Linie Eins

Heißgeliebter XMMS mitten in der Nacht installiert. Blick zur Decke. Ziemlich schräg. Tabelle im Kopf und wie man sie in CSV konvertiert. Das allgemeine Gedudel der Gedanken im halbwachen Zustand.

Versuche einzuschlafen mit dem Gedanken: „versuche gar nicht erst einzuschlafen, es wird dir nicht gelingen.“ Also hin und her wälzen, den Weg zurechtdenken. Geschmack von Frühling in der Luft. Die Sterne. Die müsste man jetzt sehen, anstatt diese schäbige, von erschlagenen Fliegen befleckte Decke. Es geht doch nichts über den direkten Kontakt zur Natur. Das erinnert mich an den Moment im Leben, an dem ich am aller-aller-erschöpftesten war. Jener Tag bevor ich die Pyrenäen zum dritten Mal mit dem Fahrrad überquerte – Leserinnen und Leser dieses Blogs werden es ahnen, es war vor sieben jahren auf dem Weg nach Gibraltar. Schon anderthalb Wochen unterwegs und auf Eselspfaden Frankreich durchquert, gab sich die Gegend um Carcassonne und Castelnaudary störrisch, unglaublich hügelig. Seichte Sonne hinter Schleierwolken. Um das Gemüt zu erhellen, starrte ich in die Straßenspiegel an den unübersichtlichen Kreuzungen, in der Hoffnung, darin eine andere Welt zu finden, fotografierte mich selbst, um zehn Kilo abgemagert (und ich kann das eigentlich nicht verkraften), starrte also in die Spiegel und stellte mir vor, in eine bunte, künstliche Welt eintauchen zu können, selbst so etwas Ähnliches wie aus Glas zu sein, zerbrechlich. In den Hügeln um Carcassonne steht man, wenn man nach Süden radelt immer im Angesicht der unüberwindlich scheinenden Pyrenäenkette. Man stellt sich dann vor – wenn es einem schon nicht gelingt, der Welt zu entfliehen – man wäre zu Fuß unterwegs mit einem Rucksack, ein frommer Santiago-Pilger, kurz bevor er den ausgetrampelten El Camino betritt, den Busladungen von seelenklärungshungrigen Touristen treten.

Ich schweife ab. Warum war ich so unglaublich müde an jenem Abend? Die zermürbenden Hügel? Der Gegenwind beim Canal du Midi? Die Einsamkeit, die Tristesse, der Verlust jeglichen Sinns? Ich erreichte den Campingplatz von Foix oder den von Ax les Bains und stellte mit letzter Kraft das Zelt neben einem rauschenden Gebirgsbach auf. Weder zum Essen, noch zum Duschen reichte es noch. So ward es Nacht und ich schlief vor dem Zelt ohne Schlafsack, verklebt vom Schweiß als wäre das Gehirn abgeschaltet.

Nur noch tausend Höhenmeter und du bist drüben. Wo drüben? Im Land mit den meisten Zwotausendern in Europa, na das wird ein Spaß. Wo drüben? Fassen wir es ein bisschen enger, drüben im winzigen Steuerparadies, welches sich dem Durchreisenden als eine Schlucht zeigt, in deren Felswände man Höhlen gemeißelt hat und sie mit Schaufensterscheiben versehen hat und die Auslagen mit Uhren und Handys und Schuhen und Geschmeide und Klamotten und all dem billig produzierten Edlen bestückt hat, ach Andorra, wo im Frühling der Dreck abschmelzender Pisten in die Gosse gespült wird.

