Pressemitteilung | Kunstprojekt Bilder für die Ewigkeit Juli 2013

Weltformel

Neues Livereise-Kunstprojekt des Zweibrücker Konzeptkünstlers Jürgen Rinck (Juli 2013)

1307_Pressemitteilung-Bilder-fuer-die-Ewigkeit (Download PDF)

Pressefotos – zum Vergrößern bitte anklicken. Weitere Fotos finden Sie unter: https://irgendlink.de/projekte/bilder-fur-die-ewigkeit/ und kontinuierlich wachsend ab 20. Juli 2013 in der Kategorie https://irgendlink.de/category/bilder-fur-die-ewigkeit/

Eröffnung Memory of Mankind Archiv
Eröffnung Memory of Mankind Archiv
North Sea Cycle Route auf Keramik
Beispiel für eine MOM-Tafel: North Sea Cycle Route auf Keramik – einige Bilder der Livereise und der Streckenverlauf für das Memory of Mankind Projekt
Unterwegs auf dem Nordseeküstenradweg 2012 - Holland
Künstler in Bewegung – unterwegs auf dem Nordseeküstenradweg 2012 in Holland. Die Reise ins MOM wird in die Berge führen.

Das Kunststraßenkonzept – auf Augenhöhe mit David Hockney

Vorletzte Woche erschien die erste Ausgabe des Smart Photo Digest, eines Printmagazins, das sich der neuesten Trends auf dem Smartphone-Foto-Sektor annimmt – mit dabei Irgendlinks Kunststraßenkonzept. Der Serendipität ist es geschuldet, dass die Redaktion die Nordseerunde im Irgendlinkblog fand und auf einer Doppelseite über Monsieur Irgendlinks Liveblogtätigkeit berichtet. Ab Seite sechzig findet man im Artikel iPhone auf Leinwand dieses Foto:

North Sea Cycle Route Kunststraße
North Sea Cycle Route Kunststraße – alle zehn Kilometer fotografiert – das mehrere zigtausend Pixel breite Gesamtbild lässt sich auf eine Größe von sechs mal sechs Metern vergrößern.

 

Kunststraße um die Nordsee in gedruckter Form im Smart Photo Digest

Ausführlich wird das Kunststraßenkonzept vorgestellt, sowie ein Einblick gegeben in den derzeitigen Stand mobiler Reportage. Das Nordseerundenprojekt profiliert sich als eines der Projekte, für die die Nutzung eines Smartphones als Fotoapparat unumgänglich ist. Neben David Hockneys iPad-Arbeit zur schnellen Skizzierung schriller Gemälde, gibt der Artikel auch Einblick in die Arbeit der iPhonekünstlerin Christiane Bäcker, die bei sogenannten Photowalks durch Berlin auf die Mobilfunktechnik setzt, sowie in die Arbeitsweise von Melanie Jörns.

Das neue 100 Seiten umfassende Printmagazin spricht all jene Themen an, die Smartphone-Fotografen interessieren dürften. Die Zeitschrift enthält Fotoreportagen, gute Einzelfotos aus dem Stockfoto- und Kunstbereich und viele nützliche Informationen zum Thema Smartphone-Fotografie. [Smart Photo Digest]

Im aktuellen Smart Photo Digest wird übrigens ein Fotowettbewerb ausgelobt, der sich ausschließlich an Smartphone-Fotografinnen und -Fotografen richtet:

Smartphone Fotowettbewerb bei Smart Photo Digest (Einsendeschluss 13. September 2013)

Hundertzwanzig unikate Kunstwerke auf dem Weg nach Hallstatt

Hundertzwanzig Fotokunstwerke, die noch gar nicht fotografiert sind, ein künstlerisch dokumentarischer Text, der erst noch geschrieben werden muss, eine Fahrradreise nach Hallstatt, die einen Abdruck gelebter Gegenwart des einundzwanzigsten Jahrhunderts für mehrere tausend Jahre haltbar machen möchte, so stellt sich Irgendlinks neues Livereiseprojekt dar. Nach fast dreijähriger Forschungsarbeit im Bereich Liveblogging und Direkt-Publishing, geht Konzeptkünstler Jürgen Rinck alias Irgendlink ein neues Projekt an, das im Spannungsbogen Ewigkeit trifft Gegenwart rangiert.

Herrjeh, hätte ich doch bloß schon die Pressemitteilung fertig. Was muss man nicht alles auf sich nehmen, wenn man ewig werden will! Es ist ja nicht damit getan, sich einfach in den Zug zu setzen und nach Saint Jean Pied de Port zu fahren, um sechs Wochen auf dem Smartphone tippend und wandernd durch Nordspanien zu pilgern, oder eben mal rüber an die Nordsee zu radeln, diese zu umrunden und in velosophisch verspielter Manier über das Leben nachzudenken und spinnerte Gedanken ins Blog zu setzen.

