Bloggen ist Gymnastik im Kopf

Bloggen ist Gymastik für den Kopf, schießt es mir in den Sinn. Ab damit gleich in den nächsten Kurznachrichtendienst und überhaupt, die verflixte Metaebene bringt mich noch um den Verstand. Das Nachdenken übers Nachdenken übers Nachdenken, das sich in endlosen Schleifen verliert und sich im Hirn aufhängt, ohne dass nach Außen die geringste Spur erkennbar ist. Ich habe alles versucht: aufschreiben in digital, aufschreiben in Notizbuch, aufs Band reden, auf die Videokamera, es hinausschreien in der Hoffnung, dass es jemand hört. Ungares Zeug. Besser, niemand hört das. Und auch dieser Artikel? Ich fange einfach mal an. Kann es wie so viele Artikel der letzten Monate ja einfach als „privat“ veröffentlichen.

Welch‘ verflixte Entwicklung. Und wie einfach war es oder soll ich sagen wie unbedarft war ich früher, dass ich beinahe ungefiltert Beiträge ins Blog stellte, offen und sichtbar für alle. Das ist lange her. Ich glaube, etwa 2016 endete meine „Bloggerkariere“, wie auch die des Reisenden und wie auch 2016/2017 alles um mich herum sich änderte und endete. Das Alter hatte begonnen. Irgendlink-Geriarktix, der geriartrisch in die Arktis Reisende und zwar nur im Kopf und als Traum. Ein Fleisch gewordenes „Könnte man ja mal“ …

Mit zunehmendem Sein auf dem Planeten wird alles in den Kopf verlagert, geschieht körperlich und in „echt“ weniger und weniger und irgendwann bist du nur noch Kopf und nichts dringt mehr nach außen. Eine prüde Attacke auf die Körperlichkeit und ja: Du hast alles erlebt und du hast alles gesehen und das ist gut so. Es gibt keine Sehnsucht mehr, keinen Neid, keinen Weg, den zu gehen es dich drängt. Nur noch Frieden und ja, dann ist das halt so, Akzeptanz nennt sich das womöglich.

In gewisser Weise habe ich mich von der Praxis in die Theorie verabschiedet, mehr noch, ich habe die Theorie abgestreift wie eine verschwitzte Strumpfhose und nun gaukeln nur noch vereinzelt Gedanken, die manchmal, in seltenen Momenten in Körperlichkeit münden.

Es wäre dennoch von Nöten, wieder „etwas“ zu tun. Aktiver werden. Mehr teilnehmen am Leben, mehr teilhaben an der Gesellschaft. Sagt mir eine innere Stimme oder ein Gefühl.

Was ist noch wichtig?, frage ich mich in den letzten Wochen oft. Noch einmal eine große Liveblogreise? Nein. Dinge fertig bauen? Im wahrsten Wortsinn – bauen – an einem Bauwerk, das schon 1986 auf den Wert Null (aus Sicht der Steuerbehörde) abgewirtschaftet war. Jedwede Gebäude sind nach 80 Jahren ohne Modernisierung auf den Wert Null angelangt. So ists ja auch mit uns Menschen, also rein rechnerisch: je älter, desto weniger „wert“ haben wir für die Wirtschaft. Ob es eine Formel dafür gibt? Ein Abschreibungsmodell für menschliche Leistungsfähigkeit. Soundso alt bist du zu soundsoviel Prozent abgeschrieben und ab Eintritt ins Rentenalter hast du rein steuerlich den Wert null?

Das müsste alles nicht sein, wenn wir kein Geld benutzten müssten, wenn wir Zeit nicht äquivalent zu Geld setzen würden, wenn wir in Lebenszeit denken und handeln könnten und diese fair gegen die Lebenszeiten aller Wesen auf dem Planeten getauscht werden würde, wenn der gemeine Arbeitende die Lebenszeit, die er für die Gemeinschaft „opfert“, ebenso vergütet bekäme wie der Fürst, der Immobilienbesitzer, der Topmanager, Männer und Frauen gleich behandelt und überhaupt mehr Fairnis im Umgang mit den gemeinsamen Ressourcen gehandelt würde.

Eine Antwort auf „Bloggen ist Gymnastik im Kopf“

  1. @kibmib
    Was für ein toller Einblick in dein Hirn. Danke fürs Teilen. Ich mag dieses philosophischen Mäandern und ja, dieses Älterwerden hat schon so diese Wirkung von scheinbarer Verkleinerung des Radius. Andererseits ist das Hirn ja immer noch da und lernt laufend dazu.

    Ich freue mich immer, wenn du schreibst …

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