Von Hundegeschlechtsteilen und wie sie daran lecken.

Nachher wieder dieser Job beim Jazzfestival. Ich mag diese Arbeit, ein Kratzen am Mythos große weite Welt, wenn alljährlich in der Nachbarstadt der Spirit des Jazz hochlebt.

Derweil bin ich in Gedanken schon weit in der nächsten Woche, wenn das Wetter besser ist und die Fotografie wieder möglich, sowie das Radfahren. Kürzlich mit dem Kulturdezernenten diskutiert, ob es möglich sei, eine Kunststraße zur französischen Partnerstadt zu bauen und zwar bis Pfingsten. Ich sagte nein. Er sagte, sie kriegen einen Dienstwagen. Aber Dienstwagen geht nicht, gebt mir lieber Geld, Der Weg und ich, ach, wie könnten sie das je verstehen, nein, Dienstwagen ist zu schnell.

Trotzdem träume ich von der Dienstwagen-Variante und überlege, ob es nicht möglich ist, ein anderes Projekt zu machen, das nicht so sehr mit dem Weg verknüpft ist.

Mach‘ es für den Dienstwagen.

Aber da sind wir schon wieder beim Kern des Problems: der Mensch sieht immer nur die markanten Dinge, wuchtige Elemente scheinbar voller Bedeutung und Wert, ohne zu erkennen, dass die markanten Dinge zunächst leer sind und die eigene Vorstellungskraft füllt sie mit Wert und macht sie zu dem, was sie sind.

Hirngespinste in schöner Verpackung.

Sei es ein nobler Gegenstand oder ein Amt und Würden, dein Name auf einem Plakat, ein Bericht über dich in der Zeitung – Was ist die Zeitung? Nur bedrucktes Papier und wenn es eine deutsche Zeitung ist, so verstehen maximal 60 Millionen Menschen das, was darin geschrieben steht. Rein statistisch so gut wie niemand. Dann ist es doch nichts wert, ebenso, ob man einen riesigen Turm in der Stadt gebaut hat und alle Welt schaut scheinbar her, Mann, ist das Ding groß.

Groß wird etwas erst, wenn man lange genug darüber nachdenkt und sich etwas vormacht.

Wer hätte gedacht, dass ich nun noch die Kurve zurück zu den Jazzern kriege, welche sich alljährlich in den Garderoben der Stadthalle der Nabarstadt treffen und jammen oder ihren Gigs entgegenfiebern. Eine Mischung aus Weltstars und lokalen Jazzikonen, die nichts besseres zu tun haben, als ihren willigen Groupies die Backstagemacht zu demonstrieren, mit der Potenz des geplünderten Kühlschranks, aber hey, Lokaljazzweltstar, deine Macht endet unter der flimmernden Neonröhre an einem krümeligen Tisch in einem verqualmten Raum, ich hoffe, du schaffst es, das abgehalfterte Groupie herumzukriegen.

und jetzt fallen mir noch ein paar Dinge ein: wie wir im Strom der Zeit treiben zum Beispiel, unaufhaltsam, obwohl die Augen gen Ufer gerichtet, aber mit den Augen, mein Gott, mit den Augen können wir doch die Zeit nicht aufhalten und den Strom zum Stillstand bringen. Was also bleibt, ist, sich einfach treiben lassen und hie und da eine Träne verlieren und wer weiß, vielleicht ist der Strom in dem wir treiben nur eine Ansammlung von Tränen all derer, die mit uns in diesem Strom treiben.

Trotzdem stünde ich gerne am Ufer.

Der Straßen-leber

Nee, so kann die Woche nicht beginnen. Mit einem Vigenère Eintrag. Da muss etwas Lesbares her.

Bloß was?

Hab all mein Pulver im Vigenère verschossen.

Eine Idee vielleicht. Die Idee vom Leben auf der Straße bei vollem Lohnausgleich. Wir Künstler sind gut für solche Phantasmen und dafür, weit in die Zukunft zu blicken, weil wir die Gegenwart nicht überbewerten und weil wir gewagtere Zukünfte denken als andere Menschen.

Das Leben bei vollem Lohnausgleich auf der Straße sieht so aus: mit allem nur erträumbaren technischen Equipment ausgestattet bereist der Straßenleber als mobiles Redaktionssystem die Welt und berichtet zeitnah von unterwegs. Dem Internet sei dank. Die Strukturen sind ja schon längst zu sehen. Aber es fehlt noch was: es gut zu machen (mir ist das leider auch noch nicht gelungen).
Eine Kombination aus Literatur, Kunst und Berichterstattung.

