Pixelschlachterei in Anti-Sunderland

Es geht drunter und drüber. Monsieur Irgendlink ist multipel mit diversen Lern- und Gestaltungsarbeiten beschäftigt und erkennt einmal mehr, wie unendlich die unendlichen Weiten des Netzes sind. Der PC dudelt gut sechzehn Stunden am Tag. Eigentlich ist es, wie mit dem Fahrrad um die Nordsee radeln: wenn man sich erst einmal an die Strapazen gewöhnt hat, sich ein Alltag eingependelt hat, läuft es wie von selbst. Wie auf der Straße, so auch im Datennetz. Die Hieroglyphizität diverser Auszeichnungssprachen ist nicht mehr so erschreckend. Ich kapiere. Langsam. Ist das digitale Landnahme? Ich lerne den Weg, indem ich ihn mit den Fingern auf der Tastatur erforsche, Dateien öffne, grübele, hier ein Bruchstück Code, das plötzlich verständlich wird, dort ein kleiner Hack, mit dem man dies und das erzielen kann – ob die australischen Ureinwohner einst in ähnlicher Manier ihr Land ersungen haben?

Die universelle Art, etwas zu lernen, zu erforschen, Unbekanntes sich bekannt zu machen, drängt sich montags auf, nachdem ich sonntags fast verzweifelt bin. Du musst dir den Weg in kleine Abschnitte zerlegen, nur so kannst du ihn gehen. Und: der Weg ist immer länger, als du vermutest. Eins werden mit dem Weg. Ziel Ziel sein lassen, Weg Weg. Fetzenhaft manifestiert sich eine Winterphantasie: der Künstler in friedlicher Einheit mit seinem PC, permanent schlauer werdend … gepaart mit den dekonstruktiven Kräften, den ganzen Bendel hinzuschmeisen … wieso drängt sich mir just heute Sunderland auf? Dort, wo das Wetter so garstig war und ich einen zweitägigen Sturm in einem bezahlbaren B&B verbrachte, bis auf die Knochen nass wurde, weil ich bei Regen durch die Fußballstadt flanierte, ein Sixpack Newcastle Brown Ale unter dem Arm. Heute ist Antisunderland. Ich bin, statt körperlich kurbelnd um die Nordsee, geistig drehend im digitalen Universum unterwegs. Ein Antisturm mit Sonne, herbstlich bunter Welt, eiskalt, zwingt das Gemüt zu einer Pause – nach wievielen Tagen „on Tour“ im Pixeluniversum? Wann hatte ich den letzten ganzen freien Tag, an dem ich nichts dachte, nichts tat, nichts wollte? Ist heute Zeit, zu ruhen? Verflixt, schon läuft der PC und ich hacke diese Zeilen. Ich sollte etwas essen, raus, Paus‘, gucken.

6 Gedanken zu „Pixelschlachterei in Anti-Sunderland“

  1. Hieroglyphizität – was für ein Wort! Und kaum hat man die eine Auszeichnungssprache begriffen, kommt eine neue ums Eck oder die bekannte wird erweitert, angepaßt, ver“bessert“ …

    NSCR war ein endlicher Weg. Ist der im Digitalen Everywhere endlich oder unendlich oder endlich unendlich?

  2. hach, das sind wieder worte, gedanken, wege, auf die du mich da im kopf ein stück mitnimmst. ist nicht alles reise, dachte ich heute im zug? und ist nicht alles kommunikation – denn letztlich ist es ohne diese nicht möglich auch nur ein quäntchen virtualität zu begreifen?

    danke für diesen tollen text!

  3. hallo,
    mir ist egal, mit welchem ziel und zu welchem ende du solche lernanstrengungen unternimmst, solange, ja, solange du texte wie diesen fabrizierst, die mich unterhalten, erfreuen, belehren und anregen – wasser-, nein: wissensstandsmeldungen mit metaphernbögen ins seelisch-geistige drunterunddrüber des schreibenden.
    ansonsten: leinen los, die seite welchseln und das lassen tun oder das tun lassen. dann das behagen genießen, das entsteht, etwas nicht zu machen, im virtuellen wie im reellen leben. die pause als pure sauerstoffzufuhr, im wörtlichen wie im übertragenen sinne.

    grüße, uwe

  4. Möglichst viel Intensität und Leben ins Leben packen, Ziel eines jeden Möbelpackers der Firma „Life must go on“ oder so. Ich würde irgendwann platzen vor zu wandelnder Kunstenergie…

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