Als Spinner in Biasca

‚egen ‚ egen ‚ egen. Jeden Tag ein Bisschen weniger. Widrige Umstände führen uns nach Biasca, jenes kleine Städtchen, in dem die Lugmanier- und die Gotthardtroute zusammen kommen. Während sich Sofasophia bei der Doktorin eine lästige Infektion diagnostizieren lässst, streife ich auf Fotopirsch durch die Straßen in der Nähe des Bahnhofs. Niesel auf mein Haupt. Aus den Felsen über der Stadt spritzten gleich mehrere Wasserfälle in die Tiefe. Wegen der flach hängenden Wolken sieht man nicht bis ganz nach Oben. Auf der Suche nach der Altstadt durchquere ich ruhige Vorstadtstraßen, aufgelockerte Besiedlung, ab und zu eine kleine, fettgrüne Weide, kaum größer als 400 qm, paar Kühe darauf Dann wieder betonene Bauten neueren Datums. Zweckbauten, nix Altstadt. Nach dem Ortszentrum zu fragen, dazu bin ich zu eitel, ich Mann, ich. Stapfe lieber nach dem Serendipitätsprinzip umher, knipse mit dem iPhone die Straßennamenschider: Via Zurigo, Via Basilea, Via Quinta, Via Stall Danz und wie sie alle heißen. Bei einem Manor-Laden komme ich in eine Art Fotorausch. Hinter dem Laden Graffities, Kuhweide, abgefratzte Mülltonnen und schwerer, grauer Himmel wie er regensatter nicht über der Szene hängen köntte. Beinahe fasele ich mit mir selbst, so entzückt bin ich, ach was, plötzlich rede ich laut und deutlich, halte das iPhone vor den Mund wie ein Diktiergerät und spreche auf Band: „Habe heute meine Forschungsarbeiten zum Thema iDogma abgeschlossen. …“ Pause, Blick in die Wolken, Mütze zurecht rücken. “ … nun kann es endlich los gehen: alle Kunst eint sich in dir, du kleiner Wunderkasten.“ Verliebt starre ich das Telefon an Drei düster drein blickende Jugendliche beäugen mich misstrauisch. Da wird mir die Groteskizität meines Auftretens bewusst. Sie müssen mich für einen totalen Spinner halten, wie ich in fremder Zunge mit dem Gerät spreche, mich hinter Mülltonnen bücke, um irgendwas Komisches zu fotografieren. Eine Weile starren wir einander fassungslos an. Dann kommt eine SMS der frisch verarzteten Geliebten: „Warte im Schuhgeschäft auf dich.“ – „Nichts kaufen, komme sofort“ hacke ich panisch in die Tasten.
Bild: Zahlensampler aus den Nummern an den mechanischen Weichenstellern am Bahnhof Biasca. Aufgenommen nach dem iDogma mit Pro-Camera-App, kombiniert mit Pixter, beschnitten mit Photoshop Express und gebloggt mit Blogger+.

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