Alltag, der 11. Februar 2026 – von Selfbeuteln, lustigen Objekten und rindsledernen Bossen

Heute ist ein großartiger Tag. Ich habe endlich aufgegeben. Aufgegeben daran festzuhalten, dass die kommende Ausstellung exakt so und so wird. Dadurch wird einiges an Energie frei. Die Karten neu gemischt, neue Ideen haben wieder eine Chance.

Kommt mir der lederne Geldbeutel von BOSS gerade recht, wie er so rumliegt und ich keine Verwendung habe dafür. Wenn ich die Objekte-Ecke meiner Retrospektive umsetze, könnte dies mein neuestes Objekt werden. Ich fummele an dem nigelnagelneuen Lederding herum; der Kontakt mit den Händen, der Haut, das Ertasten lässt langsam eine Idee wachsen. So muss sich das Eierlegen für ein Huhn anfühlen. Was war zuerst da, die Idee oder das Objekt?

Was, wenn ich mit dem Geldbeutel den uralten Kinderstreich inszeniere, wie wir ihn tatsächlich als Fünf-Sechsjährige in den 1970er Jahren in einem kleinen Dorf in der Nordpfalz gespielt hatten? Wir banden eine Angelschnur an einen Geldbeutel, legten ihn auf den Gehweg vor unserem Haus, versteckten uns hinterm Zaun, hielten das Ende der Schnur und warteten auf Kundschaft. Wenn jemand käme und den Geldbeutel aufheben wollte, würden wir an der Schnur ziehen und schwupp …

Es kam jemand, trat auf die Schnur, riss den Geldbeutel ab und nahm ihn mit.

So sehe ich meine Retro-Inszenierung des Geldbeutels mit der sündhaft teuren Brieftasche von BOSS, die ich nie genutzt hatte plötzlich als Element einer Kunstretrospektive eines zig Jahre alten erwachsenen Mannes. Das Hirn schuftet schnell. Ich könnte, sehr edel, eine Öse in den Rindsledernen einstanzen, Stahlseil durchführen und das Seil zu einem fest verschraubten Haken an der Galeriewand führen, wo es mit einem Vorhängeschloss gesichert wird. Dann soll mal einer kommen und versuchen, auf das Stahlseil zu treten und das Ding abzureißen. Ne ne, mit mir nicht! Ich habe meine Lektion gelernt.

Der Geldbeutel braucht aber noch Inhalt. Wo sind die Kreditkarten, wenn man sie einmal braucht!? Es gibt zudem ein Fach mit Sichtfenster, in das ein 15 cm hohes Motiv im Format 2:1 passen würde. Ein Selfie? Der Titel Selfbeutel war geboren. Schnell nahm das lustige Kunstwerk Kontur an. Neben dem Vorhängeschloss könnte ich noch eine AGB aufhängen, eine Allgemeine Geldbeutel Bedingung, in der steht: „Wer dieses Kunstwerk aufhebt und hineinschaut, verpflichtet sich zu einer vertraglichen Einlage von (sagen wir einmal) fünf Euro.“ Das ist nicht zu viel. Zumal der hochwertige Geldspeicher aus dem Hause BOSS sowieso kein Fach für Münzgeld hat und ich somit auch keine günstigeren Preise machen könnte.

Du bist fast live dabei beim Entstehen einer Idee. Und wenn Du mich später einmal fragst: Ich schätze, diese Idee führt dazu, dass ich tatsächlich eine Kunstwerke-Gruppe Objekte mitnehme in meine Retrospektive. Ich hatte gehadert, ob ich es meinen Besuchenden zumuten darf, aber es wird bestimmt eine kleine Abwechslung im ansonsten eher ernsten Ausstellungsgeschehen. Zu den Objekten passt auch prima das QR-Code-Projekt, das ich erstmals 2014 zur Ausstellung Code 5 inszenierte.

Da der Selfbeutel erst im Kopf existiert, füge ich ein anderes Objekt als Titelbild zu diesem Artikel.

Die Tasse auf dem Artikelbild gibt es in meinem Seedshirt-Shop.

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