Die Katze im Luftschloss des Wahnsinns

Nu isses wieder soweit. Kaum hat der werte Herr Irgendlink die Kunst abgehandelt, schreibt er wieder über die Liebe und andere abstruse Dinge. Katzen zum Beispiel: wie sie sich anstarren und wie sie sich ihr Futter oder den Raum verteidigen. Schon seltsam mit den beiden zugelaufenen Tierchen hier auf dem Hof. Neulich haben sich beide den Weg in die Künstlerbude erschlichen und starrten einander von gegenüberliegenden Ecken an. Geradezu unheimlich. Ich irgendwo dazwischen, beobachtete das Spektakel. Diesen Status Quo kätzischer Instinkte und wunderte mich, dass wir Menschen im Grunde ähnliches Verhalten an den Tag legen. Nur dass es bei uns keine Instinkte sind, sondern Neid, Minderwertigkeits- oder Überlegenheitsgefühl, Überheblichkeit. So starren wir einander an.

Kurz vor dem Einschlafen fiel mir ein, dass ich einmal ein Buch schreiben wollte mit dem Titel: „Die Katze im Luftschloss des Wahnsinns.“

Immerhin: heute ist daraus ein Blogeintrag geworden. Mühsam ernährt sich das Hauskätzchen.

Ich sah den Busen – oder wars etwa die Liebe?

Vor sieben Jahren, als ich in meine Geburtsstadt zurück gekehrt bin, wusste ich nicht, warum eigentlich. Vermutlich war es eine Flucht vor der Frau, die ich liebte – sie mich aber abgeschrieben hatte. Schade, dass das so oft im Leben so läuft. Insgeheim träumt doch jeder Mensch von der ewigen Liebe, vom ersten Augenblick an durch die schwappenden Höhen und Tiefen der Innigkeit.

Den Wenigsten ist das vergönnt. Manche lieben nie. Manche lieben immer und werden unweigerlich hie und da enttäuscht. Die Liebe zu finden oder wahlweise sie zu verweigern ist vielleicht das, was uns Menschen antreibt. Schreibe dies mit meinen männlichen Ideen, unwissend, wie es vielleicht in Frauen vorgeht. Vielleicht sind sich die Geschlechter ähnlich? Unser Weg ist gepflastert von den grünen Steinen des Schmerzes und den gelben Kacheln der Freude, hie und da ein roter Stein der Lust, wieder ein paar Schritte weiter die schneeweißen Fließen der Vernunft.

Als ich zurückkehrte in diese Stadt war ich entwurzelt, mehr noch, mir wurde bewusst, dass ich von Kindsbeinen an entwurzelt war. Ein Desperate Artist in einer unheimlichen, kaum fassbaren Welt. Niemand kann das GANZE verstehen, also studierte ich BWL, weil es so fern der Kunst schien, so durch und durch kalkulierbar – ich war der FDP-Abgeordnete der zeitgenössischen Kunst. Mit Wirtschaft, kalkulierte ich blauäugig, kommst du überall hin, kannst alles erreichen, Macht, Aufmerksamkeit, Ruhm, Ehre – schnickschnack. Ein kaltes, herzloses Metier, in dem ich mich eins ums andere in die eine oder andere Komilitonin verliebte. Zeitverträge zwischen Menschen ohne Herz.

Damals wurde mir auch der Panzer bewusst, den einjeder für sich baut – nuja, vielleicht baut man den Panzer, der einem vor allem schützen soll gar nicht freiwillig. Vielleicht entsteht er im Laufe der Zeit, ähnlich wie Sinterplatten in Tropfsteinhöhlen. Wir Menschen sind langsam wirkendes Gift, dazu bestimmt, das Gefühl, welches von Natur aus in uns wohnt, zu töten.

Vor einigen Wochen sah ich den Busen zwischen schwarzen Spitzen, was mich entzückte und für ein zwei Stunden das Gefühl von Verliebtheit aufkommen ließ, aber als ich mir kurze Zeit später die Augen rieb wie nach einem Traum, war mir klar, wie sehr wir beide in einem statischen Konstrukt aus Kalkül festhingen – für eine Sexbeziehung hätte es vielleicht gereicht. Auf den schneeweißen Fließen der Vernunft lebt sichs kalt und steril.

