Die tausenderste Art, ein Handy kaputt zu machen

Habe eben Nachricht von Ex-Kollege und Pilger T. per Mail:

puhh, das war harte Arbeit, viel Schweiß und viel Quälerei, 2150 km in 3 Wochen bei selten radgerechtem Wetter…aber schön wars (ists) und sehr viel gesehen und erlebt…und natürlich Bildmaterial ;-)…der Camino (Frances) ist großartig…leider ist mein Handy abgestürzt nach der 1. Woche…Akku kaputtgeschwitzt…und damit hatte ich jede Nummer nach Zuhause verloren.

Handy kaputt geschwitzt. Tse. das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Bitte an die LeserInnen

Verratet mir die Links zu guten Artikeln im Irgendlink-Weblog, damit ich eine Best-Off-Liste zusammen stellen kann. Gefragt sind auch unausgegorene Artikel voller Tipp- und Syntax-Fehler aber mit einem interessanten, entwicklungsfähigen Grundgedanken (die ich verbessern kann). Wenn Ihr in den Tiefen dieses Blogs etwas findet, schreibt einen Kommentar (ein Wort reicht) in dem jeweiligen Artikel. Ihr wärt mir eine große Hilfe.

Und wer einen roten Faden findet, sagt bitte auch Bescheid, ja?

Gravitation des Eigenheims

Es hat eine Weile gedauert und ich will es auch nicht zu laut hinaus posaunen, aber ich finde langsam zu meiner alten Kraft zurück. Es wird wieder mehr Artikel geben. Mein Plan: am Wochenende reiße ich mir die Dinger aus dem Leib, tippe sie krude dahin und verteile das Ganze dann auf die Wochentage, so dass abends immer etwas hier erscheint. WordPress ist so praktisch und pflegeleicht als Blogsoftware. Einfach Artikeldatum einstellen und er erscheint zur geplanten Sekunde.

Im Amt ohne Wiederkehr habe ich mich nun eingelebt – vielleicht liegt es am, seit drei Jahren ersten Urlaub, der mir im August blüht, dass ich etwas motivierter bin?

Habe eben nochmal Josef mit dem Postrad (siehe Artikel zuvor) recherchiert. Sein Postrad steht mittlerweile im Technikmuseum Seydisfjördur im Osten der Islands – in Jörgs Reiseblog aus dem Jahr 2007 gibt es einen Bericht darüber. Und tolle Bilder, so dass ich doch liebäugele, nach Island zu fliegen. Aber ohne Fahrrad macht das keinen Spaß und mit Fahrrad ist es mir zu aufwändig. Vielleicht Josefs Kiste im Museum leihen? ;-)

Anyway. Ist ja lange hin bis zum Urlaub und es können noch viele Kollegen im Amt ohne Wiederkehr erkranken, so dass der Urlaub einfach weg-ge-ixt wird.

Auch rosa Pappe ist nur Papier (siehe auch Artikel zuvor).

Wenn es nach dem Ex-Owner geht, werde ich den Urlaub sowieso in der neuen Tackerwerkstatt verbringen in gemütlichen zwölf Stundenschichten bei freier Zeiteinteilung. Heute beim Einrichten der Arbeitsplätze geholfen. Es ist eine gediegene Traumwerkstatt, die einem Berliner Künstleratelier alle Ehre machen würde. Nun wartet der Ex-Owner auf Ex-Kollege T., welcher als einziger Arbeiter verblieben ist. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass es ihm wohl gut geht, letztes Lebenszeichen Anfang der Woche. Von wo, weiß ich noch nicht, aber mein Tipp ist, er erreicht dieses Wochenende Santiago. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wenn man nach mehrwöchiger Radeltour ein Ziel erreicht hat, der Weg nach Hause das Dringendste ist, was man tun will. Ich glaube, es hat etwas mit Anziehungskraft zu tun und ist wie im Weltraum: je näher man der Masse ist, desto größer die Anziehung. Dies erklärt auch, warum eine Weltumradelung für normale Menschen schier unmöglich ist. Die Anziehungskraft des Eigenheims ist auf den ersten 5000 km einfach viel zu hoch.

