Frohes neues Jahr erstmal allen, bei denen ich mich nicht gemeldet habe, also bei allen.

Ich bin kommunikationsfaul, beantworte keine Mails und gehe nicht ans Festnetz. Diese Art zu leben hat Mitte Dezember eingesetzt, so dass man mich nur erreichen konnte, wenn man meine neue Handy-Nr. hatte. Kurz vor Weihnachten habe ich den Telefonstecker gezogen, weil es manchmal recht lange klingelte. Erst Tage später, als ich mich wunderte, dass das Telefon gar nicht mehr klingelt, ist mir das wieder eingefallen.

Nun, nach dem Nürnbergtrip, frage ich mich, was ich hier soll. M., so eine Art Liebe auf den ersten Blick. Ein Mann sollte gen Osten ziehen, dorthin wo die Sonne aufgeht. Er sollte sein Glück in einer fremden Stadt suchen. Aber in diesen Zeiten?

Leben ist ein Schlachtwerk, der Alltag ein Gletscher, der zwar langsam, aber mit ungeheurer Kraft sämtliche Ecken und Kanten zu Sand zermalmt. Sand geträumten Lebens – eines Sonderdaseins – jene speziellen Einblicke in das wie und warum die Welt funktioniert, Einblicke, die man nur dann hat, wenn man außergewöhnlich ist, also außerhalb des Gewohnten. Außerhalb des Gewohnten ist eine bedrohliche unheimliche Welt, düstere Masse durch die du dich frisst wie ein Holzwurm durch einen Balken, immer auf der Suche nach süßen Stellen.

Im Grunde ist es wie Kommerzradio hören in der Hoffnung auf ein gutes Lied.

Das schmelzende Eis des Sees verbirgt klares Wasser

Parforce-Ritt zurück aus Nürnberg. Morgens: Innenstadt-Fotos. Ich war tatsächlich schon um 9 Uhr wach. Eine gute Tat, um mich morgen früh leichter in den Werktätigen zurück zu verwandeln. Gut 1000 Fotos auf der Speicherkarte, also eine komplette serielle Kunstausstellung, wenn ich denn die Zeit finde, die Kunstwerke aus den Einzelbildern zu schaffen.

Insgesamt habe ich jedoch mehr gefeiert, als gearbeitet.

Weil Freundin E. keine Lust hatte, alleine nach Frankfurt zu fahren, habe ich auf den Bahnkomfort verzichtet und bin in ihren T4 gestiegen. Ein Fehler, wie sich schon gleich am Flughafen Nürnberg herausstellen sollte. Der Verkehrsfunk meldete zähen Stau zwischen Nürnberg und Erlangen. So brauchten wir zwei Stunden bis Würzburg, aßen Weihnachtsgebäck und schwätzten und ich war heilfroh, dass ich nicht der Fahrer bin. Am Flughafen Frankfurt hat sie mich rausgeschmissen. Im futuristischen Bahnhof habe ich den nächsten ICE genommen und schwuppdiwupp wieder zu Hause.

Eiskalte Künstlerbude. Ich schüre beide Öfen, packe die Katze in drei Decken.

Nun spuken seltsame Gedanken – wie so oft zu Beginn eines Jahres: Erstens: wann wird es wärmer? Zweitens: wann darf ich wieder Künstler sein? Drittens: hoffentlich geht meine Firma pleite, damit ich endlich wieder frei bin. Viertens: ach was, alles nicht so schlimm, gerade in diesen Zeiten sollte man eine feste Arbeit doch zu schätzen wissen (Gegeneinwand: der Verlust einer Arbeit bring eine neue hervor – genau wie das schmelzende Eis des Sees klares warmes Wasser verbirgt). Fünftens: wohin geht die nächste Reise? Sechstens: du solltest mehr schreiben. Siebtens: zum Glück funktioniert deine Glotze nicht. Achtens: geh jetzt endlich ins Bett, zwölf Uhr aufstehen solltest du dir gar nicht erst angewöhnen.

All das wird wahr.