Ein traumhaftes Eiland namens Wohlbefinden

Herd, Herd, Bart, Fußboden, Staub wischen, Garagentor. So steht es auf einem schnell hingekritzelten Fresszettel. Die Zutuns des heutigen Morgens. Gerade habe ich den Vieltagesbart mit dem elektrischen Haarscherer abrasiert, indem ich in den Garten trete unter den Nussbaum, mir die Kleider vom Leib reiße, mich nach vorne beuge, der Gesichtskontur mit bedacht folge. Der Wind weht die Stoppelhärchen weg vom Körper, verteilt sie auf der Wiese wie Samen. Ich finde, das ist eine gute Methode, dem Bartwuchs Herr zu werden, wenn man nachbarslos und unbeobachtet in einer geradezu thoreauesken Bude auf dem Land lebt.

Halb elf bin ich verabredet und muss somit gegen zehn, besser noch früher, los, um Journalist F. ein paar persönliche Gegenstände ins Pflegeheim zu bringen, denn endlich endlich hat er ein eigenes Zimmer. Weshalb ich ungefrühstückt und mit vielen verschiedenen Zutuns im Kopf hantiere, der Bart ist ab, ich zurück in der Wohnung und die verflixte Uhr zeigt zehn vor zehn. Ich müsste los. Jetzt direkt. Nix Herd, Fußboden, Garagentor, aber immerhin, Bart. Den kann ich von der Liste streichen und naja, das mit dem Herd, also dem unten in der Freilandküche und dem kleinen Zweiplattenkocher oben in der Bude, das ist ja nicht so wichtig, dass ich da mit einem feuchten Lappen darüber wische, damit sie schön sauber sind, wenn später am Tag die Liebste vorbeischaut. Fußboden geht auch ungewischt, nur gesaugt, sieht fein aus, jaja, Herde kochen auch, wenn sie nicht so ganz sauber sind, also schnell ins Auto, in dem schon die paar Habseligkeiten für Journalist F. gepackt sind. Fernseher, Gemälde vom Fliegenden Holländer, Fernsehsessel, tolle alte Stehlampe. Gerade rechtzeitig treffe ich beim Pflegeheim ein und niemand weiß Bescheid und ich ecke mal wieder an bei Frau W. Solche Chaoten wie mich und den Journalisten F. mag sie ja gar nicht, aber sie ist dennoch eine gutherzige Frau. Durch den Hintereingang lade ich die Gegenstände im strömenden Regen aus, zwischenlagere sie im Flur, parke das Auto jenseits der Krankenwagenzufahrt und kehre zurück. Journalist F.s neues Zimmer befinde sich im ersten Stock, sagte Frau W. Treppenhaus rauf, links, rechts et voila. Betriebsblind wie ich bin, irre ich durchs Heim auf der Suche nach dem Treppenhaus, bis ich Frau W. wieder in die Hände laufe und sie mir erklärt, das Treppenhaus sei da, wo ich eingetreten sei, herrjeh, es ist zum Verzweifeln mit mir und Frau W. hat tatsächlich ein bisschen Mitleid mit dem total erschöpften Kerl, der Dinge schleppt.

Das Zimmer von Journalist F., er schrieb es mir per Mail, ist suboptimal. Ein Einzelzimmer, immerhin, aber mit gemeinsamem Bad. Um ins Zimmer zu gelangen muss man durch ein anderes Zimmer laufen, bzw. rollstuhlen, in dem ein Mann lebt, der eine FC Bayern Fahne über dem Bett hängen hat.

Du musst Fußballfan werden sage ich zum Journalisten. Er lächelt verschmerzt. Suboptimal, das triffts. Die Kammer ist vielleicht 12 Quadratmeter groß. Bett, Kommode, Schrank, Tisch und seit heute noch Fliegender Holländer, Stehlampe, Fernsehsessel und ein riesiger Flachbildschirm, dessen Füße so weit auseinander stehen, dass er nicht auf der Kommode aufgestellt werden kann.

Sie lagern Menschen. Es muss funktional und wirtschaftlich sein. Wohlbefinden ist nicht eingeplant.

Für den Fernseher gibt es einen Hack, den wir beim nächsten Treffen durchführen, indem wir ein groß genuges Brett auf die Kommode legen. Dies sei all denen gesagt, die mitfiebern und jetzt denken, wie kann denn der arme Mann ohne Fernseher. Wir kriegen das hin. Durch raue See navigierend in Richtung eines traumhaften Eilands namens Wohlbefinden.

