Trödelei und Vermeidung, die zweifelhaften Tugenden des Langstreckenradelns #mdrzl

Gestern ein hölzerner Pavillon, heute einer aus Beton. Es ist nicht schön, in der kalten, nackten, von Nieselregen umwobenen Betonfläche aufzuwachen. Alles fröstelt. Die Finger sind klamm. Ich habe schon gefrühstückt, auf der Radlerhose sitzend, um sie vor dem Anziehen ein bisschen aufzuwärmen, es gab Baguette, Käse, Schinken, Wasser – ha, Wasser und Brot zum Frühstück. Der Pavillon war mal ein Prachtbau, vermute ich. Mosaikboden, ein Loch in der Mitte, aus der etwas herausgerissen wurde, ene Skulptur?. Außerdem sind ringsum Scheinwerfer in den Boden eingelassen, die das Ding wohl einst beleuchteten. Vier Stufen führen hinab zum Mosaik, auf dem ich die letzte Nacht schlief. Die Landstraße ist nah. Da kann auch der kleine, etwas weniger gepflegte Park nicht darüber hinweg tünchen, der den Pavillon umgibt.

Abends hatte ich überlegt, in der Hängematte zu übernachten, die genau zwischen die Betonsäulen passte, aber da hätten die Scheinwerfer der vorbeifahrenden LKW mich stänig beflutet. Die Mulde darunter jedoch war stets im Schatten. Vermutlich war das mal ein schöner Brunnen. Vielleicht stand in dem derben Loch zur Mitte einmal eine Wasserspeiende Putte?

Der Glanz der nahen Bäderstadt Niederbronn-les-Bains verblasst wohl von den Rändern her. Obschon es gestern spät – es war wohl so gegen halb elf, als ich hier ankam und zuvor die Stadt durchquerte – recht aufgeräumt wirkte. Casino, Hotels, Duft von Essen aus den Ablüften der Retaurants, fein gekleidete Menschen, ein Park, in dem ich mich verirrte und sogar die Baukrane der Baustellen sind reichlich geschmückt mit LEDs und Lichteffekten. Kann ja nicht sein, dass in unserem Badstädtchen nackte, derbe, verrostete Baukrane stehen, oder? Da buchen wir doch bei der Baustelleneinrichtung schön noch das Paket ‚Fein aufgeäumte Kurstadt‘ mit.

Dass ich hier gelandet bin, verdanke ich alles nur einer Vemeidung. Vermeidung und Trödelei waren die beiden Joker des gestrigen Tages. Zunächst schlief ich in der Hängematte ein, die ich mittags nahe Krafft direkt am Kanalradweg aufgezäumt hatte. So ein Glück. Nicht nur wegen des Schlafs. Nördlich, da wo mein Ziel lag, rumpelte es über die Maßen. Ein heftiges Gewitter entweder in Straßburg oder eher noch etwas nördlicher, resümierte ich im baumelnden Halbschlaf. Und in der Tat, nachdem ich die Europametropole durchqquert hatte, kamen mir am Rhein-Marne-Kanal alle Radlerinnen und Radler in Regenklamotten oder klatsch durchnässt entgegen und nahe Vendenheim, ziemlich genau in der Gegend um den Bücherschrank, in dem ich auf dem Hinweg übernachtet hatte, lag zentimeterhoch Hagel und auf einmal war es eiskalt. Als habe sich eine Kälteglocke über die Gegend gelegt. Ich streifte die Handschuhe über. Selbst im Bücherschrank waren der Boden und die kleine, einsvierzig lange Sitzbank, auf der ich geschlafen hatte, nass.

Trödelei, welch Tugend, du hast mich vor dem Unwetter bewahrt, bzw. mich davor bewahrt, arglos hineinzufahren in den wohl nicht sehr großen Kältespot.

