Die Isobaren des Todes

Verflixte Künstlerbude. Krümel auf dem Boden, schmutziges Geschirr in der Spüle, Katze auf dem Sofa. Beide Öfen eingeschürt. Langsam steigt die Temperatur auf 13 Grad. Die Künstlerbude ist das perfekte Modell für eine Wetterkarte. Isobaren denke ich mir aus, bessergesagt Isothermen, Linien gleicher Temperatur – so entsteht ein Zwiebelschalenmodell. Direkt am Ofen und im Hochbett ist es am Wärmsten, drüben in der Küche auf dem Fensterbrett, wo das Thermometer steht ist es am Kältesten. Hier am PC angenehme Arbeitstemperatur, Prozessor bei 40 Grad, Festplatte dito, dicht gefolgt von mir mit 37 Grad Betriebstemperatur.

Bei der Beerdigung meines Onkels (Cousin meines Vaters) vor ein paar Wochen dachte ich schon einmal über die Isobaren und ihre fernere Verwendung nach. Die Isobaren des Todes und formulierte ein seltsames Bild, eine Karte, in die man seine Mitmenschen einzeichnen könnte, und eine Zeitlinie, welche das eigene Leben kennzeichnet. Danach würde man getreu der mathematischen Wahrscheinlichkeitslehre ein realistisches Bild für die Häufung von Todesfällen mit zunehmendem eigenen Alter feststellen. Warum? Weil die Nächsten eben meist auf einer ähnlichen Isobare des Tode liegen, wie man selbst und je älter man wird, desto mehr Freunde sterben, weil auch sie älter werden. Kurzum: alte Leute gehen öfter zu Beerdigungen, als junge.

Guter Onkel W., war so seltsam einer meiner Lieblingverwandten

Telefon steht nicht mehr still. Frühmorgens habe ich es in einen Traum eingebaut. Ich träume, das Telefon klingelt, ich, Faulpelz, gehe nicht ran. Später wähle ich die Nummer, welche auf dem Display gezeigt wurde, jemand meldet sich Hallo und verflixt wer ist Hallo, peinlich genug nicht zu wissen, wer das ist, noch peinlicher, es zuzugeben. Hallo gibt seine Identität nicht preis. Wir vereinbaren, dass ich erstmal nachdenke, wer er ist.

So ein Stuss, erwache ich (Liebe D. ich erinnere mich manchmal doch an Träume, seltsame Welten, schnell und dunkel).

Vernissage gestern ohne den Künstler. Zu anstrengend die drei Stunden Fahrt; nuja, Hauptsache, die Kunstwerke werden verkauft.

Vermutung: die Menschen sind montags wie freitags in einer ähnlichen psychischen Verfassung. Arzthelferin Sch., die ich letztens montags nur mühsam aufheitern konnte und sie zur Freundlichkeit animierte, war gestern überhaupt nicht zu einem Lächeln zu bewegen. Missmutig bearbeitete sie meinen Fall – ich gebe zu, dass auch ich nicht gerade bestens gelaunt war, nur ein stumpfer Zerrspiegel – Nebel, Kälte, Düsternis – Fratze am Abgrund der Woche.

Buch der Szenen

Woran es wohl liegt, dass z. Zt. zwar viele einzelne Bilder sich ereignen, die man prima ausformulieren könnte und zu größerem arrangieren, aber noch immer der Masterplan hapert? Ist die Sache einfach zu groß, genau wie Bern, welchem ich mich auf fotografischer Ebene nähere, aber es will und will nicht gelingen, die Bilderserien zu komponieren.

Ha, komponieren. Vielleicht müsste man denken und fühlen, wie ein Musiker, um die Einzelteile Note für Note zusammenzufügen.

Und vielleicht ist der Weblogstyle gar nicht mal so übel. Verschlagworte deine Welt und verbinde die Punkte. Erst Punkte (Szenen), dann Linien, dann Formen.

Die Welten, die ich schuf

Weiß gar nicht, wie ich es zur Vernissage übermorgen schaffe; Viren, Bakterien und Mikroben legen den Körper lahm. Der stand morgens arglos unter der Dusche, Hirn fabulierte Ideen, „schreibs auf Mann“, befiehlts der Hand, sowie Achselhöhle, Kniekehle und andere unzugängliche Bereiche zu waschen. Rasurverzicht. Möbelbauer müssen nicht rasiert sein.

Nugut: Ideen unter der Dusche, die ich auf Kritzelzettel rettete und später ins Notizbuch heftete. War ’ne Figur fürs Jakobswegbuch dabei, die ich grob skizzierte. Ohne viel zu schreiben, geht es mit diesem Buch voran, sowie mit dem bauesoterischen Krimi. Gerne würde ich ja behaupten, ich blogge nicht mehr, weil ich so viel Kommerzzeug schreibe, aber das stimmt nur bedingt. In erster Linie bin ich faul, müde und im Winterschlaf.

Die Welten, die ich schuf – im Kopf allein – kamen, gingen, ohne dass jemand sie erlebte?

Wollen wir nicht hoffen, dass es so weit kommt.

Vernissage übrigens unter http://kunstzwerg.net (Lehrplan Dezember .pdf) – Kunst ist im Verein am Schönsten heißt die Show. Zu sehen gibts Verboten 2 und ein winziges weiteres Kunstwerk, sowie viele andere Kunstwerke von vielen anderen KünstlerInnen.

Wort zum Montag

Nichts ist schön und es muss auch nichts schön sein. Die Welt darf hässlich sein und das Leben unangenehm.

Fundstück, datiert auf den 2. Oktober 2009.

Die Woche kann ja heiter werden ;-)