Endstation Tweetsucht

Ringsum zieht man in die Schlacht. Es ist ein faszinierendes Phänomen. Ein Wirbel an Wut, Anklage, Widerrede, Gewalt mitunter. Jeder Mensch kennt seine eigene kleine Lösung und bläst sie in diversen sozialen Kanälen ungeniert hinaus in die Welt. Es kommt mir vor wie ein Schwarzes Loch an Streitthemen, in das man unweigerlich hinein gesaugt wird und zum Mitstreiten verurteilt wird, wenn man sich darauf einlässt.

Selbst friedlichste Zeitgenossinnen und Zeitgenossen (Typen wie ich eigentlich) geraten in den Strom, mischen sich in sinnlose Taubenschachdiskussionen ein und ziehen ihre Freundinnen und Freunde mit hinein.

Von Facebook hatte ich mich schon vor zwei Monaten zurückgezogen und das klappt auch recht gut. Instagram dito. Nur Twitter spült mir noch den alltäglichen Kleinkrieg ins Hirn. Endstation Tweetsucht.

Nachdem ich die letzten Tage dumme Leute und Bots (ich habe die seltene Gabe, Bots fast immer auf den ersten Blick zu erkennen und sie einzuordnen) blockend auf Twitter unterwegs war, habe ich die Reißleine gezogen und mich abgemeldet. Von der Radikalmaßnahme, den ganzen Account zu löschen, sah ich ab, da dies auch bedeutet hätte, dass einige wichtige Schlagworte, die ich selbst geprägt hatte, ihre Wurzeln verlieren würden. Niemand könnte mehr nachvollziehen, worum es ursprünglich unter ging, oder was es mit den auf sich hat, mit und was zum Teufel ist denn , und

Mal schauen, wie lange ich durchhalte. Blogtexte wie dieser werden automatisch zu Twitter gepostet. Tweet gewordene Sackgassen, in denen du nie eine Antwort erhalten wirst.

Im Grunde verwandele ich mich selbst in einen Bot.

 

Tag 8 der 3. Etappe (Tag 29) im Rückblick | #UmsLand/Bayern

»Erstmals Regenschauer. Fast am Ende des ünesDachRadwegs. Oberprex bei Nentschau bei Hof. Ha ein Bushäuschen voller Spinnweben geentert und lasse es mir gut gehen. /Bayern

In Nentschau endet mein ünesDachRadweg, dem ich seit Bayrisch Eisenstein folgte. Nun auf dem , nur 15 km bis Hof. Das Wetter bessert sich. Vermutlich folge ich dem Fluss . /Bayern,« twitterte Irgendlink heute Mittag.

»Vom , der zu viel Landstraße beinhält, als dass ich ihn als bezeichnen würde, gehts kurz vor auf den , was mich dermaßen verblüfft, dass ich denke: jetzt ausbrechen aus , aus ! In fünf Tagen könnte ich in sein und dann auf nach Schweden, auf .

Wenn ich jedenfalls hier in Hof in Bayern eine Flasche Bier in die Saale würfe, könntest Du, @DerEmil, sie schon Morgen rausfischen und Prost. /Bayern.« Das trötete Irgendlink heute Nachmittag.

Und vorhin schrieb er mir: »Ich bin auf Umleitungen des Saaleradwegs. Ganz zünftig zum Abgewöhnen der Berge über Berg und Tal. Vielleicht Campingplatz Joditz oder Blankenstein. Guten Mutes jedenfalls.«

Das klingt doch nach einem guten Plan! Hoffentlich findet er einen schönen Nachtplatz.

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Auf Mastodon und Twitter trötet und twittert Irgendlink seine Reise direkt und unmittelbar. Lest dort über seinen heutigen Tag – und über alle kommenden.
https://fimidi.com/@irgendlink
https://twitter.com/irgendlink

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Hier die nur sehr ungefähre heutige Strecke bei Guugl.

Den heutigen Track im Gesamtkontext seht ihr hier (Ausschnitt).