Der zweiten ‚Tugend‘ des gestrigen Tages, verdanke ich die Streckenführung über Brumath und Haguenau. Vom Kanalradweg ist diese Route ausgeschildert und ich dachte mir, vielleicht kann ich die Fünfhüpfberge vermeiden, die mich ab Schwindratzheim erwarten. Vermeidung! Fünf recht zackige aufs und abs, bis es im Tal der Zinsel ab Zinswiller wieder gemütlich radelbar ist.
Nunja. Die Radroute nach Haaguenau ist nur bis Brumath eine Radroute, danach folgt der Radweg der D 263 und die ist dummerweise mit Schreiasphalt belegt. So dass jedes Auto, jeder LKW und Omnibus einen mit etwa 90 dB Lautstärke überholt. Ein Stück von nur etwa fünf Kilometen zwar, über Kriegsheim bis Niederschaeffolsheim, aber das genügt. Es ist der spichwörtliche Tropfen Öl, der die unendlich große Menge Wassers verseuchen kann.

Tausche also Fünfhüpfberge gegen Kriegsheimer Schreistraße.

Fazit vielleicht: den lupenreinen, schmerzlosen, lullifullie-wohlfühl-Radweg quer durch Europa wirst du wohl nie finden, Monsieur Irgendlink.

Nun da ich dies schreibe, klammen Fingers im Betonpavillon, muss ich wieder entscheiden: drei Kilometer im Gemetzel der Landstraße, um auf den kleinen Bypass auf der anderen Seite des Tälchens auf die Ortsstraße zu gelangen, oder anderthalb Kilometer zurück nach Niederbronn, um dort unter der Landtraße hindurch auf die Ortsstraße zu kommen. Einen direkten Weg ohne Schmerz gibt es wohl nicht.

Bloggen von unterwegs – ein Ringen mit dem Workflow #mdrzl

Kaum ist man mal ein paar Wochen oder Monate weg, ändern sich die Bedingungen in der digitalen Welt. Wie lange ist das jetzt her, dass ich von unterwegs über das Radreisen oder das Reisen schlechthin bloggte? Ernsthaft und über mehrere Tage? 2021 tat ich nichts. 2020 umradelte ich (ich erinnere mich kaum) Rheinland-Pfalz. 2019 gabs den zweiten Abschnitt von /Bayern. Dazwischen gingen die Softwareversionen und kamen und WordPress, mein bevorzugtes Blog-System entwickelte sich rasant, was auch zu massiven Veränderungen im Backend führte und letztlich stehe ich nun da wie ein Anfänger, muss mich neu einfinden in die Technik. Zudem bin ich kürzlich von Twitter als Kurznachrichtendienst, (das kleine Futter zwischendurch für die verehrten Gepäckträgerreisenden), umgestiegen zu Mastodon. Dort fand ich bei Freund Hagen ein nettes Plätzchen auf einem netten kleinen Server irgendwo in einem der vielen Spiralarme des sogenannten Fediverse: @irgendlink@fimidi.com heißt der Account. Ist wie Twitter, nur anders :-). Und weil fimidi sich so schön macht als Name, habe ich kurzerhand vorgestern den Namen als bescheidenen kleinen Unterteil des sogenannten Fedi- oder Metaverse geprägt. Alles klar? Vermutlich nicht, und das ist auch nicht so schlimm.
Denn im Grunde sind die Abläufe wie eh und je gleich geblieben, wie schon seit Anbeginn der Zeit, in der Menschen begannen, über das zu plaudern, was sie antreibt, darüber zu schreiben und andere daran teilnehmen zu lassen. Nur die dahinter stehenden Accounts, die Technik und die ‚Nennt-das-Kind-doch-beim-Namens‘, die haben sich ein bisschen verändert.
Momentan sitze ich im Schneidersitz auf Frau SoSos Sofa und tippe diesen Text, der vor allem die Funktion hat, mal wieder auszutesten, ob ich auf dem Handy noch tippen kann. Bzw. auf dieser gakeligen, faltbaren Minitastatur, die per Bluetooth gekoppelt ist, und eben, wie die Kanäle funktionieren mit dem Veröffentlichen. Also vom Prinzip her: Text ins Blog hochladen und veröffentlichen und in der Blogsoftware auf dem Server laufen magische Mechanismen, die man nicht verstehen muss, die aber dafür sorgen, dass sofort auf Twitter und in Facebook und im eine Notiz hinterlassen wird, der Herr Irgendlink hat wieder einen Artikel geschrieben …
Zudem befinde ich mich in einer Reisesituation (wir haben eine REISESITUATION). Radelte kürzlich von Zweibrücken in den Aargau, verbrachte eine eiskalte Nacht zusammengekauert in einem Bücherschrank am Rhein-Marne-Kanal nahe Strasbourg und ja, ich fuhr auch ein bisschen Zug. Das Ganze als erstes kleines Reisekunstprojekt im unter dem Hashtag (mit dem Rad zur Liebsten), doch das nur als Geplänkel und ich befinde mich ja gerade noch in einer Phase des Technik wieder Erlernens und auch des Radreisen wieder Erlernens und des Schreiben von unterwegs wieder Erlernens.
Ich glaube, es geht um den Workflow. So wichtig beim reisend Schreiben.
Morgen gehts zurück in die Pfalz. Noch sagt mein Mut, diesmal radelste die 300 Kilometer komplett. Es soll nicht mehr so kalt werden. Ich erinnere mich an einige Kaschemmen und Hütten und Schlupflöcher unterwegs, wo ich übernachten könnte. Mal schauen. Zur Not habe ich keine Scham, in den Zug zu steigen (obschon das mit Reiserad nicht spaßig ist).
Im Fimidiverse werde ich den Workflow ‚Kurznachrichten von unterwegs‘ austesten (also während der Pausen ab und zu eine kleine Statusmeldung zum Fortschreiten der Reise posten): @irgendlink@fimidi.com heißt der Account. Ich glaube, man muss da selbst keinen Account haben). Gepäckträgermitreisende der Vergangenheit kennen das ja von Twitter. Blogtexte wie dieser sollten übrigens auf https://fimidi.com/@irgendlink im Fediverse zu finden sein. Auf Facebook (Atelier Rinck) und Twitter (@irgendlink) bleibt alles beim Alten. Hoffentlich.

