Die Sexsucht

Jeden Tag ein bisschen denke ich über die Jeden Tag ein bisschen Methode nach. Das ist prozessorenhaftes Handeln. Eins werden mit den Fragmenten des Lebens. Ein kluger Buddha hat einmal gesagt (sinngemäß): „Wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich schlafe, dann schlafe ich, wenn ich arbeite, dann arbeite ich.“

Essen, schlafen und arbeiten sind Prozesse, die nicht von anderen Prozessen gestört werden sollten. Einem Computer tut es nicht gut, wenn er während der Bildbearbeitung einen Teil seiner Kraft dafür benötigt, CDs abzuspielen oder etwas aus dem Netz zu laden. Im Gegensatz zum Menschen schadet es ihm aber auch nicht.

Wenn man beim Kochen ans Essen denkt und beim Essen ans Abspülen – nur zum Beispiel – verbraucht man Energie – wenn man beim Lernen an die Prüfung denkt, beim Autofahren an den womöglich nicht vorhandenen Parkplatz in der Innenstadt, beim Flug in den Urlaub an das Surprise-Hotel …

Eigentlich wollte ich diesen Artikel ja mit den Worten „Die Sexsucht …“ beginnen, aber der Prozess Sexsucht wurde mit kill beendet.

Verboten!

Verboten!

Verboten (etwas größer in der Europenner-Galerie). Hier das strenge Nur-Autos-Blatt. Original 1 x 1 Meter. Ideal für die zugeparkte Garage. In der Serie finden sich etwa 200 skurrile Restriktionen. Es ist übrigens verboten, die Bilder zu kopieren und zu vervielfältigen. Aber für 110 Euro gibt’s ’nen Abzug per Post. Auf Wunsch auch kleiner als 1 x 1 Meter.

Eine Luftblase der Liebe um uns

Umringt von Paparazzis auf der Südterrasse. Wir tranken Kaffee, das Diktiergerät lief mit. Wir schwadronierten über das Wetter und immer wieder über die Kunst und warum ich dies und das einst so und so gemacht habe. Am ehrlichsten wäre wohl die Antwort: „Ich hatte Lust.“ Aber Lust, meine Güte, das ist doch keine Begründung für Handeln. Also versuchte ich aus den letzten Windungen meines Hirnes einige Argumente zu kramen, wieso ich wann auf welche Idee gekommen bin und welches Kunstwerk dabei entstanden ist. Alles was man aus Lust tut, lässt sich mit ein bisschen Phantasie auch normalen Menschen erklären, die ohne logische Erklärung fürs Handeln nicht verstehen. Pressetermine sind anstrengend. Man will vorbereitet sein.

Du musst die Bude putzen. Himmelnocheins, was für ein Dreckloch. Überall lagen Zettel und einige schmutzige Tassen waren kreuz und quer in der Wohnung verteilt. Vor der Tür zwei prall gefüllte gelbe Säcke, ein leerer Bierkasten – wie erkläre ich es meinem Interviewer. Die Journalisten hatten sich für 14:30 angekündigt, standen um 13:45 vor der Tür. Gute Miene zum bösen Spiel. Schnell warf ich eine Wolldecke über die befleckte Couch, aber auch die Wolldecke hatte Flecken. In einer Nacht- und Nebelaktion hatte ich die Spinnweben vom Fenster gekehrt. Soweit also alles okay.

Außerdem, lieber Irgendlink, hast du dir doch vor einigen Wochen versprochen, dich selbst leiden zu können. „Nur, wer sich selbst leiden kann,“ hast du in jener Vollmondnacht geheult, „den können auch andere leiden.“ Das ist die konsequente Umsetzung des Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert Prinzips.

Nicht der DJ is in the House, sondern die Presse. Egal. Love is in the Air. Mit Feinstaubfiltern versuche ich all die Liebe in meiner Luft herauszufiltern, sie in Dosen zu füllen, aufzubewahren für schlechte Zeiten. Die Liebe ist ein Stoff, der dieser Tage sicher unter restriktiven Umweltgesetzen als Sondermüll eingestuft wird. Paragraf 23 Umweltverordnung. Liebe nur noch mit Plakette in der grünen Umweltzone. Das einsame Gehöft ist zum Glück noch nicht Teil einer solchen Zone. Deshalb ist hier auch noch echte, schmutzige Liebe in der Luft.