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Das ganze Projekt auf einen Blick (Opencycle-Karte) gibt es hier zu sehen: Vollbildanzeige

Die allererste Guugl-Skizze findet ihr hier: Skizze

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Liebgrüßt aus der Homebase
Sofasophia

Reise zum Mittelpunkt der Reise

Die letzten anderthalb Jahre waren künstlerisch, schreiberisch und reisetechnisch rasant. Wobei ja das Reisen, die Kunst und das Schreiben in Gestalt eines Blogs eine Gesamtkomposition sind, die mir immer noch als Rätsel und Wunder zugleich erscheinen.
Kurz vor Weihnachten habe ich für mich 2017 als das Jahr der Sorgfalt ausgerufen. Eine Zeit, in der ich mich endlich um die vielen Dinge kümmern möchte, die wegen ihres Zeitaufwands wieder und wieder liegen bleiben. Ich denke, da hat jeder Mensch so seine Baustellen. Bei mir ist es neben den vielen Fotos, die unverwertet auf der Festplatte liegen auch ein Rattenschwanz an Geschriebenem und echte, physische Arbeit im noch immer baustellenhaften Künstleratelier im alten Kuhstall.

All die Livereisen seit 2010, die ja eigentlich in diesem und in anderen Blogs schon als so eine Art Bücher vorliegen möchte ich mir vorknöpfen – auch das Ans Kap Buch, das es schon als eBook gibt, erfährt einen Relaunch und wird gedruckt.
Ich bin leider kein guter Buchüberarbeiter. Ich bin zu pedantisch und anspruchsvoll. Deshalb bleibt vieles liegen.

Die folgende Galerie zeigt den Mittelpunkt der Reise zum Nordkap. Nördlich von Falun. Die Bergbaustadt war einst Schwedens zweitgrößte Stadt. Es ist ein typisches Streckenfoto-Ensemble, bestehend aus 4 Fotos, die mit unterschiedlichen Filtern aufgenommen wurden. Normalbild, Schwarz-weiß-Retrobild und Bunt-Retrobild in Reiserichtung und ein Bild in die Gegenrichtung, das mit einem Zufallsfilter aufgenommen wurde.


Was die Sorgfalt betrifft: ich glaube, das wird nix. Ich lebe zu gerne in der Gegenwart, als dass ich mich in fraktal-sklavischer Art um die Details kümmere.

Immerhin: das Flussnotenbuch wird bald wahr, Sofasophia sei Dank.

Am Horizont taucht schon die nächste Livereise auf, eine Tour de France auf dem Atlantik-Radweg. Ich werde das Buch auf radlantic.de veröffentlichen. Kommt doch mit, virtuell.

Ich muss einen Weg finden, die Sorgfalt in die Gegenwärtigkeit zu verlegen.

Sorgfaltsmethoden, statt hinterher in einem Gewirre aus Könnte-man-mal-irgendwann-machen-Fallstricken zu stolpern (sei es nur, einem Blogartikel auch Schlagworte mitzugeben :-) )

Tage 79 & 80 | Finale

Liebe Leserinnen und Leser
Liebe Freundinnen und Freunde
Liebe Mitreisende nah und fern

Danke für diese achzig Tage Reisezeit, die ihr mit Irgendlink mitgereist seid und mit mir mitgefiebert habt.

Einen heutigen Streckenlink kann ich nicht liefern, weil Irgendlink noch am Flughafen ist, im freien WLAN, und draußen, wo er sich nachher sein Zelt aufbaut, kein Netz hat. Wir wissen also nicht, wo er nächtigen wird, aber wir wissen, dass er das gut kann. Im Zelt und so.

Morgen früh wird er den Flieger besteigen  – 80. Tage hat er für seine Reise gebraucht wie Phileas Fogg – und am Abend Deutschland erreichen.

Ein letztes Mal bei dieser Reise serviere ich euch hiermit die Tagestweets, um danach das Blogsteuer wieder ganz und gar in Irgendlinks Hand zurückzulegen.

Gute Reise euch allen!

Tag 78 | Da und dort

Irgendlinks heutige Tagesstrecke ist im Vergleich zu den vorherigen ein Katzenhüpfchen.

Vom gestrigen Zeltplatz in die Stadt, zu Coop, zur Uni … dann hierher an die Küste, wo er wieder wild zeltet. Hier klicken zum heutigen Tagestourchen.

Graublau-wolkiger Abendhimmel vor steiniger, sonnenbeschienener Düne | lange Schatten
Graublau-wolkiger Abendhimmel vor steiniger, sonnenbeschienener Düne | lange Schatten

Irgendlinks Stunden in Nordnorwegen schmelzen wie Zitronensorbet an der Sonne. Ein letzter Tag – morgen – bei hoffentlich ein bisschen besserem Wetter als heute.

Aus der Twitterküche gibts heute für einmal überhaupt rein gar nichts zu berichten. :-) Das muss so …

Pause muss sein. Darf sein. Soll sein.