir leben in einer sensiblen Welt. Lange etwa, bevor wir Tacker Möbel bauen, existieren sie schon als Auftragsnummer in der Firmendatenbank. Zeige mir deine Datenbank und ich sage dir, wie lange du nächste Woche arbeiten wirst.