Lebengenießen

Letzter Tag heute. Wir gehen ins Schwulenmuseum. Das ist gleich um die Ecke m Mehringdamm. Gestern war erstmals geocachen angesagt. Im Umkreis von 2 km liegen zig Geocaches. Am Gleisdreieck, einem verlassenen Bhngelände neben dem Technikmuseum sind wir in baufälligen Gebäuden herumspaziert, haben Logbücher gesucht – und gefunden. Eigentlich wollte ich viel öfter Cachen. ber es gibt so viel Anderes in der Stadt. Nicht zuletzt alle Freunde und Verwandten zu besuchen.

Man verzeihe, dass das A manchmal fehlt. Die Tastatur der Hauptstdtethnologin zickt. Ich bin obendrein lustlos. Bandscheibenbedingt schmerzt mein Mausarm noch immer ein bisschen.

Ein Fazit für die Livereise gibt es: Man erschwert sich das Reiseleben ungemein, wenn man versucht, ständig eines Computers habhaft zu werden. Deshalb werde ich ab März nicht versuchen ständig neues, live ins Web zu posten. Die oberste Prämisse lautet: Lebengenießen.

Wir entdecken die gute alte Hndschrift wieder. QQlka hat ein Tourbuch angefangen, in das wir unsere Eindrücke schreiben, zeichnen, kritzeln und kleben. Alles hat seinen Platz darin. So sitzen wir abends in Kneipen und geben das Buch an Freunde am Tisch weiter, manchmal auch dem Kellner, dmit sie etwas hineinschreiben. Ein tolles, charmantes Sammelsurium ist das.

Natürlich läuft die Digicam ständig mit. Mnchmal mache ich Filme. Zum Beispiel mit QQlka und der Hauptstadtethnologin durch die Bundestagskuppel. Die ist übrigens langweilig, aber die Aussicht von ganz oben ist gut. Asiaten und Nordamerikaner knipsen dort wie wild. besonders haben sie es auf die räudigen Tauben bgesehen, die in der Kuppel einen Unterschlupf gefunden haben.

In der Hauptstadt muss man manchmal durch Metalldetektor-Schleusen laufen. QQlka hatte es sich nicht nehmen lassen, mit Stahlkappenschuhen anzureisen, weshalb er ständig aufs peinlichste kontrolliert wird. Beim Hinflug musste er so einiges ausziehen – nein, die Unterhose natürlich nicht.

Einen Gutteil der Zeit haben wir scherzend mit Frau Unentwegt verbracht. Es lohnt, sich mal in ihrem Blog – siehe Linkliste zur rechten – umzuschauen.

Berlin

Eine Stunde Flug der Sonne entgegen. Über Erfurt reißt die Wolkendecke auf. Man sieht Seen, Flüsse, Autobahnen. Durchschüttelt von Luftlöchern. Per S-Bahn nach Kreuzberg. Fotoflash. Man bräuchte Jahre, um die Stadt, die Baustellen, das Verschüttete und das Malerische zu fotografieren. Umsteigen an Station Baumschulerweg. Rapper randalieren neben dem hinteren Wagen. Der Lokführer mahnt per Lautsprecher: „Wenn det nicht aufhört, dann platzt aber der Mond!“ QQlka übersetzt simultan für zwei Engländer uns gegenüber. Breites Grinsen. Auf der Ringbahn flasht das frühmorgendliche Sonnenlicht – wie eine Dreammachine – stroboskopartig von Licht zerschossene Wagen. Sonne steht ideal auf Wellblechhütten. Nun müsste man aussteigen, das Relieff dort unten fotografieren. Aber wir rasen Richtung Platz der Luftbrücke.

Das war vorgestern. Gestern gabs Knut und einige Kneipen. Zwiebelfisch hieß die eine. Barbie-Bar die andere. Die ist gleich bei der Hauptstadtethnologin um die Ecke. Überall Barbies, Plüsch und Rosa. Sogar der Kornleuchter ist mit Barbies bestückt. Über dem Urinal hängt ein kitschiges Hinterglasbild, von Innen beleuchtet, welches einen Wasserfall zeigt. Akustische Effekte simulieren das Geräusch plätschernden Wassers. Von Menschen für Menschen gemacht.

Zuckerbär-Wanderung 2008

Vogelherd-Grotte

Zurück aus Nürnberg. Die Divergenz zwischen der Welt im Kopf und der wirklichen Welt ist frappierend. Im Kopf existierte ein Bild von friedlichem Spaziergang in malerischer Landschaft. Am Samstag und Sonntagabend – sagen wir besser in den beiden Nächten musste ich das Bild ergänzen mit Hardcore-Kneipenbummel, literweise Landbier – lustig war es allemal. Letztlich waren wir knapp 20 Wanderlustige, die den gut 10 km langen Trip in der Oberpfalz angingen. Manche waren sogar extra aus Stockholm angereist.
Der Boden war vereist, so dass wir nur mühsam voran kamen. Stimmung jedoch bestens. In der Vogelherdgrotte (obiges Bild) gab es vor etlichen Jahren bei Schnee und Kälte einmal ein voluminöses Fest. Wir hatten zwei Lagerfeuer geschürt, brieten Ente im Tonmantel. Die Vogelherdgrotte ist ungefähr 20 Meter tief, hat zwei Eingänge.
Den Wandertrip habe ich per GPS aufgezeichnet, die Bilder mittels Zeitindex und dem grandiosen linuxschen digiKam synchronisiert. Sie sind relativ genau positioniert.
Zuckerbär-Wanderung 2008 at EveryTrail

Map created by EveryTrail:Share GPS tracks

No, Glotze, no Cry

Erstes Gefühl: 2008 wird großartig.

