Notizen eines Fahrradpendlers

Ich fürchte, ich bin nicht mehr in der Lage, einen vernünftigen Artikel zu schreiben. Ich bin vollkommen verrückt. Die Mo-Geschichte, einen Eintrag zuvor, sagt alles. Herr Irgendlink hat nur noch Quatsch im Kopf. Wenn ich mein braunes, lederbezogenes Notizbuch durchblättere, in das ich, meist morgens, seltsame Gedanken, Worte und Ideen skizziere, wird mir Angst und Bange. Wenn das jemand in die Hand kriegt, droht mir die Klapse.

Am 2. Dezember letzten Jahres notierte ich etwa Die Kran-Nische des Ibikus. Ich stellte mir einen Kranfahrer vor namens Ibikus, der in seinem Kran eine geheime Nische eingerichtet hat, in der er sein Bier abstellt. Ibikus ist Alkoholiker und kann erst den Kran bedienen, wenn er einen gewissen Level intus hat. Unter der Ibikus-Notiz steht geschrieben Verschmutzungszertifikate für das Mitarbeiterklo. In unserer Firma gibt es nämlich ein Problem. Manche Mitarbeiter haben so kurze Penise, dass sie es nicht schaffen, ins Urinal zu zielen. Deshalb steht manchmal eine Pfütze im Männerklo. Darüber ist der Owner nicht sehr glücklich. Die Putzhilfe auch nicht. Toiletten sind Krisengebiete. Ich hatte überlegt, ob es nicht gut wäre, es den Weltökonomen gleich zu tun, die mit CO2 Emissionen jonglieren, Verschmutzungsrechte zu vergeben für jeden Mitarbeiter.

Ihr seht, meine seltsamen Worte haben durchaus einen ökopolitischen Hintergrund.

Genauso wie das Großwort, Der lebende Schredder für Ideen und Hypothesen, einen Mensachen bezeichnet, der vollkommen resistent ist für innovative Vorschläge und der somit ein ähnliches Zerstörungswerk anrichtet, wie ein Papierschredder mit Papier, nur eben, dass bei ihm das gesprochene, wohlmeinende Wort geschreddert wird.

  • Dies sind unkoordinierte Satzfetzen am Morgen. Es ist, als sei ein Universum am Entstehen. Sozusagen ein Urknall. Die Worte brauchen Raum, um Buch zu werden.

Aber auch die Kompression hat etwas für sich – noch einiges aus dem Notizbuch:

  • literarische Allesfresser
  • der Gipfel des Eisbergs der Kunst auf dem Fundament lizensierter Faulheit
  • aufhören mit dem „Zwei-Herzen-in-meiner-Brust-Unfug“ – das ist anatomisch nicht möglich.
  • Erinnerungsdefekt

Schriebs in einer Ampelphase, es war noch nicht halb neun.

5 Gedanken zu „Notizen eines Fahrradpendlers“

  1. Ich bin mir sicher, ein Eckhard Henscheid, ein Robert Gernhardt, ein Wladimir Kaminer, ein Thomas Bernhard, ein … (setz‘ Namen nach Wahl ein) hatten und haben dutzende solcher Notizbücher mit derartigen Gedanken. Du brauchst Dir keine Sorgen machen.
    Und die literarischen Allesfresser mit Erinnerungsdefekt sind mir am liebsten.

    … und was Deine Artikel betrifft: ich lese sie sehr gerne.
    In dem Zusammenhang ein kleiner Tipp: Neueinsteiger tun sich in Deinem Blog etwas schwer. Bei der Mo-Geschichte hätte ich zum Beispiel einen LINK auf die Loungeforensik gemacht, sonst erschließt sich einem das nicht. Und auch, wenn jemand zum ersten Mal vom Owner liest, weiß er nicht, wer das sein könnte. Irgendwo hast Du sicher erklärt, wer der Gute ist. Also, wieder ein LINK. So kann man sich von Story zu Story hangeln und bekommt zum Schluss ein schönes Gesamtbild, das sich ja wirklich lohnt zu betrachten, wie wir beide wissen.

  2. Buenas!

    Großartig, vor allem die letzten vier Notizen.
    Alles muss festgehalten werden, selbst wenn es auf den ersten Blick absurd erscheint – das ist doch die Quelle der Inspiration! Aus wie vielen absurden Gedanken wohl schon so mancher großartiger Text entstanden ist!

    Und danke für den Kommentar!

    Lieber Gruß von Kati :)

  3. und dann bei der arbeit angekommen die gedanken abschütteln wie ein nasser hund das getröpfe, musst du nicht unbedingt, jedenfalls nicht alle. in DER hinsicht einen guten owner getroffen…oder?
    verrückt ist was andres. oh schreck, da müsstest du ja zur teufelsaustreibung zu den voll abartigen…
    also lebe weiter lustig und froh, wie der mops im ampelstroh…ampelstopp
    gruß

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