Der Hass auf sich selbst manifestiert sich gemeinhin in Kleinigkeiten, die einem von der Außenwelt diktiert werden: Rasier‘ dich, schneid‘ dir die Haare, wasch‘ dich, zieh‘ dich sauber an, lass‘ keine Kaffeetassen überall rumstehen. Deine Schuhe sollen nicht knarzen oder quietschen. Dein Lachen ist zu laut. Kürzlich ist mir das mit dem lauten Lachen übrigens passiert, vielmehr war es die gute P., die im Kino laut lachte oder quatschte und mir war das so lange peinlich, bis mir klar wurde, dass wir eigentlich tun und lassen können, was wir wollen. Das Lachen ansich ist gut. Nur der Mensch, der es hört und sich daran stört, der ist böse. Tun und lassen also, was wir wollen, weil wir unseren Eintritt bezahlt hatten, weil uns niemand kannte in der fremden, großen Stadt, weil der Film, Darjeeling Limited, ein wahres Meisterwerk ist, weil sich sowieso niemand daran störte, weil andere auch laut lachten oder quatschten oder Chips knusperten. Eine Luftblase der Liebe um uns. Dazu dieses wunderbare Geflimmere.

Ich schweife ab.

Wisst Ihr eigentlich, warum ich dies hier schreibe?

Weil ich so etwas zu lesen gerade nicht im Netz finden konnte. Also Leute, kniet Euch rein. Oder sagt mir Links zu merkwürdigen Schreibern.

Irgendlink kann jetzt alles.

Heute war dicke Post von Amazon im Briefkasten. Blogkollege Journalist F. hatte an meinen Geburtstag gedacht und eigens in der fernen Schweiz ein handgefertigtes, auf die Bedürfnisse des Allrounders zugeschnittenes Supermesser anfertigen lassen.

Voller Hast riss ich das Paket auf und schmeichelte sofort meine Hände mit dem Wundergerät. Obwohl es nur etwa 6 mal 3 mal 2 cm groß ist, vereint es eine Unzahl von Werkzeugen im kugelsicheren Gehäuse aus Spezial-Titan-Legierung. Sofort fällt die kleine Zange auf, welche Herrn Irgendlink in den Stand eines Zahnarztes erhebt. Dicht gefolgt von einer Miniknochensäge, mit welcher Hirnchirurg Prof. Dr. Irgendlink in der Lage ist, Schädeldecken aufzusägen und mit der mitgelieferten Pinzette sowie der Ahle und dem skalpellähnlichen kleinen Messer komplizierte Hirnoperationen vorzunehmen. Natürlich birgt das handliche Gerät auch einen Tupfer, einen Seifenspender und eine OP-Schwester. Mehr noch, es enthält einen Rasierapparat, welcher durch die Solarzellen im Griff mit Strom versorgt wird, sowie einen 5 Gigabyte USB-Stick, einen Präzissionslaser und ein Mini-Elektronenrastermikroskop.

Der integrierte aufblasbare Weltraumanzug ist prädestiniert für Weltraumspaziergänge außerhalb der ISS, ganz klar, dass Ingenieur Irgendlink nun auch Weltraumforscher ist. Im Päckchen lag nämlich ein Jobangebot der Russen für den nächsten Start ab Baikonur. Apropos russisch: natürlich ist ein Universlübersetzer eingebaut, ähnlich wie die, die man aus Star Trek kennt.

Optional gibt es für diejenigen, die lieber auf der Erde bleiben, statt Weltraumanzug und Präzissionslaser Gummiepuppe Uschi und den 5kW starken Hochleistungsvibrator Brutus.

Da wohl keiner meiner Leser eine Weltraumstation hat, bleibt mir an dieser Stelle nur, Euch Hirnoperationen, Zahnbehandlungen oder türkische Rasuren anzubieten. Na, wer wagts?

Hass ist in der Welt

Wenn man wissen will, wieviel Love in the Air ist, muss man die Anzahl der Liebe in der eigenen Luft mit der Menge der Luft auf diesem Planeten multiplizieren.

Wenn man wissen will, wieviele DJs are in the House, muss man die Anzahl der DJs im eigenen Haus, mit der Anzahl der Häuser auf der Erde multiplizieren.

Wenn man wissen will, wieviel Hass in der Welt ist, muss man die Menge des Hasses, den man sich selbst gegenüber hegt, mit der Weltbevölkerung multiplizieren.

Die Ergebnisse sind jedoch statistisch nicht haltbar. Vermutlich ist mehr Hass in der Welt, als Liebe in der Luft