Dieses Mal ist alles anders. Dadurch, dass das Memory of Mankind Archiv das Reiseprojekt unterstützt und echte Kunstwerke, wenn möglich schon während der Reise, auf Keramiken brennt, so wie die untige Beispieltafel, liegt die Messlatte verdammt hoch. Alleine schon der Gedanke, auch nur irgendeines dieser Kunstwerke könnte verkauft werden, wirft dem Monsiö Kunstbübchen, moi même, Sorgenfalten auf die Stirn. Wie um Himmels Willen rechne ich ein Kunstwerk aus, dessen digitale Daten ich beisteuere und dessen Materie, eigentlich nur ein bisschen Erde, die erhitzt wird, zunächst mal einfach entstehen werden, wie ein Sonnenaufgang?

North Sea Cycle Route auf Keramik
North Sea Cycle Route auf Keramik

Die zunehmende Monetarisierung der Welt heutzutage, dürfte die Forscher in fünftausend Jahren herzlich wenig interessieren. Ich hoffe, sie haben den verflixten Geldkram dann endlich überwunden und können sich wie normale Lebewesen, Katzen oder Vögel zum Beispiel, frei auf dem Planeten bewegen und allen und jedem wird es gut gehen und niemand wird versuchen, seinen nächsten auszubeuten.

Mein Freund Journalist F., den ich in meiner Not kontaktierte, konnte zum Glück den Ernstfall exakt berechnen. Für jedes einzelne Land der EU hat er mir eine Beispielrechnung mit Produktionskosten, Produzentengewinn, Mehrwertsteuern, Ein- und Ausfuhrzöllen, Kunstbübchenabgaben und Galeristenprozenten ausgerechnet. Am Geld soll also die Wahrwerdung des Projekts nicht scheitern.

Foto auf Keramik
Prototyp Ums Meer Keramik

Jetzt fehlt nur noch, eine Schneise durch die Presselandschaft der bereisten Strecke zu schlagen. Eine Denklähmung Anfang der Woche hat die Wohlformulierung zunächst gebremst, dabei müsste ich doch eigentlich nur die berühmten sechs Ws abarbeiten: Wer Wird Wann Was Womit Wachen? Heute gelingt endlich eine Projektbeschreibung fürs Blog und Morgen früh spuckt der Traumquirl der Nacht hoffentlich ein druckreifes Kurzpamphlet aus, das ich an eine Liste erlesener Print-, Hörfunk- und TV-Medien versenden kann. Ich weiß, das ist spät, aber ich beruhige mich in dem Gedanken, dass die Hauptarbeit sowieso im Netz getan wird. Freund Ron, der schon etliche Facebook-Kampagnen geleitet hat, wird mich dabei unterstützen. Ein wenig besorgt schaue ich dem entgegen, denn er ist der Auffassung, dass es ohne die eigene Person, moi même, nicht geht. Sprich, die Person Irgendlink soll mehr in den Focus rücken. Genau das ist es, was ich am Web-Publishen so hasse, das sich selbst als Person einbringen müssen. Eine Sache, über die man sich in ferner Zukunft vielleicht wundern wird: warum waren die alle so Ich-versessen, diese primitiven kleinen Egomanen?

Memory of Mankind Zertifikat
Memory of Mankind Zertifikat

Verzweifelt suche ich einen Schauspieler, der die Irgendlink-Rolle spielt, eine Art Social-Media-Stuntman.

Zeitplan für Bilder für die Ewigkeit im Salzberg in Hallstatt

Seit heute steht der ungefähre Zeitplan für die Reise ins Weltkulturerbe Hallstatt, das die Lagerstätte wird für eine Serie von Kunstwerken im dortigen Memory of Mankind Archiv.
(Änderungen vorbehalten)

Zweibrücken – Sarreunion/Sarrebourg Samstag, 20. Juli  (90 km)
Sarreunion/Sarrebourg – Reichstett/Strasbourg/Kehl Sonntag, 21. Juli (75 km)
Reichstett/Strasbourg/Kehl – Haslach/Hornberg/Triberg Montag, 22. Juli (80 km)
Haslach/Hornberg/Triberg – Tuttlingen Dienstag, 23. Juli (60 km)
Tuttlingen – Ehingen/Ulm Mittwoch, 24. Juli (90 km)
Ehingen/Ulm – Donauwörth Donnerstag, 25. Juli (106 km)
Donauwörth – Augsburg Freitag, 26. Juli (45 km)
Augsburg – München Samstag, 27. Juli (70 km)
München – Chiemsee Sonntag, 28. Juli (96 km)
Chiemsee – Salzburg Montag, 29. Juli (48 km)
Salzburg – Hallstatt Dienstag, 30. Juli (75 km)

Gesamt 835 Kilometer.

Die Strecke Zweibrücken-Hallstatt in Flüssen ausgedrückt:

Bliestal – Saar – Rhein-Marne Kanal (Zorn) – Kinzig – Brigach – Donau – Lech – quer rüber zur Salzach. Spätestens dort fangen die Berge an. Höher als 1000 Meter muss ich nie.

Rückfahrt per Zug am Freitag, 2. Juli ab Freilassing.

Stammlesende werden sich wundern: Warum taktet Monsieur Irgendlink seine Reise so streng? Warum tut er nicht einfach bummeln, in den Tag hinein leben, laissez faire und sich die Dinge entwickeln lassen? Er hat schlichtweg nur gut zwei Wochen Zeit für das Projekt. Außerdem ist es für potentielle Medienpartner wichtig, den ungefähren Standort des Künstlers in Bewegung zu kennen.

