Montmédy le Mittagsstill

Weit bin ich noch nicht gekommen heute. Die Schönheit der Welt hält mich auf. Zudem geht es hier auf und ab in der Weidegegend zwischen Belgien und Frankreich. Montmédy, die erste Stadt in Frankreich wartet mit einer trotzigen Zitadelle auf, die durchaus mit der Zitadelle von Bitche, südlich meiner Heimatstadt Zweibrücken mithalten kann. Ich will nun doch eine Landkarte kaufen. Keine Lust, wie gestern, auf den N88s dieser Erde im Dieselrußgestank zu radeln.

In einem „Super U“-Markt suche ich vergeblich nach einer Karte der Region. Alle Gegenden haben sie im Programm, nur nicht meine. Karten der Region gibts nicht in der Region. Alle anderen Läden in Montmédy sind bis 14 Uhr in der Mittagsruhe. Unterwegs denke ich über dieses Livereiseprojekt nach, das sich langsam verselbständigt und einen eigenen Geschmack annimmt. Darüber, dass diejenigen, denen ich davon erzähle oft anmerken, ka, aner das hat doch schon der Kerkeling gemacht, der Kieling. Wie sie alle heißen, die Vorangegangenen. Und wie man in der Kunst- und Literaturwelt gerne mit Schmutz wirft, die Nonames wie mich klein redet, sie ins Abseits des Pausenhofs des gelebten Lebens zu stellen versucht. Auf der Kunstmesse in Mainz sind mir vor zwei Wochen solche SchmitzwerferInnen begegnet. Edle Damen mit beringten Fingern und schnößelige Herren mit nasaler Stimme. Jungejunge, Kunstbübchen, das ist doch ein alter Hut, was du da machst, so der Tenor.

Mitnichten!
Diese Reise ist ein ganzheitliches, konzeptkünstlerisches Erlebnis. Ein Internetforschungsprojekt und dabei ist es nicht einmal meine Person und das was ich tue und das was ich schreibe, was so besonders ist. Es ist diese Lawine der Kommunikation, die ich lostrete, das Sich-verselbständigen des Projekts in den Kommentarsträngen, das Abweichen von der Linie der bisher zur Passivität gezwungenen Leserinnen und Leser, die, Blog sei Dank nun mitmischen dürfen im Buch. “ Das ist unser Buch“ würde der gute Rio Reiser wohl singen. Nicht zuletzt die beinahe permanente Verbundenheit mit der Homebase, Blogbasis Alpha 1, SoSo, per Telefon, Mail, Skype, SMS, Gedankenlesen :-), macht das Projekt zu einer Pionierstat.

So. Ich gehe jetzt Karten kaufen.
Bild: Zitadelle von Montmédy

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7 Gedanken zu „Montmédy le Mittagsstill“

  1. wie abgedroschen doch die kommentare von beringten händen in kunstpalästen und schmallippen sein können… klar… bilder wurden auch schon zu höhlenzeiten gemalt, sollten wir nun nicht mehr malen? geschrieben wird auch schon ein paar tausend jahre auf diesem erdenball, sollten wir nun nicht mehr schreiben und…. ach lassen wir das!
    dein weg, dein projekt und „uns“ zur freude! genau SO
    herzliche grüße und nun gehts weiter im text… und du radelst bestimmt schon wieder neuen bildern und worten entgegen-

  2. Hallo, Jürgen, habe heute,Montag, alles von Deiner Tour gelesen.
    Ich finde ganz toll,was Du machst und sehr mutig.Ich werde jetzt jeden Tag alles verfolgen. Liebe Grüße, Angelika.

    1. Danke Angelika. Ich komme mir gerade vor wie Brian am Kreuz :-) und so stimme ich denn ein in das Lied: „Allways stay on the bright side of life – tiril tiroll tiroll tirill tiroll“. Und die Melodie soll mich jetzt begleiten auf den nächsten Kilometern.
      Liebgrüß Jürgen

  3. Wie Wunderbar, du hast einen neuen Leser, ich bin begeistert. Ich war 2003 auch ein halbes Jahr mit dem Fahrrad unterwegs, aus ganz anderen Beweggründen und unter anderen Voraussetzungen. Jede Tour ist anders, jede Geschichte ist anders und gutgeschriebene Reiseberichte machen mir immer wieder viel Freude.
    Zur Kunst: „Es ist Kunst, wenn einer sagt, dass es Kunst ist“, sagte Karl. „Im Zweifel ich. Ich darf das sagen. Und dann muss ich mindestens noch einen finden, der mir das glaubt. Dann ist das Kunst“.
    Aus dem Buch von Sven Regener „Der Kleine Bruder“.

    1. Willkommen Stefan, Sven Regener ist auch noch einer, der auf meiner Liste der unbedingt zu lesenden AutorInnen steht. Ich muss mal wieder weg vom Thriller Krimi :-)

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