Wegwahlabsolution (by SoSo und Der Emil) #AnsKap

Irgendwie sind wir uns einig, dass Reisen das Gemüt erhellt, den Horizont erweitert, die Seele milde stimmt und einen die Welt schlag auf schlag mit ganz anderen Augen sehen lässt. R. Und ich. Wir spazieren nebeneinander her in Richtung seines Grundstücks. Dort könne ich das Zelt aufbauen. Es gibt einen Teich und eine Trinkwasserquelle.

R. hat mich ertappt, wie ich suchend die Wiesen hier an der Sülz – oder sagt man dem Sülz? – abgrase. Er kennt den Blick, weil er selbst oft genug gereist ist, suchend, nicht wusste, wohin. Wir haben sogar eine gemeinsame Reise: 2009 pilgerte R. den Jakobsweg zusammen mit seiner Hündin H.

Das Bad im Teich, mit dem ich abends für morgens noch geliebäugelt hatte, spare ich mir vorhin. Der Nebel, seine dumpfe Feuchte, hat Brrr-Faktor. Meiningen nur noch ein Steinwurf entfernt. Die Welt könnte heute lieblicher nicht sein. Aber sonniger.
Die erste Reisewoche ließ sich gut an. Nach einer kurzen, schnellen, hektischen Rhein-Main Durchquerung bin ich endlich angekommen in der Tour. Habe meinen Workflow gefunden, den Denk-, Schreib-, Fotografierrhythmus.

Im Blog ist ein neuer Redakteur als Archivar beigetreten. Herzlich willkommen, lieber Emil.

Er erteilte mir auch in diesem Artikel die Wegwahlabsolution (wortgeschöpft von Frau SoSo).
Es gibt da nämlich ein kleines Problem. Mein Versprechen, die Bildstandorte von 1995 aufzusuchen und zu fotografieren, kann ich nie und nimmer einhalten. Es hat sich zu viel verändert in den zwanzig Jahren. So bin ich bis auf eine kleine Spessart-Eskapade auf der B26 fast ausschließlich auf gut beschilderten Radwegen unterwegs, die es damals noch nicht gab.

Dennoch ist das Urkonzept der Kunststraße geblieben. Alle zehn Kilometer stoppe ich und mache ein Foto Richtung Reiseziel.

Freund QQlka erklärte es etwa so: der Mensch, unterwegs mit den Mitteln seiner Zeit und dem Wissen seiner Zeit, muss sich unweigerlich auch auf den Wegen seiner Zeit bewegen. Daran kommt niemand vorbei.

In einer winzigen Blog-Hütte am Rhön-Rennsteig-Radweg schreibe ich diese Zeilen. Die alte Kapschnitt-Route führt ein paar Kilometer südöstlich über eine Bundesstraße hinauf zur „Höhe des Gebirgs“. Was hab ich damals über den Verkehr geflucht. Doch der fließt nun ohnehin durch einen frisch gebauten Tunnel gen Erfurt.

iDogma Postkarten eins bis fünf #AnsKap

Die ersten fünf iDogma-Postkarten sind unterwegs. Am 20. Juni habe ich Nr. 1 versendet. Peu à peu folgen weitere.

Das Postkartenprojekt ist ein Projekt im Reiseprojekt ans Nordkap. Alle Karten werden individuell auf dem iPhone gestaltet und beschriftet und versendet. Erst der Versendedienst belichtet sie dann aus und verschickt sie an die gewünschte Adresse. 

Ich spiele ja gerne mit Gedanken an die Zukunft. Eine meiner Phantasien ist: Herr Irgendlink findet seinen Platz in der Kunstwelt und ein Kurstor/Kuratorin im imaginären Museum für Digitale Frühgeschichte trommelt in zig Jahren alle iDogmakarten # AnsKap zusammen für eine Ausstellung.

Eine Brotkrümelspur des Kartenversendens wäre das.

Hier Handyscreenshots der ersten fünf Karten. Wenn ich mal wieder Schnellnetz habe, sende ich die Originale an die Homebase.

