Liebe Grüße aus der Homebase | #UmsLand Tag 2

Diesmal ist alles anders. Diesmal fummle ich nur im Hintergrund rum. Diesmal werde ich mich nicht täglich zu Wort melden, nur da und dort im Hintergrund ein bisschen was mit Bildern und Tracks schrauben.

Anders ist, dass ihr diesmal der Bildergalerie und der gefahrenen Strecke allabendlich oder wann immer ihr Lust habt, sozusagen beim Wachsen zusehen könnt. Sie ist interaktiv.

Was Irgendlink im Frühling während seiner Schreibtischreise ausbaldowert und am heimischen Rechner praktiziert hat, wird jetzt das erste Mal unter Reisebedingungen in die Tat umgesetzt. Ein spannendes Werkzeug hat er da entdeckt!

Screenshot der Karte mit der Streckenführung, integrierten Bildern und einer rechtsseitigen Infotafel
Screenshot der Karte

Zur interaktiven Karte mit integrierter wachsender Bildergalerie gehts hier lang. Die rote Spur ist die seit gestern erradelte Strecke, die Bilder bei den grünen Stecknadeln werden standortgenau in die Karte integriert. Wir aktualisieren das, wann immer wir Zeit haben.

Ich freue mich auf eine spannende, inspirierende, beglückende, anregende Grenzerfahrung UmsLand Rheinland-Pfalz 2020!

Liebe Grüße aus der Homebase
Eure Sofasophia aka SoSo

Pfälzisch, ja wie nennen wir es denn? | #UmsLand Tag 1

Sechs Uhr wach. Morgen. Die Nacht war trocken und etwas windig. Zwischendrin musste ich das Zelt verlassen und die Heringe etwas tiefer in den Pfälzer Sand rammen. Niederschlettenbach querab. Ein ruhiges Tal mit bestem Radweg.

Ich bin 104 Kilometer vom Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz entfernt. Am gestrigen Nachmittag in Zweibrücken, waren es nur 78. Luftlinie. Wie so ein Eselchen im etwas verqueren Rund des Bundeslandes an langer Leine dahin trottend. Oder wie ein Komet auf dem Weg zum fernsten Punkt der Ellipse, die keine Ellipse ist.

Frau SoSo sagte einmal, Rheinland-Pfalz sieht aus wie ein Drache. Sie hatte das sogar gezeichnet. und die Zeichnung sollte sich irgendwo im Netz finden, vielleicht? (EDIT: Hier!)

Die gestrige Etappe? Begann mit einen Fototermin am Startpunkt der Reise, dem Zweibrücker Herzogplatz. Inklusive lecker Haferschmatzriegelgeschenk vom Fotografen und dem Wunsch, hab eine gute Reise.

Raus aus Zweibrücken ist ekelerregend mit dem Fahrrad. An der Baustelle zum neuen Kreisel an der Autobahnauffahrt schepperten die Maschinen, Bleche, derb geschütteter Beton aus hoher Höhe, unendlich laut und die Verkehrsplanung hat auf dem nigelnagelneuen, straßenbegleitenden Radweg gar wunderbare Bordsteinkanten gebaut. Alle paar zig Meter. Reiseradler, Reiseradlerin, wenn Du nach Zweibrücken kommmst, komm besser nicht. Erst ab dem Bahntrassenradweg in Rimschweiler wird die Route besser.

Aus der Tour 2017 auf der Rheinland-Pfalz-Radroute erinnere ich an etwa drei eher eklige Abschnitte, die auf Landstraßen verlaufen, auf denen man mit hoher Geschwindigkeit überholt wird. Eines im Westerwald, eins in der Nähe von Prüm und die etwa acht Kilometer zwischen Großsteinhausen und Hochstellerhof bei Vinningen.

Lang haderte ich, ob ich nicht besser die Alternative durchs Tal in Frankreich radele. Über Walschbronn und Dorst. Man muss theoretisch kaum Steigung überwinden, aber hat dafür etliche Waldwegekilometer. Doch tue immer das, was die Radwegeschilder dir sagen, treuer Herr Irgendlink. Also schwitze ich hinauf auf das vierhundert Meter hohe Plateau um Bottenbach und Vinningen und werde gegen Feierabendverkehr von PKWs und Transportern geradezu umspült. Ein Geschiebe aus Berufspendlern. Die einen aus Pirmasens zurück nach Hause fahrend, die anderen aus Zweibrücken, so stelle ich mir das vor und muss an Skagen denken, wo sich die Wellen von Nord- und Ostsee gegenseitig überschlagen. Oder an Andalusien. Die Hochebene hinter Bottenbach ist frisch geerntet, eingeebnet, trocken, karg und hellbraun. Fehlen noch ein paar Weiße Dörfer. Pfälzisch Andalusien versus Pfälzisch Jütland und Pfälzisch Sibirien, wie ich das Wind umpfiffene Vinningen gerne nenne. Vorm Touristenschild mit der Höhenangabe 441 m über dem Meer mache ich ein Foto mit Reiseradel. Klassiker. Muss sein. Im Prinzip lohnt es sich schon alleine wegen dieses Motivs, der offiziellen Radroute zu folgen. Und wegen des verrosteten Radels, das ich in Bottenbach in einem Garten fotografiere und und und. Kurzum, wer Ruhe will, holpert durchs Tal, wer die offizielle Route und Straße mag, nimmt den Höhenweg.