Lochfraß im Gehirn

Neben mir ein Fresszettel, auf welchen ich Urlaubsziele gekritzelt habe, Abflugzeiten, Preise. Mallorca steht drauf. Da könnnte man prima wandern; nur Flug ist kaum billiger, als mit Hotel. Mallorca ist einer der Standardfluchtwege des modernen Angestellten. Aber es findet sich auch Manchester in der Liste für, lumpige 20 Euro hin und zurück. Von dort, so gärt es in meinem Hirn, könnte ich per Zug in die Robin Hoods Bay fahren und rüber zur irischen See laufen. Coast to Coast ist DER Fernwanderweg in Nordengland. Noch im Programm sind Funchal (Madeira) und Island. Letzteres würde mich am Meisten reizen, ist aber mit kalkulierten 1500 Euro für anderthalb Wochen einfach unerschwinglich.

Die Basis für all meine Amtsbübchenmorgenblütenträume ist ein rosa Blatt, auf dem man mir doch glatt zwei Wochen Urlaub eingetragen und durch zahlreiche Unterschriften genehmigt hatte. Das Verfahren ist, wie alles auf dem Amt ohne Wiederkehr, präzise und treffsicher: Das Blatt kommt in eine sogenannte Laufmappe, ein einfaches Stück Karton mit vielen Kästchen vornedrauf. In die Kästchen schreibt man jeweils die Zahl einer Dienststelle, zu der das Blatt geleitet werden soll. Per Hauspost geht die Sache rund und kommt irgendwann erledigt wieder zu einem zurück. Allein das ist schon eine kleine Urlaubsreise. „Die willfährigen Abenteuer eines rosa DIN A 4 Blatts“ werde ich dereinst meine autobiographischen Aufzeichnungen über mein Leben im Amt ohne Wiederkehr nennen. Durchaus bestsellerverdächtig.

Wenn mein Hirn sich nicht von Innen heraus auffrisst und ich alles, was ich erlebt habe, einfach vergesse.

Letzte Woche lag ich beklommen im Bett und versuchte einzuschlafen, aber das was ich gesehen hatte und woran ich mich sollte immer erinnern, was ich jedoch vergessen hatte und nur durch Zufall im Internet wieder fand, ließ mich nicht los. Kann doch nicht sein, dass Du J. vergessen konntest, den du 1992 in Reykjavik auf dem Campingplatz kennen lerntest und mit dem du ein Schwätzchen hieltest. Nichts besonderes. Nur Smalltalk. Aber J. ist besonders. Er ist eine Island-Koryphäe und viele Island-Urlauber werden ihn irgendwann gesehen, oder gar kennengelernt haben, denn er ist der Einzige, der mit einem uralten Postrad die Insel durchquert. Jahr für Jahr. Ich weiß nicht, ob er noch lebt. Bei meinen Recherchen zum Urlaub fand ich ein Bild von ihm im Netz, datiert auf 1999. Da erinnerte ich mich wieder. Es gibt vermutlich auch Tagebuchaufzeichnungen über das Erlebnis. In meinem Hirn war die Begegnung wie ausradiert.

Sowas macht Angst.

Nun versuche ich, mich mit nüchternen Überlegungen zu beruhigen. Rein der Vernunft folgend, hast du im Laufe deines Lebens so viele Menschen kennen gelernt, an die du dich nie wieder erinnern wirst – es ist einfach nicht sinnvoll, jeden kleinen Smalltalk zu rekapitulieren – und an J. mit dem Postrad, glaubst du, solltest du dich erinnern. Warum? Weil er etwas besonderes ist? Eine Trophäe, ein Pokal der Lichtgestalten? Ja, genau so muss es sein: dadurch, dass J. eine gewisse Berühmtheit genießt und viele ihn kennen, wird die Smalltalk-Begegnung zu etwas Besonderem. So als würde man einem Popstar die Hand schütteln und sie nie wieder waschen wollen.

Kann ich mich also beruhigen? Ist das Erlebnis J. vor fast 20 Jahren nur ein verstaubter Pokal, der in die hinteren Reihen der Glasvitrine meines Kleinhirns gerutscht ist?