Von den Zielen

Frühmorgens von Mardern geweckt, Revierkampf auf dem Dach und Wind.

Sist Wind, sist Wind, sist Wind, der an den Nerven zerrt.

Dennoch geduscht, rasiert, Kaffee gekocht.

Alltag lang.

Noch immer Glut im Ofen.

Sofasophias Mahnung im Kopf: Ziele sollte man sich setzen, hat sie sinngemäß gesagt. Nur gesetzte Ziele sind erreichbar. Nur gesetzte Ziele sind existent. Aber auch: gesetzte Ziele üben einen gewissen Druck aus. Sollte ich für 10 gebaute Loungemöbel eine Seite schreiben? Oder für 25 gebaute Loungemöbel eine quadratmetergroße Bildtafel kreieren? Oder es so tun wie Kollege T.: jeden Tag eine Stunde an der Umgestaltung der Wohnung arbeiten?

Die allgeimeine Relativitätstheorie zur Erreichung eigener Interessen im gefährlichen Djungel der Fremdinteressen, an deren Verwirklichung man alltäglich arbeitet, schießt es mir durch den Kopf. Ich reibe die Haare trocken, den Körper, ziehe mich an, bereit, mich in den Mahlstrom des Pendlers einzuspeisen.

Google kann alles

Google kann alles, Google weiß alles und alles, was Google noch nicht weiß oder kann, wird es irgendwann können oder wissen. Irgendwann wird es keine Menschen mehr geben und auch keine Tiere und Pflanzen und Planeten und Weltalle, weil alles Google sein wird und selbst Gott wird irgendwann nie existiert haben, weil die Ewigkeit zu Google wurde.

Seit Wochen flachse ich mit D., um das Google-Ding, sei es, dass Google Kartoffeln kochen kann, oder Steuererklärungen schreiben, sich den Hintern wischen oder Auto fahren – angefangen hat alles damit, dass ich in der Suchzeile des Browsers eingab 1,62 CHF in Euro und Google mir sagte: 1,07 Euro. Hey, und das ist doch mal ein Superpreis für einen Liter Benzin, oder? Tief in der Schweiz genauer im Kern von Bern, überlegte ich, ob es nicht besser wäre in das kleine Gebirgsland überzusiedeln, dem man nachsagt, wenn man es mit einem Nudelholz plattwalzt, ist es größer, als die größten europäischen Staaten, weil es so viele Falten hat, Schluchten und Berge. Ich verwarf den Umzugsgedanken aber recht schnell, beim traurigen Blick in die Regale eines Supermarkts. Defige Preise, die selbst Google die Tränen in die Augen drücken dürften; das einzig Billige scheint Benzin zu sein, ich tankte voll und verließ das Land.

Einst: Tagesreisen

Tagesreisen voneinander entfernt liegen einzelne, mit Rindsleder gedeckte, aus Schilf und Riemen geflochtene Hütten.

Die Vitrine in der Augenklinik mit den uralten Brillengestellen, den Zwickern, Monokeln, medizinischen Reliquien, sowie die Ahnenleiste mit den Fotos von an die 120 Ärzten und Ärztinnen, die in den letzten 40 Jahren dort gearbeitet haben. Grotesk wirkte der Zettel, auf dem Obiges geschrieben stand und welcher in der Vitrine ausgestellt war. Ein alter Sehtest vielleicht, verschnörkelte Schrift …

Schaaren verwilderter Stiere, Pferde und Maulesel, schwärmen in der Steppe umher.

Tagesreisen voneinander entfernt; was für ein Wort im Zeitalter des Bruchteilvonsekundenreisens im Internet.

Nur ein Tackerwimpernschlag … geh ich nun schuften.

Wer das liest sieht gut.