Ab Hochstellerhof gehts rasant abwärts. Seltsame Graffities auf dem betonierten Feldweg und eine Hinweisschild-Phalanx bei einem Gartengrundstück mit Hinweisen nach Hiroshima und Indien und Trulben usw. Liebevoll gemacht. Handgemalt. Ich mag solche Objekte.
Und dann Wald und Tal via Eppenbrunn bis zur Wasserscheide zwischen Rhein und Mosel, die sich zum Glück als eher flacher Minipass auf wenig befahrener Straße entpuppt. Ab Fischbach bei Dahn meist auf Radwegen unterwegs. Dahinbrausend in den Abend. In Bundenthal ein Einkauf und das Phänomen der sich gegenseitig durch Lärm überbietenden Jungmänner. Tollkühne Minderwertigkeitskomplexkompensierer auf rasanten Karren mit solchen Röhrauspuffen. Wieder schweife ich in Gedanken ab. Diese Mal nach Lappand, wo es ein ähnliches Phänomen gibt. Das nennt sich dort Pilluralley. Ein finnisches, sehr sehr derbes Wort.

Wie auch immer. Nun im ersten Übernachtungslager auf einem Parkbänkchen hockend tippe ich diese Zeilen auf meiner klappbaren Bluetoothtastatur.  Sehr sensibles Teil. Tippfehlergarant par Excellance. Muss mich zu dieser Arbeit zwingen, denn eigentlich säße ich viel lieber im Sattel. Vermutlich wäre ich längst in Wissembourg, das noch knapp 12 Kilometer entfernt ist. Ich muss erst noch den richtigen Tourrhythmus finden. Schreiben, Kunstschaffen und Radfahren sind ein komplekes Tripel, das sich erst im Laufe der Zeit richtig einspielt. Wie Tanz.

Brücke aus Holz schlängelt sich über eine natürliche Sumpfwiese
Sumpfwiesenbrücke bei Fischbah bei Dahn.
Rotes Dekoradel mit Blumenampel
Dekorad in Eppenbrunn.
Hasenkopfgraffitty auf Teerweg.
Unterhalb des Hochstellerhofs findet sich dieses Horizontalgraffity.
Altes Bluna-Werbeschild
Blunawerbung, uralt am Hochstellerhof.
Mann und Fahrrad vor liebevoll geschnitztem Schild Vinningen 441 m über dem Meer
Klassiker: Gipfelfoto in Vinningen
Radwegeschilder an einer Landsraße
Etwa acht Kilometer weit muss man auf der Rheinland-Pfalz-Radroute über eine schnell befahrene Landstraße nahe Vinningen.
Bei Hornbach unterquert der radwweg eine hohe Straßenbrücke. Radel im Vordergrund
Radweg unter Brücke bei Hornbach
Kahl geerntete Felder hinter Sonneblumenfeldern.
Außerhalb Bottenbachs könnte mit viel Phantasie Pfälzisch Andalusien liegen.

Botschafter des langsamen Vorankommens

Pressemitteilung

Kunstprojekt per Fahrrad entlang der Grenzen von Rheinland-Pfalz auf der 1040 Kilometer langen Rheinland-Pfalz-Radroute. Liveblog vom 25. August bis 8. September 2020.

Botschafter des langsamen Vorankommens

Grenzen. Plötzlich kehrten sie zurück. Als sich im Frühling 2020 die Lage um das neuartige Coronavirus zuspitzte und sich mit Covid-19 eine lebensbedrohliche Krankheit rings um die Welt ausbreitete, verwandelte sich die Welt wie wir sie gewohnt waren in Windeseile in eine Welt der Grenzen. Hatte man sich im Laufe der letzten dreißig Jahre an ein weitgehend grenzenloses Europa gewöhnt, herrschten von heute auf morgen plötzlich Zustände wie zu Zeiten des Eisernen Vorhangs und die freie Bewegung ohne Kontrollen war massiv eingeschränkt.

