Unterschiede zu „daheim“, die bei einer Wanderung die Schweizer Reuss hinauf auffallen.
Es gibt kaum wilde Müllhalden: keine Autoreifen, kein Bauschutt, Waschmaschinen und Kühlschränke.
Alle paar Kilometer finden sich „Brätelstellen“, Grillplätze am Fluss, blitzesauber, nur selten ein paar Zigarettenstummel daneben.
Pflicht zur Kotaufnahme! Robbydog Mülleimer mit Tüten für Hundekot allerorten. Robbydog sei eine schweizerische Erfindung, habe ich mir sagen lassen.
Man erbietet einander stets den Gruß: Grüezi, Hoi Zäme (Hallo zusammen), Grüeziwohl oder salopp Hallo.
In jedem Dorf gibt es Trinkwasserbrunnen.
Unterdurchschnittlich wenige Autos, in denen kilometerweit Bässe wummern (Künstlerkollege Peter nennt diese bei uns in der Westpfalz oft vorkommenden fahrbaren Wummerkisten Radioautos)
Du kannst Dein Fahrrad unabgesperrt am Waldrand stehen lassen und spazieren gehen, oder vor den Haustüren zumindest auf dem Dorf. Hier weiß man: was auf der Straße liegt oder steht, gehört jemand anderem.
Vielerorts hängen richterliche Verbotsbeschlüsse mit Bußandrohungen, zwanzig Franken zum Beispiel, wenn man die Pontonboote auf der unteren Reuss betritt.
Man drückt gerne auch ein Auge zu, wenn Radler auf dem Wanderweg fahren, oder ein paar Jungs mit dem Töff (Motorrad) zur Brätelstelle.
Der Freizeitwegenutzerkrieg ist noch nicht ausgebrochen.
Keine Grünabfälle säckeweise am Wegrand.
Kein Mac Donaldsmüll.
Keine Glasscherben auf dem Radweg.
Selten ein röhrender Auspuff oder quietschende Reifen.
Die Sitzflächen von Parkbanken sind blitzesauber.
Wenn man jemanden bittet, in irgendeiner Weise Rücksicht zu nehmen, den Motor etwa abzuschalten, die Musik leiser, wird man nicht angepöbelt, sondern um Verzeihung gebeten.
„Stärkere“ nehmen Rücksicht auf „Schwächere“.
Das Wasser aus der Reuss kann man – wir haben es abgekocht – auch bei der Mündung in die Aare noch trinken. Nie käme ich auf die Idee, das Wasser des Schwarzbachs ab unterhalb von Thaleischweiler-Fröschen zu trinken.
Von Seedorf nach Amsteg
Seefahrt tut Not
Vom Zugersee ans Ende des Vierwaldstättersees. Regen, Regen, Regen. So beginnt der gestrige Tag. Wir liegen im Zelt. Das Prasseln lässt Weltuntergang vermuten. Graue Suppe über dunkelgrauen Hügeln und ein Tupfer Zugerseen. Erst wenn man „outdoor“ ist, lernt man die feinen Nuancen des Regnens kennen. Zu Hause gibt es nur Regen und Nichtregen. Unter der Tanne zwanzig Meter neben dem Zelt ist ein trockenes Plätzchen zum Isomatteausbreiten und Kaffeekochen. Auch das Nötigste zu finden und nur das Nötigste mitzuschleppen ist für und Menschen in der Niegenug-Gesellschaft, die sich selbst entlassen haben, ein neues Gefühl.
Von unserem hart erkämpften Zeltplatz bei einem Biobauern wandern wier eine dreiviertel Stunde bis Risch, nehmen das Schiff nach Immensee. Der Zugersee liegt in drei Kantonen, Zug im Norden, Schwyz im Süden und der Landzipfel, der von Westen hineinragt, gehört zum Kanton Luzern. Über 160 Meter tief ist er nahe Immensee. In Immensee führt ein Wanderweg vielleicht fünf Kilometer weit hinüber zum Vierwaldstättersee. Nach Küssnacht. Die berühmte Hohle Gasse ist sogar mit einem Wegweiser ausgeschildert. Trotz Regen, die muss ich sehen und überrede SoSo, statt den Bus zu nehmen, zu wandern. Es lohnt sich. Ein mit großen Steinen gepflasterter Weg, gleich zu Beginn eine Tellkapelle. Nur knapp dreihundert Meter lang und ihr Überleben verdankt sie dem „vaterländischen Opfersinn der schweizerischen Schuljugend“, die 1935 dafür gesorgt hat, dass eine Umfahrungsstraße nach Küssnacht gebaut wird. Seither führt ein andrer Weg nach Küssnacht.
In Küssnacht besteigen wir den Bus nach Weggis, wo wir uns mit Vorräten eindecken.
Dort nehmen wir für 61.5 Franken das Schiff nach Flüelen, das sich zwei Stunden lang im Zickzack durch den See pflügt. Dauerregen, angelaufene Fensterscheiben, zunehmend Berge, Schneeplacken, Pittoreskizität pur. Nahe der Rütliwiese, die eine eigene Schiffslänte, einen Anlegesteg und ein Schutzhaus, sowie ein paar der gelben Wanderwegweiser hat, ragt auf einem Fels ein Schillerdenkmal. In Flüelen Endstation. Sie holen die Bugflagge ein, leeren die Mülleimer, Kehraus. Verlassene Stadt. Immer noch Dauerregen. Im Osten ein Streifen blauer Himmel. Restaurants mittwochs alle zu. In einem Hotel fragen wir nach einem Zimmer, aber der Preus von 183 Franken liegt weit über unserer Schmerzgrenze. So füllen wir prophylaktisch alle Wasserflaschen und folgen den Wegweisern Richtung obere Reuss. In Altdorf soll es ggf. günstigere Zimmer geben. Just als wir die schnurgerade kanalisierte Reuss überqueren, hört der Regen auf. Das Himmelblau weitet sich aus. Und in Seedorf stehen alle Zeichen auf Gutwetter, so dass wir alle Passanten nach Zeltmöglichkeitenfragen. Am Balanggenbach, der in der Ferne über einen Wasserfall ins Tal stürzt, werden wir von einem Bauern mit geradezu offenen Armen empfangen, ganz anders, als bei der Biobäuerin in Buonas, die uns argwöhnisch beäugt hatte und uns misstrauisch eingeschärft hatte, dass wir bloß alles sauber hinterlassen sollten.
Nun sind wir schon ein paar Kilometer weitergewandert, auf dem Weg nach Erstfeld. Das Tal ist schmal geworden. Die Gotthardautobahn säußelt. Der Fluss hat nur 9,4 Grad.
Tippfehler lasse ich erstmal drin im Text. Der Datenpass läuft um Eins ab.
Bilder: Zeltplatz in Buonas mit Blick auf den Zugersee, Fähre Rigi im Vierwaldstättersee beim Anleger Weggis, blick Richtung Flüelen, Panorama beim Verlassen von Füelen Richtung Reussteg
Es führt ein andrer Weg nach Küssnacht

Nachtrag: Herr Irgendlink und sein Halbwissen, sein Hörensagen, seine leichtfüßige Rechtschreibschluderei, garniert mit seiner halbherzigen humanistischen Bildung und seine mehr als schludrige Beobachtung von Schreibweisen von Ortsnaman auf Ortsschildern, Bootsanlegestegen und so weiter, haben aus Küssnacht Küstnacht gemacht.








