Musikempfehlungen

Rubrik Indierock

  • Yeah Yeah Yeahs (Titel Pin)
  • Animal Collective (ganz groß Album Strawberryjam)
  • Wolf Parade (Titel I’ll believe in Anything)

Auf dass es nicht vergessen geht. Nicht Jedermannsgeschmack.

Der Sprudelkasten der Erkenntnis

Dass sich die Ereignisse auch immer überschlagen. Statt rekonvaleszent jammernd auf dem Boden zu liegen – wie noch vor vier Wochen – hat ein neues Leben begonnen. Ein Leben ohne Kunst. Das gab es seit zwölf Jahren nicht. Demütig füge ich mich in die Rolle des Hobbykünstlers; drücken wir es positiv aus: des UnderCoverKünstlers.

Schufte im Paradies für harte Deutsche Goldeuro. Ich bin ein normaler Mensch geworden mit kurzen Haaren und Lohnsteuerklasse Eins. Wenn ich gewusst hätte, wie gut das tut! Nicht mehr auffallen, nicht mehr anecken, verflogen die leidigen Fragen, womit verdient der sein Geld, einfach nur dazugehören – dabei hätte sich vorgestern beinahe der Supergau ereignet: Vertreibung aus dem Paradies. Auf der Suche nach Trinkbarem durchstreifte ich gemeinsam mit Kollege T. die heiligen Hallen der Eventagentur. Man hatte uns gesagt, irgendwo stehe eine Palette mit Getränken, an der man sich nach Herzenslust bedienen könne, ein zweimeter hoher Stapel Kisten mit Apfelsaftschorle, Sprudel, Mixgetränken, es sei ein Traum, es stünde unserem kleinen Paradies gut zu Gesicht, es gehöre einfach dazu, genau wie die siebzehn Jungfrauen. Wir stöberten zwischen Regalen voller LED-Hochkapazitätsstrahler und Dekomaterial. Nach kurzer Zeit wurden wir fündig und tatsächlich, etwa zweihundert Liter Getränke türmten sich vor uns auf. Leider war unter den vielen Kisten keine einzige Sprudelkiste.

Plötzlich jubilierte T.: „Schau mal Irgend, hier um die Ecke steht das Sprudel.“

Schon langte er nach der Kiste, fummelte eine Flasche heraus, da rief ich: „Halt ein Eva, das ist eine Falle, sieh mal, auf dem Zettel steht geschrieben Wasser vom Chef.“

T. erstarrte: „Tatsächlich. Wir dürfen das nicht nehmen?“

„Nee, iss wie im Paradies. Eine Flasche und wir sind raus. Ist die Sprudelkiste der Erkenntnis. Nämlich.“

Gerade nachmal davon gekommen, puuh.

Gezeichnet, Euer Adamlink

PS: zur Zeit arbeiten wir daran für unsere Abteilung WLAN, Flachbildschirm für EM-Übertragung und einen Schwenkgrill rauszuschlagen – Hängematten für die Pause haben wir schon – die Chancen stehen gar nicht schlecht, schließlich arbeiten wir im Paradies.

Gutes Deutsch

Wer brauch ein Fick

(Wir haben wieder ein(en) Fick und merken nicht, dass wir ihn nicht brauchen.)

Wir haben wieder ein Gesicht

(und merken nicht, dass wir es nicht brauchen)

Lange, bevor ich darauf aufmerksam wurde, haben die Chinesen Sie gesehen. Arme Frauen, Kinder, verhärmte Männer in muffigen Hinterhoffabriken saßen gebückt über ihrer Singer Nähmaschine. Mindestens 12 Stunden am Tag müssen sie geschuftet haben, um sich ihre Schüssel Reis für den Tag zu verdienen. Vermutlich sind das Menschen wie Du und Ich, die von einem besseren Leben träumen und sich irgendwas kaufen wollen, um sich daran zu erfreuen oder bei Freunden damit anzugeben.

Ist schon ein paar Wochen her, dass Sie mir erstmals aufgefallen ist, wie Sie bei Aldi in der Temporärartikelablage bleckte, hundertstückweise, und obendrüber das Preisschild, X-Euro-Neunundneunzig. Zum Mitnehmen billig.

Natürlich habe ich Sie nicht gekauft, weil ich kein Auto habe. Ich hätte sie auch nicht gekauft, wenn ich eins hätte. Vielmehr dachte ich: „Mist, Wir haben eine einmalige Chance verpasst“. Mit „Wir“ meinte ich die Deutschen.

Dann habe ich mit Künstlerin B. telefoniert, die so ganz anderer Meinung war. Ich mag Künstlerin B. Aber ihre Ansicht teile ich nicht. „Ich finde das gut“, sagte Künstlerin B., „endlich haben Wir das Trauma überwunden. Wir müssen uns nicht mehr schämen. Endlich sind Wir wieder wie Alle.“

„Deine Meinung“, dachte ich, und weil ich Diskussionsfaul bin und es sowieso zu nichts führt, habe ich nichts erwidert, sondern nur gelächelt.

Lächelnd lässt sich die Welt ertragen.

Seit ich Sie erstmals gesehen habe, ist eine Weile ins Land gegangen und Sie ist mir immer wieder begegnet. Am Besten hat Sie mir gefallen, als Sie im Schmutz lag, zertreten auf der Straße, ein ausfransender Fetzen in der Gosse. „Da gehörst Du hin“, dachte ich, aber als ich den Blick hob, fuhr ein silbergrauer Combi vorbei, auf dem gleich vier von Ihnen lustig im Wind flatterten. Ich blieb eine Weile an der Straße stehen und zählte die Autos: roter Renault, nichts; Audi A6, nichts; winziger Corsa, ziemlich verschrammt, zwei von Ihnen; Mercedes, eine große, unscheinbar in der Hutablage; BMW, Eine links und Eine rechts.

Verdrossen wendete ich mich ab: „Du kommst nicht drumherum, Du musst dich damit abfinden, Sie ist wieder da, Sie ist allgemein anerkannt, Wir haben wieder ein Gesicht. Die Menschen lieben Sie und ahnen nicht im Leisesten, dass sie die Chance verpasst haben, ihren kindlichen Nationalismus (an dem ja eigentlich nichts Schlimmes ist) abzulegen. Sie werden einfach nicht reif“.