Schreiben oder schmieren

Ich sollte schreiben. Habe mir abgewöhnt, zu versuchen, um sieben Uhr aufzustehen. Trotzdem perversfrüh genug jetzt. Kaffee gekocht. Ofen lodert. Nachts arbeite ich im Dateisystem, tauche ab in die Vergangenheit meines Fotoarchivs. Zehn ernsthafte Künstlerjahre und noch fünf halb enrsthafte davor. Sechs digitale Jahre. Ein iPhone Jahr. Die Bilderzahl steigt hyperbolisch quadratisch kubisch an. Wo soll das Enden. Zwei Festplatten ausgebaut, eine neue, gigantische eingebaut – zwei gehen raus, eine geht rein, fast wie in Mad Maxens Donnerkuppel – was die Arbeiten am System auslöste. Gestern Passwörter geändert. Seit der Kundenserver des Providers gehackt wurde, bin ich hellhörig. Zum eigentlichen Kunst-arbeiten komme ich diesertage kaum. Der Tackerjob hat mich im Würgegriff. Hohe Schlagzahl. Macht Spaß, obschon mir gestern klar geworden ist, dass der Spaßfaktor dramatisch eingebrochen ist, seit Kollege T. entlassen wurde. Die Zeit der hochphilosophischen Tackerstunden ist längst vorbei. Die Kollegen A. und F. und all die anderen steigen einfach nicht ein auf den Monty Pythonesken Humor, den T. und ich entwickelt haben.

Nun aufm Sprung zur Arbeit dämmert: du solltest endlich damit aufhören: in den Vergangenen 30.000 Fotos zu wühlen, zu tackern, zu verwalten, Steuererklärung zu machen, all das Alltagsmenschliche Gebambels – sei ein Tier mit einem Instinkt von höchster Intelligenz, Rebell du – und dich um die Gegenwart kümmern. Die Alarmglocken läuten in der Küche. Ich sollte jetzt Brote schmieren.

9 Gedanken zu „Schreiben oder schmieren“

  1. Würste und Brote und Gurke auf Eis
    und dann scheiß‘ auf die Majo,
    die ist böse und heiß,
    nimm die Hände ans Steuer,
    wir fahr’n im Kreis.
    Glücklich ist der, der seinen Namen noch weiß.
    Wer nicht fahren kann läuft,
    wer nicht läuft, dreht sich im Kreis

    Element of Crime – Kopf aus dem Fenster

  2. Ich arbeite ja schon länger an einem kleinen Bühnenprogramm mit Songs von EoC und Texten von Sven Regener und mir. Arbeitstitel:
    Element of Times they are a-Changin‘.

    Kommt wahrscheinlich im Frühling in die deutschen Kneipen. Fühl‘ Dich schon mal eingeladen.

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