Umtriebig und schwach

Paracetamol wirkt. Böse Katze starrt mich an. Es gibt nichts zu tun. Bettliegen würde den Bandscheiben schaden. Die Geburtstagsparty bei Malerin B. nachher, cancele ich wohl besser. Man muss nicht für Verbreitung von Bazillen sorgen.

P. will mir morgen ihren Bauernhof zeigen. So hetzt das Jahr – man fragt sich, wieso gerade der Jahreswechsel so cäsurenhaft ist. Die Zeit ist doch nur eine vom Menschen erfundene Größe. Wir vermessen unser Leben, unsere Welt im stetigen Abgleich von ist, soll, sollte, hätte gerne, würde lieber und so weiter und so fort.

Gestern erste Erfolge – apropos Messen – mit der massenhaften Verarbeitung von Geodaten erzielt. Ich synchronisierte Zeit von GPS und Digitalkamera, machte einen Spaziergang von 2,5 km länge und knipste nach Herzenslust. Später hat mir das Linux KDE Program digiKam die Geodaten in die Exiffelder der Bilder geschrieben. Erstaunlich genau. Nun kann ich die Bilder bei Panoramio hochladen und sie werden automatisch in der Landkarte positioniert.

Die Live-Reise wächst.

Konzeptuelles Reisen – ein Schliddern auf der Metaebene

Soweit ist es gekommen: nach Konzeptkunst kommt die Konzeptreise. Irgendwann wird es keine Reise mehr geben, sondern nur noch das Reflektieren der Reise. Ein Mehrwert entsteht allemal. Sind es bei Konzeptkunst Skizzen und Schriftfragmente, die die eigentliche Kunst beschreiben und als Stellvertreter fungieren, so ist es beim Konzeptreisen die selbstprogrammierte Googlemap, sowie eine Linkliste, in der die Reiseorte beschrieben werden.
So konnte ich heute Nacht lernen, dass Rom per Rad kein Zuckerschlecken ist, dass man aber viel Spaß haben kann, wenn man die Eigenheiten der römischen Autofahrer und Fußgänger berücksichtigt. Am Tiber, welcher die Stadt durchfließt, führt ein Radweg. Den Tiber habe ich mir bis zur 300 km entfernten Quelle nahe Verghereto (1300 m) angeschaut. Nun kratze ich all meine Erinnerungen zusammen an Paris, Lyon und Barcelona, per Rad – halb so wild. Das Schlimmste ist die Unruhe vor dem Unbekannten.

Lehrmeister A.

Die 800-Zeichen-Taktik gefällt mir. Es ist das Sushi der Online-Publikation. Was nun noch fehlt, ist dateiübergreifendes Denken. Jeder Blogeintrag eine Datei. Alle Blogeinträge zusammen eine Verkettung von Information, die in ihrer Gesamtheit ein wohlgeformtes Gefüge ergeben. Ich bewundere den Chefredaktuer der hiesigen Lokalredaktion der fünftgrößten Tageszeitung der Republik, Herrn A., der einmal gesagt hat, alles Wichtige könne man in 340 Zeichen zum Ausdruck bringen.

Er ist mein Held.

799 Zeichen

800 Zeichen. Wie lang ist das? Habe mich für die Arbeit bei der fünftgrößten Tageszeitung der Republik auf 3400 Zeichen eingeschossen. Das geht mittlerweile ganz leicht von der Hand, ist aber fürs Web zu lang. Das Web verlangt Schlagworte, direkte Information. Es fordert keywordbasierte Einträge, die man eher scannt, denn liest.

Ich will es üben in den nächsten Blogeinträgen – im Hinblick auf die Live-Reise im nächsten Frühjahr.

Aufruf der Dateieigenschaften: knapp 500 Zeichen mit Leerzeichen. Puuh, da bin ich ja schon fast am Ende. Wenn ich nun unterwegs wäre, was würde ich wohl schreiben? Das Übliche: wer hat wann was wo wie gemacht. Okay, das Wer kann man weglassen, das bin stets ich. Wo? Stets das graue Band, das niemals endet, die Straße. Bleibt das Was. Das sind die täglichen Notizen.

Das Katzentheme

Ala Pulpfiction, sequenzieller Aufbau. Nicht stubenreine Katzen stürmen die Bude, weil der Ofen so schön warm ist. Zum Dank defäkieren sie nach Herzenslust. Der Mensch (in diesem Fall ich), Opfer großer unschuldiger Katzenblicke, gibt immer wieder kleinbei und macht sich mit Putzlappen und Eimer auf die Suche nach den stinkenden Fäkalien. Trotz offenstehender Türen wagt sich die böse Katze nicht hinaus auf die Wiese, sondern verzieht sich lieber in die unzugänglichsten Ecken der Wohnung, um … ihr wisst schon.

Also habe ich alle Vernunft zusammengekratzt und mir gesagt, Null Grad ist ja nicht so schlimm für das Tierchen, es muss fürderhin draußen bleiben. Vorhin bin ich wieder schwach geworden und habe die böse Katze eingelassen. Zum Dank hat sie neben das Sofa gepinkelt. Wegwischen und das Vieh irgendwie nach draußen locken, indem ich alle Türen offen lasse. Ist ja nicht so schlimm, hat ja nur noch Null Grad draußen. Warte vor der Tür. Katze hockt hinter dem Ofen. Die Sache soll gewaltlos vorgehen, habe ich mir überlegt, schließlich sind die Katzenaugen groß und unschuldig und ihr Blick herzzerreißend. Vehement verbarrikardiert sich das Vieh hinter dem Ofen. Ich versuche es mit Katzenmilch, leckerlecker, direkt vor der Tür. Böse Katze reagiert nicht. Erst als ich die Ateliertür öffne folgt das Vieh. Ordentliche Portion Katzenmilch als Belohnung. Tür zu. Puuh. Kurze Zeit später schlimmste Randale ever an der Ateliertür. Die Böse Katze poltert und scharrt, springt auf den Fenstersims, starrt mich an, geradezu unheimlich. Okay, sie ist draußen, sag ich mir, wenn ich jetzt die eine Tür aufmache, darf ich sie im Genick packen und vor die andere Tür auf der Südterrasse setzen – freies Geleit durch die Wohnung ist doch gewaltfrei oder? Gesagt getan. Nun scharrt sie an der Südterrassentür. Ich muss stark bleiben. Und nein: sie hockt nicht draußen in der garstigen Kälte, ich habe die Tür zur Galerie im alten Kuhstall offen stehen. Dort gibt es ein Sofa und eine Daunendecke. Ich hoffe, damit können ich und sie leben.