Nun brummt mir doch ein bisschen der Schädel, in dem sich gerade alles befindet. ALLES. Gleichzeitig und sooo groß, dass es sich nicht einmal eben in zwei drei Worten oder Absätzen abhandeln und niederschreiben lässt.
Die Zeit ist reif, die Alltagstexte, wie ich sie zu Beginn der 2000er Jahre ins Blog stellte, neu zu „erfinden“. Freies Schreiben, ohne auf eine Struktur achten zu müssen oder sich auf ein Thema festzulegen. Wie das etwa bei journalistischer Arbeit oder bei Zwecktexten von Nöten wäre. In die Alltagstexte darf ALLES rein. Sie werden auch in der Regel nicht offen gestellt, sondern dienen als private Quelle für später einmal. Also für archivierungswillige Fremde, wenn der Künstler, moi même, längst gegangen ist. Träum weiter, Herr Irgendlink, Du hast doch selbst schon durchschimmern lassen, dass nach deinem Ableben nur noch eins kommt: Der Müllcontainer und seine Zwillingsschwester, die Löschtaste.
Zack. Finito. Ende. Aus.
Die letzten Tage habe ich eine Leiche wieder aufleben lassen: Mein Profil bei Steady, das es mir ermöglicht, einen Newsletter aufzubauen. Geschuldet ist die Mühe den beiden Mail-Eskapaden in diesem Jahr, in denen ich mit dem privaten Adressbuch alle meine Kontakte anschrieb, um sie auf die Ausstellung bei Becks aufmerksam zu machen und mein offenes Atelier. Die Resonanz war nicht gut. Das Mailing eine Qual und verwirrend. Schon überlegte ich, einfach alle Mailadressen bei Steady einzupflegen, ganz ohne die Erlaubnis einzuholen. Tu‘ das nicht, Monsieur Irgendlink! Du würdest es zwar anderen verzeihen, wenn sie das mit deiner Mailadresse tun, aber wer weiß, wer weiß und es soll ja sauber und lupenrein zugehen.
Ich habe gerade beschlossen, diesen Alltagstext im Blog als öffentlich zu markieren. Wenn Du bis hier gelesen hast und zu denen gehörst, die ich per Mail über Kunst- oder Reiseprojekte benachrichtigen darf, tu Dir keinen Zwang an, Dich kostenlos bei meinem geplanten Newsletter auf Steady zu registrieren. Die Anmeldemaske kommt ganz unten, damit sie den Lesefluss nicht stört.
Denn, ich möchte wie die letzten 25 Jahre schon grundsätzlich Euch allen alle (blogreifen) Beiträge kostenlos zur Verfügung stellen. Das ist mein Ende des Taus der Bedingungslosigkeit. Am anderen Ende stehst Du. Und es steht Dir alles offen. Inklusive – jaja, das müsste ich nicht schreiben, aber – inklusive, meine Beiträge und Gedanken gar nicht zu lesen.
Das letzte Wochenende habe ich hart am Steady-Profil gearbeitet und auch einige technische Probleme an meinem Server gelöst. Ich sag‘ nur #php2shell und andere Vulnerabilitäten. Schwamm drüber. Gestern resümierte ich, dass ich wirklich etliche, wahrscheinlich sogar zig Stunden schuftete, ohne auch nur einen Funken Kunst zu schlagen. Einfach nur Verwaltungs- und Problemlösungszeug. Was mich frustrierte. Überhaupt nix dabei verdient! Denkt mein innerer Neoliberalist. Ich brachte ihn sonntags zum Schweigen. Denn mir wurde klar, wie sehr wenig es mir darauf ankommt, etwas zu verdienen, so lange ich irgendwie über die Runden komme. Somit: alles bestens. Gern geschehen.
Was bleibt ist die Zukunftssorge, die mich immer dann überkommt, wenn ich die jährlich exorbitant gering lautende Renteninformation erhalte: Das sieht verdammt nach einem Weg in die Altersarmut aus. Was also tun? Mich mit Armut abfinden ist sicher schon mal eine gute Lösung. Man sollte sich seinem (übermächtigen) Schicksal nicht sinnlos und kräfteaufreibend entgegen stemmen, nur, um am Ende doch nichts zu erreichen. Das sage ich mir selbst. Nur mir. Beziehe das nicht auf Dich.
Es mag paradox klingen, aber die Altersarmut, sie macht mir zwar Sorge, aber ich kann sie auch akzeptieren. Sie ist der Preis, den ich für mein jahrzehnte langes Freischaffenden-Dasein zahle. Gern geschehen.
Aber eben, warum nicht jetzt noch ein paar Weichen stellen? So stelle ich mir, die-Hoffnung-stirbt-zuletzesk vor, dass ich nur meine bisher ungenutzten Erzeugnisse – die viel zu wenige Menschen kaufen wollen, die ich aber mit Herzblut schuf und die ich selbst sehr mag – in den Mittelpunkt rücken sollte. Und nebenbei auf dem Fundament dieses Rohmaterials eine Community aufbaue und voià, am Ende, dann, wenn ich aus der Hilflosigkeit, die vielleicht kommt mit letzter Kraft den Finger hebe und rufe, ich bin hier, vergesst mich nicht (um es mit Troy McClure zu parodieren: Ihr kennt mich aus Filmen wie „UmsMeer“, „AnsKap“ und „Gibrantiago“). Dann sind viele von Euch da und es sind viele Fremde dazu gekommen.
Träum weiter, Kunstbübchen. Da ist die Löschtaste und dort der Container.
Jaja und im Anblick dieser Zukunftsperspektive hat mein ganzes Schaffen schon etwas Versöhnliches, fange ich an, mich sebst zu mögen (was ich hin und wieder ganz und gar nicht tue und was ganz schön destruktiv ist).
Was erwartet Dich, wenn Du mitkommst? Natürlich werde ich wieder radreisen und live von unterwegs bloggen. Ich werde filmen, Fotos machen, Kunstwerke im Smartphone gestalten, Texte wie diesen schreiben und bessere, kürzere. Nimm Platz auf dem Gepäckträger.
Zudem, die Idee kam gestern während der Archivarbeit, werde ich abgeschlossene Projekte im Steady-Portal zeigen – vor allem in den Phasen, in denen ich nicht radreisen kann. Etwas mit Film- und Tonbeträgen schwebt mir vor. Es wird sich entwickeln.
Der geplante Newsletter kommt etwa einmal im Monat. Während aktueller Projekte wie Live-Blogreisen und Ausstellungen unregelmäßig auch zwischendurch.
Im Ersten Newsletter werde ich im November 2026 mein mittlerweile archiviertes Paminablog aus dem Jahr 2018 vertonen.
Sodele, genug geredet. Danke fürs Lesen bis hierher. Da Steady und dieses Blog miteinander verknüpft sind, empfehle ich, Dich bei Steady kostenlos zu registrieren, denn dort werde ich künftig die Liveblogs und die Archivprojekte präsentieren.
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Böse, und doch gut: „Der Müllcontainer und seine Zwillingsschwester, die Löschtaste.”
Vor allem viel zu oft realistisch. Nun, es bleibt uns ja jetzt die Sicherheit, daß unsere Texte alsTrainingsdaten dien(t)en für etwas, das zwar intelligent genannt, aber wohl die, nein eine der größten Dummheiten des Informationszeitalters sein wird. Und vielleicht werden die von mir jetzt zitierten Worte irgendwann ein #Meme, das in sogenannten Antworten der AI immer wieder auftaucht?
Was wären wir ohne unsere Träume!
Bin dabei.