Das alltägliche Markttreiben mittelalter Menschen.

Nu hockst du schon sieben Jahre hier auf dem einsamen Gehöft und weißt noch immer nicht, warum, dachte ich. Manchmal drängt sich mir das Gefühl auf, ich folge einer höheren Bestimmung, bin dazu auserkoren, Konflikte zu glätten und die Menschen miteinander zu versöhnen. Das Vernunftmodul im Hirn schaltet aber ruckzuck auf roten Alarm und meldet, das bist nicht du, du tust so etwas nur, weil du es von Klein an so gewöhnt bist, weil irgendwann ein Riss in deinem Harmoniegefüge entstanden ist, den du seither nie wieder gesehen hast, aber überall, wo du ähnliche Risse findest, schließt du sie nach Kräften. Es ist als wandelst du über einen frühzeitlichen Erdball, damals, als es noch gar kein Leben auf der Erde gab, brodelnd heißer Planet, wasserloses Land, Giftgas in der Atmosphäre, stets mannigfache Risse unter deinen Füßen, welche es zu schließen gilt.

Heute war ein guter Tag. Vom Balkon dem kalten Ostwind entgegen pinkelnd, starrte ich den Sternschnuppen entgegen, wünschte mir dies und das und es war plötzlich klar, dass es mit den Wünschen gar nichts werden muss, weil ja sowieso alles vorhanden ist. Man weiß es nur nicht zu würdigen.

Zurück zur Liebe: sie ist immer da. Verborgen unter den Sinterplatten des gelebten Lebens pocht sie mit jedem Jahr zwar weniger deutlich. Wie ein Herz, das langsam seinen Dienst versagt. Oder wie ein Freund, der sich redend verabschiedet und der mit jedem Meter leiser wird. Aber sie ist da. Und wer daran glaubt, der kann den Panzer durchdringen.

Ausstellungsfinnissage Kunstlichter – ziemlicher Erfolg

Hab mir alles so leicht vorgestellt mit der Kunst, dennoch finde ich mich mehr und mehr verstrickt in einen Irrgarten. Vorhin saß ich trüb am Schreibtisch, sinnierte, was machst Du hier an dieser Stelle des Wegs – meinte damit den Lebenweg. Wie hat es Dich dahin verschlagen? Es hätte alles auch ganz anders kommen können. Hie und da an dieser oder jener Abzweigung. Dann wäre ich nicht der, der ich jetzt bin, sondern ein anderer, der ich aber dann auch wäre … kompliziertes Gerede.

Letzter Ausstellungstag der Kunstlichter. Faszinierender Weise stand um Punkt 15 Uhr die Zauberhexe vor der Tür, was mich so richtig gefreut hat und ich deshalb den alten Brauch wieder aufleben ließ, allen Bloggern, die den garstigen Weg zu einer Ausstellung auf dem einsamen Gehöft finden, ein Postkartenset zu schenken. Nehmt mich beim Wort. Über den Tag verteilt noch etwa 30 Gäste verbucht, was für die kulturell eher zurückhaltende Kleinstadt Z. ein ziemlicher Erfolg war – ich erlebte Ausstellungen in hochglänzenden Räumen, die wesentlich schlechter besucht waren. Hinter vorgehaltener Hand munkelt man, ich würde mich in 2008 vor Ausstellungsinteressenten kaum retten können. Gut, dass ich im April und Mai eine gemütliche Flucht, äh Radtour, durch Italien auf dem Programm habe. Januar gehts nach Berlin. Februar wird unangenehm.

Kurz vor sechs rief die Berliner Redakteuerin U. an, sie brauche unbedingt und sofort diese beiden Bilder aus der Gropiusstadt und weil ich sie gut leiden kann, habe ich die Ausstellung, mächtig was los in der Hütte, verlassen, um die beiden Fotos in der Datenbank zu lokalisieren, zwecks Mail.

