Tänzelnd auf dem Hochseil des Broterwerbs von einer brotlosen Zunft in die nächste

Wie in stereo aufgenommen läuft die Befindlichkeit diesertage. Durchaus Positives wird überlagert von einem übersteuerten Kanal alles Miesen. Elend und Tristesse ringsum, so dass es mir schwer fällt, einen guten Flow zu finden, mehr noch, überhaupt irgendetwas konsequent zu Ende zu bringen.

Verflixter Weise steht auf dem Zapfhahn Super E5 für unverschämte 1,379 Euro pro Liter. Das ist zugegebener Maßen besser als die 1,429 Euro, die ich morgens für zehn Liter auf fast trockenen Tank zahlte, aber eigentlich hätte ich den Rüssel mit dem billigeren E10 gewollt im Angesicht der Unverschämtheit des Preises und des klammen Geldbeutels. Ich bin total verpeilt an diesem Nachmittag. Froh, dass ich den E5 und nicht versehentlich den Dieselrüssel erwischt hatte.

Nur hundert Meter trennen mich von der billigsten Tankstelle des Saarlands, bei der ich normalerweise tanke. Eine kleine Absteige für Benzinjunkies in einem unattraktiven Industriegebiet am Rande der Autobahn. Problem: Mir will und will der Code zur Bankkarte nicht einfallen. Nach mehrmaligen falschen Versuchen gebe ich auf und fahre zur Nachbartankstelle, dieser hier, mit dem ausversehenen E5-Rüssel. Hier akzeptiert man auch Bargeld.

Ein wahrer Tankstellenstrich ist das an der Bundesstraße, die von Saarbrücken nach Homburg führt. Eine Tankstelle an der anderen und es herrscht reger Preiskampf. Diejenige mit dem falsch eingegeben Code ist die Billigste. Immer.

Ein ziemlich verwirkter Tag, an dem ich bald zweihundert Kilometer unter Gummi nehme, um meinen Freund Journalist F. zu einem Arzttermin zu bringen. Schon gleich nachdem ich ihn abgeholt hatte, begann das Unglück. Auf der Autobahn verpasse ich die Abfahrt und die nächste Abfahrt ist gesperrt, so dass wir einmal rund um die Universitätsstadt fahren und uns schließlich von Norden dem Klinikum nähern, wo Freund F. feststellt, dass er seine Papier zu Hause vergessen hat, insbesondere den negativen Covid-19-Test, den er für die Untersuchung braucht. Also F. schon einmal bei der Praxis rauslassen, warten kann er auch ohne Test, und zurück zur Wohnung, Papiere holen, wieder zum Arzt et voilà. Die Wartezeit fahre ich nach Hause, nicht sehr weit von der Klinik entfernt und hoffe, den Heizungsbauer zu treffen, der sich für vormittags angesagt hatte und nicht kam. Auch nun kein Heizungsbauer. Wie auch. Heizungsleute sind bauesoterisch betrachtet ja zirkulative Wesen, ständig im Fluss, Chimären zwischen Vor- und Rücklauf, sozusagen. Nie und nimmer zu fassen. Ich döse vor dem Holzofen, bis F. anruft, habemus fertig und auf gehts ins geliebhasste Vehikel … mit dem letzten Tropfen im Tank (morgens tankte ich ja nur widerwillig und demonstrativ wenig für 1,429 Euro) bringe ich den Freund nach Hause und freue mich auf die billigste Tankstelle gleich gegenüber seiner Wohnung, abernaja, das Hirndebakel mit nicht erinnerter Kartennummer, wie schon erwähnt. Sowas passiert mir sonst nie.

Nun, da ich wieder daheim bin, eine Weile geruht habe, ist die Kartennummer wieder präsent. Hoffentlich wurde die Karte nicht gesperrt wegen der Fehlversuche.