Mitten in der Nacht wachte ich unterkühlt vor meinem Zelt auf. Der reißende Bach führte einen kontinuierlichen Strom Kaltluft mit sich. Ein Rauschen im jungen grünen Baum. Ich erinnerte mich an einen Kochbrunnen, mitten in der Stadt (und nun da ich es schreibe, weiß ich wieder, dass es der Campingplatz von Ax war, auf dem ich in der müdesten Nacht meines Lebens gastierte). Derart durchfroren erinnerte ich mich also des Kochbrunnens mitten auf dem Dorfplatz, welchen wir vor Jahren entdeckt hatten und spontan darin ein Bad nahmen. Der Schneeregen und die Passanten waren uns egal. Wir hatten eine Flasche Sekt geköpft und fuhren noch in der Nacht etwas betütelt hinauf zur 2400 Meter hohen Porte d‘ Envalira. Manchmal kommt mir das Leben vor wie eine Buslinie durch die Zeit. Unsere Erinnerungen sind die Haltestellen.

Mitten in der müdesten Nacht meines Lebens radelte ich die paar Kilometer in die Stadt, in der Gewissheit, ich könnte mich in dem Brunnen ein bisschen aufwärmen, aber als ich endlich dort war, stand ich vor einem leeren Betonbecken. Die Uhr schlug drei. Ich setzte mich auf den Rand, schlief wieder ein und erwachte erst bei Sonnenaufgang.

Nun, da ich dies schreibe an einer weiteren Bushaltestelle auf meiner Linie Nummer Eins durch die Zeit, bin ich äußerst rege. habe ein Bier geöffnet. Der XMMS dudelt MP3s einer Band namens Rockformation Discokugel. Ich überlege, noch eine Station weiterzufahren bis zu einer Haltestelle, an der Linie Eins Linie Fünf kreuzt, gespannt, was es wohl dort zu erinnern gibt …

Das Problem mit den Systemen ist, der Mensch wächst mit ihnen und im Gegenzug wachsen sie mit ihm. Das heißt, man wird eins mit dem was man tut und kann sich dem nicht mehr entziehen.

Dass die Dinge sich immer zum Bösen wenden ist klar.

Wir haben keine Chance.

Aus dem Kameratäschchen geplaudert

Ein bisschen überschlagen sich die Ereignisse. Die Stimmung ist gut. Das Wetter auch. Heute habe ich einen Durchbruch bezüglich Google Maps erreicht. Nicht dass ich jetzt Java-Script beherrschen würde, aber ist ja auch nicht nötig. Mittels Webfledderei die nötigen Tools zusammengestückelt und erste sehr wirtschaftliche Ergebnisse erzielt. Nun kann ich tagsüber Landschaften fotografieren und sie mit ein bis zwei Stunden Arbeit direkt ins Netz stellen. Das was kommen wird übersteigt meine Vorstellungskraft. Aber dass es kommt ist sicher.

Derweil übe ich mich in mantrischem Abradeln immer wieder des selben 12 km langen Wegs, der sich derzeit dank Baustelle als äußerst verkehrsarm gebietet. Vom einsamen Gehöft über die L Soundso nach Norden, vorbei an der Müllkippe ins Moloch des Vororts, und über die unbefahrene L Soundsoviel zurück zum Gehöft.

Einer der ersten Wege, die ich geotaggen werde. Die Logfiles sind schon auf dem Rechner. ich muss nur noch die Tabellen schreiben mit den URLs für die Vorschaubilder. Dann gibts drüben in der Europenner-Zone ein paar Bilder zu sehen, die in die Landkarten montiert sind.