Die eierlegende Wollmilchsau der Unterhaltungsindustrie?

Vom Messen? Mit Nichten!

mittags, T-Shirt-Wetter, Hirn verteilt die Aufgaben: „Du, du und du, ihr macht das, das und das. Lasst euch Zeit, genießt den Tag und verflixt noch eins, lasst mich aus dem Spiel.“

Also rechne ich weder die Länge der Wasserleitung aus, noch schicke ich die längst überfällige Zip-Datei mit der Künstlerhomepage weg.

Stattdessen stehe ich vor einem Berg Sand, keine Ahnung wie hoch – mannshoch – welcher den neuen Galerieraum verfüllen soll, um den Boden zu ebnen. Schubkarren für Schubkarren kippe ich das Zeug in den Raum und denke mir, „Mann ist das herrlich, überhaupt nicht denken zu müssen.“

Spielerisch remebriere ich den Morgen: Auf in die Stadt. Per Rad die steilste Straße hinuntergesaußt und beim Parkautomaten voll gebremst, weil der Initiator von ZWHOM ein Ticket zieht. „Musst ihn wenigstens begrüßen, Mann, Aber wie heißt er?“ Mein sarkoidiotisches Gehirn lässt sich jede Menge Zeit, während ich mich ihm langsam nähere – da, im letzten Moment kramt das marode Organ zwischen fibrotischen Verkrustungen den Namen W. hervor, „Tach Herr W.“ Herr W. freut sich, obwohl ich ihn vor einiger Zeit versetzt habe, Man könnte meinen, er habe es nicht bemerkt, oder er habe es verziehen, anyway, Herr W. ist in der Klemme, der Automat will nur bestimmte Münzen, Zehner und Zwanziger. Ich schenke ihm einen Zehner,

Dann Smalltalk.

Dann der Termin beim Vertriebsleiter einer der beiden führenden Tageszeitungen der Stadt. Wir besprechen eine Kunstaktion, die ich dem Verein vermitteln muss.

„Das Projekt können sie sich auf die Fahne schreiben,“ sagt der Vertriebsleiter, „ja, wirklich, damit können sie sich bei den Mitgliedern gut einführen.“

Vermutlich hat er Recht und heißt mich auf diese Weise willkommen in der Welt des Messens und Gemessenwerdens.

Nun, da ich dies schreibe, fällt mir ein, dass ich just beim Einstieg zur steilsten Straße der Stadt gedacht habe, „könntest mal einen Blogeintrag schreiben mit dem Titel „Ich habe den Längsten“, ein sozialkritisches Ding voller deftiger Worte und hochtrabender Theorien, aber verflixt nochmal, das Hirn hat heute auf Pause gepokert und es ist kein einziger vernünftiger Eintrag zu dem provokativen Artikel „Ich habe den Längsten“ zu finden. Geschweige denn zum Basisthema, dem Messen.

Vom Begehren

Da war „Haben und Sein“ von Fromm, womit ich nie ganz zurecht kam, weil mir in dem Paar noch das „Wollen“ zu fehlen schien.

Welches einen externen Wesenszug des Menschen repräsentiert und sich in Form verstaubender Dinge auf vollgestopften Kommoden ausdrückt.

Wollen ist die kurze aber innige Bindung zwischen Menschen und Gegenständen. Das Glück, Gewolltes zu erlangen währt nur so lange bis man das Gewollte erlangt hat. Dann ist die Spannung ausgeglichen.

Flatline.

Wollen wurde Haben.

… und das Gefühl, jemand Anderes hat etwas was ich nicht hab, jemand Anderes ist etwas, was ich nicht bin, die Wurst auf dem Teller des Nachbarn, obwohl man längst schwer satt in der Ecke liegt – im Zustand dieser Spannung (des Wollens) setzt oft jegliche Vernunft aus und man registriert nicht, ob man tatsächlich braucht.

Somit gesellt sich zu meiner Fiktiven Ergänzung von „Haben und Sein“ mit „Wollen“ noch ein viertes Element, das „Brauchen“

Das ist ja nun starker Tobak. Aber ich lasse diese Denk- und Wortbaustelle einmal so stehen und gehe meiner friedlichen Gulag-Arbeit (Sand schippen) nach.