Alles in Allem ein ziemlicher Scheißtag also. Aber auch nicht, denn wir haben ja Stereo. Vielleicht klingt es ja schon ein bisschen durch hier im Artikel. Den Heizungsbauer und mit ihm die Bauesoterik erwähnte ich ja nicht nur zum Spaß. Seit einiger Zeit vergnüge ich mich in Minuten, in denen ich des Denkens fähig bin nämlich wieder mit dem verrückten Buch über die bauesoterischen Phänomene, das ich schreiben werde. Es ist ziemlich viel Material aufgelaufen in den letzten Monaten, das ich sortieren muss. Beflügelt durch die intensivierte Schreiberei und das Passfälscher-Projekt seit Beginn der Pandemie, habe ich Hoffnung, dass ich bald ein gutes, unterhaltsames Buch über die Bauesoterik schreiben kann. Die Welt als Verquickung horizontaler, vertikaler und zirkulierender Begebenheiten. Mir schwebt eine Art Nichtkrimi vor im Stil von Flann O’Brians ‚Der dritte Polizist‘.

Im Rückblick auf das vergangene Jahr, muss ich mir eingestehen, dass ich wohl eine Umschulung vom freischaffenden Künstler zum Schriftsteller durchlaufe.

Meisterlich geradezu, wie der Herr Kunstbübchen, moi même, auf dem Hochseil des Broterwerbs von einer brotlosen Zunft in die nächste tänzelt.

9 Gedanken zu „Tänzelnd auf dem Hochseil des Broterwerbs von einer brotlosen Zunft in die nächste“

  1. Vielleicht, wenn`s wärmer wird und bünter….?
    P.S.: jetzt werde ich doch tatsächlich geschimpft hier, ich würde die Kommentare zu schnell schreiben. mal sehen, ob es jetzt durchgeht…

    1. Ich hoffe, bis Sommer fertig zu werden. Es sieht jedenfalls ganz gut aus. Aber wie es beim ‚Unterwegssein‘ so ist, Überaschungen und Hindernisse kommen wie aus dem Nichts. Vielleicht kann ich eine befreundete Schauspielerin gewinnen, es als Hörbuch zu einzulesen.

  2. Es gibt eben auch die sogenannten „verbrauchten Tage“. Trotzdem oder gerade deswegen: Kopf hoch, denn nach so einem Tag kann es nur besser werden.
    Was die Spritpreise angeht, da sind wir hier in den USA natuerlich verwoehnt. Zur Zeit [und das ist wegen des Kaelteeinbruchs hoch] sind es so etwas $2,30/Gallone [3,78 Liter]. Was wir gestern aber gesehen haben: wegen des Kaelteeinbruchs haben einige Tankstellen Versorgungsprobleme. „Unsere“ Tankstelle beim Supermarkt hatte gestern geschlossen. Mal sehen, was wird, denn unsere Tankanzeige ist kurz vor „Reserve“. Wenn das Warnlicht aufleuchtet, reicht es noch fuer 50 Meilen. Hoffentlich bekomme ich nachher Sprit.
    Wenn wir unterwegs sind, dann benutze ich oft eine App [„Gas Buddy“]. Die zeigt die Preise in der Umgebung des Standortes an und ist normalerweise recht zuverlaessig. Was ich hier immer wieder ueberrascht sind die ganz unterschiedlichen Preise bei Tankstellen, selbst wenn sie in Sichtweite von einander sind oder sogar nebeneinander. Wir haben einmal einen Preisunterschied von 20 Cent gesehen bei zwei Tankstellen, die direkt nebeneinander lagen. Und bei beiden gab es Kunden!
    Liebe Gruesse aus einem immer noch lausekalten und verschneiten Fredericksburg, und bleib gesund,
    Pit
    Pit

    1. Hoffentlich klappte es. Vom Winter in Texas las ich kürzlich. Muss heftig sein, wenn man sowas nicht gewöhnt ist. Viel Glück und Wärme!

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