Rechtzeitig bevor die Liebste eintrifft bin ich zurück auf dem einsamen Gehöft und öffne das Garagentor.

Im kurzen Moment zwischen gezücktem Geldbeutel und Kasse steckt alles Glück dieser Welt

Augenkuckverbot seit Montag. Irgendwas plagt einen ja immer. Die Augensache taucht ab und zu auf, macht Kopfweh und ein paar andere Querelen und verschwindet dann wieder. Hilfreich ist, wenn man nicht auf den Monitor starrt, viel schläft, sich keine Sorgen macht, oder wie man so schön sagt, sich keinen Kopf macht um dies und das.

Vorsorglich mal den Doktor konsultiert, was aber auch verflixt am Ziel vorbei schießt, da die Symptome bis zum Termin nächste Woche abklingen werden, jaja, sind sie ja heute schon besser, sonst würde ich jetzt nicht vor dem Monitor sitzen und diesen Artikel tippen. Wie auch immer, bis nächste Woche rechne ich mit üblicher Kerngesundheit und der Doktor und ich werden uns über dies und das unterhalten, bloß nicht über Körper und Plagerei. Vielleicht kann ich eine Kopfdurchleuchtung rausschinden, damit ich im Fall, dass das Augenweh wieder auftritt nicht immer in schockstarrende Spekulation verfallen muss, welch schreckliche Ursachen das Kopfweh hat.

Ich tippe auf eine bakterielle Entzündung im Nasen-Ohrenraum. Der Hardcore-Hypochonder in mir ist da leider anderer Meinung.

Dass die gesundheitlichen Dinge bisher immer von selbst verschwanden sollte mir eigentlich Arztbesuch genug sein. Das Leben ist nur eine Kombination verschiedener Spekulationen, die einem auf der Basis von Nichts eine Heidenangst einjagen.

Meistens.

Im Alltag läuft es nicht besonders gut. Mit der Wohnungsräumung für Freund Journalist F. habe ich mir selbst jede Menge aufgebürdet. Schließlich lagern nun jede Menge Gegenstände vom Journalisten in meinem Atelier. Der Umgang mit fremder Leute Dinge ist lästig. Im Anblick von fremder Leute Belange habe ich den Eindruck, es gibt mich selbst gar nicht als wollendes Wesen, sondern ich bin ein Gefangener zwischen den verschiedenen Bedürfnissphären anderer. Obendrein sehe ich mich mit all dem sinnlosen Material, das ein Mensch angehäuft hat und das sich im Atelier und in den angrenzenden Räumen mit all dem sinnlosen Material, das andere Menschen angehäuft haben, nun überwältigt von zu habenden Dingen, zurückgeworfen in die Zeit, als ich das Buch Haben und Sein las und mich mit der Problematik beschäftigte, an irdisches, profanes Gut gebunden zu sein und darin versuchen zu müssen etwas wie Lebensglück zu finden. Als ich das Buch vor Jahrzehnten las, war mir nicht ansatzweise bewusst, was noch auf mich zukommt und dass es mit dem Denken darüber nie und nimmer nachlässt und dass alles viel schlimmer werden wird, weil man nicht alleine ist auf der Welt und sich nicht gegen den Usus der Masse stellen kann. Wenn die Masse das Leben so und so vorlebt, habend, im Konsum versuchend, glücklich zu werden, dann färbt das auf einen selbst ab. Es ist wie an einem stark schmutzenden Verkehrsweg zu leben, den Dunst und die Abgase alltäglich einatmen zu müssen, weil es nichts anders gibt an Luft und so gibt es wohl in der Gesellschaft auch keine andere Möglichkeit als zu konsumieren und sich selbst in die Herde der Melkkühe des ewig kapitalistischen Verkäuferseelchens einzubringen.

Konstatiere ich.