Als ich zurückkkehrte, kurz nach sechs, hatten die Künstler schon ihre Werke abgeholt, standen Glühwein schlürfend umher im gähnend leeren Ausstellungsraum, so dass mir beinahe ein bisschen wehmütig wurde. Aber hey, jetzt fängt der Winter an, und ich kann mich den wirklich wichtigen Dingen widmen.

Lachrezept für 100 Personen

Kölner Kabarettist Heinz Gröning kredenzt 3-Sterne-Spaßmenü im Zweibrücker Jugenzentrum.

Der Weihnachtsstollen, auch Christstollen oder schlicht Stollen genannt, gilt als das Leitgebäck schlechthin unter den Weihnachtsleckerein. Mit viel Liebe und deftigen Gewürzen wird er zwischen September und Dezember gebacken und in der Weihnachtszeit verzehrt. Nach alten Bräuchen wird er am ersten Advent angeschnitten und in den vier Wochen bis Heilig Abend verspeist.
Rezept für 100 Personen.
Zutaten: Einmal Kölner Komiker Heinz Gröning, 100 Gäste mit strapazierfähigem Zwerchfell, eine schlichte Bühnendekoration, überzogen mit wallendem roten Stoff, eine mannshohe Nikolausmaske aus Pappe, Gitarre und ein Paar knallrote Schuhe.
Zubereitung: Man nehme den Spaßmacher, stelle ihn auf die Bühne und sage: „Mach‘ uns lachen!“ Ja, wenn das so einfach wäre … das Lachmenü, welches Heinz Gröning letzten Freitag im ausverkauften  Jugendzentrum in der Zweibrücker Maxstraße kredenzte, brodelte knapp zwei Stunden – nach dem Genuss der Speise hatten die Gäste Bauchweh vor Lachen.
„Verschollen im Weihnachtsstollen“ ist ein Rundumschlag durch sämtliche Weihnachtsbräuche. Ob Krippenspiel, gemeinsames Singen unterm Weihnachtsbaum, oder Anekdoten von vergangenen Weihnachtsfesten, der Kölner Kabarettist schöpfte aus einem reichhaltigen Sortiment. Eine Sequenz von Gedichten etwa, vorgetragen in verschiedenen Rollen, in denen er mit Mimik den knöchernen Studienrat ebenso glaubhaft darstellte, wie die fürsorgliche Mutter, um schließlich im Licht seiner Taschenlampe, von unten übers Kinn beleuchtet, ins grotesk Düstere zu wechseln. Natürlich durfte eine selbst gebastelte Krippe nicht fehlen wie sie vielerorts unter den Nordmannstannen zu finden ist. Jesus, Maria und Josef suchte man dort jedoch vergebens. Sie wurden gedoubelt von Barbie, Shrek und anderen zeitgenössischen Darstellern. Im Anblick von Shrek flüsterte eine unbekannte Stimme im Publikum: „Der sieht ja aus wie Er.“ Und in der Tat, Heinz Gröning, grün angemalt, könnte glatt Shreks Zwilling sein.
Die kurze Showpause war unterlegt mit süßer Musik „Lasst uns froh und munter sein“, gut 10 Minuten lang, bis die Gäste mit „Ihr Kinderlein kommet“ das Signal erhielten, dass es weiter geht.
Insbesondere nach der Pause musste man alle Hand an seinen Lachbauch legen. Als der Künstler machohaft mit zerknautschtem Gesicht den Gang zu seiner blauen Gitarre zelebrierte fragte man sich: „Kann ein Mensch so viele Muskeln in den Backen haben?“ Als One-Man-Boygroup unterhielt Heinz Gröning mit Rock- und Hip-Hop- und anderen ungewöhnlichen Varianten bekannter Weihnachtsgesänge.  Auch Country kam zum Vortrag mit Liedern, stets eingeleitet mit einem lauten Jiiie-Haaa. Was danach folgte waren brachial ins Englische übersetzte Klassiker wie „Tomorrow Children it will some Give“ (Morgen Kinder wirds was geben) oder „Funny Funny Tralalalala“ und wer hätte gedacht, dass man Heiland mit Shark-Country übersetzen kann?
Mit viel Charme und wackelndem Hintern ala Robbie Williams ließ Gröning immer wieder die Sexbombe krachen. Für zwei Euro dürfe man ihm sogar nach der Show an den Allerwertesten packen, versprach er und hatte so insbesondere das weibliche Publikum auf seiner Seite. So gelang eine Verschmelzung von Bühne und Zuschauerraum. Bereitwillig ließ man sich auf gemeinsame Spiele ein – und wer weiß, vielleicht hat nach der Show der Eine oder Andere sogar zwei Euro springen lassen?