   
       

Ihr seht, die Karten sind sehr unterschiedlich. Falls Ihr über den PayPal Knopf links eine bestellt habt, hebt sie gut auf und schützt sie vor Licht. Als Unikate mit individuellem Text werden sie vielleicht mal etwas Wert sein.

Tag 6 | #AnsKap. Die Strecke

Von kurz vor Gemünden ging die Reise ins Tal der Fränkischen Saale. Ähnlich wie 1995, nur statt auf Hauptstraßen auf Radwegen. Über Hammelburg und Bad Kissingen bin ich nun auf einer frisch gemähten Wiese in einer Saaleschleife oberhalb von Kleinbrach angekommen. Direkt am Fluss. Er murmelt. Hinterm Zelt etwa 100 Meter entfernt ist ein Wäldchen, aus dem – ich glaub das sind Rehe – so eine Art röhrendes Bellen kommt. Das ist unheimlich.

Ich kann kein Bild hochladen, da mein Datenpass schon wieder verzehrt ist. Stellt euch einfach einen Sonnenuntergang vor. Und zwei Flieger in neun Kilometern Höhe, die parallel fliegen und dazwischen schimmert scharfkantig die Mondsichel. Garniert wird das Ganze von Zelt und Fahrrad et moi mème.

Ich wünsche euch ein erholsames Wochenende.

Grenzen – Tag fünf #AnsKap

Dieser verflixte Spessart. Ich erinnere mich. In dieser Gegend ist die Erde eine Scheibe, die schief hängt.
Ungünstiger Weise in eine Richtung, dass ich mit dem fünfzig Kilo schweren Radel bergauf kurbeln muss. Hinter mir Wolken, die mit jedem Umdrehen, jedem argwöhnischen Beobachten dunkler werden, regenschwerer, sich irgendwann unweigerlich ausschütten werden.

Schaffe ich es noch vor dem Regen über den Spessart? Wie hoch ist der – zugegeben milde Pass, der über die B26 nach Lohr am Main führt?

Sie graben einen Tunnel durch den Seekopf. So heißt offenbar der Berg. So heißt auch der Tunnel. Überall Baustelle. Schmutz, Laster, Schlaglöcher.

In Hain ist das eine Ende. Das Spessarttor, prang ein Schriftzug auf einem Schild.

Hain ist auch der Ort, ab dem ich die B26 nehme, statt mich mit den miserablen Radwegbeschilderungen rumzuärgern. Stetig im zweiten Gang geht es bergan. Nichtendenwollend. Mit den Augen versuche ich die Passhöhe herbeizuzerren.

Hinter jeder Kurve muss es doch endlich mal wieder bergab gehen.

Kolonnenweise überholen mich Autos und LKW. Dieselrußgestank,Lärm, zum Glück ist die Straße breit, sonst müsste ich auch noch das Wörtchen Gefahr zu der Wortsumme addieren.

Wäre ich bloß am Main geblieben. Hätte ich bloß öfter auf Twitter geschaut, von wo Alternativen zu meiner Wegstrecke gezwitschert wurden. Hätte Hätte Fahrradkette.

Endlich oben, setzt der Regen ein. Mit vierzig Sachen abwärts. Kilometerweit. Ein guter Fahrradfahrregen.Die Scheibenwischer der Autos stehen auf Intervall. Die Frontroller am Radel weisen das Wasser ab.

In Lohr bin ich dann doch ziemlich nass. Kaufe bei Aldi ein, ziehe endlich die Regenjacke an und die Gamaschen. Fauler Radler, nasser Radler.

Nun zelte ich auf einem – vermutlich – Privatgrundstück.Schön gemähte Wiese. Topfeben. Ein bunter Bauwagen steht hier und eine riesige Lagerfeuerstelle ist in der Mitte des Geländes. War nicht abgesperrt. Kein Schild. Dankeee liebe Leute.

Im Engen Tal ist es unheimlich laut. Die Landstraße ist gerade mal achtzig Meter entfernt. Der Main zwanzig. Eine Bahnlinie schneidet im Stundentakt gar elende, langanhaltende Güterverkehrsarien. Flugzeuge, oben, irgendwo. Ich bin heute definitiv an meine Grenzen gekommen. Wenn ich mehrere Tage bei diesen Temperaturen – in Lohr zeigte ein Thermometer zwölf Grad – und dem Wetter radeln muss, und zelten, werde ich die Tour nicht überstehen.