Bayern auf Radwegen | #UmsLand

Nachdem ich 2017 und 2018 zwei UmsLand-Projekte durchgeführt habe, habe ich in den letzten Wochen das (wahrscheinlich) nächste Projekt – auf Radwegen rund um Bayern – geplant. Die Blog-Serie UmsLand, die auch unter dem Hashtag in Textfragmenten auf Twitter gezeigt wird, hat das Ziel, ein Land oder eine Region möglichst grenznah und möglichst auf Radwegen zu erkunden und darüber zu berichten.

Wie ticken die Menschen in dem Land, wie ist das Land aufgebaut, welche Regionen gibt es, wie schön ist es dort, fühlt es sich gut an, macht es Spaß, schmeckt es, gibt es Probleme  – das sind nur einige Fragen, denen ich unterwegs denkend und radelnd und schreibend nachgehe. Am Ende einer Runde, so meine Hoffnung, habe ich mir die jeweilige Gegend mit viel Schweiß und Abenteuer erradelt und schließe sie in mein Herz. Und weiß mehr über Land und Leute.

Bayern wird das dritte Land, das ich auf diese Weise portraitiere. Begonnen habe ich im Frühling 2017 mit Rheinland-Pfalz, das mit der großartigen Rheinland-Pfalz-Radroute einen fertigen fast durchweg gut beschilderten Rundkurs auf 1040 Kilometern geschaffen hat.

Das war bei Bayern leider nicht der Fall, weshalb ich meine eigene Strecke auf Basis des ziemlich gut im Netz aufgestellten Bayern-Radwegenetzes zusammengestellt habe. Vom Bayrischen Innenministerium gibt es auch eine Gratiskarte aus Papier, die ich bestellt habe. Mann, war das ein Schock, als eine Woche später ein Brief des Innenministeriums im Kasten war und ich mich nicht mehr erinnerte. Sofort fragte ich mich, was ich wohl ausgefressen habe. Aber es war zum Glück nur die Radlerkarte, die alle Radwege, die man auch als GPX Dateien auf der Seite findet, enthält.

