Sehr langsam zu neuen Kräften. Mittwochs dachte ich: „Du hast Schweinegrippe“, um mich von düstereren Gedanken, wie etwa Diabetes Typ 1, zerfressenen Inselzellen, überall Tumore oder dem CFS abzulenken. Ist ja ein bisschen vermessen, immer gleich das Schlimmste zu denken, wenn man mal erschöpft im Bett liegt und kaum noch aufstehen kann. Es war gar nicht so einfach, einen Ersatzdoktor zu finden. Der Hausarzt treibt sich nämlich seit der Umorganisierung der Krankenkassenzahlungen fast nur noch im Süden herum. Schicke Yacht, Mädchen, Roulette. Ihr wisst schon. Er hat den Break Even der Mediokratie überschritten. Wie auch immer: im hintersten Winkel der Stadt fand sich ein schweigsamer, lustloser Ersatzdoktor mit Hexenschuss und einem Gutstück Fatalismus, der Bauch abtastete, Blut zapfte, Rezept schrieb – und eine Krankmeldung.

Derweil ca. 2 kg abgenommen. Konnte ja nix essen wegen Dauerübelkeit und wiege nun so wenig wie nie, seit ich erwachsen bin. An der Grenze zur Unterernährung. Das zerrt am Nerventütü.

Erstmals seit 25 Jahren gebe ich das Nacktschläferdasein auf, hülle mich in einen feuerroten Schlafanzug aus Seide. Spart Bettdecke und falls sie einen nachts abtransportieren müssen, ist es nicht beschämend.

Tse.

Das alles ist jetzt hoffentlich passee. Ich schreibe wieder Geschichten.und erschlage fette Fliegen im goldenen Morgenlicht mit einer schmierigen Kunststoffklatsche. Die Luft riecht gut. Sie ist zwar hierzulande auf 340 Metern Höhe in einer mäßig besiedelten Region fett und staubig, aber immer noch besser, als in einer Agglomeration. Ich muss sagen, das Leben in 500 bis 1000 Metern Höhe, das ich im Urlaub führte, war ein gutes, sauberes, exquisites, freies Leben. Die Luft, die man atmet ist elementarer Bestandteil des Wohlbefindens. Genau wie das Wasser, das man trinkt und die Lebensmitel, die man isst. Ich träume davon, nach Bad Münster am Stein umzusiedeln, gar nicht mal so weit, oder auf die Kanalinseln, Amrum oder die Faröer. Ich müsste nur erstmal lernen, im Internet zu überleben, sprich dort mein Geld zu verdienen. Komischerweise hat mir kürzlich der Soulsnatcher ein Stöckchen zugejubelt – ich hasse Stöckchen, er auch – mit der Frage, ob man wegen der Liebe oder der Arbeit in ein anderes Land ziehen würde. Ich antwortete: Liebe vielleicht, Arbeit nein und muss nun hinzufügen: wegen der Gesundheit würde ich auf jeden Fall umziehen.

Das einsame Gehöft rangiert auf einer Skala guter Plätze zum Leben glücklicher Weise recht weit oben. Die Luft könnte etwas besser sein, es sollte keine Zecken und fette Brummmücken geben, Temperatur immer 15 Grad und es dürfte nur nachts regnen. Das wars schon, was meine bescheidenen Wünsche an die Umwelt angeht.

2 Gedanken zu „“

  1. nur nachts regnen! ja, so stelle ich mir mein eldorado auch vor …

    attention please: stöckchen werfen ist nicht ohne … be careful! es könnte ein boooomerang sein …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.