Kopf vs. Hand

Hum. Alle Ideen sind morgens, sowie die Energie, sie auszuformulieren ebenso. Abends nur noch zu rein körperlicher Arbeit fähig. Formuliere an einer Hirnkurve, die den Denkenden im Lauf der Zeit zeigt. Je älter, desto mehr drängt sich das Ideentum in den Morgen. Ich erinnere mich, früher, Jahre her, sind mir auch nach zehn Uhr früh tolle Dinge eingefallen, die ich aufschreiben konnte oder zeichnen oder fotografieren.

Gestern Abend sagte ich zu Kollege T. Muss heim, muss schlafen. Zu Hause jedoch Arbeitshandschuhe übergestreift und den Grundstein für die Galerierenovierung gelegt, während eine Rockband in dem Raum probte. Das versetzte mich in einen seltsamen Musikrausch und ich hätte Lust gehabt, gleich mit dem Presslufthammer zu arbeiten. Wenn es zur Musik gepasst hätte.

Februar hätte ich gerne die Galerie winterfest renoviert. Hoffe auf viele lange Abende, ohne störendes Denken. Merke: ist der Kopf leer, klappts mit den Händen umso besser. Und umgekehrt?

Windige Nacht. Sechs Uhr schon wach, weil ich vergessen hatte, die Tür offen zu lassen für die Katze. Sie kratzt im Fall dann so lange am Teppichboden, bis ich mich aus dem Bett schäle. 13 Grad warme Künstlerbude, Nieselregen und sogleich dieses Schmunzeln im Gesicht, weil mir der Titel des Blogeintrags untendrunter in den Sinn kommt. „Wendekreis des Rasierapparats“ Henry Miller wäre stolz auf mich. Was das wohl auf Englisch heißt? „Tropic of Shaver“ Ein guter Titel.
Nun zum Amt, Fahrerkarte beantragen, was zusammen mit Führerschein und biometrischem Passbild knapp 100 Euro kostet. Aber immer noch billiger, als die Buße von 500 Euro plus vier Punkte fürs Fahren ohne Fahrerkarte.

Bitte helfen Sie, …

reich-brauche-geld

Spaß in der Landeshauptstadt: QQlka posiert vor dem (noch leeren) Koffer eines Künstlers bitte helfen sie, ich bin reich, ich brauche das Geld.

Dokument unserer Zeit.

kuehlwetterstr

Kürzlich in Düsseldorf: Kühlwetterstraße; sicher eine Dokument unserer Jahreszeit. Verloren lustlos spazierte ich durch die Stadt und hatte die Vision, ich erstelle eines jener Portraits auf Basis der Straßennamen. Nicht jetzt, aber bald.

Wendekreis des Rasierapparats

Rotzeglotzen. Abgehalfterte Omega-Promis geben sich die Ehre bei Tisch.

In der Werbepause merke ich, dass bald Weihnachten ist. Man wirbt für Pralinen, Parfüm, Sinnloses und Rasierapparate. Vorbei die goldene Zeit, in der fast nur für Autos geworben wurde. Wir leben Rasierapparate – ahahaha.

Vorhersehbare kleine Werbewelt. Alle Jahre wieder. „Wendekreis des Rasierapparats“ schießt es mir in den Sinn, als ein 24 Zoll großer utopischer Rasierapparat mit zehntausend scharfen Klingen gezeigt wird. Für nur 79,90 Euro. Das ist nicht zu viel. Hey, aber das Wort Wendekreis des Rasierapparats in frecher Anlehnung an die beiden Miller-Romane, Wendekreis des Krebs und Wendekreis des Steinbocks, gefällt mir.

So suhlt man sich in Worten.

Heute in der Landeshauptstadt Bilder für Ausstellung abgeliefert und eine Ausstellung zum Thema Geld besucht. Ein Kunstwerk zeigte einen leeren Koffer auf der Straße mit einem Zettel „Ich bin reich, ich brauche das Geld“. Witzig. Wir werfen alle unser Geld rein viele bunte Scheine und setzen uns neben den Koffer wie Bettler, fotografieren uns gegenseitig mit unseren 3000 Euro teuren Kameras.

Was bisher geschah …

„Als junger amerikanischer Drehbuchautor wüsste ich gewiss um die Magnifikanz des Cliffhangers am Ende jeder Episode und würde die Technik bewusst einsetzen, um den Zuschauern den Mund wässrig zu machen nach einer Fortsetzung.“ denke ich, es ist 11 Uhr früh am Abgrund einer hochgradig durchwirkten Woche, der jeglicher Anspruch auf ’normales Leben‘ abhanden gekommen ist.

„Nicht schlimm“, denke ich in Düsseldorf, die Uhr einer Kirche schlägt sieben, es ist gestern, Kollege T. hat sich in ein cooles altes Schwimmbad verabschiedet, welches bestimmt schon im 19. Jahrhundert erbaut wurde, mitten in der Stadt. Ich, Badehose vergessen, laufe ziellos durch die Stadt und überquere einen dunklen hundert Meter breiten Graben, in dem Eisenbahnen saußen. Das Tal der Düssel. Es gibt offenbar wirklich einen Fluss namens Düssel. Tse. „Hier müsstste jetzt paar Fotos schießen, die Straßen und sonstige Abstraktionen der Stadt einfangen“, denke ich und in meinem Schädel wächst die Vision des reisenden Fotografen, der wie eine Viehherde durchs Land zieht und die seltsamen Weiden seiner Gegenwart abgrast nach neuen Motiven, nach einer neuen Bildsprache.

„Die Lohntackerei hat mich hierhin verschlagen, verflixt nochmal,“ denke ich in einem Hotelbett liegend mittwochsabends am Rande des Ruhrpotts. Die Glotze dudelt, Kollege T. neben mir halbtot von einem 18-Stunden Arbeitstag. Bettwäsche riecht nach Rauch. Normale Menschen würden sich in diesem Zimmer keine fünf Minuten aufhalten, wir aber: wie sündhaft teuer es doch ist und wir sind müde, sediert vom hektischen Tag. Am nächsten Morgen wird es ein schäbiges Frühstücksbuffet geben mit Eiern, die man hundert Stunden lang gekocht hat.

„Schwarzer Marmor strahlt eine besondere Würde aus,“ denke ich flachsend mit mir selbst, ich weiß nicht mehr wann. Dazu passend hat man die Lohntacker engagiert, eine gemütliche, schneeweiße Lounge aufzustellen, quelle Contraste. Für Achtzig Gäste ist bestens gesorgt, es gibt: Videos, DJ, Licht, man serviert Krabbenspieße.

Einsames Gehöft, jetzt. Tippe dies Zeilen. Der Ofen gurgelt. 9 Grad Celsius in der Künstlerbude. Genauso warm wie draußen. Sonne embeddet in Dunst.