Meine Route startet in Lindau. Sie ist über 2000 Kilometer lang. Ich rechne mit 30 Tourtagen. Hier habe ich die Karte skizziert. Neben dem offiziellen Mittelpunkt sind in meiner Karte die Etappen in Reiseschriftsteller tauglichen 70 Kilometer Abständen als orangene Punkte markiert. Die Extrempunkte der Strecke, Ost, West, Süd und Nord sind blau. Grün markiere ich Sonderziele, die ich eventuell besuche (um Freunde zu treffen). Das Titelbild zeigt übrigens nicht den Umriss Bayerns, sondern die Radwegestrecke. Täuschend ähnlich, nicht wahr?

Bei der Planung habe ich schon einiges über Bayern gelernt. Dass es sieben Verwaltungsbezirke gibt und dass die Pfalz, die einmal teil des Königreichs Bayern war, ähnlich strukturiert ist. Ich weiß nun endlich, wo Oberbayern liegt und wo Niederbayern, weiß von Franken, dass es in Mittel-, Nieder- und Oberfranken gegliedert ist und dann gibt es noch Schwaben und die Oberpfalz (nicht zu verwechseln mit der ‚echten‘ Pfalz in Rheinland-Pfalz). Den Mittelpunkt des Landes habe ich auch gefunden (lila Punkt auf meiner Karte).

Wann die Tour stattfindet? Vielleicht schon bald, vielleicht erst nächstes Jahr. Auf dem heimischen Hof gibt es erntebedingt viel zu tun und ab Oktober wird es auf den Höhen des ersten Abschnitts auf dem Bodensee-Königssee-Radweg sicher schon recht ungemütlich.

Aber vielleicht sitze ich ja schon übernächste Woche im Sattel, wenn ich einen Erntebuddy finde, der die vielen Äpfel im Obstgarten aufliest und sie zu Saft pressen lässt.

Wie auch immer. Neben der Arbeit an vergangenen Projekten und der Hofarbeit schufte ich dieser Tage auch an zukünftigen Projekten wie diesem.

Vergangene Ums Land Projekte

  • Rheinland-Pfalz-Radroute, zwei Wochen im Frühling 2017, 1040 Kilometer. Hier nachzulesen.
  • Paminablog, neun Tage in der künstlichen Tourismusregion PAMINA, die Pfalz, Nordvogesen und Baden umfasst, im Frühling 2018.

Geplant in der Umsland-Serie

  • Bayern 2200 km
  • Saarland 350 km
  • Schleswig-Holstein
  • Münsterland
  • Schweiz 1200 km

Liveblog USA – mit dem Fahrrad vom Atlantik zum Pazifik

Wusstest du eigentlich, dass du dich mitten in einem literarischen Experiment befindest? Dass die Seiten, die du gerade liest, roh und druckfrisch sind, ja, dass sogar das, worüber in diesem Buch berichtet wird, gerade erst erlebt wird?

(Auszug aus dem Blogartikel Über das Liveschreiben – 17. Mai 2012)

Zweite Langstrecken Liveblog Reise  – Cycling USA

Nach der Umrundung der Nordsee im Jahr 2012, meiner bis dato längsten live gebloggten Radtour, habe ich mich lange gefragt, was denn als nächste große Reise auf dem Programm stehen könnte. Afrika von Nord nach Süd? Viel zu heiß! Vom heimischen Sofa in Zweibrücken nach Singapur? All die Grenzen, Visa, Krisengebiete schreckten mich ab. Der Fahrradhändler meines Vertrauens schlug gar vor, mich auf den Transhimalaya Trail zu begeben. Nicht sportversessen genug dafür.
Das eBook Take Care! von Hermine Stampa Rabe, hat mir schließlich den Floh ins Ohr gesetzt, die USA radelnd zu erkunden und darüber täglich in diesem Blog zu berichten, Fotos zu publizieren und wenn es die Netzverbindung zulässt, mich auch mal per Video oder Audiobeitrag zu melden. Schnell war die Idee skizziert. Von Virginia Beach am Atlantik würde ich der nahen Partnerstadt Zweibrückens, Yorktown, einen Besuch abstatten und dann immer weiter nach Westen radeln. Etwa sechstausend Kilometer führt der Liveblog-Trail über Richmond und Saint Louis bis nach Portland und darüber hinaus nach Seaside am Pazifik.