Nächste Termine: 21. 12. in Wetter, 22. 12. in Bünde

Nachtrag:  Ursprünglich hatte ich vor, den Artikel komplett als Kochrezept zu schreiben, da ich aber mal wieder gelumpt habe und nur noch eine Stunde bis Redaktionsschluss Zeit hatte, war es zeitlich nicht möglich. Es wäre mein erstes selbstgeschriebenes Kochrezept geworden.

Der Artikel erscheint vermutlich morgen, Montag, in der fünftgrößten Tageszeitung Deutschlands.

Goldrausch und warum die Nacht so lang wird.

Herrjeh, schon wieder spätnachts. Seit ich vorgestern im tiefsten Saarland einen der besten Geocaches (Geocaching ist Schnitzeljagd mit GPS-Unterstützung), Fogelfreys „Goldrausch“, gemacht habe, drehen sich Tag und Nacht. Was solls. Galeriebedingt muss ich sowieso erst ab 14 Uhr arbeiten, kann mir also getrost die Nacht um die Ohren schlagen.

Vorhin wieder für die Zeitung unterwegs, Heinz Grönings „Verschollen im Weihnachtsstollen“ war echt klasse, Satirisches über Weihnachten mit dezentem Hang zum Bitterbösen.

Das einsame Gehöft liegt wolkenverhangen. Von Norden pfeift eisiger Wind. Die Katzen kratzen an der Tür. Katze zwei, die böse, hat es bis hinter den Ofen geschafft. Katze eins, die gute, kerngesund, streunt draußen umher.

Komische Alltage derzeit. Ziemlich zersiedelt. Ich bereite mich insgeheim schon auf Projekt Ba-Ba vor. Eine waschechte Kunststraße (K15) und natürlich ein tolles Reiseabenteuer. Mir scheint eine Verquickung mit Panoramio (Geotagged Fotos) von Google und den Maps der gleichen Firma möglich, auch wenn ich mit dem Webinterface noch nicht 100 Prozent klar bin. maps.google.com sollte man sich in jedem Fall einmal ansehen. Da tut sich immens viel. Demnächst werde ich eine rohe Karte des Projekts K15 hierher kopieren. Es wird ein Live-Reise-Projekt.

Doch zurück zum Goldrausch, jenem 7-Stationen Nachtcache irgendwo oberhalb von Merzig im Saarland. Sieben km durch die Nacht spaziert und einer ungemein spannenden Reflektorstrecke gefolgt (Nachtcaches funktionieren nach folgendem Prinzip: jemand hat in freier Landschaft kleine reflektierende Schnipsel an Bäumen, Pfählen und Sonstwo festgeklebt, denen man mit kapitaler Leuchte folgt. Fogelfreys „Goldrausch“ ist sehr intelligent gemacht und steigert sich von Station zu Station.

Nachdem wir den finalen Punkt erreicht hatten, so gegen 2 Uhr, waren wir so berauscht, dass wir noch einen weiteren Geocache angegangen sind, welcher über unwegsames Gelände in einen stillgelegten Eisenbahntunnel führte. Spät um Vier dann noch beim Frikadellenkönig irgendwo an der Autobahn eingekehrt und ein paar Alu-Ascher mitgehen lassen, schließlich will man ja den Gästen, die am nächsten Tag in die Ausstellung kommen auch ein bisschen Komfort bieten.