Die Journalistenhabe ist jedenfalls dem einsamen Gehöft einverleibt. Neben Vaterhabe, Tantenhabe, Schwagerhabe, Onkelhabe, Freundeshabe, Freundesfreundhabe, Menschen-die-ich-längst-vergessen-habe-habe …

Nichts davon bin ich. Manchmal, wenn ich all die Gegenstände betrachte, die irgendwann irgendwer hier auf dem einsamen Gehöft eingelagert hat, nur mal eben ein paar Monate, erfreue ich mich eines Dings und stelle mir vor, wie es wäre, es zu besitzen, komme aber zur Erkenntnis, dass nicht der Besitz eines Dings das ist, was einen glücklich macht, sondern der Kauf. Dieser kurze Moment zwischen Kasse und Ladentüre, in dem der Gegenstand, sagen wir ein Blumentopf, noch nicht ganz mir gehört, aber auch schon nicht mehr demjenigen, der ihn mir verkauft. Das muss wahres Glück sein. Im kurzen Moment zwischen Kasse und gezücktem Geldbeutel steckt alles Glück dieser Welt. Der Gegenstand, sagen wir ein Neuwagen, hat in deisem Moment noch genau den Wert, der auf dem Preisschild steht. Diesen Wert wird er nach abgeschlossener Bezahlung nie wieder erreichen. Genauer betrachtet wird der Gegenstand, sagen wir ein Fernsehgerät, nach dem Bezahlvorgang, wenn er in mein Eigentum übergegangen ist, gar nichts mehr wert sein. Wenn man den Gegenstand, sagen wir ein Ebike, nach dem Kauf wieder loswerden möchte, ihn verkaufen möchte, muss man sich einreihen in die Riege der Händlerinnen und hoffen, dass das Argument, der Gegenstand, sagen wir ein Elektroherd, ist ja gebraucht, hat Kratzer usw., nicht allzu mindernd auf den Preis auswirkt.

Ich schweife mal wieder ab. Bitte entschuldigen Sie. Es war nur mal wieder ein Auge-auf-Monitor-Moment, in dem ich nicht umhin konnte, ein paar Zeilen zu schreiben. Muss doch geschmeidig bleiben, das Hirn, um Großes zu schreiben irgendwann.

PS: Telefonbuch, Waschmaschine und das Fragezeichen.

Das Blog vertont

Beinahe wäre es passiert! Ich hätte mich nachmittags vors Mikrofon gesetzt und einen Blogeintrag gesprochen, also nicht einen schon geschriebenen Blogeintrag gelesen und ver-em-pe-dreit, sondern statt zu schreiben ihn live ins Mikrofon diktiert.

Telefonate und andere Querelen kamen dazwischen.

Beflügelt und auf die Idee gebracht, dass man ja statt zu schreiben driekt aufs Mikrofon einreden könnte, hatte mich, dass ein erster Beitrag nun auch als mp3-Datei fertig geworden ist. Die Schauspielerin Silvia Bervingas hatte ‚Haferflocken, die halbe Miete der Künstlerernährung‚ gestern gelesen.

Es ging recht flott und ganz zwanglos. Wir tranken Kaffee, rauchten Zigaretten, schwätzten ein wenig. Zwischendurch las Silvia den Text probe, den ich ausgedruckt hatte und das war auf Anhieb gut. Im Audiofile, das ich in den oben verlinkten Artikel eingefügt habe, findet Ihr den zweiten Anlauf, eingelesen im Irgendlinkschen Atelier mit einem guten Mikrofon an einem lautlosen Raspberrypi und mit Audacity zurecht geschnitten und entrauscht.

Tja. Ein Musterbeispiel langsam gelebten Lebens mit Bedacht.

Tja, jetzt ist es soweit. Die selbst auferlegte Pflicht, täglich zu bloggen, bringt diesen Artikel hervor, der wahlweise von Bedingungslosigkeit, vom Künstlerinnenalltag, von komplexen Suchen merkwürdiger Dinge auf einem einsamen Gehöft irgendwo im Grenzland zwischen Saarland, Pfalz und Lothringen, oder von Besteckschubladen handeln könnte.

Gutso, dass  ich es nun, fast 24 Uhr spät noch angehe. Der Tag war arbeitsam. Ich hatte überlegt, Pesto zu machen irgendwann in einer Art Mittagspause, was allerdings einen Rattenschwanz an Tätigkeiten nach sich ziehen würde. Der Basilikum im Garten wächst wunderbar, Parmesan ist im Kühschrank, Salz, Pfeffer, Knoblauch gibts auch und kürzlich rettete ich die Säcke mit den Walnüssen, die ich letzten Herbst gesammelt hatte vom Dachboden ins immerkühle Atelier.