Falls die eingebettete Google Karte nicht angezeigt wird, hier der Direktlink.

Seit ich 2012 den sicheren Brotjob gekündigt habe, um als live schreibender Reisender und Künstler nach neuen Horizonten zu suchen, stellt die Hürde, ‚mal eben drei Monate unterwegs‘ zu sein, kein Problem mehr dar. Kritischer ist jedoch die Finanzierung. Für eine USA-Durchradelung benötige ich mindestens sechstausend Euro. Wenn die Reise anschließend noch als Buch veröffentlicht werden soll und im Backend schriftgut.ch werkelt, um die Tippfehler, die das Schreiben auf einem Smartphonetouchscreen ab und zu mit sich bringt, zu eliminieren, dann sind mindestens nochmal soviele Euro notwendig. Eine grobe Überschlagung der Kosten bringt das hübsche Sümmchen von sechzehntausend Euro hervor. Nie und nimmer kann ein freischaffender Künstler, der es gerade so über die Runden schafft, so etwas finanzieren.

Crowdfunding und Sponsorensuche

Schon für die erste live gebloggte Reise auf dem Jakobsweg hatte ich ein Crowdfunding in Erwägung gezogen – vier Jahre sind seither vergangen. Die benötigte Summe konnte letztlich aus Eigenmitteln bestritten werden. Ein großzügiges Teilsponsoring half der Nordseerunde, das Licht der Welt zu erblicken.
Liveblog USA wird wohl die Grenzen der Selbstfinanzierung sprengen, weshalb wir im Dezember 2014 ein Imagevideo drehen.  Die Crowdfundingcampagne wird ab Januar/Februar online gehen. Vorab einen großzügigen vierstelligen Betrag auf das Projektkonto buchen zu können wäre hilfreich – hier käme der Dein Weg Award von ERGO gerade recht.

ERGO Dein Weg Award – die halbe Miete der feinen Künste?

 

Nachtrag: Der im Folgenden skizzierte „Deal“ mit der Versicherung hat leider nicht geklappt. Warum Monsieur Irgendlink darüber gar nicht so traurig ist, lest ihr hier.

Vorgestern lief mir, rein virtuell, eine Aktion der Versicherungsgruppe ERGO über den Weg. Der „Dein Weg“ Award:

Sind Sie auch ein Mensch, der den Mut hat, seinen eigenen Weg zu gehen? Dann machen Sie mit: ERGO unterstützt Selbstverwirklicher mit dem Award „Dein Weg“

Bis 24. Oktober 2014 kann man sich online bewerben.  Also nix wie ran an die Online-Bewerbung. Zum Glück steht Monsieur Irgendlink mit seinen Kunst-Literatur-Hybrid-Projekten grundsätzlich in den Startlöchern. Dieser Blogartikel bildet den Auftakt für das geplante Liveblog Projekt USA. Ein erster Ruf in den Wald. Und wer weiß, vielleicht bekommt ja der Spruch Blogito ERGO Sum bald eine ganz neue Bedeutung, wenn es gelingt, die Jury von der Livereise zu überzeugen?

Die Kriterien für die Teilnahme an dem Award „Dein Weg“ sind jedenfalls erfüllt:

Motivation: Ich will im Sommer 2015 drei Monate lang durch die USA radeln und darüber täglich live bloggen.
Mut/Selbsbewusstsein: Den Weg als Liveblogger, Künstler und Fotograf habe ich seit 2012 kontinuierlich ausgebaut und als Preis dafür die Sicherheit im Nine-to-five-Job geopfert.
Chance auf Verwirklichung: Mit der Live-Blogreise auf dem fast 7000 km langen Nordseeradweg habe ich 2012 bewiesen, dass ich drei Monate lang alleine radelnd bei Wind und Wetter nicht nur überleben kann, sondern auch noch eine packende, literarisch und künstlerisch ansprechende Reisedokumentation schreiben kann.
Und die Finanzierung? Hinterher wirst du stets sagen: Geld spielt keine Rolle :-)
Inspiration: Seit 2010 sind die Besucherzahlen auf dem Irgendlink-Blog kontinuierlich gestiegen – während Liveblogaktionen tendieren sie in den vierstelligen Bereich. Durch Facebook, Twitter und Youtube wird seit 2014 eine noch größere Zahl erreicht, die sich von der täglichen Berichterstattung von unterwegs begeistern lässt und ihre eigenen Wege der Selbstverwirklichung ins Auge fasst.

Zu guter Letzt ist es gewiss von Vorteil auf einem solch wagemutigen Unternehmen die schützende Hand eines verlässlichen Versicherers über sich zu wissen.

Welche Themen werden angesprochen?

Neben Kultur, Land und Leuten auf der anderen Seite des großen Teichs, rücken die Geschichten von Pionieren und Ausgewanderten – insbesondere aus meiner Heimat, der Pfalz und dem Saarland – in den Fokus. Wie sind die Leute in Amerika wirklich? Wie lebt es sich dort? Wovon träumt der ganz normale Durchschnittsbürger, was besorgt ihn, was erfreut ihn? Auch die sportliche Komponente der Reise spielt eine Rolle: die gesamte Strecke wird per Fahrrad mit Gepäck und Outdoor-Ausrüstung bewältigt.

Liveblogberichte auf irgendlink.de seit 2010

Seit 2010 verfolgt eine stetig wachsende Zahl von Mitreisenden Liveblogberichte auf irgendlink.de. Die Reisen führten per Rad  und zu Fuß quer durch Frankreich, auf dem Jakobsweg durch Nordspanien, drei Monate lang durch neun Länder auf dem Nordseeradweg, kreuz und quer durch Süddeutschland und Österreich ins Welterbe Hallstatt und zuletzt im Sommer 2014 per Rad und zu Fuß hinauf auf den Gotthard.

Social Media

Twitter – https://twitter.com/irgendlink
Facebook – https://www.facebook.com/jurgen.rinck.9
Google+ – https://plus.google.com/+JuergenRinck/posts

FAQ

Ist der Künstler ein Autor oder der Autor ein Künstler?

Mit dem Aufkommen der Neuen Medien um die Jahrtausendwende verschwimmen die Genres der künstlerischen Selbstverwirklichung immer mehr. Spätestens seit der Entwicklung dynamischer Webseiten und Blogsysteme lassen sich künstlerische, multimediale, musikalische und literarische Inhalte zu einem digitalen Konglomerat verdichten, für das mir vor einigen Jahren das Wort Appspressionismus in den Sinn kam. Vielleicht entwickelt sich ja daraus die Kunstrichtung des frühen 21. Jahrhunderts?

Was ist Appspressionismus?

Die immer beliebter werdenen sogenannten Apps, kleine Programme, die auf Smartphones und Tablets fast alles nur Erdenkliche wahr machen, die einen in die Lage versetzen, Musik zu komponieren, zu malen wie ein Profi, zu fotografieren und schreiben, sind der Namensgeber für den Begriff Appspressionismus (engl. Appspressionism). Mit schelmischem Augenzwinkern kokettiert der Begriff mit  einer der bedeutendsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts, dem Expressionismus.

Welche Referenzen hat Jürgen Rinck/Irgendlink?

Vita (ein CV als PDF kann per Mail angefragt werden)

Livebloggen? Ich will’s genauer wissen.

Hier findest du einen ziemlich persönlichen Text über die Liveblog-Geschichte seit 2009.

Warum ein gedrucktes Buch?

Weil ich an gedruckte Bücher glaube, weil ich das Gefühl liebe, etwas in den Händen zu halten oder es im Regal stehen zu sehen und es ohne Hilfsmittel wie Strom und Software betrachten zu können, und weil ich überzeugt bin, dass es immer Menschen gibt, die das genauso sehen wie ich.

