Schreiben oder schmieren

Ich sollte schreiben. Habe mir abgewöhnt, zu versuchen, um sieben Uhr aufzustehen. Trotzdem perversfrüh genug jetzt. Kaffee gekocht. Ofen lodert. Nachts arbeite ich im Dateisystem, tauche ab in die Vergangenheit meines Fotoarchivs. Zehn ernsthafte Künstlerjahre und noch fünf halb enrsthafte davor. Sechs digitale Jahre. Ein iPhone Jahr. Die Bilderzahl steigt hyperbolisch quadratisch kubisch an. Wo soll das Enden. Zwei Festplatten ausgebaut, eine neue, gigantische eingebaut – zwei gehen raus, eine geht rein, fast wie in Mad Maxens Donnerkuppel – was die Arbeiten am System auslöste. Gestern Passwörter geändert. Seit der Kundenserver des Providers gehackt wurde, bin ich hellhörig. Zum eigentlichen Kunst-arbeiten komme ich diesertage kaum. Der Tackerjob hat mich im Würgegriff. Hohe Schlagzahl. Macht Spaß, obschon mir gestern klar geworden ist, dass der Spaßfaktor dramatisch eingebrochen ist, seit Kollege T. entlassen wurde. Die Zeit der hochphilosophischen Tackerstunden ist längst vorbei. Die Kollegen A. und F. und all die anderen steigen einfach nicht ein auf den Monty Pythonesken Humor, den T. und ich entwickelt haben.

Nun aufm Sprung zur Arbeit dämmert: du solltest endlich damit aufhören: in den Vergangenen 30.000 Fotos zu wühlen, zu tackern, zu verwalten, Steuererklärung zu machen, all das Alltagsmenschliche Gebambels – sei ein Tier mit einem Instinkt von höchster Intelligenz, Rebell du – und dich um die Gegenwart kümmern. Die Alarmglocken läuten in der Küche. Ich sollte jetzt Brote schmieren.

Vollbremsung am Rande der Woche

Tage der befindlichkeit, 42te Woche 2011.

Persönlicher Rekord: 3 Wochen Grippe mit Ach und Krach überstanden. Zum Glück war der Owner auf Lustreisen, sonst hätte er Herrn Irgendlink die Hölle heiß gemacht, schaff was, rette das Unternehmen, die Welt und den ganzen Rest. Mit halber Kraft gearbeitet, nebenbei den Umzug auf eine 4 mal größere Festplatte im PC erledigt. Fühlt sich gut an mit den großen neuen digitalen Festplatten-Kleidern und dem neuen System.

Schon donnerstags war ich wieder zu Scherzen aufgelegt, äußerte gegenüber den Kollegen A. und F., wir gründen eine Boy Group und nennen uns Tack That. Abends vor dem Supermarkt steht ein winziger Hund auf der Hutablage eines feinen Wagens. Die beiden Damen auf den vorderen Sitzen ahnen nicht, dass ich denke: ein Hund wie ein Geschoss und sich mir die Vorstellung einer Vollbremsung, wenn nicht schlimmeres aufdrängt.

Freitags fähig zu sein, länger als sechs Stunden Lohnerwerb zu betreiben verheißt nichts gutes für die nächste Woche. Das Damokles Schwert der Leistungsbürgerschaft baumelt das ganze Wochenende über mir. Am Abend unbedingt geistige Vollbremsung einlegen. Lass den Hund eins werden mit den Damen. Klartext: ich schaffe es mit Mühe und Not, zum ersten Mal seit Menschengedenken, mir überhaupt nichts vorzunehmen für das Wochenende. Keine Termine, keine Menschen, nicht einkaufen, nicht einmal dann und dann könnte man einen Spaziergang machen bei dem schönen Wetter.

Tun werden wir es ohnehim.