Unterwegs im Herzblatt-Hubschrauber der Reiseliteratur

Herr Irgendlink, wo sehen Sie sich in fünf Monaten?
Auf der Straße.
Genauer auf Radwegen.
Rings um Rheinland-Pfalz.
Oder rund um Bayern.
Oder auf dem Atlantik-Radweg.

Was klingen mag wie ein vermurkstes Bewerbungsgespräch für einen Junior- oder Seniorposten in einem kosmodämonischen, international agierenden Unternehmen, ist nur eine grobe Analyse einer Künstler-nah-Zukunft. Wie jedes Jahr gegen Ende halte ich die Jonglierbälle meiner Projekte – rein gedanklich – einen Moment an und betrachte, wie die Planung fürs nächste Jahr aussehen könnte.

RLP-Explorer – radelnd, erlebend, schreibend auf Forschungsreise in den Heimaten Rheinland-Pfalz‘

Da ist zum einen der Projektvorschlag für den Kultursommer Rheinland-Pfalz, den ich im Oktober abgeschickt habe. Das Thema „Heimat(en)“ des nächsten Jahres ist ebenso unbequem wie reizvoll, so dass ich nicht umhin kam, ein Projekt einzureichen. Mich reizt die Kontroverse. Und ich habe als radelnder, schreibender Künstler einiges beizutragen. Das Projekt unter dem Titel Rheinland-Pfalz-Explorer trägt die Registernummer 182. Es wird schwer werden, gefördert zu werden, zumal meine Bühne ausschließlich virtuell ist und mit den vielen Bühnen aus Holz und Stahl konkurieren muss.

Als Rheinland-Pfalz-Explorer (RLP-Explorer) sucht der Autor und Künstler nach Spuren von Heimat und tritt in Kontakt zu Land und Leuten, um herauszufinden, wo die eine Heimat beginnt, wo die andere Heimat endet. Denn vor allem eines wurde […] klar, eine große, landesweite Heimat, die alle Bürgerinnen und Bürger des Bundeslandes gleichermaßen empfinden, gibt es nicht in Rheinland-Pfalz. Die Frage, ob Heimat womöglich ohnehin nicht an Grenzen festzumachen ist oder gar nach einer Art Zwiebelprinzip funktioniert und in ihrer Intensität zum jeweiligen Individuum hin zunimmt, steht zur Diskussion wie auch die zeitliche Komponente des Heimatbegriffs.

Im Januar fällt die Entscheidung, ob das Projekt gefördert wird, sprich, ob ich es finanzieren kann.
Vor vierzehn Jahren hatte ich zuletzt ein Projekt im Kultursommer realisiert. Der RLP-Explorer würde mein drittes Projekt der alljährlich zwischen Mai und Oktober stattfindenden Veranstaltungsreihe werden.

Da meine ‚Bühne‘ als klassische Bühne gar nicht existiert, es vielmehr eine virtuelle Sache mit fleischlichem Backend (der radelnde RLP-Explorer, moi même) wird, bin ich schon sehr gespannt, ob die Sache angenommen wird.

Bayern, das dritte deutsche Bundesland, das ich auf Radwegen umrunde

Falls nicht, habe ich noch zwei weitere Asse im Ärmel der Reiseliteratur. Plan B ist, die 2000 Kilometer lange Reise rund um Bayern, die ich letzten Spätsommer begonnen habe, zu Ende zu radeln. Entgegen dem Uhrzeigersinn. Von Lindau entlang der Alpen, ostwärts, nordwärts, westwärts, südwärts bis zurück ins Taubertal. Die ersten fünfhundert Kilometer, die ich im vergangenen August erradelte und schrieb, sind in dieser Rubrik zu finden. Kunst ist auch daraus entstanden: eine Collage mit Bildern zwischen Tauber und Allgäu.

Vélodyssée – von der Bretagne in die Pyrenäen auf dem Atlantikradweg

Zu guter Letzt ist da noch mein schon 2016 ausbaldowertes Projekt auf dem Atlantik-Radweg, das ich bisher noch nicht verwirklichen konnte. Dabei wartet die eigens dafür angelegte Blogbuch-Seite Radlantix schon begierig, gefüllt zu werden.

Landkarte mit den Konturen der grenznahen Radwege rund um Rheinland-Pfalz, Saarland, dem Tourismus-Konstrukt Paminaland (Pfalz, Nordelsass, Mittlerer Oberrhein), sowie nahe der Westgrenze Bayerns von etwa Würzburg bis Lindau. Zwischen den Linien entstehen neue Flächen.
Auf faszinierende Weise entsteht Neuland zwischen den umradelten Ländern, sehr deutlich erkennbar an den Radwegestrecken zwischen Rheinland-Pfalz und Saarland. Grenzerisches Niemandsland. Südlich von Rheinland-Pfalz erkennt man die Radrunde des Paminablogs, östlich die 2018 begonnene Reise rund um Bayern.

Wenn Sie mich fragen, liegt hier eine Win-win-win-Situation vor. Egal was die Zukunft bringt, Fördergeld oder keins, Aufmerksamkeit oder nicht, irgendwo werde ich meinen Reifenabdruck hinterlassen. Und alle dürfen mitkommen, virtuell als Gepäckträgerreisende. (Und eigentlich hätte ich auch Lust, zum Nordkap zu radeln/schreiben. Da war ich schon lange nicht mehr :-))

Also, liebe Leserinnen und Leser, wer soll jetzt Euer Herzblatt sein? Der vielheimatige Rheinland-Pfälzer, der 2018 begonnene Bayer, oder die fast in Vergessenheit geratene Vélodyssée?

4 Gedanken zu „Unterwegs im Herzblatt-Hubschrauber der Reiseliteratur“

  1. Wohin du auch radelst und worum drumrum, ich folge dir – klar, neugierig wäre ich ganz besonders auf „Vélodyssée – von der Bretagne in die Pyrenäen auf dem Atlantikradweg“, wahrscheinlich weil ich gerne selbst wieder in die Bretagne will.
    herzlichst
    Ulli

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