Und nun? Nun kann’s losgehen.

Wusstest du eigentlich, dass du dich mitten in einem literarischen Experiment befindest? Dass die Seiten, die du gerade liest, roh und druckfrisch sind, ja, dass sogar das, worüber in diesem Buch berichtet wird, gerade erst erlebt wird? Dass es, außer der Idee für die Reise, die nur das Skelett ist, an dem das Fleisch wächst, aus dem die Geschichte besteht, keinerlei Plan gibt. Und selbst das ist veränderbar. Wird er weiterhin den Radweg Nummer eins nehmen, wie es die Idee “Ums Meer” vorsieht, oder weicht er aus in die Berge? Wird der Protagonist – ähm, ich, dein Autor und Geschichtenerleber – seinen Flug buchen können, die Fähre erreichen? Die Geschichte, die du gerade verfolgst, ist das Ergebnis einer mindestens zweijährigen Forschungsarbeit, in der ich mich peu à peu quasi selbst ausgebildet habe, die Operation am offenen Herzen der Literatur durchzuführen.

17. Mai 2012 – Über das Liveschreiben

Bilder für die Ewigkeit – Strecke der Kunststraße ins MOM Archiv Hallstatt

Die Reise ins Archiv des Memory Of Mankind Projekts in Hallstatt kriegt ein Gesicht. Wie gehabt, setze ich das Kunststraßenkonzept ein, das ich seit 1994 auf fast allen Radelreisen anwende, um dem live gebloggten virtuellen Kunstprojekt eine Struktur zu geben. Alle zehn Kilometer schieße ich ein Foto der bereisten Strecke, berichte über den Reiseverlauf, kreiere während der Reise die Kunstwerke, die, getreu dem iDogma, vom Smartphone direkt zum „Endverbraucher“ kommen. Ein Einblick in die Arbeitsweise des Kunststraßenbaus findet Ihr auf der Portfolioseite für die letztjährige Kunststraße „UmsMeer„, bei der ich vier Monate unterwegs war. Die Geschichte des Kunststraßenbaus von den analogen Anfängen bis zur mobil-virtuellen Gegenwart wird auf der Kunststraßenseite erzählt.

Noch ist das kommende Projekt mit dem Arbeitstitel „Bilder für die Ewigkeit“ im Planungsstadium. Der Zeitrahmen und die unten abgebildete Strecke sind noch nicht zu hundert Prozent „festgeklopft“ (im Grunde arbeiten wir Konzeptkünstler ähnlich wie Bildhauer, nähern uns in verschlungenen Denkschleifen dem Endprodukt).

Im Fall werden ca. hundertzwanzig Keramikfließen erstellt, die im Salzstock in Hallstatt über tausende Jahre sicher lagern. Die einzigen Duplikate gehen in einer Ausstellung auf Wanderschaft und können käuflich erworben werden. Martin Kunze vom MOM unterstützt das Projekt mit seiner Keramikwerkstatt.

Eigentlich ist das Memory Of Mankind Archiv nur sechshundertfünfzig Kilometer von meinem Heimatort entfernt. Die geplante Strecke versucht, den Flüssen zu folgen – ein Stück die Saar hinauf, bei Saareunion am Rhein-Marne Kanal entlang in die Europametropole Straßbourg. Hinauf zur Brigachquelle im Schwarzwald, runter zur Donau – man wird es aus dem Erdkundeunterricht noch kennen: Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg – In Donaueschingen durchs Lechtal – irgendwie rüber nach München. Salzburg, Salzachradweg, und dann am Tennengebirge entlang nach Hallstatt.

Da es sich bei Memory Of Mankind um ein für die Archäologen der Zukunft höchst interessantes Archiv handeln dürfte, möchte ich der avangardistisch künstlerischen Bilder- und Textserie auch einen wissenschaftlich wertvollen Touch geben, indem ich die Kulturwege (z.B. die französischen Kanäle) und Verkehrsverbindungen unserer Zeit fokussiere.


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