Den Brennnesseln zu Leibe rücken

Mit der Sense, die so stumpf ist, dass man sie getrost Kindern zum Der-Tod-spielen geben könnte, rücke ich den Brennnesseln zu Leibe. Friedlich stehen sie am Zaun und sie stören eigentlich nicht. Sie nehmen keiner meiner Nutzpflanzen Licht, Stickstoff oder andere Nähestoffe und da sie längst verblüht sind, konkurrieren sie auch nicht um Bienenbesuch mit dem spätblühenden Apfelbaum. Sie müssen eigentlich nur sterben, weil das Bild von der Welt, das ich mir mache einen Zaun vorsieht quasi mit Kurzhaarfrisur, schön gerade, geradezu einschneidend gerade. Einen Großteil seiner Lebenszeit verbringt der Mensch damit, der Natur nicht ihren Lauf zu lassen. Nicht immer artet das in Rasentrimmexzesse aus.
Ich muss das Vorwort zu Schon wieder ein Jakobsweg (als eBook und gedruckt bestellbar) neu bedenken. Dort heißt es in etwa:

Wenn du einen verwilderten Garten dein eigen nennst, und dir insgeheim vorstellst, wie er gepflegt aussieht, ist es dann nicht an der Zeit, ihm mit Hacke und Spaten zu Leibe zu rücken …

Ich kriege das aus dem Gedächtnis nicht mehr so genau hin. Es ist seit dem Brennnesselmassaker vorhin ohnehin obsolet. Besser müsste es heißen:

Finde heraus, ob die Welt, wie du sie dir vorstellst, viel zu kleingeistig gedacht ist und wachse mit jedem Widerspruch, den du in dir entlarvst.

4 Gedanken zu „Den Brennnesseln zu Leibe rücken“

  1. Schmetterlinge – schön!
    Brennnessel = Futterpflanze für c a. 50 Schmetterligsarten im Raupenstadium.
    Brennnessel – schön! :-)

    Ergo, wenn Brennnessel nicht in unbedingter Hand- oder nackter Wadennähe steht, einfach wachsen lassen und auf Biogarten und Schmetterlingsschutz verweisen. :-)

    Liebe Grüße, Szintilla

  2. ist widerspruch eher wie unkraut oder eher wie gemüse? brauchen wir ihn sogar, um über die eigene kleingeistigkeit hinauszuwachsen?
    vielleicht.
    ich mag jedenfalls lieber wilde gärten …
    :-)

    ein feiner text, danke!!!

  3. Herrlich, Deine blogosophischen Miniaturen.
    Am eigenen Leben entlang geschrieben.
    Zum Thema nur soviel:
    Gartenarbeit ist Arbeit die man nicht MUSS, sondern WILL.
    Prüfe also vor jedem Tatendrang Deinen Willen:
    Geh‘ in Dich und enträtsele Deine Wünsche und Vorstellungen von einem Garten.
    Gruß, Uwe

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