Heute die Galerie-Funktion von WordPress entdeckt und im Artikel über die Reggaerockers am Ohmbachsee eine kleine Galerie addiert. Werde unter diesen neuen Erkenntnissen entgegen aller Unlust noch einen Artikel über die zweiwöchige Radeltour addieren.
Kusshandvorwärmer
Im Dunst der feuchten Nacht – riesen-Sternschnuppe gesehen und Riesenwunsch gedacht, „boa“, sag ich zu Journalist F., „was für ein Fetzer, der klatscht auf, so groß ist er. Hoffentlich trifft der nicht den Tackerhof“, denn genau dort im Nordwesten ging der Sternbrocken nieder. Es ist ohnehin erstaunlich, dass die Leo-Dingsda außerhalb der Kasiopeia runtergehen.
Einerlei. Unruhig wälzte ich spätnachts hin und her. Die Uhr war auf zwanzig vor Neun stehen geblieben. Der feuerrote Schlafanzug juckte, als lebten tausend wilde Wanzen darin. Ich beschloss, wieder Nacktschläfer zu werden. Es geht mir ja auch besser. Ich muss nicht mehr befürchten, dass sie mich nachts abholen und ins Krankenhaus, in den Knast oder in die Irrenanstalt einliefern.
Im Halbschlaf dachte ich abstruses Zeug wie etwa, ich habe einst als Kusshandaufwärmer gearbeitet am Hof Ludwigs des 14., denn – das wusste damals jeder – bei korsettierten Damen sammelt sich alles Blut im Unterkörper, der junge Newton hat es mathematisch bewiesen. Kein Tropfen Blut mehr im Oberkörper der Mätressen und Hofdamen, so dass insbesondere die Kusshände eine Temperatur von bis zu Minus 14 Grad erreichen konnten. Das versursacht auf den feinen Lippen meiner adligen Auftraggeber Gefrierbrand, welcher (wie jedes Kind weiß) zur Siphyllis auswächst. Nicht mehr und nicht weniger. Deshalb war ich von 1476 bis 1618 bei Ludwig XIV. als Kusshandaufwärmer angestellt, just bis zu jenem Tag, als ein Gesetz erlassen wurde, dass man beim Handkuss die Hand nicht mehr mit den Lippen berühren darf – allsolches Zeug träumte ich heute nacht, entledigte mich meines feuerroten Schlafanzugs, meine Hände waren durch seine korsettartige Enge auf Minus XIV Grad ausgekühlt, ich schwörs, Mein Eid, so ist das wirklich gewesen.
Etwas Halbwaches in mir wollte noch schnell einen Artikel schreiben über all die abstrusen Berufe, die ich im Laufe der Jahrhunderte ausgeübt habe, aber bin ja leider kein Nacktblogger, ließ sein, schlief ein, vergaß; einzig geblieben ist der Kusshandvorwärmer.
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Gefunden auf dem Friedhof in Sewen, südöstlich des Col du Grand Ballon, Vogesen, Frankreich. Man beachte die geradezu anarchische Interpretation der Rechtschreibung.
Ziemlich glücklich eigentlich: ich kann wieder essen. Übrigens zählte auch die Bulimie zu meinen selbst gebastelten hobbyhypochondrischen Diagnosen. Nicht auszudenken in solch eine perfide Psychofalle zu gelangen.
Nun treten andere Sorgen in den Vordergrund: durch die zwei Tage krankgeschrieben sind meine Aussichten auf eine Vertragsverlängerung im Amt ohne Wiederkehr um einige Prozente gesunken. Adieu Ihr lieben zwei Faxe pro Tag? Adieu, ihr illustren Telefonate mit divenhaften Kleinkunstzicken? Adieu Büroschlaf; geht mit Gott, ihr unerzählten Geschichten von 25 Fünfundzwanzigjährigen Touristikstudentinnen mit solllchen Busen?
Die nächsten Wochen werden es zeigen. Vierlleicht gilt ja auch der Spruch: „Das Amt verzeiht alles.“ oder: „Das Amt liebt dich.“ oder: „Das Amt ist gut für dich.“ oder: „Der Weg des Amtes ist zu beiden Seiten gesäumt mit den Krankmeldungen fauler Männer …“ oder: „Wer den Geringsten meiner Sachbearbeiter missachtet, missachtet das Amt.“ oder: „Sehet die Sachbearbeiter. Sie mailen nicht, sie faxen nicht und Amt ernährt sie doch.“ oder: „Setze all dein Geld auf Amtsschimmel, Sieg im vierten Rennen.“
Herr Irgendlink treibt wieder bitteböse Scherze im Netz.