Die unbequemen Gedanken an das Immer

Verflixt. Ich bin hochgradig nervös im Vorfeld der neuen Livereise. Das Hirn denkt und denkt und denkt. Bildlich gesehen handelt es sich bei meinem Hirn um einen verzweifelten Hamster, der in seinem Rad dreht und längst erkannt hat, dass es keinen Ausweg gibt. Nie, nie, nie gibt es diesen Ausweg! Und dennoch weiter rennt, weil die Maschine läuft. Jede Kraft, die dazu führen könnte, zum Stiilstand zu kommen, erzeugt nur weiteren Vortrieb. Vor der letztjährigen Radtour um die Nordsee gab es zwar auch eine gewisse Nervosität – soweit ich mich erinnere – aber der Fokus lag damals darauf, ob die Reise machbar ist, oder nicht. Es war ein ganz profanes, egoistisch-narzistisches Menschendenken. Nun aber liegt der Fokus auf der Frage, ob das neue Projekt womöglich im Wahnsinn endet. Der bevorstehende Denkprozess – um nichts anderes handelt es sich bei meinen Livereisen, Denkprozesse, permanent gebloggte Gedanken zum Leben im Spannungsbogen Sein und Werden – ist unbequem.

Liegt es nicht in der Eigenart von uns Menschen, dass wir uns ein paartausend Jahre zurückdenken können, und ein paarhundert Jahre voraus und uns ein Bild unserer Umgebung zurechtdenken können, das wohlgeformt und schlüssig ist, aber sobald wir uns zu weit hinaus lehnen und uns in Sphären begeben, die uns eigentlich nicht betreffen, um die wir uns besser nicht scheren sollten, entfaltet sich eine unheimliche, beängstigende Weite? Zehntausend Jahre zurück und hundert Jahre voraus, das ist unser zeitlicher Horizont. Wer darüber hinaus denkt, riskiert wahnsinnig zu werden. Alles, was heutzutage Bedeutung hat, wird, schneller als uns lieb ist, gar nichts mehr bedeuten. Diese Sorge lässt sich kurzfristig mit Hilfskonstrukten wie Gott oder abstrakten philosophischen Ansichten besänftigen. Irgendwann aber ist schluss.
Wie stellt sich das zum Beispiel dar, wenn die Dinosaurier einst eine denkende, philosophierende Hochkultur gewesen wären, die sich eine in sich schlüssige Welt geschaffen hätten und an die Zukunft, vielleicht sogar die Ewigkeit geglaubt hätten? Sie und all die Pflanzen, die unter Hochdruck zu Öl und Diamanten zerquetscht wurden. Eingeschlossen unter Tonnen von Erde. Einst denkend, philosophierend, heute nur ein Ölfeld oder eine Diamantenmine. Wir, die aktuell amtierende Hochkultur, verbrennen sie in unseren Dieselmaschinchen, mähen den Rasen, heizen unsere Wohnungen, fassen sie in Edelmetalle und hängen sie uns als Schmuck um die Hälse.

Was macht es für einen Sinn, wenn ich kleiner Künstler demnächst ins Memory of Mankind Archiv nach Hallstatt radele, und die lebendige Reise aus dem Moment heraus auf hunderten von Tonkacheln dokumentiere, die sich gewiss eine ganze Weile im Salzberg halten werden, und die vielleicht irgendwann gefunden und von den Archäologen der Zukunft interpretiert werden? Wie sehen die Archäologen der Zukunft überhaupt aus? Sind sie Insekten mit riesigen Gehirnen, die einen für heutige Verhältnisse unvorstellbaren IQ aufweisen? Sind es Roboter, die ggf. von uns erschaffen wurden? Werden womöglich in hunderttausend Jahren Außerirdische auf der Erde angekommen sein, und nachschauen, was hier so alles passiert ist? Oder wird einfach nur Nichts sein. Niemand denkt mehr. Nur Leere und Tod. Niemanden interessiert, was wir waren. Und im Laufe weiterer Jahrmillionen wird sowieso alles zerrieben werden zu Atomen, die keinerlei sinnvolle Struktur mehr aufweisen?

Noch vor drei Wochen gab es die Idee gar nicht, dass ich die achthundert Kilometer rüber radeln könnte ins Memory of Mankind Archiv, um eine Schneiße durch unsere Kultur zu schlagen und mich beschäftigen könnte mit der mir selbst auferlegten Aufgabe: denke nach über Gegenwart und Ewigkeit. Aber nun habe ich den Einstieg gefunden in das Hamsterrad, dessen Ausweg womöglich in die Klapsmühle führt. Was, wenn ein Dinosaurier sich einst selbst so wichtig genommen hätte, wie ich mich heute?
Ich kann es nicht mehr stoppen.  Die Weichen sind gestellt. Und es ist ja auch reizvoll. Wenn nur nicht alles so sinnlos schiene.

Konzentriere Dich auf das Jetzt. Verdränge die unbequemen Gedanken an das Immer.