Wasnoch: War kein Scherz: nur noch fünf Euro im Geldbeutel. Katzter gefüttert, Computer geschenkt bekommen, alte 256 MB-Gurke, die durchaus tauglich ist für meinen Open Source Freund Ubuntu. Es muss nicht immer Windoophs sein. Nachmittags mit Journalist F. über 8.000 Euro telefoniert, und das tut ja auch gut, zu hören, dass wildfremde Caterer auf Kosten des Steuerzahlers ihr Unwesen treiben – jaja, man muss eben sehen, wo man bleibt. MIt dem Caterer hatte ich während des Jazz-Festivals zu tun. Ich bat die Chefin um einen Korkenzieher. Sie sagte,“ungern gebe ich ihnen den, er könnte abhanden kommen, und wenn er abhanden kommt, dann muss ich ihn Ihnen berechnen.“ Er kam abhanden, und so langsam dämmert mir, wie die hohe Summe von 8.000 Euro für das Catering zusammen kommt … wie kleingeistig muss man denn sein, ob eines Korkenziehers in Unwürde zu fallen, obwohl man auf einen Schlag 34 Flaschen Wein – beileibe nicht zum Winzerpreis – verkaufen konnte? So mussten die welberühmten amerikanischen Jazzisten aus Senfgläsern trinken, weil die Cateringchefin um Ihre Ikeacollection fürchtete … genug, ich schweife ab.

Kommerz schädigt die Seele. Das wird jeder echte Christ bestätigen.

Wenn diese Fünf-Euro-Marginalie nicht wäre, würde ich vermutlich morgen den Rest der Strecke nach Boulogne angehen. Von der Saarschleife über Luxemburg, Belgien nach Nordfrankreich. Den Weg natürlich Geotaggen und abends aus Webcafès wilde Posts posten.

So aber … ouhshalala … liedersingend und den Katzter fütternd – euer Irgendlink.

Methode, entwickelt werden, mussen

Kunststraßenbau erreicht eine neue Qualität: Einbindung einer Google-Map mittels I-Frame in der Europennerzone (das GMapsmodul schränkt ein bisschen ein, deshalb ist der Frame nötig – erstmal).

Was habe ich getan? Eine simple kommaseparierte Liste für die Bildpunkte erstellt, die sich prima in eine Tabelle laden lässt. Nun kann ich die Karte mit einer OpenOfficeTabelle editieren, Bildpunkte in gewünschter Farbe einstellen, Popup-Bilder verlinken und die Punktebeschreibungen eingeben. Das ganze dann ab zum GPS-Visualizer et voila le Plan.

Ist ein bisschen kompliziert. Aber zunächst mein Weg.

Falls jemand eine noch automatischere Methode weiß, mit der man Geopunkte individuell anpassen kann, sagt Bescheid.

Was nun geht: Ich kann mir den Tracklog der Kunststraße nach Boulogne mit wunderschönen Popups anzeigen lassen.

Das Schiff sinkt – das Schiff sinkt nicht

Das leere Konto macht nachdenklich. Katzter freut sich natürlich ob des Futters. Das Tier kniet ehrfürchtig vor einem Wolkenkratzer von Trockenfutterpackung. Wenn es doch wüsste, dass Gott – in diesem Falle also ich – ganz schön trudelt und mit einem komischen Etwas namens Konto zu kämpfen hat, genauer: Konto, leer … aber was kümmert den Gläubigen das Schicksal Gottes?

Jethro Tull läuft auf uraltem Vinyl. Kürzlich mit Freund O-H. über diese archaische Methode des Archivierens diskutiert und darauf hin den Plattenspieler wieder heraus gekramt.

Es gibt nicht viel zu berichten. In einem Anfall von Panik und weil es sein musste und weil es ein wenig Geld in die Kasse spült, habe ich die Seite des örtlichen Kunstvereins in halsbrecherischer Weise installiert. Halsbrecherisch, weil es A: schnell gehen musste und B: weil ich keine Lust hatte den InterdoofExplorer zu testen. Verlasse mich auf die Zuverlässigkeit der Drupal-Standard-Themes.

kvzw.de ist online. Noch nicht viel drauf. Aber ein bisschen individuell ist es trotzdem.

Morgen kommen (hoffentlich) die eigentlichen Daten, Bilder und Texte aus der Datenbank des Druckers unseres Vertrauens. Dann kann es losgehen mit Inhalt einfüllen.

Und wenn Ihr mich fragt, ob das Schiff sinkt: ja, natürlich.

Aber ich kann schwimmen :-)