Ich habe keine Glotze mehr. No, Glotze, no Cry – nein, liebe Glotze, weine nicht um mich. Heiliger als Sankt Martin habe ich sie heute verschenkt. Bis Juni werde ich mindestens zwei Monate radelnd, fliegend, jet-settend irgendwo in Europa verbringen. Das erste große Reisejahr seit 2000.

Vor Kurzem habe ich meine großen Reisen überdacht und festgestellt, dass 1992 (Island), 1995 (Nordkap) und 2000 (Andorra) die wirklich besten Jahre waren. Lange ausgedehnte Trips in einer großen weiten Welt. Satistiker, der ich numal bin, zeichne ich eine logarithmisch ansteigende Kurve, die mit dem Jahr 2008 (Italien) ins senkrechte zu wachsen scheint. Die Reiseabstände werden erschreckend groß: drei Jahre 1992-1995, fünf Jahre 1995-2000, acht Jahre 2000 bis 2008. Wird dies mein letztes großes Reisejahr? Dann sollte ich tunlichst daran setzen, dass die Reise nicht endet, denn Reisen, meine Lieben, draußen sein in der Welt, das dunkle Fremde ins Licht der Erkenntnis zu rücken, ist doch das Beste, was es gibt.

Und die Glotze: ich weine nicht um sie. Und sie, die Glotze kann überhaupt nicht weinen. Hanebüchene Vorstellung.

Der Kontrolleur im Schafspelz

Niedertracht ist eine Eigenart, die nur wenige Menschen beherrschen – wer es beherrscht, könnte Fahrkartenkontrolleur werden.

Gerade rechtzeitig wieder gesund. Heute erster Tag voller Kraft. In weiser Voraussicht habe ich, schwer hustend einen Trip nach Nürnberg gebucht, um weit draußen in der fränkischen Schweiz mit dunkel gekleideten Freunden einen Spaziergang zu machen. Ich muss verrückt sein, eine Bahncard 25 deswegen gekauft zu haben.

Nachdem ich es getan hatte, erzählte mir Freund QQlka am Telefon, was ihm widerfahren war und weshalb er seine Bahncard wutentbrannt am Schalter in Mainz dem Servicemenschen auf den Tisch geknallt hat:

Irgendwo in Rheinhessen an einem Fahrkartenautomaten versuchte er mittels 20-Euro-Schein eine Fahrkarte zu kaufen. Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass man Fahrkarten, die nur fünf Euro kosten nicht mit 20-Euro-Scheinen bezahlen darf, da man in der Regel 5-Centstücke als Wechselgeld erhält. Da könnte ja jeder kommen.

Also fragt QQlka das freundliche Kontrollpersonal auf dem Bahnsteig, wie er denn nun mit dieser Situation umgehen solle. Kein Problem, sagt das freundliche Kontrollpersonal im Schafspelz, steigen sie erstmal ein. Der Zug legt ab. Das freundliche Kontrollpersonal im Schafspelz kontrolliert die Fahrgäste, bittet QQlka um seinen Ausweis, verpasst ihm ein Ticket für 45 Euro wegen Schwarzfahrens. Ein Riss im Schafspelz zeigt die grimmige Fratze des Kontrolleurs.

Nun ist diese Geschichte natürlich aus zweiter Hand. Ich habe sie nicht selbst erlebt. Aber ich lege meine Hand ins Feuer, dass QQlka, mein bester Freund, in dieser Sache nicht lügt. Ich verstehe diesen Kontrolleur im Schafspelz nicht. Ist er pervers, krank, schizophren, oder zahlt die Deutsche Bahn ein Quotengeld für erwischte Schwarzfahrer?

Wie weiter? Nun, Herr Irgendlink geht mit gemischten Gefühlen auf die Reise. Da in Stuttgart beschleunigtes Umsteigen angesagt ist (das geben die manchmal genauso in den Lautsprechern durch, beschleunigtes Umsteigen, tse (ist nix für Omis und Herzkranke)), habe ich sämtliche Geocaches ausgedruckt, die es im Umkreis vom HBF Stuttgart gibt, um die mögliche 2-stündige Wartezeit zu überbrücken. Da die Rückfahrt am 7. ist und Streiks drohen, weiß ich nicht, ob ich je zurück kehre.