Die tägliche Dosis Rheinland-Pfalz

Der Zweibrücker Künstler Jürgen Rinck alias Irgendlink nimmt diese Situation zum Anlass, entlang der Grenzen von Rheinland-Pfalz zu radeln, nachdem seine ursprünglich im März geplante Reise von Zweibrücken nach Andorra vereitelt wurde. Live bloggend und online eine Karte malend folgt er der Rheinland-Pfalz-Radroute und schreibt täglich frisch in seinem Blog über das Erlebte. Er fotografiert, sammelt Daten, Geschichten, besondere Ansichten des Bundeslandes und zeichnet die bereiste Strecke mit dem GPS auf. Die Reise kann in den sozialen Medien und im Irgendlink-Blog verfolgt und kommentiert werden. Das Rohmaterial wird später zu einer informativen Kunstausstellung verarbeitet und ausgestellt.

Vielfalt im Rund des Bundeslandes

Die Rheinland-Pfalz-Radroute ist ein 1040 Kilometer langer Radweg sehr nahe bei den Grenzen des Bundeslandes, eine Kombination verschiedener Themen- und Fernradwege, der durchgängig beschildert ist und zu weiten Teilen über Radwege, Feldwege und wenig befahrene Landstraßen geführt wird. Die Radroute durchquert alle Regionen und Landschaften, die unser Bundesland zu bieten hat, die großen Städte, Mainz und Ludwigshafen, wie auch den Westerwald, die Eifel, den Hunsrück und den Pfälzer Wald. Abwechslung ist groß geschrieben bei dem Abenteuer. Im engen, aber distanzierten Kontakt mit den Menschen entsteht nach und nach eine künstlerisch-literarische Dokumentation unserer Heimat in Zeiten der Pandemie.

Reise zum Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz

In Tagesrhythmen von etwa 70 Kilometern ist der Künstler langsam genug, um die Reise auf sich einwirken zu lassen und darüber zu sinnieren.

Fünfzehn Tage sind eingeplant, sowie auch ein Abstecher zum Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz in Bärenbach, unweit des Flughafens Hunsrück-Hahn, denn auch das Kerngehäuse der Heimat will erkundet werden.

In einer Online-Karte, die begleitend zum Blog als Schaltzentrale für aktuelle Informationen dienen wird, kann man Blogartikel und Fotos betrachten und das behäbige, dem Fortbewegungsmittel geschuldete Wachstum des Kunstprojekts verfolgen.

Nebenbei Stadtradeln, aber im Land

Ein Teil der Reise fällt auch in die Phase des Stadtradelns, an dem sich Zweibrücken ab 30. August erstmals beteiligt. So wird nebenbei auch noch einiges an Radelkilometern für die Gemeinde beigetragen. Sowie der Intention des Stadtradelns, Aufmerksamkeit für die Belange des regionalen Radverkehrs zu erzeugen, Impulse gegeben.

Das Konzept der Reise ist nicht neu. Schon 2017 umradelte Jürgen Rinck Rheinland-Pfalz und berichtete darüber in seinem Blog. Als Gast beim SWR in der Landesschau und in Henriette von Hellborns Film Einig Land war er zwei Wochen entgegen dem Uhrzeigersinn als Botschafter des langsamen Vorankommens unterwegs.

Nun beginnt am 25. August der Rückweg.

Links

Blog: https://irgendlink.de

Twitter: https://twitter.com/irgendlink (Hashtag #UmsLand)

Projektkarte: http://u.osmfr.org/m/477537/ (die Webseite der Karte ist leider nicht verschlüsselt (‚https‘) und wird ggf. durch Browsereinstellungen blockiert)

Rheinland-Pfalz-Radroute: https://radwanderland.de/seiten/rlpradroute

Tourdaten:

25. August bis 8. September 2020, Fahrradreise im Outdoor-Stil, meist zeltend und, den Bedingungen der Pandemie genüge tragend, kontaktarm.

Voraussichtliche Aufenthaltsregionen/Etappenziele

(siehe auch interaktive Tourkarte)

25.8. Pfälzer Wald/Südpfalz/Wissembourg

26.8. Germersheim/Speyer

27.8. Worms/Oppenheim

28.8. Mittelrheintal

29.8. Hunsrück/Hahn (Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz)

30.8. Sankt Goar/Nastätten

31.8. Walmerod Westerwald

1.9. Daaden/Betzdorf

2.9. Altenkirchen

3.9. Altenahr Ahrtal

4.9. Neuendorf/Prüm

5.9. Irrel, Echternach, Luxemburgische Grenze

6.9. Kell am See/Hochwald

7.9. Baumholder/Idar Oberstein

8.9. Bruchmühlbach/Sickinger Höhe/Zweibrücken

Pressetreffen in den jeweiligen Regionen unterwegs können telefonisch oder per Mail vereinbart werden. Rufen Sie mich gerne an oder mailen Sie mir. Ich habe mein Büro immer dabei.