Mir graut vor Lappland, wo das so sein wird.

Zudem muss ich mit meinen Ressourcen jonglieren. Schließlich ist dies keine eitel Radeltour, die ich nur so zum Spaß mache. Es ist eine digitale Expedition.

Ich muss meine Zeit gut aufteilen. Muss radeln, um voranzukommen, schätzungsweise sechs bis acht Stunden am Tag. Radeln und denken geht ganz gut gleichzeitig, aber das Gedachte will ja auch in Tweets und Blogeinträge verwandelt werden. Die schreiben sich ja nicht von alleine. Wahrscheinlich gibt es eine Umrechnungsformel für Blogeinträge in Radel- und Erlebenszeit. Vielleicht dreißig Kilometer Radeln entspricht einem Blogeintrag? Also wenn ich blogge, komme ich dreißig Kilometer weniger voran.

Leider hat das Geld nicht gereicht, um eine Crew anzuheuern für die digitale Expedition. Dann gäbe es einen Schiffskoch, der mir ein Abendessen zubereitet hätte, während ich diese Zeilen schreibe. Ein anderes Expeditionsmitglied würde ein Fahrrad steuern, das einzig Energie via Nabendynamo produziert, um die gesamte Wegstrecke live ins Internet zu übertragen.

Der gläserne Künstler sozusagen.

Mit Freund QQlka, der ja 1995 mit dabei war auf der Kapschnitt-Radtour, diskutierte ich gestern darüber. Man könnte so viel mehr aus der Sache machen, wenn man im Team arbeiten würde. Die Liebe SoSo zum Beispiel macht in ihrer knappen Freizeit die Homebase, kommuniziert für mich, redigiert sanft die Beiträge, die unter ebärmlichen Umständen im Schneidersitz im Zelt bei Stirnlampenlicht auf einer Bluetoothtastatur von Natur aus voller Tippefehler sind.

Einen Konzern könnte man aus der Sache bauen, wenn man nur einen guten Schreiber und Erleber losschicken würde, Erlebnisse von unterwegs zu digitalisieren.

Hätte hätte Fahrradkette.

Keine Sorge. Der Artikel mag etwas deprimiert klingen. Ist aber nicht so. Zwölf Uhr nachts. Bisschen Anstrengungskopfweh. Noch nichts gegessen.

Ein Kopfkissen wäre jetzt toll. 

 

Ist dieser Tunnel das Spessarttor? Hain    .

Die ersten drei Reisetage #AnsKap in Fotos

Aus Freund QQlkas Schnellnetz heute ein paar Bilder der ersten Reisetage.

Es regnet ohnehin und ich verlasse Mainz erst wenn der Letzte Tropfen gefallen, die letzte Wolke verweht …


Tunnel auf dem Glan-Blies-Radweg

      

Josephs Kastanie (siehe Artikel The Omelette Situation)

Readymade

    

Dieses Bild ist fälschlich in die Serie gerutscht. Am Glan-Blies-Radweg. Ich lass das trotzdem.

Meisenheim am Bahnhof, der yin-yangisch im Kontrast zur herausgeputzten Altstadt steht.

Nahestausee bei Niederhausen.

Delta Bravo Kunstwerk von Hundefänger K. R. D.  Auf dem Kauzenberg in Bad Kreuznach.

Kautzenburg.

Kreiznacher Gässje.

Bei Bretzenheim/Nahe.

Rhein-Nahe-Eck in Bingen. Man beachte die Germania oben links winzig.

Kunststraßenkilometer 150.  so sehen die Streckenfotos im Abstand von 10 km aus. Bis werden es fast 400.

Der Rhein. Endlich.

Ich möchte wetten, dass die Kunstwerke bei der Rheinfähre Ingelheim-Oestrich-Winkel von Walter Schembs sind. Hab in der Hitze vergessen nachzuschauen.

Container falsch aufgesetzt :-) beim in Gentrifizierung befindlichen Mainzer Hafen.