Die Walnüsse müssen geknackt werden. Natürlich. Ohne geknackte Nuss kein Pesto. Logisch. Ich bin alt und träge. Die Handgelenke sind nicht die besten, weshalb ich Walnüsse immer mit dem Schraubstock knacke. Ein langsamer Akt produktiver Zerstörung. Der Schraubstock ist blau, klein und der Hebel, mit dem man die Backen zusammen dreht ist seit Jahren kaputt. Irgendwie gelingt es trotzdem, das Ding zu bedienen, aber das kann ja kein Dauerzustand sein, weshalb die heutige Kunstbübchen-Pesto-Vorbereitungsaktion mit Schraubstock zum Musterbeispiel langsam gelebten Lebens mit Bedacht wurde. Ich hatte es schlicht satt, mit einem improvisierten Schraubstock, dessen Drehgriff sich permanent löst, zwölf Nüsse fürs Pesto zu knacken.

Tagesziel Schraubstock reparieren. Ich beginne damit nachmittags. Wie in jedem normalen Computerspiel muss man zum Pesto machen, respektive Nüsse knacken, respektive Schraubstock reparieren, um Nüsse fürs Pesto knacken zu können, zahlreiche Level durchlaufen und sich die Habseligkeiten zusammen suchen. Axt, Schlüssel, Schutzbrille, usw. Der Phantasie ist keine Grenze gesetzt. Das einsame Gehöft ist groß und man kann kilometerweit umher irren, um sich Level für Level all die Dinge zusammenzusuchen. Aber hey, im Grunde repariere ich doch nur einen Schraubstock.

Wie erkläre ich das nun kurz und knackig? Gewindestab absägen, biegen, selbstsichernde Mutter und zwei Kontermuttern, alles durch Löcher stecken, verschrauben und schließlich noch einen handschmeichelnden Korken als Griff, ein Abenteuer zweifellos, diebisch sich freuend am improvisierten Detail. Ich bewege mich den ganzen Tag jenseits der neoliberalen Ambition, sich selbst zu optimieren und beim Discounter ein Gläschen Pesto für 1,49 Euro zu kaufen.

Kurzum, gegen Dunkelheit konnte man den Künstler, moi même in der Außenküche unter dem Vordach vor dem Atelier sehen, wie er zwölf Walnüssse mit frisch renoviertem Schraubstock knackt, die Kerne heraus puhlt, sie in eine Tupperschüssel füllt und zufrieden mit dem Tagwerk den Abend ausklingen lässt.

Pesto ist dann der nächste geile Scheiß. Ich weiß noch nicht, wie ich morgen oder übermorgen den Parmesan reibe, aber da fällt mir bestimmt etwas ein, mit dem ich den Neoliberalismus und die Selbstoptimierung verhöhnen und Zeit verschwenden kann, ohne auch nur ansatzweise in Versuchung zu gelangen, beim Discounter für billig Geld, rasant an fairer Arbeitsteilung vorbeischliddernd, ein Gläschen Pesto zu kaufen.

Nachtrag: Die Themen Bedingungslosigkeit, Arbeitsteilung, Geld, Lebenszeit, Fairness, Aus- und Selbstausbeutung wären theoretisch auch in diesem Artikel anzusprechen gewesen, aber mein innerer Selbstoptimierer schaute eben auf die Uhr, jessas, schon halb zwölf, nun aber mal raus mit dem Blogartikel.

Nachtrag: Die Besteckschublade, ach die. Ich hatte sie schlicht aufgeräumt, denn es ist einfach ein Weg der tausend Umwege, einen Schraubstock zu reparieren, mit dem man Nüsse knacken kann. Da muss man zwischendrin Geschirr spülen, im Bett liegen, einen Stromkasten anschließen und eine Geschirrschublade aufräumen.

Sie verstehen das hoffentlich.

Vom Tanz mit dem Balkenmäher, den Melvins und dem Mattenhängen

Ich bin so müde. So müde wie gestern. So müde wie vorgestern. Nur noch Wand anstarren gelingt. Oder Hängematte hängen.

