The Importance of beeing Plow – Die Wichtigkeit vom sein Schneepflug

Ganz in der Nähe des Streusalzdepots im Nachbarstädtchen S. wohnt mein Freund Journalist F. Durch sein Wohnzimmerfenster kann man sich ein exaktes Bild der Wetterverhältnisse in den nächsten Stunden machen, denn die Frequenz, mit der Streufahrzeuge mit ihren bunten Blinkelämpchen in die Nacht hinaus fahren ist ein untrügliches Maß für die Schlimme der bevorstehenden Katastrophe.

Sag ich schmunzelnd zum Journalisten F.: „Die Verantwortlichen in den Wetteraffenredaktionen haben ihre Wetteräffchen bestimmt aus der freien Mitarbeiterschar von Deutschlands meistweggeworfener Tageszeitung, du weißt, das schwarzrote Blatt mit den vier großen Buchstaben, rekrutiert; jawoll, die Wetteraffen wurden samt und sonders von diesem blöden bildungsunwürdigen Reißerblatt abgeworben und nun machen sie uns allen Angst. Tief Daisy, pah.“

Ich ziehe den Vorhang zurück und starre in den pechschwarzen Himmel, ein paar Flusen rieseln. Die Straße ist grau und kalt, mit 80 Sachen rasen Kleinwagen durch den großen Verkehrskreisel in die Stadt. „Da, schon wieder ein Streufahrzeug. Da rollt was auf uns zu.“, scherze ich, „ich hab die Ratschläge von den Wetterlaffen befolgt, habe eine Kiste Bier gehamstert ahaha.“

„Dir wird das Lachen schon noch vergehen,“ sagt Journalist F. und zeigt auf ein Streufahrzeug, das ein anderes Streufahrzeug abschleppt, „da siehst du, wie schlimm das alles wird, wenn schon die Streufahrzeuge nicht mehr vorwärts kommen.“ Wir lachen – noch – verlieren uns in diversen Gesprächen um Dies und Das und Jene und Andere … bis … nach einer Weile: „Es ist so still“, sage ich, „mhmm,“ räuspert sich Journalsit F., „verdammt still.“ „Gerdezu unaussprechlich still, fast so wie in dem Film The Fog, Nebel des Grauens.“ „Fällt dir was auf?“ fragt Journalist F. „Kennst du die Geschichte vom Indianer und vom Bleichgesicht?“, lenke ich ab, „die geht so: Der Indianer beobachtet das Bleichgesicht beim Holzhacken und sagt, ‚der Winter wird lang und hart.‘ Das Bleichgesicht nimmt sich diesen Rat zu Herzen und hackt unermüdlich weiter. Der Indianer schaut ihm weiterhin zu und sagt nach einer Weile, ‚der Winter wird unglaublich lang und unvorstellbar hart, der schlimmste Winter, den es je gegeben hat‘, woraufhin das Bleichgesicht sich ordentlich rein kniet und weiter Holz macht, bis der ganze Schuppen voll ist und die Wiese davor auch …“

„Jetzt weiß ich, was nicht stimmt“, unterbricht Journalist F. meine Fabel, „merkst du das auch?“

„Was denn? I ch höre gar nichts.“ Die spätabendliche Stimmung vermitttelt mir ein Gefühl wie der Hitchcock-Klassiker die Vögel in der Szene kurz bevor das Haus angegriffen wird. Irgendwas stimmt tatsächlich nicht. Aber was?!!!

Nach einer schier unendlichen Weile des Schweigens, platzt Journalist F. endlich heraus: „Es fahren gar keine Streufahrzeuge mehr.“

Tatsächlich.

„Die Schneekatastophe wird exorbitant.“ flüstere ich.

Dekadendenke

WiedaDa- ouh shallala. Aber erst in Bern, wo mich Stimmen über die Schreibtischkante erreichen: „Hast Du gebloggt?“ – „Nöö – vielleicht – weiß nicht. Mal nachschauen.“

Wie oft geschiehts, dass man die Dinge nur denkt, anstatt sie zu tun; denken, zu sagen: „Hey, haste gut gemacht, bisten toller Mensch“, aber man sagt es nicht – diese Verwirrung, eine Erscheinung des Alters?

Und diese Erscheinungen des Alters, waren sie nicht schon immer, jedes Jahr ein bisschen intensiver? Hast du nicht 1990 gedacht, 2000 zu erreichen sei utopisch, vorher stirbst du an einem Unfall. Und 2000 glaubtest du, 2010 stehen sie vielleicht an deinem Grab und denken, was wohl aus ihm geworden wäre, aber nein, halthalthalt nein! Und nun grübelst du an 2020. Soll das denn ewig so weiter gehen?

Wir wollen es hoffen, denn es gibt viel zu tun.