Katzenorakel

Hatte ich erwähnt, dass die Katze mittlerweile den gesamten unteren Teil der Künstlerbude beansprucht und dass ich mich in die knapp 10 qm große Hochbettebene zurück gezogen habe. Den Arbeitsplatz also ins Bett verlegt. Feiner Künstler. Die Katze spielt mit allem, was nicht niet- und nagelfest ist: Wolldecken, Gummiebälle, Socken, Schuhe, Steuererklärung, und mit dem USB-Kabel, das am Drucker hängt. In der unteren Ebene der Wohnung sieht es schrecklich aus. Deshalb mache ich meist die Augen zu, wenn ich  das Haus verlasse und hole erstmal tief Luft, wenn ich die Tür abgesperrt habe. Puuh. Der Katze ist das Chaos egal. Ich glaube sie mag es sogar. Insbesondere das USB-Kabel. Ich gebe zu, manchmal zwinkere ich doch mit dem Auge. Nur so konnte ich feststellen, dass die Katze das Ende des Kabels in einem Kreis um den Drucker – er steht mitten im Raum – wahllos irgendwo ablegt. Mal liegt es links vom Drucker, mal rechts, mal darüber – um es in Uhrzeiten auszudrücken: Mal steht es auf 12 , mal auf drei, auf neun, auf 11 und so weiter.

Die Katze ist heilig. Sie kann alles. Sie weiß bestimmt auch die Lottozahlen. Ich sehe es in ihren Augen.

Deshalb male ich auf den Boden um den Drucker nun die Zahlen von Eins bis 49. Heute Nacht spielt die Katze wieder mit dem Kabel. Morgen früh werde ich die erste von sechs Richtigen finden. Genau dort, wo das Ende des Kabels liegt. Wer, wenn nicht meine Katze, könnte die Lottozahlen voraussagen?

Übrigens: am Wochenende wollte ich eigentlich einen todsicheren Tipp abgeben, der sich aus den aktuellen Benzinpreisen generierte: 1, 6, 9, 18, 23, 33. Superzahl 4. Habe es aber vergessen. Was glaubt Ihr, wie bang mir war, die Lottozahlen zu erfahren? Gibt es etwas Schlimmeres, als die richtigen Zahlen nicht zu tippen? Gut, dass die Benzinpreis-Idee floppte (genauso floppte damals die Strichcode-Idee mit den Codes von Sardinenbüchsen, die ich tatsächlich mal getippt habe).

Urlaub, ein zähes Ringen

Es ist ein Affront, wenn man in einer Veranstaltungstechnik-Firma arbeitet und einen Urlaubsantrag für sechs Wochen einreicht. Eigentlich ist es schon frech, überhaupt Urlaub zu beantragen. Nicht von ungefähr hängt am Papierschredder neben dem Schreibtisch des Owners ein laminierter Zettel mit der Aufschrift „Urlaubsanträge bitte hier einwerfen.“

Nur so zum Spaß habe ich einen Urlaubsantrag für sechs Wochen ausgefüllt, ihn dem Owner auf den Schreibtsich gelegt, sodann mit Kollege T. eine tollkühne Wette abgeschlossen: wenn er genehmigt wird, musss T. mir ein Grillfest mit Steaks organisieren und einer Kiste besten Weizenbiers. Wird er nicht genehmigt, spendiere ich das Fest. Die Tackerbübchenrechnung war so einfach wie tollkühn. Erstens wollten wir beide die Gesichter sehen des Owners und der Bürobelegschaft und all der anderen Kollegen. Nie hat jemand sich so etwas getraut. Andererseits liebäugelte ich damit, den Camino Frances (richtigrum) zu laufen, weil ich zu viel Kerkeling-Hörbbuch gelauscht habe. Würde der Antrag genehmigt, könnte ich das tun. Würde er nicht genehmigt, bliebe mir die Strapaze erspart. Beides hat Vorzüge.

Der Owner ließ mir den Antrag wieder zukommen mit einer Postit-Notiz, Bitte um Rücksprache. Die Rücksprache war orakulös; seine Verhandlungsbasis sind zwei Wochen. Das hat es in der Firma auch schon lange nicht mehr gegeben. Nun überlegt Kollege T., einen Urlaubsantrag für neun Wochen zu stellen.