Mein innerer Udo Bölts schreit mich permanent an, quäl Dich, Du Sau und jagt mich einen Mont Ventoux nach dem anderen hinauf. Beziehungsweise früh morgens startete ich heute den Balkenmäher, um dem übermäßig wachsenden Gras und den Brennnesseln im Garten Herr zu werden. Das ist wichtig, damit im Herbst, wenn die Äpfel fallen, leicht ernten ist. Der Balkenmäher macht ein ratterndes, sehr schnelltaktiges Geräusch, wenn die Scheren am Mähbalken bei Vollgas übereinander schlagen. Es klingt ein bisschen wie das Lied Hung Bunny von den Melvins, wenn ab Minute 7:49 das Schlagzeug einsetzt und nimmer nimmer aufhören mag. So laufe ich heute morgen dem zum Glück selbstfahrenden Gerät hinterher und es gerät ein bisschen wie Tanz zu einer absolut schrägen Musik, die bestimmt so gut wie kein Mensch leiden kann, also nicht nur das nervige Motorengeräusch und das Scherengeklackere, sondern auch das Original von den Melvins, das gewiss nicht alltagsgeschmackstauglich ist. Ich mag das Lied. Ich mag seltsamerweise viele Dinge, die sonst keiner mag. Auch dem den-Mont-Ventoux-hinaufradeln kann ich etwas abgewinnen, obschon ich das noch nie gemacht habe. Der Mont Ventoux ist ein bald 2000 Meter hoher Berg in der Provence, der ziemlich alleine steht links der Rhone und der bei der Tour de France – ich glaube seit Menschengedenken – stets eine Etappe wert ist.

Vor etlichen Jahren verbrachten die Frau SoSo und ich unsere Winterferien zu Füßen des ‚Giganten der Provence‘ im kleinen Dorf Mazan in einem Ferienhaus. Wir unternahmen ein paar Versuche, zu Fuß hinauf zu kraxeln, nicht die gesamte Distanz, sondern wir fuhren mit dem Auto bis zur Schranke, die die kleine Landstraße bei schwierigem Wetter versperrt, so dass nicht Hinz und Kunz mit dem Auto hinauf fährt und dabei in Gefahr gerät. Der Wind pfeift elend auf dem Standalone-Berg. Ich hatte das einmal erlebt. Im Winter ist die Passstraße glaube ich immer gesperrt. Aber mit dem Fahrrad und zu Fuß kommt man natürlich durch. Was hatte ich die Radlerinnen und Radler beneidet, die stehenden Pedals im kleinen Gang aufwärts schwitzten. Frau SoSo und ich, zu Fuß und gemütlich unterwegs, ersparten uns die Qual der Strecke bis zum Gipfel, die im südlichen Abschnitt durch eine absolut bizarre Geröllwüste führt.

Das Wochenende, jetzt und hier, verbrachten wir mit Hängematte hängen im Aargau. Eine einfache, friedvolle Tätigkeit. Frau SoSo berichtete darüber in ihrem Blog.

Fürs Hängematte hängen braucht man Wanderschuhe, Hängematte, etwas zu essen fürs sogenannte Zvieri (den Nachmittagshaps zwischendurch). Badehose ist auch sinnvoll, denn in den Aargauer Flüssen rings ums sogenannte Wasserschloss (da fließen Reuss und Limmat in die Aare), findet man immer schöne Badestellen. Man wandert oder radelt also los mit einem kleinen Rucksack voller Hängematten- und Zvieri-Bedarf, findet eine schöne Stelle am Fluss, an der sich genügend Bäume in idealem Abstand befinden und bindet die Matten fest. Dann kann man hängematten, bzw. mattenhängen oder hängemattenhängen. Es sind die einfachen Freuden. Wir badeten auch, obwohl die Flüsse durch die Schneeschmelze ziemliches Hochwasser hatten.

Wohl ist es dem Mattenhängen geschuldet, dass mir gar nicht so bewusst wurde, wie müde ich dieser Tage bin. Ausgelaugt. Urlaubsreif. Wandanstarrend zum Stillstand gekommen. Wären da im Hinterkopf nicht die vielen Zutuns, die einen anstacheln, sich zuzurufen, quäl Dich, Du Sau, könnte ich mir vorstellen, den Sommer hängemattenbaumelnd zu verbringen.

Ich bin so müde dieser Tage.

Momentanes Tagesziel ist, man hat es wohl schon vermutet, jeden Tag ein bisschen zu schreiben. Ich muss in der Übung bleiben, gerade was das Schreiben betrifft. Deshalb habe ich diese möglichst täglichen Blogberichte lanciert. Mal schauen was daraus wird.

Dusmo natürlich. Immer scheen dusmo (das ist pfälzisch für französisch doucement, was soviel heißt wie langsam, gemütlich, na, Ihr wisse jo was ich menn).